Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2815 (29.12.1926)
- Date
- 1926-12-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jet*, me Men, Mittwoch MsrsMMuas geschlossen, ohne viel Aufsehen, aber aus ähnlichen Gründen. Man mutz anerkennem, und ich tue dies mit Der-gnü-geu, daß diese Manifestationen nicht ganz o h n e Wirkung geblieben sind. Gewisse Äendenuigen sind im Zollwesen durchgeführt worden, Her'r Delfiner findet, Latz er seine Fabrik w t o bet off n e it kann. Mir andere ist es bereits zu spät. Abel- Vas Zollwese,: ist nur eine Einzige Seite der offiziellen Ermutigung, der eine junge Industrie bedarf. So zum Beispiel lätzt auch die Tarispol: tik der Eisenbahnen alles zu wünschen übrig. In den Unterredungen, die ich mit den führenden Industrie«:, von Tel A-w-iw hatte, wurde ich überschüttet mit Anekdoten, die von der „industriefreundlichen" Haltung der Verwaltung Zeugnis a-blegten. Tyrannei, — Unterdrückung? Nein, — bewahre! Zom rein fiskalischen Standpunkt aus, um G-eld sicher und leicht zu verdienen, ist es sogar sehr loyal. Aber für die Entwicklung einer jüdischen Industrie ist es eben nicht — «in regime eolonisateur. Und das ist der Grund, weshalb in einem Lande, das im Laufe eines einzigen Jahres Waren im Werte von 7H Millionen Pfund einführt, also in einem Land, in dem es Käufer gibt, die Anstrengungen einer jüdischen Industrie die städtische Bevölkerung von einer schweren mit Strovks begleiteten Krise nicht retten konnte. Ich habe gesagt: ,Mn regime colonisateur sieht einen entsprechenden Einfluß des kolonisierenden Elemetttes im Verwaltungsdreinst vor..." Hier ist die nackte Wahrheit, das Ergebnis dieser Entjuduug dec- Personals des Verwaltungsvieustes, bogoiuron durch Sir Herbert Samuel. Heute findet inan noch Juden in einer mehr oder weniger ansehnlichen Zahl in -gewissen rein technischen Diensteszwoigen. Aber, in den Bureaus, von denen aus die Verwaltung geleitet wird — das ist eine andere Geschichte. Zlvei Beispiele: Der Distrikt von Ramleh. —,Hier liegen Rischon, Rehoboth und - eine Reihe andsrer RothfchÄdscher KÄomen. Beinahe die Hälfte der Bevölkerung ist jüdisch. Der Prozentsatz der in der Verwaltung - verwendeten Juden. ist null, in: Hilfsdienst ebenfalls null; der. Distrikt , von Jaffa, wo Del Awiw, Petach- Dikwah usw. liegen, hier dürfte die Mchrheit der Bevölkerung jüdisch sein. Prozentsatz der Juden in der Verwaltung: null, Verwaltungs-dienst-, Hilfsdienst: null. Am Schlüsse seiner . Roda wiederholte I a b otinsky seine Forderung nach einer politischen Offensive des Zionismus, die sich vor allem in der Richtung auswirken wüste, haß'mne kolonisatorische, 'politisch bestimmte MaNWirtschaft der englischen Mmrdatsverwaliung geschaffen iverde. tt. Paris, 27. Dezember. Heute erstattete Wladimir D e m k i n den Bericht des Zentralkomitees. Es wurden dann Referate über Organisations-Probleme und Finanzen geholten. Am Dienstag werden Dr. Soskin über Kolonisations-pvobleme und Dr. Tritz us über städtische Kolonisation sprechen. Dr. S ch e ch t m a n n wird ein Referat über die Lage der Zionisten in. Rußland halten. Weitere Referate werden der. Frage der Taktik, der Arbeit unter der Jugend usw. gewidmet sein-. Die Konferenz wird am Donnerstag abends durch eine feierliche 'Beran.staltmrg geschlossen werden. Newtzorker Theaterbrief. Das jüdische Kunsttheatev im eigenenHeim. Der ne«e Leiwik im Jrviug-Plaee-Theater. — Mali Pieon in einer Mntterrolle. „Hadimah" läßt warten. dtvwyork, Mitte Dezember.' Nun hat Morris Schtvartz endlich sein eigenes Theater in der Second Avenue eröffnet. Das von dem jüdischen Architekten Louis N. Jaffe erbaute Theater mit dev leise ött nwderne Synagogenbauten erinnernden Architektur rnacht einm onrsten, geradezu strengen. Eindruck. Sollet: die äußeren Linien die künstlerische Linie symbolisier«:? Die iinnnr lvieder verschobene.und darum mit un: so größerer Spannung erwartete Eröffnungsvorstellung brachte — ebenfalls Symbol -- den Grinider des jüdischen Theaters, Abraham -Goldfaden zu neuen Ehren. Sein Singspiel „Das zehnte G e b o t", das in: Fahre 1882 entstmck«: ist, kam in aktuell modernisievender Neubearbeitung heraus. Sämtliche Darsteller des Kunsttheaters waren aufgebot«:. Mit Prospekte:: uttd Maschinen tvard nicht gespart. Und doch fomttc nun: dieser Galavorführung nicht recht froh werden, denn das Goldfadenspiel, das eigentlich durch seine primitive Ärt wirkt, tvar in eine überaus komplizierte, nrit verschiedenen: soziale»: Flitter behangene Angelegenheit »nngewandelt worden. Die Aufführung stand in: Zeichen einer überdekorativen Regie (für die sich das Theater den russisch«: Regisseur B. Aronsoi: verschrieben hatte) und die vielen dekorative:: Effekte erschlugen Ton mü) Wort. Die WiedererweckuW Goldfadens aber km:n nicht von dekorativer Seite her geschehen, viel wichtiger ist hie Erhaltung des musikalischen Besitzes, den uns der Gründer des jüdischen Theaters hinterlass«: hat, urrd fchtc Gestaltung bestimmter jüdisch-menschlicher Typen, die, Mit Retouchen versehen, «uh heute noch wirken Msseu.'Wmn Tagesbericht. Re Kuia-Studenten. Petrovici lehnt den Numerus elausttS ab. Bukarest, 27. Dezember. (I. T. Ä.) Die Besprechungen zwischen dem Unterrichtsminister P e t r o v i c i und den Delegierten des Studentvnkongresses in Jassy wurden fortgesetzt. In der zweiten Besprechung erklärte der Mini- | ster, die Regierung könne die politischen Wünsche der Studenten (Entfernung des Prof. Rainer, Numeres clausus usw.) gar nicht in Erwägung ziehen, dagegen werde sie die Forderungen beruflichen Charakters mit dem größten- Wohlwollen -prüfen und nach Möglichkeit. befriedigen. Er erinnerte nochmals an die vom Ministerpräsidenten General Averescu kundgegebene Entschlossenheit, Ausschreitungennichtmehrzu dulden un-d sagte, er sei andererseits vom Ministerpräsidenten ermächtigt, den Studenten zu versichern, daß alle ihre v orgebrachtem Wünsche Wirtschaft li ch e r u n d b e r u f l i ch e r N a t u r erfüllt werden würden. Die Studentenabordnung erwiderte, -die Parole, Ruhe zu halten, sei ausgegeben, die letzten Ruhestörungen seien durch noch nicht disziplinierte Elemente hervorgerufen, die eben erst die Mittelschule verlaßen haben. Gine Abordnung aus Kisch,«ew beim Innenminister Goga. Bukarest, 27. Dezember. (I. A. T.) In Bukarest weilte dieser Tage eine Abordnung aus K i s ch i n e w, bestehend aus dem Bürgermeister Sebastian Teodoresep, dem Vizebürgermeister Ing. S i l b e r m a n n und einigen anderen Kifchinewer.Bürgern. Da Ministerpräsident Averescu verhindert war, die Abordnung zu empfangen, wurde diese vom Innenminister G o g a empfangen, der erklärte, laut den bei ihm eingegangenen Meldungen seien die Studenten bei ihrem Gastbefuch in Kischinew provoziert worden. Die Mitglieder -der Abordnung widersprachen mit aller Entschiedenheit dieser Darstellung und versicherten, die S t u d e n t -e n allein waren es, die für die beschämenden Vorkommnisse verantwortlich seien, niemand habe sie provoziert und niemand habe sich ihnen entgegengestellt, auch.als sie schon zur Zerstörung der Häuser und des Eigentums geschritten waren. Goga sagte darauf, die Regierung habe jedenfalls alle jene Maßregeln ergriffen, die eine Hintan h al t u n g weiterer Au sschreitungen bewirken werden. Die jüdische Gemeinde von K a l a r a s ch hat im Hinblick auf die Behauptung des Unterrichtsministers Petroviei in der Kammer, daß Mitglieder des Kultusvereins .von Kalarasch die Studenten provoziert hatten, ein Mein o r a n d u m an die Regierung und an die Präsidenten der gesetzgebenden Körperschaften gerichtet, in welchem der Darstellung Petroviois entschiedenst entgegengetreten wird. Die Studenten, heißt es in dem Memorandum, haben bei der Vorbeireise den Zug : n K a l a -- rasch 88 Minuten halten lassen, seien in die Stadt eingedrungen und hätten, ohne daß sich.ihnen jemand entgegengestellt hätte, eine große Anzahl Geschäftsläden und Wohnungen zerstört und zahlreiche Bürger m i t Stockschlägeu traktiert. Kein einziger der Studenten hat irgendeine Verletzung dcvvongetvagen, während von den jüdischen Bürgern von Kalarasch vier ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Die Gemeinde for- LBwenfranzbranntweln ®m i t.Menthol' ist das idealste Einreibe mittel! Hilft sofort. * -_... Uebarall erhältlioh. dert eine strenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen. , Eine offizielle War«»»»-». Bukarest, 27. Dezember. (I. T. A.) Die offiziöse „In» dreptarea" veröffentlicht eine Tarnung an diejenigen Studenten, die in den letzten Tagen die Straßen der Hauptstadt durch Ueberfälle auf jüdische Bürger unsicher machten. Et« Protest der Jerusalemer jüdischen Gemeinde Jerusalem, 27. Dezember. (I. T..A.) Die.Jerusal e m e r j ü d i s ch e G e m e i n d e hat Telegramme, an den Völkerbund und an die britische Regierung gesandt, in denen im Namen der Gerechtigkeit und der'Humanität gegen die a n t i j ü d i s ch e n A u s s ch r e i t u n g e n in Rumänien protestiert wird. Grobe Unwetlerkataftraphe in Spanien. Madrid, 29. Dezember. Ir: den meisten Gegenden Spa» mens, vor allem im Norden und an der Mittelmeerküste, wüten noch immer schwere Stürme. In Barcelona ist der Bahnverkehreingestellt worden. Der Schnee liegt auf den Geleisen.I^ M eterho ch. Die Telephon- und Telegraphenleitungen sind an mehreren Stellen durch den Orkan u n t e r b rochen worden. Tausonde von Bäumen sind entwurzelt. Mehrere Schiffe erlitten beträchtliche Schäden. Einige gingen unter. In Castellon und Vinaroz folgte aus den' Orkan eine Sturmflut, durch die rund hundert Fahrzeuge,.darunter zwei Bagger, vernichtet wurden. Einige Häuser sind ein gestürzt; man meldet Tote und Verwundete.- Zn La Gram-ja fiel die Temperatur auf 23 Grad unter Null. In Madrid sind sechs Personenerfroren. Todesopfer des Nebels i« Holland. Amsterdam, 38. Dezember. Infolge des .dichi-mt. .Nebels, der gestern abends und heute rmwgens -über ganz Westholland lagerte, sind zweiju ng e 'Mä> ch e n u n ,d ein Arbeiter bei zwei Elsenbahwü'bergängen. von Zügen überfahren und got o tot' worden. ' .Ferner sind gestern beim Schlittschuhlausen ■ z w er E -r w achse n e und fünf Kinder eingob r o che n und e r t r un ke n. 2er Gedenttag der Befrekm», Femsalems. Jerusalem, 28. Dezember, (I. T. A.) Zum Tage-der Eroberung Jerusalems durch Lord A l l e n b y sandte der König von England eine Botschaft an den Feldmarschall Lord P lu m er, in der es heißt: „Es ist meine Hoffnung, daß Palästina immerdar der Segnungen des Friedens, des Reichtums und des Glückes teilhaftig sein wird." - Morris-Schlvartz in seinem' Kunstt'lMtLr ernst darangcho»: Will, Goldfaden ins Repertoire aufzunehmen, so wirder die Methode dafür erst finden müssen. Für das „Zehnte Gebot", bezw. die Art der Aufmachung, kcn:n als Mlderungsgrund gelten, daß es'sich mehr um Repräsentation handelt«; mm ist das Fest vorüber und die Arbeitstage des Kunsttheaters in seineut neu«: Heim beginnen; daß sie den: Publikum Fest- . abende schaffen, dafür hat ernste nrethodische künstlerisch: Führung zu sorgen. Morris Schtvartz hat das Wort..'.. Inzwischen ist eine der stärksten Theaterbegabungen der jüngeren jüdischen Schriftstellergenevatwn Anrerikas, Herr L e i w i k, dessen „Schmates" vor einig«: Jahren von Morris Schtvartz' Theater aufgeführt worden waren und dann an.verschied«:«: jüdischen Bühnen in Europa groß«: . Erfolg gehabt hatten, von einer anderen Newyorker jüdischen Biihne wieder zun: Sieg geführt worden. Das Jrving-Pläce- Kunstthoater, das von Ben-Ami geleitet wird, ha-t mit Lewiks vieraktigen: Schauspiel „Shop" einen großen Erfolg erzielt. Das Stück ist ein Massenstück, sein Held die jüdische Urbeitermasse. in den SchtvitztverMtten N«vt)orks. Und die „Tendenz" ist — ein Lied der Arbeit. Gegen die starren Dognnn erstarrter Revolution, wird die Seelen be-- freiettbe Arbeitsfreude gesetzt; die Zeichnung der Gestalt«: ist etwas schematisch; doch wenn cnn Schluß des Stückes (das in spannender Steigerung, nur durch «neu eyvas schwerfälligen zweiten Akt gehemnck, rasch und zwingend abrollt) ein „Tanz der Arbeit" vorüberzieht, dann spürt der Zuschauer etwas von Iden Schauern einer neuen glücklichen Zeit, die ein Dichter sah. Ben-Ami hatte für das Stück seine sorgfältige ftinmmngsvolle' Regie eingesetzt mW lieh der Figur eines Fabrikanten, der früher RevolutiorÄr gewesen war, seine liebenswürdige Charakterisierungskunst. H«l«:e Sel i n s k a und Lydia P o t o c k a j a gaben die weiblichen Hauptrollen ausgezeichnet und unter der Masse der Arbeiter ragte L. Sniegow durch farbige Typenzeichnung hervor. Das Publikum ging von Mf-ang bis zum Mde mit d«n Stück mit und das neue.jüdische Sprechtheater scheint seinen erst«: großen. Erfolg errungen zu haben. Der Bau von jüdischen Theatern geht in Newyork toeiter. Zu Anfang des Jänners wird ein neuerbautes jüdisches Operett«ttheäter in der Second Avenue, das Public- Theater, seine Pforten öffnen. Seine Besitzer sind Loüi-ß Goldberg und A. Schulmaw Die alten Operettentheatev haben bisher noch nicht ihre „Zugstücke" gefunden, die einzige Ausnahme bildet Mali P: c o n s „Kleiner Masyk" im Keßler-Theater, der 15 Wochen lang ununterbrochen auf dem Repertoire stand und erst gegen Ende des' Monats von einem neuen Opus der Mali-Pieon-Rollen-Firmä Kallch mch Rumschinfty äbgelöst werd«: soll. Die neuen für Mali Picon zusannnengeftellten drei Me führen den Titel „Mütterlein" und bringen Mal: Picon ein neues Roll«:fach — eins Adutterrolle; natürlich wird es, wie schon der Titel sagt, eine Mütterleinrolle sein. Sonst hat tveder. die ernste noch die Theatermuse den: jüdischen Newhork bisher große Gaben gespendet mü> man wartet, beim „laufenden". Repertoire, geduldig der Dinge, die da kommen sollen. Nur „Habimah", das Moskauer hebräische Theater, wird mit Ungeduld erwartet. Nach verschiedenen Berzögerunge:: durch Paß- und Landungsschwierigkeiten, die auch mehrurals die Verschiebung des Termins für die Eröffnungsvorstellung im.Mansfield-Theater nötig macht«:, ist nun das Habimah-Cnsemble glücklich in Newyork gelaicket und. in' einigen.Tagen soll sein „Dybu^ das Licht der.. Nelvyhrker- Th.eaterwelt erblicken.. Mes, was-.'in Newyork' amt. Tcheätep, nicht bloß' am jüdischen, interessiert ist, .spricht, von . dem bevorstehenden Wmwer „Habinuch"; in Wieu und am deren Städten Mitteleuropas wurde es bereits enthüllt und die Leser der „Wiener Morgenzeitung" werden daher mit mehr Geduld den nächsten Theaterbrief erwarten als die New- Yorker Theaterhabitues die Habimah-Preuneve. "S. K Jessries.