Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2812 (25.12.1926)
- Date
- 1926-12-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 4 Men, Samstag Wiener MorgenzeitUttg 26. Dezember 1926 , Nr. 2812 lorengegangenen Zusammenhang mit der Natur wieder herzustellen. Wir wollen nicht alle jene Momente, die gegen die Errichtung von Wohnhäusern in den Zentren von Städten sprechen, wiederholen, wir mochten nicht alle jene Argumente nochmals ansichren, die darzutun versuchen, daß bei dem in Wien von der Gemeiudemasorität befolgten Prinzip, die Häuser zur Gänze auf Kosten der Allgemeinheit zu errichten, die Wohnparteien absolut nicht das Interesse haben, die Wohirnugen zu schonen und sie möglichst lange in gutem -chlirande zu erhalten, wir-begnügen uns lediglich damit, darauf hirrzuweisen, daß in der ganzcn Welt das gesunde Bestreben vorhanden ist, dr.' Wohnhaussr nus dem Zentrum der t^roßstädte in die Peripherie zu verlegen. Für die jüdisch Bevölkerung kommt noch Hinzu, daß, um eine immer dringender werdende Umschichtung in beruflicher Beziehung herbciführen und um denr bestehenden Mbröcklungsprozeg einigermaßen entgcgenwirken zu könne«, vor allem die Jugend wieder an die Bearbeitung der Scholle gewöhnt werden muß. Wir halten es daher siir eine unaufschiebbare jüdische Forderung, daß die Wohnbaupolitik der Gemeinde Wien eine derartige Änderung erfährt, daß den einzelnen Wohnungssllche'nd-cn zunächst die Möglichkeit gegeben wird, au' Boden, der der Gemeinde Wien gehört und der lediglich in Erbpacht überlassen werden soll, E i no d e r höchstens Zweifamilienhäuser mit kleine m Bor- und Hintcrga r ten selbst zu erricht e n, wobei der 'entsprechende B a u k r e d i, t aus Mitteln der Gemeinde jedem» ohne Unterschied seiner Nation, Konfession oder eines politischen Bekenntnisses, bloß nach seiner Kreditwürdigkeit gewahrt wird. Es ist allgemein bekannt, daß die von der Gemeinde Wien bisher errichteten Wohnungen bloß nach politisch«» Gesichtspunkten den Wohnungssuchenden Parteien zugmviesen werden. Dazu kommt, daß in bezug auf den Jutzenpunkt die sozialdemokratische Partei genau so eingestellt ist, wie die C h r i st l i ch s o z i a l e n. In keinem . Falle kann der jüdische Wvhungssuch'^nde auf die Erlangung einer Wohnung rechnen; nicht e i n Prozent von ihnen wurden bei. der Zuweisung in den neuen Gemeindehäusern berücksichtigt. Dagegen ist es unbestritten, daß d« jüdische Bevölkerung einen weit betracht - I i ch eren Te il an Ge m e r n d eun d B u nd esst e u e r n beiträgt,. als ihrem Prozentanteil, an. der Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Ein ausschließlich vom Gesichtspunkte der Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers geleitetes. Kreditinstitut wird unmöglich den. wirtschaftlich besser, situierten jüdischen. Kreditwcrber übergehen-können, .wie dies bei den Wohnüngszuweifungen' in?, den vollständig aus GemeindkmitLeln errichteten Wohnhäusern heute der Fall ist. Es ist also klar, daß für die jüdische Bevölkerung Wiens gerade in ihrem fundamentalen'' sozialen Interesse eine Aenderung - der jetzt herrschenden Methoden " der Wohnbaupolitik der Gemeinde fordern muß. BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBflBBBBflBBBBBBBBBR . KLUB RADIKALER ZIONISTEN Mittwoch, den 29. Dezember 1926, um, halb 9 Uhr abends, im Cafe Atlashof, 1, Aspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) Klubvers am mlung Thema: Der Antisemitismus und seine Begründung. Referent: 0r. Desider Friedmann. .Fresie Aussprache. — Im Landesverband organisierte Zionisten ais Gaste willkommen il reichert, der über die merkwürdige Situation der europäischen Juden nicht bloß amüsante, sondern auch kernige Bemerkungen macht. Und das mißglücke Stück er.thät eine Gestalt von so lebensvoller Formung, wie sie bisher unseres Erachtens Hans Müller niemals geglückt ist: die alte Frau Netti Gutherz aus Bielitz, die Mutter des Großbankiers, der ganz Schönbrunn zusammengekaust hat. Sie wird von Jlka Grüning meisterlich gespielt. Wenn sie im Palast ihres Sohnes erscheint, ist ein Stück aller, schlichter, selbstsicherer Kultur zwischen rasch zusammen- ' gekauften Prunk geraten. Rührend, wie die Jüdin im türkischen Umhängtuch die Mutterliebe für. Entartung des Kmöes' nicht blind macht und Abscheu vor dieser Entartung der mütterlichen Liebe nicht Abbruch tut. Und bezwingend warm ihr- Humor. Mit den sonstigen' Rollen, die leider wieder ganz in billiger Schwarz-W.iß-Technik gearbettet sind, ist künstlerisch nicht viel anzufangen. Hans I ar a y spricht den jungen Zionisten mtt edler Zurückhaltung, Hanna Ralph ist eine schöne Dame der Gesellschaft und opfert ihre Ehre mit heldenhafter Fassung. Dem jüdischen Krastkerl mit den unermeßlichen Geldgewinnen gibt Max Landa die erforderliche Visage, und die fesche Wienerin mit dem gewissen aristokratischen Schmiß ist bei Charlotte Waldow gut aufgehoben. ♦ # Aber nicht vergessen soll es Hans Müller sein, daß fein jüngstes Opus, wenn auch künstlerisch nicht geraten, so doch mutig ist, daß er sich nicht auf fünfzig Prozent ausgeglichen hat und daß es uns bei diesem Judenstück erspart blich, die de-- und wehmütige Klage, man.lasse uns,, ach, nicht gelten/ es geschehe uns bitter unrecht üstr^ frfoivvi»! -v’Vi-.n zu müssen. MONOS Ci L1EFERUN6SWAGEH Mit erstklassigen englischen Motoren Löw, Schwarz & Co., Wien, I., Stubenring 6 Telephon 76-2-44 Modell U A 250 kg Nutzlast; Sille Modelle mit Snnenbackenbremsen and Voll- Scheibenrädern, Model! IV mit Stücklauf auch mit Slnhänger und als Personenwagen. 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Leben und es wird nur von ihnen gefordert, daß sie sich zu dieser Erinnerung stellen, daß sie sie bekennen und daß sie. wieder mithelfen, der Jugend von heute aus ihren Zweifeln und aus ihrer Bitternis den Weg zu zeigen. Die Jugend von heute lebt unter, ganz anderen Eindrücken. Sie-hat eine Welt einstürzen gesehen, sie steht in einem Milieu, dem das ideale Streben abhanden gekommen ist. Diese Jugend könnte Unerhörtes für die. jüdische Sache leiste«.-Aber sie zu erfassen, dazu reicht die Kraft der in der Leitung der Organisation stehenden Personen nicht mehr aus. Andere Probleme, aus der-materiellen Not des Tages geboren, treten an sie heran und die Pracht-- volle jüdische Jugend, voll Mut und Begeisterungsfähigkeitvoll Opserfreude und treuem Sinn, muß abseits bleiben. Ihre Erziehung wird vernachlässigt; sie wird nicht der großen nationalen Organisation eingefügt. Sie fehlt uns und wir fehlen ihr. Die akademische Mische Jugend hat ihrd eigenen Sorgen - und sie sind schwerer , und tiefer geworden, als sie in früheren Jahrew waren. Sie steht in-hem direktesten Kampf gegen, den Äntisemitismüs, der aber böser geworden ist. .Sie hat mit -Not und Elend zu kämpfen und da ihr die Zionistische Organisation nicht den Rücken steift, ist die Seele der Jugend in Gefahr, den Verlockungen sozialradikaler Assimilation zu verfallen. Hier können die Alten Herren, die selbst diesen Kampf. durchgestanden haben, eingrcifen. Die Zionistische Organisation muß sich erneuern. Ihre politischen Aufgaben wachsen, von Tag zu.Tag. Sie muß das Palästina-Werk sichern und sie muß die Führung im Jrcdentüm wieder. erhalten. .Das legt allen ihren Angehörigen erweiterte Pflichten aus und vor allen: müssen diejenigen wieder in Reih und Glied treten, die den Bau dieser Weltorganisation geschaffen haben. Sie sind das bedeutendste Reservoir des politischen Zionismus, sie stellen eine. Summe politischer Kraft dar, wie sie nur selten ein' Volk besitzt. Sie müssen an die Arbeit! ■ m ■ Die vom Zionistischen Landeskomitee einberufene Versammlung der zionistischen ehemaligen Hochschüler fand am Donnerstag abend im Heim der Zionistische» Sektion 6/8 am Bennoplatz statt und war außerordentlich stark besucht. Im Namen des Landeskomitees begrüßte Herr Dr. Alfred Löwy die Erschienenen Und legte ineiner längeren Ansprache die Intentionen der leitenden zionistischen Behörde dar. Es handle sich vor allem darum, die ehemaligen Hochschüler, wieder in die aktive Arbeit für den politischen .Zionismus zu' stellen, sie wieder zusammenzuführen und in einen Verband zusammenzuschließen, wie ein solcher bereits vor dem Kriege bestanden hat. Die Debatte währte , über drei Stunden und erbrachte die einmütige Anschauung der. Anwesenden, daß die Bildung eines Verbandes als eine Notwendigkeit zu betrachten; die Marke dca eleganten Herrn VII., Kaiser Straße 123 IX., Alserstraße 6 BBBHBBBBBBBBBRBBBBBBBBBBBflBBBBBBBBBBBB - sei. Er müsse alle Alten Herren der Verbindungen sowie der Vereine umfassen; seine Aufgabe liege auf dem. Gebiet der kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationstätigkeit. Die von der Versammlung einstimmig angenommene Resolution begrüßt die Initiative des Landeskomitees, und beschließt die Gründung' des Verbandes zionistischer ehemaliger Hochschüler. Er' hat den Zweck, die Intellektuellen wieder der zionistischen Tätigkeit zuzuführen. Der Verband wird nach seiner in -kürzester Frist vorzunehnrenden Konstituierung, zu deren Vorbereitung ein viergliedriges Komitee eingesetzt wurdeauch mit den ehemaligen Hochschülern in den Sukzessionsstaatenin Verbindung treten. In weiterer Folge ist dann die Einberufung eines allgemeinen Kongresses der ehemaligen zionistischen Hochschüler im Sommer 1927 in Aussicht genommen. 3«r Frage der WWe« Skedlmrg in der Krim. Von Professor Simon Dubnow. In dem Werke- „Geist und Gesicht des Bolschewismus" : verweist der Autor Rene Fülöp- . Miller, auf eine zur. Rechtfertigung des'Krim- . projettes herangczogene Theorie, die russischen! . Juden seien zum Großteil Abkömmlinge der Chrsaren, deren unabhängiges Reick) in der ' Krim durch Jahrhunderte bestand, daher ihre Ansiedlung auf diesem -.Gebiete .nur eine Zurück-- " füh.ung beinhalte. Der Herausgeber der vorzüglich geleiteten Wiener jüdischen Monatsschrift > ■ .: ... „M e.wo.r ah"- ersuchte.Merrn' Prost -..Simon; - - - Dubttoto,. vom Standpunkt des jüdischen Hi-, .."störiköK"' .feine", geschichtlich.'.' beWnoete.' "'Ansicht'/'.' zuäußern; Tübnows Antwort, «die im Zännerheft der;,Menorah7 erscheint, wurde uns von ' der Redaktion der Zeitschrift in entgegenkommender Weise zum Vorabdruck zur Verfügung. gestellt; sie lautet; Wenn es in Europa überhaupt irgend eine Gegend gibt, wo die Juden den Nam.n von Autochthonen voll für sich tit ■ Anspruch nehmen können, so ist es vor allem die Krim, so- . wie die ganze Nordküste des Schwarzen Meeres, die fett Ende des 18. Jahrhunderts, zum Besitzstand Rußlands gehören. An diesen Küsten, in dem alten Böspv Attischen Reiche, blühten Kolonien hellemsierter Juden Noch -vor der Entstehung des Christentums. Der- Wissenschaft wohlbekannte Inschriften bezeugen das Bestehen organisierter jüdischer Gemeinden im Bospyranischen Reiche schm im 1^ Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung. Ueber diesev Urschicht der jüdischen'Landesbcvölkerung lagettett sich im Laufe - der Jahrhunderte immer neue und neue.Schichten ab: die byzantinischen Juden seit dm 6. Jahrhundert, die jüdischen Bevölkerungselcmente des Chasarenreiches seit dem 8. bis zum 11. Jahrhundert, die Juden und Karäer dev-Zeit der Tatarenherrschaft vom 19. bis zum 18. Jahrhundert' und schließlich ein Netz jüdischer Ackerbaukolonien km ’ sogenannten „Neurußland" seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Das geschichtlich: Recht der Juden, die Krim und die ganze Schwarzcmeerküfte von Odessa bis nach dem Kau- . kasus hin zu kolonisieren, kann somit nicht in Zwnfel gezogen werden. Bleibt die Frage der ZiveckmMgkett rade an dem. an die Schwarzemeerküste stoßenden Steppengebiet,wo nun die neuen jüdischen Kolonieit begründet wevden sollen, kam. im 17. Jahrhmchert jene Kosaken- und Hai- . damakenbewegung zunr Durchbruch, die, im. Lällfe von fast drei Jahrhunderten, von 164^ bis. 1920. die Ukraine, mit jüdi'chkm Blute trsinkte. Die Diktatur. Sow'etrußlands hat. zwar den zuletzt 'eingebrochenen blutigen Flu.'«'! für eine / Zeitlang Einhaft geboten, hoch tver wollte sich dasi'n: verbür- . gen, daß bet einem ettvaigen Neuernugswechsel eine neue Sturzflut das ganze ukrainische Land mitsarnt den mtf btf. Jniative einer despotischen, von der. Mehrheit bei russischeu Volkes bis heute nur unfreinüllig geduldeten Ma-.in -.'".lsttmdenen Kolonien nicht übersck'wenunen und den furchtbarsten : Verheerungen preisgeben werde. Gewiß wäre es erfreulich, dort, wo schon vor Mntausttld Jahren' unsere Vov'ahrnr unter Griechen und Skythen gelebt - haben, ein dichtes Netz jüdischer AckerbaukoSonien nusgr^ breitet zu wissen und-das Aistb'ühen eiyxs jüdijchren autonomen.Gerneinwesens in diesem Lmrde zu erleben. Iudessm sind die neuzeitlichen Skythen weit.gesährlick«': ,i»is die der Bo» - zeit, und die sie zei^wnlig im Zaume haltend»- bolschrlvistische Macht, birgt fte'mi einer, fürchterlicher-. - ^-ckr'on ln l sich. Timeo Danaos et dona secenteB..