Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2811 (24.12.1926)
- Date
- 1926-12-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mik 4 Auert, Freitsg Wiener Morgenzettmtg 24. Dezember 1926 Nr. «11 Las »Met der Wiener Kultusvemeinde. 8k«eiaLerat Sr. Piaschke» wer die Fokderuagen der gloaiftea. In Fortsetzung der Bubgetdebatt-e der Wiener Kultukgemeinde sprach gestern als erster Redner Kul tuSvorsteher Moritz, der die Wünsch: der Partei für soziale Tätigkeit zum Ausdruck brachte. Er forderte die Unführung des allgemeinen Wahlrechtes, auch für Frauen, und die endgültige Erledigung des Pensionsnorm a l e S für die Angestellten der Kultusgemeinde. Sodann ergriff Gemeinderat Dr. Plaschkes für die zionistisch.' Fraktion das Wort und führte unter anderem aus: „Niemals hatten wir von -er Mehrheit erwartet, daß sie als ihren Redner einen Mann in die Debatte schicken werde, der von jüdischer Würde auch nicht die leiseste Spur zeigt und das historische Werk des Judentums. um das uns Staatsmänner von hölistem Rang beneiden, für das ein Balfour und Lord George, ein Macdonald und Wedgewood beneiden, mit Unwahrheiten in den Staub zieht. Das ist Ihr Redner! Das ist Ihre Methode! Früher haben Sie gegen uns Ihre Rabbiner geschickt, jetzt schicken Sie Ihren B u ch w a l d. Immer mit dem gleich'« Erfolg. Das jüdisch: Volk läßt sich in seinem Werke nicht boAndsrn. Neben unserer Palästinasorderung steht noch eine andere, ebenso wichtige; die dauerhafte Anerkennung rrwd Sicherstellung unserer Existenz in der Diaspora. Das Recht der autonomen Rrgelun-g unserer eigenen Ang-lgenheikn für alle Juden, auch mit S t a a i s m i t t e l n, im Wege der Gemeinden, das ist die. Geltendmachung der Minderheitsrechte »ach dem Friedensvertrage, in nationaler und kultureller, in religiöser und poli- Ir scher Beziehung. , .' Die Mische Erziehung, die Erfüllung der jüdischen sozialm Aufgaben und der jüdische Kultus sind ln gleicher W^iie autonom zu regeln. Deshalb ist nicht die konfessionelle Grundlage ununterbrochen zu betonen, sondern dis jüdische Gemeinde zum Vrrtretungsorgan d:r jüdi-schm Minderheit zu machen, dem nichts Jüdisches fremd sein darf, was immer aus den religiösen, kulturellen und politischen Forderungen, aus der geistigen Individualität sich ergibt.. Eme Wische. Gemeinde hat ihre Kraft aus einem lebendigen Verhältnis zu allen jüdischen Angelegenheiten zu schöpfen.. Die ^rste und wichtigste Forderung ist : die vollständige Umstellung des jüdischen Erzj^- hungswrsenL. Nichts wird uns gröbere Sympathien in . der jüdischen Bevölkerung verschaffen, als der Ausbau des jüdischen Religionsunterrichtes, Intensivierung d e s hebräischen Sprachunterrichtes und energischer Kampf gegen alle Schwierigkeiten, die: die sozialdemokratischen Schulbehörden uns bereiten. Die Mittelschullehrer haben sich bereits dafür entschieden, die Volks- und Bürgerschullehttv müssen Nachfolgen. Was wir in den öffentlichen Schulen nicht leisten lBnnen, must in den hebräischen die Fachphüosopheil Eimv ndü.lgen ge^e.l sft (aierr. Mau wird seinerseits aber mißtrauisch, wenn ein Philosoph von Beruf und treibe er auch „Lebenspliiwsophie"— das Wort über die Lirbe ergreift. Ernst Barthel schreibt eine „Philosophiebes Eros" (Rrinh-ard^ München), und er entkräftet das Vornrckll. Er legt kein Schema an diese größte Problematik des Lebens, er dechiffriert und systematisiert den Eros nicht, er anerkennt Ratsei urd Wunder. Cr steigt in sein Weftn hinab und betrachtet es von sich, das heißt von der rationalen und kritischen Vernunft aus. Gefühl — läßt er beiseite. Nun gut, mancher wird diese Art der Behandlung üb.'rhaupt ablehnen: Eros und Ratio. Liebe und Kritik, Erotik und PhiVophie vertrügen sich nicht, seinen Widersprüche. Man lese .Barthel. Es gib d eine Philosojchie des Eros — und klingt sie auch. ein wenig | trocken: dieser Kölner Dozent h a t sie geschrieben. Doch gewarnt seien Lebemänner. In dem Buch ist Philosophie, nicht Erps! Zum Schluß ein Buck in ein lebendiges Leben, in ein Herz, einen tätig wirkenden Geist, in Pestalozzi. Der Verlag Rascher in Zürich gibt sein schriftliches „Werk" her, aus, in drei Bänden. Der erste erzählt, in Pestalozzis Worten und Mitteilungen von Zeitgenossen, sein Dasein, sein Schaffen und Erwecken, sein Helfen und Bauen. . Und «in Mensch steht da, im Zeichen: Alles für ankere, nichts für sich. Ein erhebendes, erschütterndes Gotteswesen; se'ten spür' man die wirkende Gotthrit so in ihrer Kreatur. Drr zweite Band „Ideen" ist ein Gang durch die Welt Pestakozzischer Schriften- Auch im geschriebenen Wort ist bei diesem größten Menschenfreund noch Tat, Werk, bildende Kraft. Seine menschliche Wirkung brsteht noch heute —> wenn nur das Heute Zeit hätte, ihn zu hören. Dieses schön: Denkmal in Druckerschwärze strömt eine Suggestion des Guten, de- Würdevollen, des edel Erzieherischen aus, dcr man sich widerstandslos und beglückt hingcöen sollte. Stzrt Münzer. Sprach, und Bibelischulen ergänzt werden, und da die Kullusgeiminde selbst nicht alle diesb> züglichen Maßnahmen schaffen kann, hat sie kdoutende Mittel herbeizuschaffen, um die privat.n Institutionen lebensfähig zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Nach ihm sprach Dr. Glanz für-den Klub für -soziale Tätigkeit, worauf für die Zionisten Oberbaurat Ing. Robert Stricker, das Wort zu einer langen Ausführung ergriff, die um Mitternacht noch andauert. Der verband der Nnltnsgemelnden Sefterrelchr Eme Kmtdgebmlg der jüdische« Dolkspcrtel in Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, der Vorsitzende der jüdischen Bolksparlei Trutschlands, hat an den Baumeister Winkler in Groß-EnzerSdorf, den Präsidenten des BerkandeS österreichischer Kultusgemeinden, die folgende Begrüßung gerichtet: Im Nomen der jüdischen VolkSpartei habe ich die Ehre, Ihnen zu der Gründung des Berbrmdrs der Lster, reichischen KultuSgemeindm unsere herzlichsien Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Die Gründung Ihres VcrX.ndeS ist für uns ein Symptom für das stetigwachfende Zusammengehörig« keitsgefühl der Inden in der ganzen Welt. Möge er ela Schritt nus dem Wege der Schaffung elnor Ges amt o rganisatio n aller jüdischen Gemein d e n sein! Wir, die wir in der deutschen Gemeindepolitik seit Jahren mit diese« Fragen uns beschäftigen, wissen Ihre ivib Ihrer Mitarbeiter Leistung bei dem Zustandekommen des Borb.-ndeS zu werten. Wir wünschen und hoffen, drih die Zeit nicht fom ist, wo. auch die österreichischen Gemeinden, die leider leute dem Verbünde noch nicht angeschlossen sind/mit Ihnen tatkräftig z u s a m m e n a r b e i t e n werden. „Stadttat Breitner hat Glück gehabt." Er« Redeexzeß im Wiener Landtag. Im Wiener Gemeinderat als Landtag wurde gestern über die ger'nafü^iaen Herabsetzungen der Feilbi tnu.^-. d r Lustbarke'^Sabgabe und der Fremde -zimmr.a'fta'e ve handelt. Die Ehr>itckchsozialen kri'.nj?.rten hftliLi v.\ den sHätsften Worten dis Steuerpolitik des Stadtrates Breitner. Der christlichfoziale Stadtrat Rummelhardt li ß sih im Laufe der Debatte'zu einem Redeexzeß Hinreißen. Er sagte wörtlich: „Als der Bürgermeister gestern hier im Saale ge-, sprachen hat, ereignete sich draußen am Gang ein: für Ihre Steuerpraxis bezeichnende Sz-Ne. Ein Gastwirt, der die hohen Steuern nicht zahlen konnte, führte Be-, schwerde, weil man ihm den Schanktisch und Eiskasten weggepfändet hat. Er war so aufger e g t, daß man nicht wissen konnte, was alles geschehen würde. Angesichts der Urteile der Geschworenengerichte, durch die Mörder freigesprochen werden müsftn wäre es sehr leicht möglich gewesen, daß ein derartiges Unglück, das wir auf das tiefste bedauern würden, auch hier passiert wäre. Stadtrat Breitner hat das Glück gehabt, daß er -hier im Saale sein mußte. Das kann aber von vornherein j verhütet werden, wenn man nicht so unvernünftig vor- ' geht." Gemrinderat Hofbauer: Das ist sehr geschmackvoll, solche Sachen hier auszuführen! /Bei diesem Zwischenruf entstand bei den Christlichsozialen großer Lärm. Gemeindera'. i :yer rief laut: Die Steuern sind auch nicht geschma^voll! Sie zahlen sie ja nicht! So eine Niederträchtigkeit! .Gem-einderat Hofbauer ruft: Sie animieren, daß Leute umgebrach twerden! Nach längerer Debatte wurden dir Steuerermäßigungen, über die bereits mehrfach berichtet wurde, angenommen. Die Stimmung im Eemeinderat scheint versöhnkicher geworden zu sein, was daraus hervorgrht, daß auch christlichsoziale Abänderungsanträge angenommen wurden. Heute wird die Budgetdebatte fortgesetzt.!f SSgägggj!l@ai8S£«SL Der elektrische Stuft! Die Zauberin von Kastilien Mottke, der Dieb Ein Glaubetismartyrium Onkel Moses i fünf neuen Romane von Schalom Asch bröselt. 8 5* sind soeben erschienen Preis pro Band geb 8.8*— z Verlag R. Löwit, Wien, l Bezirk « iij Rotenturmstraße 21 p~v3isg8iwxSi^^SI^^SIS^^51fmaf!858hmate8'l £55.® Einige Beispie e der staunend bil igm P eiler Damen» Wäsche-Garnttur, Hemd oder Hose. n u r. 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Der Andrang dekaufenden PuhlikuNÄ bei Brüder Schlffmann war am ..Goldenen Sonntag" so enorm, daß der Eingang immer loieder — oft viertekstundenlang — gegen die Wartenden gesperrt werden mußt:, und viele Hunderte, denen da- Marten zu lang wurde, unbefriedizt fortssW muStrn. Jeder weiß, wie «ut und biltta man Sei Brüder Schiffmann kauft und WM daher nur da kaufen. Wien, 24. Dezember 1926. Storngex Frost. Der Winter ist da. Gestern gab es bereits einige Grade unter Null und r je Vorausiuge bringt die eisige Meldung- Heiter. st r e n g e r F r o st. Der LebenLmittelvrrkauf am Samstag und Sonn-rg. Am Sonntag ist der Mtlchperfchleiß von 7—8-UXjr undvo» 11—12 Uhr. der Berschlciß von Zuckcrbäckerwaren und Zuckerwaren bis 8 Ulhr abends, der Verschleiß von Selchj'leifch» Fleisch urtr Fl-eischiwaren von 5-^10 UQt vormittags erlaubt. Die LebenSmittelgcfchäftr können SamStag wie an einem geweintichen Werktage offen halten. . Die Friseurgefchäfte werden morgen und Samstag, den 1. Jänner, nur bis 12 Uhr mittags offenhalten. Strabenbahnfahopreis am Samstag. Am Samstag al t auf den Straßenbahnen der: SonntagSfahrpreis. Frü','f^hr?cheine, Hin« und Rücksahricheine mrd WoclieNkarten, sowie die Fürsorgefahrfcheine haben kein- Gültigkeit. Ehrung.. \ 'Der Bundespra'ident hat dem Chefredakteur der Wochenausgabebes „Neuen Wiener Teg)7alta5" Julius Uprimng das goldene Ehrenzeichen für'Verdienste: Um die Republik 1 erließen. Ein LlebeSdrama. In ernem Hotel im achten Bezirk hat sich der Ssjährtga' PrivaLcamle Friedrich B durch einen Nevolverschuß sä/ver ver.etzt. Er hatte seit längerer Zeit eine Bekanntschaft mit einer 20jährigen Pridatbeainlin un^ wollte sie heiraten, doch war die Multe: des Mädchens dagegen. Für vorgestern hatte er Vas Mädchen zu emer Aussprache in ein Hirtel bestellt. Dort wogte er sie veranlassen, gemeinsam mit chm zu sterben und drehte sich allein zu töten, wenn sie ihn nicht erhöre. A'lS er etnen. Nevobver hervorzog, ergriff sie die Flucht. Im nächsten Ai genAicke krachte ein Schuß, teil. $J. gegen sich abgefeuert batw Man fand bcr chm ein Testament, aus t>t . l'ervorgelht, daß er die Absicht hatte, das Mädchen und sich ,v töten, Ter belohnte - LvhenSretter. Wäh.end des Unterganges der „Titanic" am Ick. April 15)12 rettet: der Matrose John Jan es ein kleines Mädchen. PhhlliS Ähre?, dessen Eckern in den Wel'en den Tod gefunden hitten. Einige Wochen nach dem Unglück übergab der Netter der Großmutter des Kindes, die in London wo'mte, feinen Schützling.' die alte Dame, die sehr reich war, überreichte ihm eine hohe Belohnung. Nach dem Weckkrieg machte der Matrose, dev mit kanadischen Truppen nach Europa gekommen war, der alten Dame einen Besuch, die ihm wieder als Bemei? ihrer Dansisarkeit 500 Pfnno . säienkte. Mit diesem Geld konnte Janein Kanada eine Farm beginnen. Nachdem er lange Zeit nick tS von der alten Dame und dem geretteten Kinde gehört Hatto, erhielt er dieser Tage die Nachricht, daß die a^te s^rau AhreS gestorben sei, ihm eine Million Pfund Sterling hinte^assen ausserdem zum Vormund der jetzt löiü^'igcw MhlliS eingesetzt yrt. Ei» süchtiger Steucrexekutok. Aus B u d a p e st wird gemeldet: Der Steuererekutor Adorjan Sin:ko ist nach Unterschlagung von.400 Millionen siUtlg geworden. Gegen ihn wurde ein Steckbrief erlallen. Da» Kerea-Kaiemech-IubilSum. , Dik Zionistische BezirkSsektion Brigittenau hat eine ciöene Amon zur Eintragung der Sektion ins Goldene Buch des Keren Kalemech «in-e'eltet Der erste Betrag in ® UN das Bureau bereit? abgeführt worden. Morgen HM 8 Uhr abends, findet eine ^M^^nEJuSilSumS-Feier in der Zionistischen Beziressektion Zwischenbrücken. 20. Bez. Levstratze S1 statt bei der Herr? « rt a ko lv e r, Leiter des Keren ' Kajemekh, die Festrede hä t. Die Zionistische Bezirksselt on 0 veransta.tet ihre Aeren-Kajemeth-'JubtlSumSfeier am DonnovStag. den 80. Dezember. Die Festrede hält Herr Adolf Böhm, Präsident der LandeSkommtision. E. <88 M. 9321» 99048.) Tieft L'lüMnuniimrn zur Welkrechttzichung sir.d nur erhältlich bei der Klaflenlotterte-GcschäftSstelle Brüder Beer mann, 1. Bez., Rotenlmmslraße 13, Eingang Licht-ensteg 1. L Dtreljer Berkehr Trlest—Palüsllna. Am Donnerstag, neu 30. Dezemter IS2S. fährt der Dpezialdampker des Lloyd Triestino „Gioniealovon Triest direkt nach Jaffa—Haifa <ch. Datier der Fahrt ßf$ Tage. Nächste Abfahrt Donnerstag, den 6. Jänner 1827, um 18 Uhr.