Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2810 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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GeA 6 Wien, DonnerStaH Wiener Morgenzeituns 23. Dszem^r 1926 «e. 2810 Bühne und Kunst. n%tx Sorten Sven." Deutsches Bolkstl-euter. >.uer Kapitel aus dem Leben eines „unanständigen" Mönchen« von Rudolf O e st e r r c i ch e r und Rudolf Bernau er. Anspruchslos wie der Titel ist auch das Stück; es will kapitelweise unterhalten. Weiter, beziehungsweise tiefer greisen die Autoren nach keiner Richtung hin. Dieser „Garten Eden" ist gut nach bekannten Vorbildern und Szenen gemacht, denn nicht ein Gott schuf ihn als Anfang, sondern er steht, von zwei Menschen mühsam gezimmert, irgendwo in der Mitte. Auf der Bühne und in der Literatur kommt in der letzten Zeit öfters ein armes, aber anständiges Varietpmädel vor, das diesmal sogar angrisfslustigeu Generaldirektoren Sektflaschen an den erhitzten Kopf wirft. Ganz wie im Kino, geschieht es auch hier, daß eine zur Garderobefrau verkrachte Baronin solch ein „unanständiges" in Anfuhr uvigszeichen, also anständiges. Mädchen nach der Riviera mitnimmt, wo die Baronin, rekte Garderobefrau, jährlich chre drei Wochen Urlaub aus erspartem Geld auf „vornehme" Art verbringt. Was weiter geschieht, ist eine Mischung von typisierter, also nicht ind!-. vidnell differenzierter Persiflage, Schlüsselroman und Kinoromantik. Im Hotel „C^en" an der Riviera verliebt sich in Tilly ein Dozent, der sie als Baronesse heiraten will, obwohl sie in Wirklichkeit nur von der Baronin im letzten Augenblick adoptiert wurde. Am Hochzeitstag erscheint aber der Generaldirektor, der im eisten Akt Sektslaschen-schleudern verursacht hat und es kommt zu unliebsamen Enthüllungen, die unter anderem den Bräutigam als Waschlappen entlarven, die kleine Tilly aber zur Heldin werden lassen, die Reichtum und die Hand des geliebten Dozenten verschmäht und lieber in Höschen durch die Reihen der erstaunten Gäste in der Hotelhalle ins Freie stürzt. Daß ein Fürst diese Tat als weltgeschichtliches Phänomen a la Renaissance wertet und Tilly seine greise Hand, Milliarden und ein Schloß anbietet, ist der Clou der Uckberraschüngen dieses Durchschnittsfilms von dem stolzen Mädchen, das für ihre Charakterstärke belohnt wurde. Ja, pardon, ein Scheck auf 50.000 Mark wird auch programmgemäß zerrissen. .Selbstr-erstöndlich von Tilly, der herzhaften. Alle die Details sind notwendig, um zu wißen, wie das Leben sich in der Kunst des Deutschen Volkstheaters spiegelt und was beim Publikum stürmischen Erfolg hat. So ist es, es ist so. . ..; Rudolf Ber narrer hat das Operottenklischee zur Hälfte gemacht und zur Gänze inszeniert.. Einfach, operettenhaft, unterhaltend. Mit einer glänzenden Weihnachtskesctzung. Da ist die ausgezeichnete Claire Wal-, l ent in, burlesk als Abweschfrau, noch burlesker als Baronin, da ist eine , ganze Galerie prachtvoller Charakterdarsteller: Hans H o m m a, Otto S ch mö l e, HanS Ziegler und Hans Lackner (um nur die Besten zu j A 1! JtÜDlSCHC WEIT | * gevtraUfkermrg der Wischen Anmnnderer« Fürsorge. -Berlin, 21. Dezember. Wie die Jüdische Telegraphcn- Agentur erfährt, Halen in den letzten Tagen in Berlin Besprechungen zwischen, den Präsidenten der in Europa vereinigten Cmigraüonsgrscllschaften Hias . und Emigdirekt, Dr. James Bernstein und Dr. Miron K ra i n i u und dem Generaldirektor der Jewi'sh Colonization Association, Herrn Louis O u n g r e, stattgesunden.. Es wurde über "die Zusammenfassung der Arbeit döoser Gesellfchasten auf dem Gebiete der jüdischen. Emigratipn beraten. I 'Ms soll ein gernei«James Komitee gegründet werden mit einem Direktorium, bestehend aus je einem Vertreter von Emigdirekt, Hias und Jca, welches. das gesäurte jüdische Emigrationswesen leiten unb. kontrvllleren soll. Die Arbeit dieses gemeinsamen Komitees soll sich.sowohl aus die Emigrationsals auch aus die Jmmkgrariionsländer erstrecken. Der Sitz des Ausschusses soll B e r l i n sein. .Wie bekannt, hat Hias für die neue konstruktive EmigrationZarbeit 100.000 Dollar, jährlich bestimmt. Für den Fach der Vereinigung mit Jca wird . Hias einen Be-; trag von 125-000 Dollar leisten, wogegen Jca 75.000- Dollar zusielstcp haben würde; die genaue Summe wird erst noch festgesetzt werden. Fine Wertoniesstonelle Fhannkah-Feier. Am letzten Mhanukah-Wend fand in der ältesten Resormsynagoge von Chicago eine Chanulah-Feier statt,, die mit einem Bankett abgeschlossen wurde. Zu dem Festessen waren 70 jüdische Gäste eingeladen und jeder von den. Geladenen hatte den Auftrag, einen „christlichen Freund" mitzubrineen, den er den Versammelten als „mein Hefter christlicher Freurrd" vorzustellen hatte." Das Ergebnis war, daß die bedeutendsten und angesehensten christlichen. Bürger von Chicago, Katholiken und Probe-, standen als die-„besten christlichen Frepnde" keim Banketterschienen. Unter ihnen befanden sich auch-die Häupter der katholischen und protestantischen Bezirke von Chicago. Es wurden sehr herzlich? Reden von beiden Seiten über Toleranz und Völkerversöhnung gehalten. ' 8In neues dentsch-hebrölsche« Wörterbuch. Von S* M. Laser und H. Torcztiner. — Benjamin Harz« Verlag, Berli». Wr eine lebende Sprache, die sich lebend erhalten will, und insbesondere für eine, die von zahlreichen Andersspr-ach'gen gelernt wird, ist ein Wörterbuch aus. einer anderen, weitverbreiteten Sprache ein Werk von' großer Bedeutung. In diesem Swd'ium des Gelernt- und Berbreitetwerdens befindet sich die hebräische Sprache. Wie oft wird das Lernen unterbrochen oder versandet in Unbedeutenden Anfängen, da dem Lernenden'ein entsprechendes Wörterbuch fehlt, das ihm die Möglichkeit öffnen würde, den ganzen Umkreis seiner GedanMn, 'seiner Wünsche und Regungen in der gelern? ten Sprache auszudrücken. Diesem Bedürfnis kommt M Deutschsprechende, die Hebräisch lernen, bzw. schon Hebräisch können,, das deutsch.hebräische Wörterbuch von S. M. Laser und H. T o r c z Y n e r, bah jetzt im Benjamin Harz-Berlag in Berlin erschienen ist, im weitesten Maße entgegen. SS ist.leider nicht leicht, sisstzustellen, ob und mMe, wtckt .die berdsn auf dem Gebiete der hebräischen Wissen» schaft sehr bedeutenden Autoren, deren Namen allein schon eine Bürgschaft für den Wert ihres Werkes sind, die erste Arbeit auf diesem Gebiete, das deutsch-hebräische Wörterbuch von Margiel/ als Grundlage der neuen Arbeit benützt haben (die Autoren haben auf dic-ses Wörterbuch nirgends verwiesen), es tnuß aber gleich festgestellt werden, daß sie Mer jenes erste Werk in vielfacher Beziehung weit, sehr weit' hinausgegan-gen sind. Zunächst vermittelt das Wörterbuch von Laser und Torczyner tatsächlich das. Bild einer leben d i g e n, sich entwickelnden, auf allen Lebensgebicten sich auswwkenden hebräischen Sprache. Erstaunlich die Fülle der.Ausdrücke, der Wendungen,'der biblischen, ialmudischen und modernen Phrasierungen, die sich nickst' nur aus die Uebersetzung der rein> deutschen Worte, sondern auch auf einest sehr großen Kreis von Fremdwörtern erstrecken. Dabei, wird peinlich, auf-'.Dtam-mvsinheit und ursprünglichen Sinn j der einzelnen .-Bestandteile neüer W'ovtbildüugen gesehen - und die. Ausnahme schon bestehender, falscher Wortbildungen vermieden. Nach dieser Richtung'hin kann natürlich rr'cht alles als endgültig betrachtet werden, der überwiegend größte Teil der neuen Wortschöpfungen, bzw. Wortkorrekturen entspricht aber dem Geiste der hebräischen Sprache und wird sich sicherlich im lLbendigen Sprachgebrauch erhalten. Mt vollem Recht bemerken die. Verfasser im Vorwort. daß ihr Wörterbuch auch ein Beitrah #». 'einer erst zu schaffenden hebräischen Stilistik sei. Wer nur wenig Hebräisch kann und an sorgfältige Ucbersetzungen aus dem Hebräischen, mit Hilfe dieses Wörterbuches, herantritt. wird sicherlich sehr viel von hebräischer Stilistik erlernen. Ferner sei auf die vorbildliche, übersichtliche Gliederung des,überaus reichen Materials, die sorgfaltige Vokalisierung der hebräischen Worte und die besondere .Aufmerksamkeit hing-ewiesen, die die Autoren allen Begriffen, die mit Palästina verknüpft sind, zuwendeten. Schließlich wird auch der deutliche, moderne Druck dazu beitragen, dieses Wörttrouch zu einem unentbehrlichen und wertvollen Hihfsbuch - für jeden Hebräischlernenden zu machen. Leopold Thalar. Am.vril!cuc«ise von Prof. Joffe. Aus Moskau berichtet I. T. A.: Der berühmte PlhylsLker und Entdecker Prof. Älbra- Ham Joffe, Mitglied der Lemngradu WissenschafMchen Akademie, hat eine für sechs Monate berechnete Reise nach .Amerika angetreten. wohin er von den Universitäten in Boston, Newyork und Kaliforn-ien eingeladen worden ist,' um Vorlesungen Wer die Physik der Kristalle zu hatten. El» jüdisches Zentrum in fH$f * w. Aus RzeSz y w. wird uns geschrieben: Tiefer Tage fand hier das Gieichenfest für den Neubau des jüiischen Zentrums Beth-Jehnda statt, dessen Einweihung im Jänner 1927 st ttflnden wird. Mit' der Fertigstellung dieses jüdischen Volksheims geht der Plan, den der Führer der hiesigen Monisten, Tr. Fischet Hopsen, noch vor zwanzig Jahren geiaht htt. in Erfüllung. Ter Bau konnte dank der Hilfe des aus Rzeszow vor vielen Jahren nach London auSgewmderten Industrie len Adplf Tennenba um, welcher für die Zweck: des' Volksheims 40.000 Dollar spendete, unter Dach gebracht werden. OEST. PATENT ' D. R. * PATENT Da? Elastische rilßklssen, ideale Schuheinlage beseitigt sofor* , Faß-ErrnDdungaschmerzca, Sohlen-' ft Bei Postbestcllong ' brennen undlPIattfußbeichwerdea * Sdhphnmnmer. apgedev ^POTniMl, wienii. Ennsöasse r» ftiiiiiiiiiiiiiiiiviiiiRiiiniiiMiiRir r Das passendste Geschenk zu jedes Gelegenheit ist 1 atu der Bächesschwemme K. Göwil Wien, L, ’R.olenlusmsh. 22 Reiche Auswahl von Büchern . bester Üvloren in gedie» gener Rnsslallang zu ungewöhnlich billigen ‘Preisen/ Freie Besichtigung1 .J nennen), da ist Anton Edthofer in einer nicht ganz sitzenden, weil im ollgen^einen verzcichnelen Rolle (dar einzige Versuch einer irLiviÄucllen Charakteristik mißlang) und schließlich ist Margarethe Koeppke da. Sie ist entzückend, manchmal hinreißend und doch bleibt bei ihrer C'cf.altung dic-str ganz großen, tragenden Rolle etwas zurück, das unLesiicdigt läßt, ein Letztes, das ungestaltet blckbt, das sich ebcn nicht restlos durch die Erscheinung, durch ein eigenartiges Timbre der Stimme, und talcntie.rte Ccharspiclerei ausdrücken läßt. Zum Erfolg genügt es aber vollauf; braucht denn das heutige. PMikum dieses Tiesst-Mc'nschllch.e, das Mysterium der Gestaltung? Es ist mit dem gutem Brettl schon zufrioden. Leopold Thaler. Ans den Theatern. Opern ih ea te r. Morgen gssck,'losten. Burgtheater.. Heute wegrn Unpäßlichikeit der Frau Roland statt „Phadra" „E g m o n t". — ^Margen geschlossen. — Am 26. Dezember gelangt statt „Der junge Aar" MolirarS „Spiel i m S ch l o ß" zur Au-sfü-hrung/ Deutsches Volks th enter Samstag nachmittags .Liebe und Sport", Sonntag nachmittags „Der Feldherrnhügel". Modernes Theate.r. Heute, 6 Uhr abends, znm ersten Male „Weiße Fracht" mit Arnold Kor ff in der .Hauptrolle. Ne u e Wiener Bühne. Heute UrarMihruna van .Hans Müllers „Menschen oh n e Erd e".. ^hr Erscheinen haben zugesagt der Vund-7sprasi1>ent Hainiisch und .der .'.'eutsche Bot'schaster Graf Lerchen seid. Leopo'd Stratzmaver, der beliebte Wiener Künstler'di;^ Bürsertheaters, begeht Heute.seinen 80. Geburtstag. Straßmäyer ist Ehrenpräsident des d. ö. Bühnenvereines und der derzeitige Träger des nach ihm bekannten Straßmayer-Ringes. Die große Revue im Apollo-Theater. .Die Premiere der Revue der We^tattraktionen findet Samstag, den 1. Jänner (Neusahrstai). statt. Die Revue ging in- Berlin und München über 150 Male in Szene. .^akcah-Orchester. Tie nächste Probe findet^ Sonntag, den 2. Jänner 1027, halb 10 Uhr vormittags, statt. Freies Th-eater. Anläßlich der Anwe'enbeit Ernst Tolle rS in Wien veranstaltet das Frese Td eater drei Festäusfühnmgen von. „Masse Mensch". (Mittwoch, den 29. Dezember, Arveiterheim Favoriten, Laxenburgerstraßc, Donnerstag, den 30. Dezember, Arbeiterheim Floridsdorf, Aneererstrasie, und Sonntag, den 2. J'inner, für alle Bezirke, im Olhmpiasaal, 1. Bez., Rothgasse 5) Am Samstag, den ' 1. Jänner, findet in Anwesenheit des Autors die Premiere von „Hfnkemann" im „Hiehinger Hof", Hiehinaer .tzauvtstraste, statt. Am zweiten Feiertag, Sonntag, den 26. Dezember, wird im Olhmpiasaai „Der G.eschlagene" von W. Schmidtvonn mit Ferdinand Onno gegeben. ' . . Sine Mex-LitLermattn-Ausste'lung zum 80. Gebints. tag des Meisters. Tie Preußische Akademie der Künste wird ihren Präsidenten, Prof. Max Liebermann, aus An'a"t seines . 80. Geburtstages im nächsten Jahr durch eine Ausstellungseiner Werke ehren. Die Vorbereitungen für diese Ausstoß lung, bei denen der beste Kenner des Schaffens Mqx . LieoermannS» sein Biig-aph Erich Hancke. mitwkrkt. sind bereits im Gange. T-ie Ausstellung chird voraussichtsich im Juni nächsten JahreS eröffnet werden.. (I. % A.) Sereine, Serfnmmlnngen nnb BortrSse. Akavemlschvo Sr «ein jüdischer Mediziner. Die Promotion der lantzjächrig«n. verdienten AuZischußmitgliüder Uscher S ch ä ch t irt und Fritz Ste 'bner findet heute um % 12 Mr im Großen Festsaale Get Umversität statt. —- Ztonistlsche FvM'cngruppe Alsergprmd. Heute, halb 8 Uhr abenvs, im Saale der Lese- und Ned'eholle, 0. Bez., Türienstraße d. FösttPrsammlung an-lqßlrch des Rjcyristen JuLii'äums des Ker'c, Kajemeth. Festreide Dr. Jalod Weiner. — Zionistische Jugendgrnppe Leopottstadl. 2. Bez.. Z-irlusgosse 36. Heute um 8 Uhr abends GeschrchtslurS unter Mihr'. ng von'Josef Lanczlner. — Freitag. 8 Uhr abends, H'e>ürÄisch für Anfänger. — Samstag. 7 Uhr bis halb 9 Uhr, Heibrqvsch für Fortgeschrit« tene; 3 Uhr Sichah. Predigen in den isrqrlitischen Gemeindetempeln. Fror« tag. den 24. Dezember 1W6, findet bei . dem um beginnert en MendgotteZdienste im Geumndetempßr. 1. Bez., Seitenstettengasse 4 (OterraMinor Dp.. H. P. Ghajes), eine Predigt statt. Samstag, den 25. Dezember 1926 (Begrün des GötteSdi«"steß> Ha5b S stlhr bormittqgs) werden m den nqchhsnannten - Gemern-etewpeln Predigten adMattenr^ tz - Vsz„ Tempelstasse S (RÄ'biner Dr. M. Gruttw-rld), IS. P.. Stzbep» ggsse 8 (Rak'biner Trr. W.- Bachl. Sl. Bez.,-Hohzmsister- - gasse 12 WaMner Dr. M. Rosenmannsi.