Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2816 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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V&PeBf UjVHlwTSwg m. SHkEk ML. i : . sas wirken vorbeugend Und lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen SoOtaiK - Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren* Preis S 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, f. Stephansplatz. Die deutsche Wissenschaft in Kairo. ~-y, Wien, 30. Dezember 1926 Wie sich doch Sie Kultur verbrettet, wenn sie aus den isd anrigtu des Hasses fliegt! .Mohammed Abdallah Enar: >?at m Berlin studiert. Er ist jetzt nach, Kairo zurückge lehrt und beglückt seine arabischen Brüder mit einem: Buch „Uebcr die Geschichte der Geheimverbände und der destruktiven Beroegungen". 288 -Zeiten ist. dieses Buch stark und atmet in jeder Zeile den. Geist der Weisen von Zion. Die Geheimverbände sind natürlich die Juden, die sämtliche Revolutionen hervorgernfen haben, weil sie ist ihrem, religiösen Rachegefühl den Islam ryrd das Christentum zu zertrümmern streben. Was in deutschen Gauen ein braver Hakenkreuzler in seinen Büchern und Flugschriftm zu lesen bekontmt, was die Presse des Hilgenberg-Konzerns in die Schädel prägt idb was eine Unzahl von Bündert und Verbünden zum täglichen Brot des deutschen Mannes macht, das setzt Mohmnmed 2lbdalkch Enarr in konzentrierter Form allen seinen Volksgenossen vor, die in der schivarzen Kunst des Lesens Bescheid wissen. Das sind die arabischen Jrrtellektuellerk. Sie sind innerhalb ihrer Rasse eine zivar dünne, aber doch sehr einflußreiche Schichte. Das ist ein sehr wichtiger Umstand und da'lvir Juden nach einem fteündfchaftt'ichen, an alte Ueberliesr-' rungen anbrüpfenden' Verhältnis zu dem arabischen Brudervolk streben, so kann eS unZ sicherlich nicht gleichgültig bleiben, mit rv-lrhen Areeilc-rr und BomrÄNstit hcz g^Meta Araber an das jüdische Problem herantriit. Jeder tculrurmensch hat, wie Anatole Frauen bemerit, ziuei Vaterländer: sein eigensä und Paris. Der Kulturmensch wird.tzmr dem Judenfresser übertroffen, der gleich drei Vaterländer Mlr: -das Land seiner Geburt, die geistige Heimat in Deutschland und die finanzielle in Amerika. Es ist rnöglich, daß es rwch ein viertes gibt,, das organisatorische Vaterland, aber dessen Lage konnte bisher nicht mit Sicherheit bestimmt loerden. Was aber außer Zweifel steht, ist, daß der wissenschaftliche Anstrich des! Pogromismus in Deutschland besorgt wird und in der! Pinselführung den Geist cmstveist, an bm die Zseft genesen wird, und daß das Geld aus den. Mitteln herrüMdie Henry Ford, aus der Tätigkeit feiner. Ärö-itsskiMen Zicht. Diese Gelder hätten an sich, rvenig Wirümg, nr-rrrr sie nicht durch die deutsche Gründlichkeit ergänzt würden. Tausende Gehirne mühen sich täglich, den Spuren jüdischen Giftes aus dem Gebiet von den Eskimos bis zu den Patagonieru nachzugehen und sie geordnet, in öiblio-- thekarisch brauchbaren Katalogen zu verarbeiten. Es gibt nichts im jüdischen Leben, was nicht der geschulte Blick der rassenmäßig geschilisfenen Brille eräugen würde, und es gibt schlechterdings gar nichts, was nicht gegen die Juden gerichtet werden würde. Und es gibt nichts, was nicht , die zahlreichere auslärrdischen und überseeischen Studenten in sich ausnehmen würden, die in grenzenloser und kritikloser Hochachtung vor der deutschen Wissenschaft erzogen worden sind. Japanische, indische, koreanische und, wie uns Mohammed Abdallah zeigt, ägyptische Menschen trinken an dem Born und tragen dann die Seuche in ihre Heimat. Aus Deutschland ist das Hakenkreuz nach Rumänien und nach Polen und nach Rußland gewandert und es hat überall die gleichen Wirkungen. Es ist die Botschaft des Hasses. Die geistige Mitarbett der Juden, die aus dem jüdischen Wissen kaum p streichen wäre, hat sich auf dem Wege der Annexion verflüchtigt. Sie wird rächt erwähnt. Der Fremde erfährt nicht, daß die R<ü»iotelephonie auf den Juden Wilhelm Hertz, das Telephon auf den Juden Philipp Reis, das Flugzeug auf den Juden Lilienthäl, der Zeppelin auf den Juden David Schtvarz, das Automobil auf den Juden Markus zurückgehen. Er weiß nichts von dem Philosophen Moses Mendelssohn oder dem Kantkritiker Maimon, nichts von der jüdischen Forschung in der Heilkunde und in der Rechtswissenschaft. Er wird nur auf die Protokolle der Weifen von Zwn hingewiesen. Die jüdische Welt vernachlässigt diese Gefahr irr geradezu sträflicher Sorglosigkeit. Sie duldet es — und diese Duldung ist ein Verbrechen —, daß die Vergiftung immer weiter rrm sich greift und daß sie sich heute schon auf Gebieten geltend macht, die für immun angesehen rvurden. Von Deutschland mis strahlt die Hetze heute nach dem Orient aus. Hier im Lande sehen wir eine große und mächtige Volkspartei, die sozialdemokratische, täglich ihren Obolus aal den Rasseninstinkt bezahlen, den sie verspottet, aber doch im Herzerr verehrt. Aus Kairo hört man, daß auch das Arabertunr in den Kreis gezogen wird. Eine jüdische, aktive Gegenbewvgung, die nicht abwehrt, sonderrr angreift und die Apostel des Hasses in ihrer Minderwertigkeit enthüllt, fehlt. 2lber sie ruuß geschaffen werden. Sie muß die Pranger des Hasses aus ihren Schlupfwinkeln aufstöbern, die Heimlicher!, die nicht ans Licht treten, aber für ihr? dunkeln Zwecke den Judenurord als den Beginn neuen Unheils propagieren. Zabotinflys politisches Referat. r« Verhältnis „ England und m nichtiüdischen Welt — Sie moralische Sffenlwe de« gioalimn«. Wir haben bereits gestern Wer M ErSffnuimZ- Muna der Pariser Konferenz der Zionisten-Re- «vrsiomsten berichtet, in welcher Wladunir Jabo- 'ünffy sein mehrstündiges Referat über die politische »Lage des Zionismus erstattet hat. Er beschäftigt? sich mit der Kritik der Krise, deren Ursache er in dem Mangel einer kolonisatorischen Planwirtschaft erblickt, entwickelte sodann die politischen und wirtschaftlichen Forderungen des Revisionismus nach einer dem Ztveck des Mandates entsprechenden Handels- und Zollpolitik, nach Bodenveserve und Aufstellung von Sicherheitsformationen und ging sann cmf die von ihm bereits .in der „Wiener Morgenzeitung" verlangte politische Offensive des Zionismus über. Er zeichnete hiebei in fesselnder Darstellung das Verhältnis des revisionistischen Zionismus zur englischen Mandatarmacht urtb zur nichtjüdischen Welt überhaupt. Wir lassen hier diese AussühruNgeu Jabo- ' . tinftys (mit denen er seine Rede schloß) folgen:! Dw erste Borcrussetzung jedes Erfolges, die erste und .dringendste AHgMe, die der zionistischen Bewegurlg auferlegt wird, ist immer die pMtifche Arbeit, die große moralische Dffenftoc seitens «des ganzen jüdischen Volkes, rrm eine radikale Refornt des palästinensischen Regimes zu erlange". Die einzig? Waffe dieser „Offensive" ist dl? Ueberrednug. Diejenigen, die den Revisionismus nur unvollständig kennen, ebenso tviediejenigen, die ihn lächerlich machen wollen, besonders aber diejenigen, die ihn bei der Mandatavmacht diMteditieren wollen, behaupten, Überzeugt zu sein, daß wir die Absicht haben, England zu zwingen". Was wir uns jedoch in Wirklichkeit zur Aufgabe gemacht haben, ist die öffentliche Meinung Englands und der zivilisierten Welt davon zu überzeugen, daß unser Verlangen wohlbegvündst ist. Denn wir glauben an die unwiderstehliche Awachl einer gerechten Sache, wir glauben unerschütterlich, daß eine große Wahrheit, die vor der zwilisierton Welt Pvoklamiert und mit Kraft, Mut und Würde verteidigt wird, immer triumphieren muß. Mer vor der gesamten Welt, vor der öffentlichen Mermmg, muß man fie proklamieren und verteidigen. Es genügt nicht, Wünsche und Beschwerden in sogenannten 'diplo- . matischern BerhandLungen den regierenden Machten zu nnterbreiten. Man sagt uns oft in zionistischen Kreisen: „Ist o«xm»a»ooooqtxx^ Am bossen sind doch die NOTE M1-» KtlsprsfraSs 123 WIEN ft, AtserstriSs Nr. S denn die Leitung der zionistischen Ovganisatvou nicht in direkter Berbinidung mit den Leitern der paläsirrrensiHen Bevwa-ltung und mit den Führern d«r.'gesamteu e n g l i s ch e n P ok i t i k? Präsentiert sie ihnen nicht unsere ForÄevurvgelr? Vielleicht zwar weniger radikal als die Ihren, aber doch zionistische Forderungen. Und Sie sehen doch, daß selbst unsere gemäßigten For- -derungen beinahe immer abgewiesen werden. Wie können Sie hoffen, Erfolg zu haben, wo unsere heutigen Führer ohne Erfolg geblieben find." Darauf antworten wir: Sie haben keinen Erfolg gehabt und werden niemals einen haben, denn bfe politischen Methoden, deren sie sich bedienen, die der diplomatischen Unterredungen Mischen Chef rmd Chef, diese Methode ist feit mehr als einem halben Jahrhundert abgestorben. Sie war gut zur Zeit der Stadlanim. Ich spreche dieses Wort mit allem Respekt mä, der der Erinnerung cm die Verteidiger einer vergangenen jüdischen Generation gebührt, zur Zeit, als .der Jude Opperrheim, aLs es sich darum haudchte die jüdische Gemeinde Wiens vor einenc Ausweffungsdetret zu bewahren, mit dem kaiserlichen Kanzler Kaunitz von Monn zu Mann verhandelte. Denn damals rvar Kaunitz die Regierung, beinahe der Staat. Kaunitz verkörperte mit einer kleinen Gruppe anderer ihm ähnlicher Würdenträger sMst hie gesamte > staatliche Macht. Kaunitz hatte weder mit einen: Parlament, noch mit einer Presto, noch mit einer öfsontlichen Meinung M rechnen. Aber heute rm 20. Jahrhundert, im konstitutionellsten Lande der Mlt sind die Tete-a-tetes zwischen Führern, wenn es sich uni einen Wechsel des Systems handeltnichts a l s Z e i t v >e r l u st. Heute und besonders in England gibt es keinen Kaunitz. Ich wleiiß ans e ig eucr Crsahrung, daß ein englischer Minister einem ln alter Aufrichtigkeit sagt: „Was mich cmbelangt, so stimme ich mit Ihre» Wünschen überein. Aster wie Nanu ich sie erfüllen?-Im Parlanionl, in der.Presse, in den politischen Bewinigungm würde rciemand diese Maßnahmen vevshchen; die öffentliche Meinung ist dararff ntcht vorbereitet. Denr? in England siu-d nicht wir Minister, die die „vregiemng" rvpräjerrtieren;'wir sind .rcichts als ein Reflex des $efaii,i[-vfeu* zustandeS, den man Sfsoutliche Mlnnns, .mmul. Es ist die öffentliche Meinung, die -in WitM-chkeit regiert." In nuferer Mt und bosonders in England nmh eine politische Forderung, die Probleme von großer Tragweite enthält, an die öffentliche Meinung, an die breiten Massen gestellt tverden. Sie mutz sich Anhänger schaffen in den verschiedensten s o z i a l e n S ch i ch t e n, sie muß diskutiert werden in der freundlichen rrnb feindlichen Presse, sie muß ihr Bürgerrecht evkäurpsLn irr dom Kollektivbewutztsein. Die Bcrhaudlimg mit dem Minister ist nur der letzte Akt der „Offensive". Und das ist rttcht -der einzige Unterschied rn den beiderr Methoden. In unserer Zeit ruuß eine politische Forderung von großer Tragiweite nicht nur au eine Maste gerichtet werden, sondern auch von einer Maste gestellt werden. Marr gibt uns uranchmal den Rat, weise und artig zu sein; aber auch di.'ese Art Weisheit ist seit 50 Jahrerr begraben. „Seid ruhig, arbeitet im stillen, eure Führer werden eure Sache schon mit England ausurachen." Vergebens! Geht, nach England, rrm zu lernen, daß gerade dort bei politischen Aktionen von großer Bedeutung es die inleressierteu Massen find, die handeln. Jede politische Aktion beginnt und entwickelt sich in einer Monge von kolloktiveu KUn'dgeVungen. Selbst wenn ctf sich darum handelt einen „Minister" zu beemflusten, ist es rricht die Unterredung mit der Delegation, die ihn veran-laßt, Gntgegentomirten zu gewähren, sondern es sind die hundert und tausend Berichte seiner Beamten und Konsuln, die er vor Empfang der Delegation gelesen hat, Berichte aus allen Teilen des Landes, aus dem Ernpive und der ganzen Well, die ihm von dem manifestierten Wollen der breiten Masten berichtet haben. In der modernerr Politik gibt' es teilt Tete-a-tete — ihre Methode ist m-aste a masfe. Die moralische Offensive, an die wir denkerr, besteht in der Mobilisierung der jüdischen Blasstv in alleri Ländern, um durch ernst e ant b würdige Kundgebungen eine shstematischc und mutige Propaga-nda zu unterstützen', die sich an die verschiedenen Schichterr der öffentlichen Meinung in Englan,d richten wird. In.diesem Llppell an das öffentliche Ge« wissen des großen angelsächsischen Volkes werden wir auch von der Emreinsam-keit der Jntereffen, die uns v.eribinden, sprechmr. Es wäre absurd, nicht sehen zu wollen, daß das Mische Volk einer! keineswegs verachtenswerten Partner darstellt.. Zwischen den extrernen Auffassungen der A ntisem i te n einerseits, die uns als eine fürchterliche und allmächtige Gewalt darstellen, und einer.Mihe fwu, zionfftischen Führern .andererseits, die uns als eine quäntite nogligeable betrachten, zwischen diesen Leiden Extremen genügt es das MiM anzunehrmn, um zu finden, daß das jüdische Volk in unserer modernen Welt eine moralische und materiell ganz beachtenswerte Kraft repräsentiert. Noch lächerlicher ist es, zu vergessen, daß dank den Juden Palästina zuni Schmuckkästchen geworden ist, zur Ausnähme unter den englischen Kolonien, dem einzigen Fleck in unserer Zeit der Zerstörung, wo man baut, schafft und mit Enthusiasmus. lebt, für das England Lob erntet und das sein Prestige erhöht, daß es schließlich auch Mächte gibt, die England um die Geschäftsverbindung beneiden, die es mit dm Zionisten angeinüpft hat. Es ist vor allem lächerlich, die altir aber gute Wahrheit zu vergessen, daß eine europäische Macht, die daraus ausgeht, einen Stützpunkt auf der anderen Seite des Mitteltm e e r e s in Besitz zu behalten, trotz aller eventuellen , Erfolge bei der Emanzipation der einheimischen Bevölkerung es so gut wie wir versteht, «ms die Gründung eines jüdischen Landes mit England verbunden inmitten des arabischen Blocks bedeutet. Unsere Dankbarkeit gegen das Vaterland Lord Balfours hindert uns nicht zu empfinden, daß wir keineswegs Bettler sind, die Wohltaten empfangen, ohne zn zahlen. Die Vorteile sind auf beiden Seiten und England, das zu denken pflegt, weiß dies. In unserer morolischen Offensive werden wir auch davon sprechen, aber was wir in erster Linie aüsrollen werden, ist-das Prinzip; die Leiden des jüdischen Volkes, die historische Angerechtiigkei t der zivilifiertvn Welt gegen Israel, das seieMche Versprechen, das in einer unvergeßlichen Epoche gegeben wurde, trt einer jener Epochen, in denen uwm nicht lügen kann. Das P r in zip, die Pflichi und die Gerechtigkert. „Sie gianvell, daß dies genügen wird'^" fragen uns die Skeptiker mit einem Lächeln des Mitleids und sie flüstern, uns ins Ohr, daß wir naiv sind, daß es rricht genügt, eine gerechte Sache zu vevsechteu, daß man Gerechtigkeit nicht erlangen kann, wenn inan nicht zu drohen versteht, daß der Nichtjude int Gründe seines Herzens grausam ist, ungerecht, unehrlich, daß er die Wahrheit verhöhnt, daß er es liebt uns leiden zu sehen, daß er nur der Peitsche gehorcht, deshalb armer Jude, du der du schwach bist, sei ruhig r«nd leide. Hub hier sind wir bei dem /wirtlichen Mtvalsn Punkt de?. P rollte ms.- a ugäsaiigk. lind hier -kommt es dazu, eine TreumnrgÄiitre