Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2810 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 3810 33. E OMkS Mtzn, DorMttStvy Snttarüllkg eines falsche« Arztes. I« M-tdltng. Las Polizeikommiflariat irr M-idlrng hat gestern einen falschen Arzt entlarvt, In fee« Vicrtlhalergafle wohnte schon seit Jahren der als Doktor Her Medizin gemsllwte Karl Haller, der auch tatsächlich die ärztliche Praxis ausübte. Da Zweifel Mer seine medizinische Ausbildung der Polizei bekannt wurden, verlangte man von Haller die Vorweisung seines Doktordiploms. Bei der polizeilichen Einvernahme gab er,nun zu, keine ordentlichen medizinischen Studien betrieben zu haben. Er erklärte, daß er lediglich die Volksschule und eine Klasse Bürgerschule besucht, hernach als Autodidakt die Gymnasialfächer studiert, jedoch nie eine Prüfung abgelegt habe. Er habe stets großes Interesse für die Medizin gehabt und seinerzeit, rchne inskribiert zu sein, medizinische Vorlesungen, namentlich in Anatomie, besucht. Bei der in seiner Wohnung vorgenommenen H a » sd u i: ch s u ch « it g wuvde ein »nrsterlM singerkchteter, sehr «kchhaMg« Jnstrumenteukasteu mit wertvollen Bestecken für chirurgische, gynäkologische und sonstige Eingriffe, ferner viele Medikamente sowie eine Bibliothek mit ärztlichen Werken yorgesunden. ..Haller leugnet entschieden, die ärztliche Praxis ausgei'rbt zu haben, und will nur ab und zu bei der M e i dlinger Turnerseuerwehr erste Hilfeleistungen geleistet hoben. Er erklärte, seit Jahren seinen Löbensnnterhalt als HiMÄehvsr bei Gymnasiasten zu bestreiten, weigerte sich jedoch, Namen seiner Schüler zu nennen. Es besteht nun der dringende Verdacht, daß Haller von der Vornahme verbotener Eingriffe lebt. Die diesbezüglichen Erhebungen find noch im Zuge. Haller hat erst vor kurzem geheiratet und sich in die Matri-k als'Dr. Haller emtragen lassen. Großer Brand auf der Wieden. 160.000 Schilling Schade»». Gestern mitternachts geriet aus bisher nach unbekannter Ursache der Dachstuhl der Möbelfabrik Schönthaler in der Weyringergasse in Brand. Im 9ht hatte das Feuer auf die unter dem Dache befindlichen Magazine übergegrifsen und gefährdete so das ganze Haus, m dessen unterem Teile auch viele Parteien wohnen. Die Feuerwehr rückte in großer Zahl aus, und nach mehrstündiger schwieriger Arbeit, bei der acht.Feuerwehrleute verletzt wurden, gelang es ihr, den Prqnd zu löschen. Der angerichtete Schaden wird auf mehr als 100.000 Schilling geschätzt, . Sehr Strell der KaffeehauogchAfe». Auf dem Wegs zur Äerstäud.guvg. Gestern nachmittags fanden BerhaMungen der Vertreter der ÄM-eeMergenossönschaft mit den Unterhändlern des Gehilfenausschusses mld der Zenlralyrgantsatiou der Gast- und Kaffeehausangestellten statt. Die Vertreter der Aafseesiedergenossenschast erstatteten Vorschläge, die jedoch von den Gehil'senvertretern als unzureichend abgelehnt wurden. Mach neuerlichen Verhandlungen gelang es, folgende Vereinbarung zu erzielen: Die Genossenschastsleitung der Kaffesiedor wird sich von der am 28. Dezember stattfindenden Vollversammlung die Ermächtigung zu weiteren Zugeständnissen geben lassen. Am 29. Dezember müssen die Verhandlungen beendet sein. Die Vereinbarung bedeutet, daß an den Weihnachtsfeiertagen kein Streik her Kaffeehausangestellten Eintritt. Men, 32. Dezember 1926. Tao Wetter. Ein breiter Strom «alter Polarluft ergießt sich aus Nochosten über Mittel-, West- und Südeurova. Die Frostgrenze hat bereits die Alpen überschritten. 'Der Nachschub sehr kalter Lust aus dem Sudeten-Karpachen-Tor steht: unmittelbar bevor. DleBorausfage lautet: Vorwiegend trüb, Schneefall, Temperaturabnabme. Frost nordwestliche Winde von Wests« her, allmählich abnehmende Bewölkung. Ein vermißter Knabe. Seit dem 1. d. M. wird der Bürgerschüler HeLumtd Binder aus der elterlichen Wohnung vermißt. Ter Junge ist der einzige Sohn eines GeMMMrerS und hat die erst« Klaffe der Bürgerschule vestnyt. Am l war er zu Besuch bet einer bekannten Familie, von der er aber nicht mehr noch Lause kam. Seither fehlt jede Svur von ihm. —-« - - - ,ies. vlasseS.Gesicht dunkel. »rläpvchen get ütatlonSlsderratrvsenkeiSche». Das neue Kiuogesttz. Der Verfass nngSgerichtShof hat de» Einspruch der Bundesregierung gegen das neue Wiener Kinogefetz abgewiesem In .. der Begründung wird unter ändern; ausgesttlsrt, daß nach der Gesetzgebung die Regelung des KinojvesenS in den Wirkungskreis der Länder falle. Eine Baulonkuvrenz der Stadtverwaltung Birmingham. , Wie hie „Politische Correspondenz" erfährt, beabslästigt die Staltvertva t^rig Birmingham, einen grGerer; Komplex von Gebäude» anzulegen. die ösfentlichen Zwecken dienen ' " > die Konkurrenz können auch ausländische IMfifJ *WM**IW \rW|W'fV* Ter Bunge Ist mittelgroß, hat ova ÄSlea« movsm&Umm ■. - ''- i. . —— — -r-■■ - -r—-~ ob in Oesterreich Interesse für diese Konkurrem be- ' stünde und daS nötige Jttformattonsmaterial der Gesandt' schüft zur Verfügung gestellt, das an den österreichischen Ingenieur -und Archltektenverein weitergelettet wurde. Aussprache ehemaliger ztonistifcher «kadeuriktt. CS wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß zu der an anderer Stelle der beutigen Ausgabe ange- MnLtg.en Zuamu.enrutt t de.'A Len He rm keine schriftlichen Einladungen ergangen sind. Alle in Wien wohnhaften absolvierten Akademiker, welche als Alte Herren zionistischen Verbindungen und Vereinen angehören, sind willkommen. E Ernst Arnold, der jedem Abonnenten der „Ravag" bekannte Länger und Komponist von Wiener Liedern, hat soeben für die „Col um bi «"-Gesellschaft seine neuesten Kompositionen: „5daS Lud von der Pummerin", „Jim Para, derrgartel", „Mutterls GsburtStaa", „Denis mein" gesungen. Sämtliche Auifnahmeu mit entzückerter Orchesterbemeitung in jedem guten SpezialgeschSft zum Preise von S. n— für Kwei Aufnahmen erhäMich. E Bai Magen- und DarmSefchwerden, Etzunlust, Stnhrtrüwhelt, AuMLHung. Sodbrennen, Ausstößen. Benommen, heit, Schmerz» in der Stirn, Brechreiz bewirken 1—3 GlaS natürliches „Arang»Jvsef".Blttsrwasser gründliche Reinigung '2«S BerLauungSwegeS. Gutachten von Krankenhäusern bezeugen, daß das Franz-Josef-Wasser selbst von Bettlägerigen gern genommen und sehr bekömmlich befunden wird. E LSwen-Fvanzbranntwvin mit Menthol. Gin Versuch überzeugt Sre von der vollkommenen Gute desselben. Ueberall echMich! E Mrre arrgLtvehrwe Uebervaschung ffür das P. T. Pi lbMum der Leopoldstodt ist die Reuerotssnung der Meierei Baldauf, 2. Bez., Große Stadtgutgasse 24. Der direkte Bezug der Milch von der Ku>h bretot Vorteile» die heute jeder Hausfrau bekannt sein dursten. GemeMt wird dreinral täglich unter deb Kontrolle des P. .T. Publikums, auf Verlangen in mitge. brachte Geschirrs. Qsl-Ma Äsr» dOßSfdhpige . 7ttoae-Scnnee&chufo mit Sajntk.pa.gen . in Schwaez u. gparx Ctaniib« br fi. Mp« * <*•> (4. Fof töetzufl«:) Skstoob«. im. *; Sie (ßeidkte eines Juden. Von JEeanid. Swossmmm. ZHerausgegebm von Slene Sfulöp-ZMiller und Friedrich Gckstom. Daher sandte Kowner am 38. Jänner 1877 einen zweiten. Brief an Dostojewski, in dessen Mittelpunkt die Polemik gegen das im Dostojcwskischen „Tagebuch eines Schüftstellers" erörterte Problem von der Unsterb.'lch?elt der Seele steht. Kotvner als überzeugter Rationalist und Anhänger der materialistischen Philosophie sowie als scharfer Gegner der religiösen Weltanschauung, stellte Dostojewski die Argirmentation des philosophischen Atheismus entgegerr. Diese Briefe. Kowners erweckten Dostojewskis Interesse im höchsten Maße. In eine Diskussiorr über, das Thenm des ztveiten "Briefes wollte er "sich übrigen's nicht erirlassen, ^offenbar weil er es für zu bedeuten!» 'Hielt, um es zum Gegenstand einer brieflichen Erörterung zu machen. Zwei bis drei Jahre später jedoch behandelte er es auf das nachdrücklichste in fernem letzten Roman, und das Kapitel der „Brüder Karamasoff", in welchem dieses Problem leidenschaftlich und einge h eich behandelt tvird, erhielt sogar den Titel „Pro und Contra". Dafür veranlagte ihn der erste Brief des Häftlings zu einer Punkt für Punkt erüctemdeu Antwort, und seine hauptsächlichste Enviderung auf Kowners Brief übertrug er außerdem Ln die nächstfolgende Nurnnwr des „Tagebuches eines Schriftstellers". Ende Februar 1877 gelangte Dostojewstrs Brief tit das Moskauer Gefängnis. Er lautete: Hochgeehrter G. A. Kvtmlev! M) habe Ihnen lange nicht geantivorter, Mil ich ein kränker Mann bin und weil ich mit außerordentlicher Anspannung an meiner Monatsschrift zu schreiben habe, lieberdies nmß ich jeden Monat einige Dutzeird Briefe beantworten. Schließlich - hohe ich eine Familie und andeve Geschäfte und Verpflichtungen. Es fehlt mir entschieden die Zeit zum "Leben und e§ ist mir unmöglich, mich in eine lange Korrespondenz einzulassen, insbesondere aber utit Ihnen. Ich habe selten etwas Geistvolleres gelesen als Ihren Brief an mich (Ihr ztoeiter Brief ist eine Sache für sich). Ich glaube Ihnen uneingeschränkt alles, was Sie über sich selbst sagen. Ueber das nun einmal begangene Verbrechen äußem Sie sich so klar, und (für mich wenigstens) so verständlich, daß ich, der ich Ihren Prozeß nicht ausführlich kannte, ihn heute zum mindesten ebenso betmchte, wie Sie selbst ihn beurteilen. Sie besprechen meine Romane. Darüber kann ich Ihnen natürlich nichts sagen, es hat mir jehoch gefallen, daß Sie den „Idioten" Äs drn besten von allen hervorheben. Stellen Sie sich vor, daß ich dieses Urteil schon fünfzigWal, wenn nicht hänsigsr, gehört habe. Das Buch wird jedes Jahr gekauft und ° mit jedem Jahr mehr. Ich spreche hier dämm über den „Idioten", weil -lle jene, die mir ihn als »nein bestes Werk bezeichnet haben, von einer besonderen Gsistesart sind, die mich sehr berührt und mir gefällt. Und wenn auch Sie von dieser Geistesart sind, so ist das für mich um so besser. Für dm Fall natürlich, daß Sie aufrichtig sind. Oder auch, tvenn Sie es nicht sind. Lasse»; wir das. Ich möchte nicht, daß Sie herabgestimMt werden. Sie haben begonnen, sich »nt Literatur zu befassen, das ist ein g»;tes Zeichen. Was die Unterbringung der Sachen*) durch »tnch betrifft, so wriß ich nicht, was ich Ihnen sagen soll. Ich ka»;n bloß bei den „Vaterlchidischen Ammlcn" niit Nekmssosf oder Ssaltykosf spre- *) Es;st die Rede von den zwei an DostojeiM geschickten Manuskripten KMnerß. chm U'nd werde dies uitbedingt tlkn, noch bevor M fnt Sachen gelesen habe, hoffe aber auch dort auf keinen Erfolg. Man hat mir, obwohl ma»r mir sehr »vohl gesinnt ist, schon einmal, im vergangene»; Jahre, ein Werk von jemandem znrückgewiesm, das ich der Redaktion empfohlen u»;d übergeben hatte, und es wurde zurückgewiesen, ohne daß auch nur das Paket geöfsrwt »vorden wäre, mit der Begründung, sie köimten von emer solchen Person msmöglich etwas drucken, was immer sie auch schreibe, denn. die Zeitschrift halte ihre Fahne hoch. Und dabei blieb es / .auch. Ueber Sie will ich aber trotzdem reden, weil zu bßir Zeit, da mein verstorbener Bruder das Journal „Die Zei^ herausgab, Ihr Lustspiel oder Ihre Erzählung zweifellos abgedruckt worden waren, wenn sie nur der Richtung der Zeitschrift entsprochen hätten (und das, mochten Sie auch trn Gefängnis sitzen). NB. Jene zwei Zeilen MreS Briefes, wo Sie sagen. Sie empfänden über Ihr Vergehen bei der Bank nicht die geringste Reue, sind nicht ganz nach meinem Herzen. Es gibt etwas, das über allen Gründen der Vernunft und allen möglichen berantrete»;den Ereignisse»; steht, dem )eder verpflichtet ist, sich unterzuordnen (gleichsam wie einer Fahne). Ich hoffe. Sie haben genüget Verstand, um über nreine Offenheit und die Inkompetenz dieser Bemerkung nicht zu zürnen. Erstens bin ich selbst nicht besser als Sie oder irgend jemand (das ist keineswegs falsche Denkut, wozu hätte ich solche nötig?), zweiterrs, wenn ich Sie auch auf mei»;e Art und in meinem Herzen rechtfertige (so wie ich Sie ausfordere, mich zu rechtfertigen), so ist es immerhin besser, daß ich Sie rechtfertige, als daß Sio «s tun. Ich glaube, dies ist nicht ganz deutlich. (NB. Anbei eine kleine Parallele: der Christ, nämlich der voMommene, höchste, idealste, sagt: „Ich nmß 'mit dem kleinen Bruder meine Habe teilen und ihm in allem dienen^" Der Komnmnist hingegen sagt: „Ja, du mußt mit mir, dem Kleinerer; und Aermeren, deine Habe teilen und inußt mir dienen." Der Christ wird recht haben und der Kormmmist im Unrecht sein. Uebrigens tuird Ihnen jetzt vielleicht uocki »penrger begreiflich sein, was ich sage;; wollte.) Nun zu de»; Juden. Es ist u»;möglich, sich in einem Briefe über solche Themen zu verbreiten, besonders, wie ich schon oben gesagt höbe, mit Ihnen. Sie sind so ge* schert, daß wir einen solchen strittigen Punkt auch in hundert Briefer; nicht erledigen könnten, und uns dabei nur vergeblich abmühen würden. Ich erkläre Ihne»;, daß ^mir auch schon von anderen Juden derartige Bemerkungen zugekomlnen flub. Erst unlängst habe ich einen idealen edler; Brief von eine« Jüdin erhalten, die n;ir gleichfalls heftige Bprivürfe gemacht hat. Ich glaube, ich tverde in der Febmarrmmmer nreines ^Tagebuches" (die ich noch nujjfc zu schreiben begonnen, da ich nach dem unlängst erlitten«» epileptischen Anfall noch immer leidend bin) einige Zellen über diese nur von den Juden gemachten BorMrft schrei bei;. Heute sage ich Ihnen nur, daß ich keineswegs «de Feind der Jude»; bin, noch es jemals umr. Ihr, wie Sir selbst sagen, vierzig Jahrhunderte währender Bestand Ve- »veist jedoch, daß dieser Bolksstamm eine ungeheure St* bmskraft besitzt, die rücht anders konnte, als sich im Lauf« seiner geschichtliche»; Entimcklung m verschiedene statns in statu zu kristallisieren. (pkortsetzuna Mm