Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2812 (25.12.1926)
- Date
- 1926-12-25
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Lr. WS Men, -SlMiRvg AIIamaii MWD>M m »M-» Jltnr— » wtefict wiPVgiR|nin9i9 W. Dezember 1926 Seife 9 Das Buch der Zeit LITERATURBEILAGE DER .WIENER MORGENZEITUNGein Buch von Kindern. /nrft Lothar: Gottes Kart-«. lS27. F- G. Spewelschr Verlagsbuchhandlung, Wien, Leipzig. Ern st Lothar führt die Leser seines neuesten Buches durch den Garten Gottes. Sie lassen sich willig führen und luetbcit bestimmt neue Leser rufen, denn der Garte» Goltes, den der Dichter ureint, ist die Welt des Kindes, und da er die Kinder nicht nur liebt, sondern auch an ihre große, schöne WM glaubt, so stark glaubt, daß er sich, männlich gefaßt, aber , doch mit Zeichen heimlicher Wehmut, nach ihr zurücksehnt, bringt uns dieses empfindsame Buch die köstlichsten Jahre des Lebens zurück. Und es ist. vor allem rein gehalten, wie der Garten Gottes. Man Mte vielleicht Einwände vorzubringen, daß der Autor so freimütig von seinen eigenen Kindern spricht, sie zu den Helden seines Buches macht (solches Unbehagen empfand ich, offen gestanden, auch bei Theodor Herzls Kindergeschichten), aber er beseitigt sie in seinem gereimten Borspruch: „In Gottes Garten gingt ihr hin wie aller Väter Kinder gehen: bei allen Kindern blieb ich stehen, da ich bei euch geblieben bin." Das Buch hat die beste Qualität, die einem Buch aus dem Kinderlande nachgerühmt werden kann: Es ist sichtlich aus Tagebuchaufzeichnungen destilliert — wenn auch dieses Tagebuch wahrscheinlich nur im Herzen des Vaters geführt worden ist. So sind diese zwölf Berichte entstanden, beginnend mit Ägathens erster Priifungsstuude und schlich:nd mit der entscheidenden Wendung im Leben Hannis, des. jüngeren Kindes, da es plötzlich aufhört, zum Briefträger und Frileür „Du" zu sagen. Im Garten Gottes gibt es viele Lebeiveseu, zu denen rm Wundergarten der Kindhüt auch das Spielzeug gchört. Lothar »oeltz von allen diesen höchst lebendigen Dingen und um das Kind, sehr schön uiw sehr anmutig zu berichten. Seine Erzählung von Hell, dem Hündchen, muß man besonders rühmen; da genügen die üblichen Worte der Anerkennung nicht. Diese Hundegeschichte wird das Bpch überleben und einst in der Sammlung der allerivertvollsten Tiergeschichten Platz finden. N:ben jenen der Ebner- Eschenbach und Thomas Mann. Eine ganze Reihe von Gestalten, die man. in diesem wirklich liebenswerten Buche antrifft, sind in wenigen Strichen überaus prägnant geformt und mit Humor gesehen. Der norddeutsche Arzt und der Wiener Friseur Präuschl sind ganz, superb gezeichnet. Weniger geglückt als das, was Lothar von den Kindern und ihrer Welt erzählt, scheinen uns seine direkten Ansprachen an das Krnderpaar zu sein. Wir wollen gerne annehmen, daß ihn eine begreifliche Befangenheit bei der Niederschrift .seiner Gespräche unsicher machte. Das Auf- Kärungskapitel „Großes Geheimnis", ist doch fragwürdig. Die Geschichte von dem „Gärtner, mit dem nachtblauen Mantel und einem Hut aus Mohn" dürste Agathe und Hanni kaum verständlich gewesen sein. Ich bin überzeugt, daß der Väter ein weniger poetisch ausgeschmncktes, aber tauglicheres „Märchen" erfunden hat, als er fühlte, es sei die Zeit gekommen, seine Kinder aufzuklären. a. G.sellscha'lsmoral und verbrechen ans verlorener ehre. Ein Schtvoizer Autor, der englisch schreibt, und ein deutscher WeMummler haben sich das vielbegangene Grerdz-geLlei an der zom-entharten Mauer der GesellschastSovdnpng zum Schauplatz gewählt. John Knittels .Roman,,D e r W e g durch d i e N a ch t" (Verlag Ore! Füßli in Zürich) wählt sich das anscheinend so bürgerlich behagliche Milieu des englischen Landhauses und das Getriebe der Londoner Großstadt. Aber der Krieg mit seiner Gi'stst'imumng wirkt nach und in der Ferne bereut die bolschewikische Revolution. Eine russisiche Tänzerin und ihr Geliebter, der idealistische Friedensschwärmey David Bright, zerschellen an der kühlen Gesell'schaMnwral. Die reine Nützlichkeitsanschauung der Kriegszeit.siegt über die Rebellion zweier junger Menschen und treibt sie in Verzicht und Vernichtung. Es ist,Än Kampf zweier WÄten, der mit einer ungewöhnlichen .Darstellungsgabe gezeichnet wird. Ein 'ähnlicher Konflikt ist das Sujet des vom Frankfurter Drei-MaSken-Werlag herausgebrachten Romans hon R e ck»M a l l e c z e w e n: ,/Si f, i»as Weih, das-den. Mord beging." Was dort der Comander, später PäAamentKnlitgliod John Grevil. der die Tänzerin Karls Lvpinowa in den Selbstmord treibt, so ist es hier der preußische Staatsanlualt Lex Bruckner, dessen Opfer die . kleine, harmlose Sif, fiHite Schwägerin, wird. Er verführt sie im Alkoholrausch drei Tage nach ihrer Hochzeit mit seinem Bruder. Um sich das Schweigen seiner sittenstrengen Wirtin zu erkaufen, trägt, sie ihren armseligen Schmuck zu einer Vexleihrrin, wird abgewiesen, erdrosselt sie, stiehlt ein Perlenkollier, fällt dann einem argentinischen Kokamhändler in die Hände, wird von ihm nach Buenos Aires verschleppt, flüchtet aus seinem Haus mH gerät im Verbcecherviertel. in die Netze der amerikanisch-christlichen Seelenretter. Sie sinkt immer tiefer, bis sie sich zum Geständnis an die Hafenpolizei au-frafst. Sie wird nach Deutschland znrückgebracht und dort ergibt sich, daß sie die Wucherin Grandpan nicht ermordet, sondern nur schwer, verletzt hat. Da diese sie aber bei'der Konfrontierung nicht mehr wckennt, wird die kleine Sif. die so Fürchterliches (prachtvoll Geschildertes) ertragen hat, auf freien Fuß gesetzt. Jetzt aber ist ihr Elend vollkommen. Der abgöttisch geliebte Mann hat sich losgesagt, seine preußisch-stolze Familie einschließlich des Staatsanwaltes verstößt sie und will sie „abfertigen". <&k geht unberührt, unwissend, lächelnd über die Menschen und ihre Not, durch das groß? Berlin hiimus in die Mntevkälte, in den Schnee, immer weiter und tiefer, bis sie nicht mehr da ist. Man liest sich fast atemlos durch das Buch bis zu diesem Ende und findet dann, daß der Roman doch kein Roman ist, sondern eine entsetzlich wahre und starre Projektion -er Ge-sellschastslügen. j. l- . VON BÜCHERN, DICHTERN UND VERLEGERN. . General Tr. v. Schönaich: „Palästina" (Verlag H. Meyer, Lawerstadt). Der Vmfisser, den die Wiener Zionisten eben jetzr als warmen Freund des PaMinawerkes kennen gelernt haben, gibt in diesem Büchlein einen kurzen Bericht über seine Palästinareise. Wie in seinen Reden, berühren auch: in dieser Schrift der offene, schlichte gerade Ton und die ehrliche Liebe für alle sozialen und menschlichen Fortschritte aufs angenehmste.. Da Dr. Schönaich Landwirt, ist, interessieren besonders seine Urteile über die Kolonisation. Er gibt itt der Streitfrage der intensiven Kolonisation den Gegnern Soskins rocht, erklärt sich für die Anschauungen Wilkanskhs und die Methode, die von der zionistischen Exekutive grüit wird. Er beschließt die Betrachtungen darüber mit dem Satze: „Mir scheint es darnach viel nötigor. lürsiiid niclfttf ansverkauftf Trotz des überaus großen Andranges in den letz en Tagen haben wir noch reichlich auf Lager : „Bibliothek der Romane“ BALZAC DOSTOJEWSKI DE COSTER TOLSTOI ZOLA SWIFT „Das neue Buch“ GOGOL BRET HARTE TURGENJEW STEVENSON HUYSMANS FLAUBERT Neu eingelangt: FLAUBERT: Tagebuoh aus Aegypten EHRENSTEIN; Bertokt ». einem Tollkau* SINCLAIR; Neoh de* Sintflut SINCLAIR: Man nennt mloh Zimmermnnn In f©rnekmen SInbftnden Preis 8 u. 3 Schilling pro Band BUC H HAND LUNG R. Eüwli, Wien 1. Rotenturastraße Nr. 22' mit den verfügbaren Mitteln möglichst viel Boden zu kaufen, so länge er noch bezahlbar ist und ihn dann allmählich m höhere Kultur zu bringen, als ferneren Jdealentzachzujagen, für die die Mittel vorläufig sicher nicht Vorhanden sind." Ter Orangenkultur prophezeit er eine günstige Entwicklung. Mit starken Worten setzt er sich für die Bodenreform ein und deshalb auch kur den Keren Kajemeth Lejisroel. Mit größter Innerer Anteilnahme und feinem Verständnis spricht er über die Art der Mhrerauslese in den Kwuzoth. Eine Lieblingsidee von Schönaich ist es, daß in Jerusalem ein Zentrum des Pazifismus, gebildet von Funktionären aller drei Religionen sich bilde, a.b. Tr. Heinrich Kiwr, „TaS Effektenbonkdepot", Verlag Manz. Wien 1926. Die bisher von Dr. Kilo« veröffentlichten juttstifchen Arbeiten ließen erwarten, daß auch das vorliegende Werk dieselben Vorzüge aufzutveisen haben wird, wie die anderen. Tatsächlich wird man in diesen Erwartungen nicht getäuscht. Dr. Kiwe beleuchtet die erst in neuester Zeit geschaffene Reä-tseinttchtung unter Berücksichtigung der tm Deutschen Reiche und in der Tschechoslotoakei bereits bestehenden besonderen gesetzlichen Bestimntüngen, zieht das gesamte Gebiet der depotsrecht.ichen Bestimmungen, die derzeit in Oesterreich Ge.tung haben, in den Kreis seiner äußerst interessanten Erörterungen und gibt schließlich äußerst wertvolle Fingerzeige für die Schaffung eines eigenen Tepotgesetzes, das bisher fehlt und dessen Notwendigkeit aus der klaren Darstellung Dr. Kiwes sich schlüssig ergibt. Dr. L. G. ,^amischpat" („Das Recht") heißt die .erlst.e j u-r ist is ch c Monalsschrist r n hebräischer. S.p r a che, die vom Jänner 1927 in Jerusalem ersilMnen-tvicd. Als Herausgeber dieser Zeillschrift wird Dr. S.: Eä se-nstä d-t zeichnen, zu ihren Mitarbeitern zählen tzitzlö 7bedeutende Rechtsgelehrte in Palästina und in allen Ländern der.GrrliutK, darünter Justizrat N. Bentwich, der Richter God Fr u mkin, Dr. Duchan, Dr. C'liasch, Dr. Gulat und vieleändere. Alle Probleme res theoretischen und praktischen. Rechttzs werden in der neuen Monatsschrift behandelt. - Ihre 'besondere Aufmerksamkeit wird die Redaktion der. Gelschichte/beö hebräischen Rechtes, den Fragen des palästinenstschen ,uM wrientallscken Rechtes, der rechtlichen Stallung dev Juden unter den Völkern und der Besprechung rechtsrvissenschdstilcher Bücher widmen. Die Monatsschrift wird regelmäßig Nachrichten über die gesetzgeberische Tätigkeit derpaläffinensischen und in diesem Zusammenhang auch der englischen Regierung, ferner über die Tätigkeit der Reglerungs-Gerichte. Per .autonomen Behörden der Juden in Palästina (NaLiönalvärrsammlung, Waad Leumi, Gemeinden u,sw.) und der '.natiönalen Gerichte bringen. - . V . . Bvc«EWiNl,^DE. Franz Werfel: Der Tod des Kleinbürgers? M»wttez> Verlag Paul Zsolnah, Wien. . - - .. Julius Bab: Schauspieler und Schauspielerktnst- -Verlag Oesterheld u. Cä, Berlin. ’ Bernharv Boyneburg: Der Weg aus dem Ehaos. AmiKthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien.. , ' " ■; Clemens, Graf W Bnantvis: Die ungarische Seele. Ilnwlthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien. .... ^Georg Kühne: Bon Mensch und Motor, Ffäryr '»«d Wolkenkratzer. (Reiseberichte eines deutschen ZngeniemÄ.) I. C. HinEsche Buchhandlung, Leipzig. > . Otto Mittler: Deutschland, Deutschland! (Romän.) Verlag Drell Füßli, Zürich, Berlin, Leipzig.; Margaret Sänger: Die neue Mutterschaft. GÄchfl««- Berlag, Dresden. 4?. John Knittel: Der Weg durch die Nacht. (Roman.) Verfüg Orell Füßli, Zürich, Berlin, Leipzig. Rudolf FuchS: Ein Erntekranz aus hundert- Jahren tschechischer Dichtung. Verlag Kurt Wolfs» München. Oskar Maria Graf: Finsternis. (Erzählungen aus den: vherbahrischen Bauernleben.) Drei MaSken-Berlag» München. Fritz Reck-Malleezewen: Sif» das Weib, düs den Mord MM. Drei-MaSken-Verlag, München. k. Petr Dezime: Lieder eines schlesischen Bergmanns. Berjag Dutt Wolfs, München. Dr. Otto Hipp: Alt-Wiener Porträts. BerlagMuchhandlnng „Sthrra", Graz und Wien. Hanns Reskar Die Todesfahtt der „AAance". Leipziger Graphische Werke A.-G. Guido Kreutzer: Die Hölle der Frauen. (Romon»), Leipziger Graphische Werke A.-G. Fritz Linder Ich, der König. Der Untergang Ludwigs des Zweiten. Verlag Georg Kummer, Leipzig. Almanach Weilj nachten 1926. G. Grote'fche Verlagsbuchhandlung. Berlin. Edwin Erich Lwinger: Korsakoff. (Die Geschichte eines Heimatlosen.) Verlag Otto Quitzow, Lübeck. . Werner Sonkbartr Das Wirtschaftsleben im Zeit», des Hochkapitalismns. Verlag von Dunker ui Hum- München und Leipzig. Eorrado Ricci: Die Geschichte der Betrüre Cenei. Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart. ,Dr. Ludwig Adamovich: Oesterreichisches Berwaltungsverfahren für die Praxis und zum Studium. Verlag Höldev» PMer-Telnpskh A.-G„ Wien. R. L. Stevenson: Entführt. Phaidon-Verlag, Stut^itt. R. L. Stevenson: Der Junker von Dallantrüe. Wevlag I; C. C. Bruns. Minden. ' R. L. Stevenfon: Die Schatzinsel. Verlag Z C». C.. BruNS, Minden. . I. Oliver Euttvood: Ttzrr, der Grislybär. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde. FranckhM BerlagShaMlung. Stuttgart. Evnst Berg: Wohin trei'bi Juda? DMus-Verlag ■<&*& Krug, Leipzig (Preis Mk. > Maria Peimni: Susanne (Ein Roman». Bering Wicheim Brarmüller. Wien. Lär The: Im Banne der Taiga. Berlqg Gebrüder SMpsl Ges. m. b. H.. Rekcherchevg. - Karl Hans Strobl: Die Eier des Bastttsfep. WrlüE M' hrüdsr Stiepel, Ges. «t. b. H., Reichenbeng. r! t-tetou»