Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2812 (25.12.1926)
- Date
- 1926-12-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981899--28568-3016616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mt. 2812 Men, Samstag W1r««r Morgenzettnng 28. Dezember 1920 Leite 6 «etitlichie »tomien. In Aegypten tft ein großer Schwindel mit gefälschten Mumien ausgedeckt worden. Seit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamon hat sich besonders in England eine starke Nachfrage nach ägyptischen Altertümern gezeigt, der die ägyptischen Fälscher mit Freuden nachkamen. Da ägyptische Altertümer im allgemeinen wenig im Handel zu haben sirrd, so wurden sie eben in Massen ge fälscht, und das gläubige Publikum ist davon überzeugt, daß es eine Reliquie aus irgendeinem Grabe eines großen Pharao erhält. Auch Amerika stellt ein großes Kontingent zu diesen merkwürdigen Sammlern, die sich gern betrügen lassen. Am meisten »verden sogenannte „echte Mumien in Originalverpackung" angefertigt. Die Herstellung einer derartigen Mumie ist verhältnismäßig leicht uild billig, denn sie kostet nur ungefähr fünf englische Pfund, wirst aver dafu. 1000 Pfund und mehr ab, wenn sich der richtrge Dumme findet, der auf eine echte Mumie in Originalverpackung versessen ist. Und solch: Dumme fanden sich in England und Amerika sehr leicht. Es hat sich aber herausgestellt — ein Käufer war nämlich mißtrauisch — daß in diesen Mumien durchaus nicht ägyptische Könige oder Priu-.'N waren, sondern — Rinderknochen, die zur Erzielung eines täuschend ähnlichen Eindruckes mit alten Lumpen umwickelt waren. D':-e Hauptsache aber ist die echte Bemalung, Dress , Bemalung, die der Mumie erst den Reiz ft:.§ Altertums und der Seltenheit gibt, wird von den Fälschern genau nach dem Muster der asten Mumien angefecligt, wie' sie si-e tn dem Museum von Kairo sehen können. Selbstverständlich muß vorher die Gestalt der Mumie genau nach wirklichen alten Mumien angefertigt sein. Wenn d:r Käufer mißtrauisch ist, dann wird sogar irgendein Grab eines Pharao oder mindestens ein:Z Prinz m oder eines Würdrniräge.6 in irgendeiner Felsengrotte gefä scht und der arrdächtige Käufer vor dieses Grab geführt, das eben erst entdeckt und geöffnet wurde und in dem die frisch gefälschte Mumie als Originalmumie entdeckt wird. Selbstverständlich haben die Fälscher in solchen Fällen nicht versäumt. auch alte ägyptische goldene Schmuck stück e, die meist aus Messingblech sind, in das Grab des Prinzen zu l gen und für schweres Geld dem Sammler anzuireten. So ist .in der letzten Feit ein schwunghafter Handel mit allen möglichen derartigen Schmuckstücken getrieben worden und die Entdeckung dieser Bet.v'igereien hat die komischsten und lächerlichsten Dinge Zutage gefördert. Es würde festgesteilt, daß ein und dazu noch gefälschtes Grab nicht weniger als 400malwls Grabstätte für irgendeinen Pharao, Prinzen oder Würdenträger den Samml-ern gezeigt wurde und daß 4 0 0 Mumienin diesem einen gefalsck-len Grabe als Originalmumien verkauft worden sind/ Sogar' alte -Dhronsessel, Skarabäen. Perlenketten und Amulette aller Art, die gegen bösen Blick, Krank^ h.iten und stnglücks'säll>7 einen wirksamen Schutz dar-' stellen sollen, werden als.echte ägyptische Altertümer in gesät'ch'en Gräbern entdeckt und verkauft. Nunmehr hat die Polizei diesem Schwindel ein Ende gemacht, soweit man ihm ein Ende machen kann, denn es werden sich immer Dumme finden, die erneut - sich gern von Fälschern betrügen lassen. Wie aus Borneo geheiratet wird. Kl-tegstttuze und Qcbvstenc Hmche. In der Turnr.vr „Stampfl" erzählt Arnaldo Ci Polin son einer Bermä'hlungsfcier auf Borneo, der er als Zuschauer beige«wL'k.nt hat. Es war in einer Ortschaft, deren Häuser an beiden Ufern des Kusses Barito verstreut liegen. Man trug Dem Rechnung, tnöeni man die Hochzeit hupen und drüben stattfinden ließ. Der Bräutigam wohnte auf, dem lin.-en Ufer, die Braut auf dem rechten. Auf den Pfahlbauten und den kleinen BambuLiürücken. d:e, von den Hüten der Eingeborenen ausgehend, in ten Fluß hrneinragen, herrschte ein lebhafte- Loben und Trei'ben. Männer und Frauen hatten ' sich. schmutzige Lumpen um den Lei'b goworfen. den Kopf aber mit schönen bunten Schleiern geschmückt; rot und grün waren die vorherrschenden Farben. Auf ein Zeichen bestiegen alle ihre langen und schmalen Nuderkähne und eine Art Fähre, auf cer sich, auf einem rasch zurechtg-ezimmerten Throne sitzend, der Brcnitigam befand. Die Hauptzier des Thrones bildete ein aus Binsen gefiochtoner gewaltiger Drache, der mit buntem Papier beklc'bt war. Die' Fähre setzte sich lanfisam zum gcgerrMerliegenden Ufer in Bewegung; dort' wartete, in fürchterlicher Maskerade, in Gestalt von Gespenstern und aus dem Grch« auferstan.trnen 8 «i KX»OOQSOSOOOOQCOOCCXX3COQOOOOOCOOOQQO&g wollen Ihre Wäsche sauber haben sollen Ihre Wäsche schonen müssen daher waschen lassen bei der FEfNWASCHANSTALT BIANCA ZIIL, UNZF.RSTRASSE 269, TELEPHON 8UHI holen und stellen jede* Quentum Wärche kostenl >s au. waschen hre Wäsche ((ans separat, fChonenil und blütenweiß, halten Ihre Wäsche Regen jedes Rls'ko voll« versehen. . 156 n o in c n( üec Alt Hang der ’-oia.t, der sich der Landung der Bräutigamspariei zu widersetzen Hatte. Zwischen den beiden Parte.en entspann sich die Schlacht, das Heißt ein wilder Kriegstanz mit EonAegleitung; die Gongtrommler standen auf der Fähre und am Ufer. Dazu kam noch eine Act Orchester, das sich von den enropäisch-amerikanifchen Jazzorchestern nicht allzusehr Unterschied; da waren Tamtams von Bronze und eine aus vier Tasten be-stohende Klaviatur, die auf einer Bomb: Sunterlage ruht«. ’ Die Bertei is>er der Braut trommelten fchlleßl-ich ' zum Rückzug und räumten das Ufer, worauf die siegreiche Bräutrgamsparter aus den Barken und von der Fahre stieg und gegen BanLustarriiladen anst-ürmte; hinter den Barrikaden lagen Haufen von Kokosnüssen, Säcke mit Reis, gebratene Ferkel u n d dit0 Hunde. Dieses ganze Eßzeug wurde von den Brauiigamsleuten erobert, aber als Geschenk für die Braut bestimmt? Hinter den letzten Schanzen befanden sich nur mit Wasser gefüllte große Dambusgefäße, deren Inhalt zur groMü Freude der Zuschauer sich über die Angreifer ergoß'. Während tiefer ganzen Zeremonie hielt die Braut sich verborgen, während der Bräutigam, am Ufer stehend, mit einer wahren Lammsgeduld das En^e der Ereignisse abwartete. Als rer Weg endlich, frei war, schritt er. brg'lcitet ron einem Freunde, der ihn mit einem aufsef^anntett Sonn-en-schirm beschützte, zur Hütte der Braut. Das Publikum verlangte stürmisch, das Brautpaar gemeinsam zu sehen, und dieser berechtigte Wunsch wurde schließlich erfüllt. Die Braut erschien in weißen Höschen, mit einer Papierkrone auf dem Kopf, das Gesicht schön bunt bemalt. Sloffnamen valWnensischm Ursprungs. Man ha. viel.'ei.ch schon oft ein: Joppe getragen, ohne daran zu denk.n, woher ihr Name ist. Er kourmt nirgends anders her, ais aus Palästina. D. rt ligt die Stadt Joppe (dies die Schreibung der deutsch:« Biie Übersetzungen), die aus dem Buche Jonas bekannt ist. das heutige Jaffa. Bon Joppe wurde schon vor Jahehundrr en ein für Joppen besonders geeigneter Kamelhaarstoff aus^e führt, weshalb man ihm den Namen Joppe gab. Auch das feine G.webe der Gaze hat seinen Namen aus Pa'ästma, namrn 'ich von der Stadt Gaza. Ebenso ist e-s mit anderen Stoff n: Damast kommt von Damaskus, Musselin von dem g genwiirll j so viel genannten Mossul. Und selbst d'e Bluse, die die Lese.innen so germe tragen, hat ihr n Namen aus jenen Gebenden, nämlich von Nelusium. einer asten Seestadt' Aegyptens, nahe au der Grenze Palästinas. Dom amrr'kanischrn zsitungswesrn. Die Berstttigcen Slaa.en von America sind die größten Verbraucher von Zeitungspapi r. dem Lande, in dem man, wie in knnem.anderen, den Wert der Anzeige erkannt hat, hat' das/Zeitungswesen-, im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte einest' geraden riesenhaften Umsaug angenommen. In den Vepeinigten ' Staaten werdenjetzt nach einer fachstaiisti'chen. Zu'ammenstellung 2500 Tageszeitungen und 12.000 Wochenzst schriften g druckt. D'e in enzlischcr Sprache ersch inend n Tages ei ungen in den Ve'rst ' i> ten Staaten und Kanada haben eine Ge'amtau f age von 33 Millionen Exempla.en, wozu lwch die Sonntagsblätter mit 19 Milstonen Exempla en komnaen. Da? macht eine Wochenauftage von 217 Mi'lionen E"empla en ans. Die'e gewalti.ien Ziffern vermögen ungefähr eine V.rs'eslung von dem Niesenbedars an Papier zu gehen, das die Notations- Pressen der U. S. A. tagtägsth verschlingen. Die V reinigten Staaten produzierten kn 1913 lebst etwa 1300 Millionen Kilo Zeitungspap'er, in 19-5 1530 Millionen Ki'o. Um den Bedarf abrr decken zu können, mußten bereits 1913 219 Millionen Kg. Zci ung^ apier ein-e'ührt wer'en. 19 5 ä'er 1450 Millionen Kg-, so daß der Ein'uhrbedars fast der eigenen Lande-ke -zeugun^ an Zeitungspa' ier glcichlomnit. Vornehmlich decken die Verestnig'en 'Staa'en ihren 'Bedarf an Zel.ungspapier in Kanada, wi: den großen Zeitungskonzernen st-'bst ungeheure Ä?ä der mid 7 roste 'Papiermühlen eignen. 7)9 kana^i'che Papierfabriken pröouz'eren an Papier aller Art 1.7 Million n Tonnen. Bon dieser Gesamtmenge kamen 80 Prozent im Werte von rund 100 Millionen Dollar auf ZeiNmg-spapl'r. Die Inserenten in den Vereinigten Staateir leisteten sich bereits im Jahre 19 u einen Etat nur für Zeitungsanzeigen in Höhe von 250 Millionen Dil ar oder von 40 Prozent ihres Ge'amtan'jeigenelats. In 1920 nämlich schon entfielen auf die amerikanischen Tageszeitungen Anzeigenaufträge in Höhe von 600 Millionen Dol'ar, die aber 47 Prozent des Ge'amtetats ausmachten! ,Jnzw""'^n hat sich dieser anteilige Satz der Toqe'szeitun 'en am "semmlanzrigrng.'schüft auf 50 'P.o?ent aogerundet. Di: American Newspaper Publish rS Association erhärte, daß die amerikanischen Zeiinngen 1925 für 750 Misstonen Dollar Anzeigen g brächt hätten. Darnach hätte sich letztes Jahr der Ge^amtetat für Anz.stgen auf die gewaltige Summe von 1500 Mill. Dollar gestellt! G'tt neuer Sultan in Albanien. Rom, 24. Dezenvber. Nach Blattevmeldmrgen aus Tira..a ist in den Berg:» von S e iazza in A bnuien na..- m.'hreren Erdstößen ein neuer Vulkan in Tätigkeit getreten, die nun seit zw i Tagen andauelt. Unwetter in I'alten. Aus R o ui wird genreldet: Wie aus Triest berichtet wird, herrscht dort süt gestern abends eine überaus # heftige Bora mit ein.w Geschwindigkeit von 90 Kilo- L w-tern in der Stvllde. Die TenUeratur ist in ganz Italien | ÜBoiin ist die Miqu Bßnc Sotflen t Bei der Bereitung des täglichen Frühstücks, denn sie hat es längst erprobt, daß man eine gute Schale Kaffee nur mit Beimengung von echtem Herstellen kann. ss» gesunken. Zugleich sind überall starke Regengüsse medergegangen. Auf den Bergen bis Benevent hinu.7:r ist reichlich Schnee gefallen. Bei U d i n e wurde heul» früh ein Erdbeben verspürt. Begnadigungen tu Lefterretch. Sechzehn Sträflinge, darunter -er Attentäter Jarmrek. in Freiheit gefetzt. Wie wir erfahren, ist am 17. Dezember ein Gnadenakt des Bundespräsidenten ergangen, der 16 Sträflinge der Anstalt Stein betrifft. Diese zu mehrjährigen Gefängnisstrafen Verurteilten wurden begnadigt und ihnen der Rest der Strafe nachgeschen. Unter ihnen befindet sich auch der Fabriksarbeiter Karl Jawurek aus Potiendors, der am 1. Juni 1924 auf dem Südbahnhof in Wien das Revolverattentat auf den Bundeskanzler Dr. Seipel verübt hatte. Jawurek wurde am 1. Dezember 1924 zu dreieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft wurde dann die Strafe auf fünf Jahre erhöht. Jawurek ist bereits aus der Haft entlassen worben, HorihyS Amnestie. Budapest, 24. Tezembec. (U. T.. K. B.) Der Reichsverweser hat aus Anlaß des Weihnachtsfestes 77 Verurteilte begnadigt, und zwar entweder durch völligen Erlaß oder entsprechende Milderung der Strafe bzw. durch Umwandlung der restlichen Freiheitsstrafe in Geldstrafen. Unter den Begnadigten sind , zehn Personendie wegen in der Zeit dex Proletarierdiktatur verübter sckM-rc'r Verbrechen verurteilt worden sind; ihnen wurde die noch rückständige Strafe erlassen. Zwei der Begnadigten waren wegen Pressedelikten und neun, wegen während dev Revolution im Oktober 1918 verübter Plünderungen verurteilt worden. Der Justizministvr hat heute die sofortige Enthaftung der in Betracht kommenden Personen verfügt. System Slelsch. Die weltsrenrvo Postsparkaffa. Die neue Leimnz der Pastsparlasse h.rtte ängeordnvt: daß, ebenso wie bei den übrigen Wiener'Banken, gestern, die no.ma'en Ka'sastunden zu' entfallen haben und nur zur- Wechselzahlung ein Schalter von 9 bis 11 Uhr geöffnet bleibe. Diese Verfügung war in den Tajeszeitungen verlautbart und auch im Postsparkassenamt se'bst durch Ansch'ag kundgt macht worden. Gleichwohl fand sich gestern vormittags eine große Zahl von Ein'e iern bei den Schauern ein, da dies: im Vorjahre bis 12 Uhr mittags geöffnet w rem. Die Parteien brachten ihren Unmut laut zum Ausdruck. Es ist wohl ein starkes Stück, durch Schließung des wichtigsten Finanzinstitutes den Kauf.'euten die Möglichkeit zu nehmen, gerade vor den Feiertagen den gesteigertrn Ge'dbedarf durch Abhebung von Einlagegeldern zu decken. Di« Steuerzahler sind von d:r Gebarung der Postsparkasse in der letzten Zeit nicht gerade entzückt; durch solch: Prakfiten miß ihr Unmut naturgemäß noch singen. Man wird sich mich in der Postß arkasfe zu d:r Einsicht dr.r.7,rlngen müssen, daß ein staallichrs Finanziust'tut für das PubllkuM da ist und nicht umgekehrt. Die Postsparkasse ist schon zuviel im Gerede; sie sollte jetzt möglichst wenig Anlaß zu äraerlichen Aufläusen g-ben. Such, Neveleeren stunggts.llen, Mutz Ich ßuber-Lllöc empfehlen. Ahr seht, mit diesem rrank im Leide, Bald Seltnen In jedem Meide. UeberaU ethSItllch. & Sefteneichiiiye SBittidialti Dattel. lieber die vorbereitende Ber.amm.ung d:r Anreger ein^e österreichischen Wirtschaftspcr ei habe» wir bereits berich-. tet- Wie wir erfahren, ist für Dienstag, 6 Uhr abends, die konstituierende Bersamm'ung einer Spitzenvr^nisation der mittelMndischen Verbände einberufen. Es ist die Gründung einer wirtschaftspolitischen Arbeitsgemeinschaft in Aussicht geuom ne». D:r Aufruf ist von der mittelständischrn Vo'kspartci, d m Gremilim österreichisch r Handelsvertreter, dck Wirtschaft ichen St inderereinigung, de- Reichsvereines der Arbeitswilligen und der Demokratisch«» Partei unterfertigt. Die B.rfammlung findet im Cafe Landt^' mann statt. Beethoven-Postkarten. Die Oesterreichische Postverwakiuus beabsichtigt ankäMH der Beethoven-Hundertiahrfeier im März Ivjf küilltlerisch ausgestattete Postkavten mit dem Aufdruck der m* Wöhnlichen Postganzsachemnarken zu 10 g auszugeben.- Drr' künstlerische Entwurf rührt von Dr. Rudolf I u u k h«.