Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2810 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-Seite 4 Ären. DonnerstaH M. MV Wiener MvegWt-Eng 23. Dezemtzer 1888 Namens der Israelitischen Knltu^gemeln-d.? l"an"is;le Vizepräsident Dr. Löwenherz in hürZlich.n> die Tagung. Er konstatierte mit besonderer Freud?. daß er in diesem Saale dtz? peinigte jüdische Studentenschaft vorfinde, und das; es ihn mit Genügtuung erfülle, Mitteilen zu können, daß das Verhältnis zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde als Vertreter der Wiener Iudenfchafl und der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs ein recht inniges sei. Die sonntägige Tagung war mit Referaten ausgefüllt. Der abtretcn-de Präses, Herr Gelber, erstattete den Rechenschaftsbericht. Als größten Erfolg auf kulturellem Gebiet bezeichnet« er .die nationale Vereinheitlichung des GesamdverbandeS. Was die H o ch's ch u l p o l l t i k anbetrifft» wies Herr GeDer auf das fetzt aktuelle Studentenrecht hin, insbesondere ouf dir Sinllmrgnahme Ver Sozialdemokraten, die durch das projektierte Leuthner-Gesetz, welches zweierlei Maß in die akademische Bürgerschaft einführe. Er hält es für eine Notwendigkeit, daß die jüdische Studentenschaft im Vereine mit den verantwortlichen jüdischen Faktoren die notwendigen Schritte zwecks Behebung der der jüdischen Studentenschaft drohenden Gefahr zu unternehmen. Der Redner betont ferner die Notwendigkeit der Errichtung eines jüdischen Studentenheimes, wie es in allen anderen Ländern besteht, da die vom Hochschulausschnß in Grinzing erhaltene Stubentenbaracke einerseits durch die strengen St euer Maßnahmen der Gemeinde §en Hochschulausschnß allzusehr belaste, anderseits auf Grund eines Vertrages mit den Besitzern des Grund und Bodens dieselbe in Kürze abgetragen werden müsse und die jüdisch?: Stttdwtcr?sch,?.st obdachlos tra-steh.u, mctlv. M,ichi her jüdischen Ochse ntlichtelt sei es, den jüdischen HochschuLauHschuß in seinen Intentionen zur Errichtung eines Studentenheimes tatkräftig zu unterstützen. Herr W c r s; m n lt n berichtete im Namen des Welt- Verbandes über dir gegenwärtige Lage der jüdischen Studentenschaft in den einzelnen Ländern und betonte die Notwendigkeit der Einberufung eines Weltkongvesses, *f?r der es ermöglichen müßte, auf einheitlicher Basis alle dringenden gegenwärtigen Fragen der Landesorganisation zu lösen. Herr Teich berichtete über die internationale Studenkonferenz des Weltstudenten- Werkes (I. S. S., Genf) in Karlovci, die im August laufenden Jahres tagte und bei der 81 Nationen vertreten waren. Die Konferenz stand im Zeichen der Völkerversöhnung. Ein auSfürlicher Bericht.der jüdischen Vertreter über Palästina und die Universität dr JernsaSrm wurde mit großem Interesse und Sympathie auf der Konferenz entgegengenommen. Die Generaldebatte, die sodann begann, dauerte bis Montag 11 Uhr nachts. Es wurde unter anderem der „W i e n e r M o r g e n z e i t u n g" für die Wahrung der Interessen des Verbandes vor der Oeffentlichkeit der Dank ausgesprochen. Die Neuwahlen ergaben als Resultat die Wiederwahl des Herrn Ehaim Gelber zum Präses. Zu Mitgliedern der Exekutive wurden gewählt die Herren: Theodor Fell, Dr. Jakob Moses, Slavko Käufer,» Dr. Samuel Schmerler, Schwarzkopf und Srimeray. A\1 Ja» Budget der Wiener Kultusgemeinde. Lote Siffern. — ein zlanWcher Wa-lttformantrng. o-r< -er gestrigen öffentlichen Pienarfitzung des Wiener ^uiiuSvorstandeS wurde die Debatte iibe-r das Budget für das kommende Jochr begonnen. Der Referent, RegierungSrat Dr. Oppenheim, gab zunächst eine Uübersicht über daß Ergebnis des laufenden Jahres, das sich günstiger gestall-et hat, als es im Präliminare vorgesehen war. Das budgetrerte Defizit für.1626 betrug 300.000 S. Nun hat sich in der Gebarung, soweit dies bisher festgastellt werden konnte, ein Plus von 254.904 S. ergeben, was hauptsächlich auf bessere KuAuSsteuereingange zurückzuführen ist, so daß das effektive Defizit Voraussicht- Uch nur rund 4 6.0 0 0 S. betragen durfte. ES ist aber wahrscheinlich, daß auch dieser Abgang ausgeglichen werten wird» so daß der Haushalt des Jahres 1666 voraussichtlich im Gleichgewicht fein wird. Für das Jahr 1667 sind Einnahmen van 4.773.171 S. vorgesehen. Die Ausgaben sollen dagegen 6,012.729 S. betragen, so daß mtt einem Defizit von 236.558 S. zu rechnen ist. An Gssamtres-erDen sind 466.600 S. in Usm Budget enthalten. Von den einzelnen Budgetpctsten ist das Kapitel Fürsorgewesen mit ebner Ausgabenseite von 1,644.320 S. (gegenüber 1,562.000 S. im Vorjahr) zu erwähnen. Das Rückgrat des Budgets bildet das Kapitel Kultusst e u c r. Für das Jahr 1926 waren Eingänge von 1.600.000S. vorgesehen, die sich jetoch durch eingetriebene Rückstände auf 2,000.000 S. erhöhten. Für das Jahr 1827 wurden ebenfalls 2,0004)00^8. vorgesehen, was. wie der Referent selbst erklärte, bei den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen wohl ein Wagnis ist, zumal keine nennenswerten Steuerrückstände vorhanden sind. Man hofft dennoch, diese Summe erreichen 3u können, weil das Steuermaximum, wesentlich in Ler höchsten Masse, von 3000 auf 6000 S. erhöht wurde. Unter 160 S. wiM sich diese Eichung nicht aus. Das Steuerminimum beträgt derzeit 60 Grcschen. Die Zahl der KuliuSsteuertrager belauft sich gegenwärtig auf 61.500 Personen, von denen nur 2000 mehr als 160 S. Kultussteuer zahlen. Für das nächste Jahr rechnet mau mit einem Zuwachs von 8000 bis 6000 Sivueeträgerln, so daß das erhöhte Präliminare trotz der schlechten AirtschastÄage gerechtfertigt erscheint. Im Jahre 1027 soll die Sieuervorschreibung für zwei Jahre, nicht mehr für 1 Jahr vorgenommen »mr.<eu. Zu Beginn der Sitzung brachte die zionistische Fraktion folgenden DringLichkeitsantrag «ru Mit Rücksicht datz^Mf, baß das derzeitige Wahlrecht nicht zeitgemäß ist und grpße Kreist der jüdische« Nevölkerung von der Wahl wuSschaltet, ver'mngvu die Unter- Xichrwstu dst sofortige Einsetzung eines WahlrechtsvesormausfchusseS, der inuertzalb c-chvr vom Durstend zu bestimmende Frist dem Pstmu» BorschlSsr über die zert-semätze Berat! gemeine t u n fl de» Wahlrechtes zu erstatten hat. Die Unterzeichnet«» stellen wetrephin den Antrag, l« Rahmen »es Kapitels S eine AuSgabvnpöst von 5000 S. für die P e. f <ft«f f uttif eines Katasters der Wiener FttS««schüft zu dewiMgeu. Nanurns der Monistischen Fraktion kritisierte Dr. Desider Fried m>ann das vorgelegte Budget, das sich nur in toten Ziffern ausdrückt, aber keinen neuen Geist perspüren läßt. Die A-enderung t.-er sozialen und wirtschaftlichen Struktur der Wiener Judenschast ist in der KuttuSgemein.de spurlos vorübergegangen. Man empfinde nichts von der Mischen Renaissance. Die KultusgemornLe ist konservativ im schlschLesteu Sinne des Wor-sS. Sie befchräMe sich nur darauf, übernommene Grundsätze zu ' wahren. In diesem Sinne wirb, man die Gemeinde 't«m Ballle nicht näherbriirgen. Auch jetzt, wieder hat die Geme-mbe dw Gelegenheit verpaßt, die ihr zukommende Führerrolle in der österreichischen Judonischaft zu spielen. Sie -hat sich bei dem ' Zusammenschluß der ötzo^oeich-sck/en KuktuSgemoinde» abseits gehakten und mit einer Loya-litätsevklärung begnügt. Ebenso steht sie auch.dem Palästinawerke gegenüber. In diesem Bidget wurde kein Posten für den Aufbau Erez Israels eingestellt, nur im Reservefonds muit'c versteckt ein Betrag ausgeworfen. Die wichtigsten Pmikte, auf die sich das Budget stützt, sind die Einnahmen aus dem Fotedhofswesen die exekutiven Erntrelbungen alter S vt u c rrü dljtän b e. Diese zwei Einnahmsquellen werden aber versiegen und ais die neuen Vorschläge sind sie uns die Antwort schuldig geblieben. sMgeinoiner Beifall.) Als nächster Redner sprach für die Mehrheit Kommerzialrat Buchwald. - Nach ihm sprach für den Klub ter sozialen Tätigkeit Doktor Bader, der das abgelaufene Jahr als das Jahr dar versäumten Möglichkeiten bezeichnet«. Es wurde versäumt, dem jüdischen Gemeinde-- buD beizutreten, ein jüdisches Amtsblatt berauozugeben und das Daubstummenmstitut zu erhalten. Weil die Arbeit seiner Partei in den Kommissionen fruchtlos fei. ziehe sie sich avs allen Kommissionen zurück und werde gegen das Budget stimmen. Hieraus wuck« die Sitzung auf heute abends vertagt. A» die ehemalige» z'oviftische« Akademiker! Heute Donnerstag, S Uhr abmdtz, im Heime der Ziomstrfchen Besirrsfektion V!—MI, 8. BetzirL, Bennoplatz 1, . Vorbefprechttug degeplattie« Kongr-ffeder ehemalige« zioutstifch-u Ttuden»e«. Es sind alle ,Men Herren" der zionistischen Verbindungen und Vereine auf diesem Wege zur Toilnahnre an dieser Aussprache einge'haden. Besondere schrif-Uiche Einladungen find nicht ergangen. Mr das Ziomstische Landes-omitee: Dr. Alfred Löwh. \ Vater un# MaUer te Hyvuose «schaffe». I Si« FamUlendrama 1« RiM. Im vornehmen Eimiez-Bicrtel von Nizz.r hatte der Genmrzkrämer Leon Tauzia gute Geschäfte gemacht und dachte daran, sein Leben in Ruhe zu beschließen. <Äerade zur rechten Zeit stellte sich ein vertrauen^rlvrckender, ftgant gekleideter Mann ein, der sich als Liebhaber der achter ausgab und einen so hohen Bttrag Lot, daß man rasch handelseinig wurde: der bcfiitiltüc Abschluß sollte erfolgen, wenn dessen Frau von einer Pariser Reise zurückgekehrt sei. Unterdessen wurde der 'Frmrde, dessen Manien man nicht einmal erfragte, in dev kleinen Familie ein gcrn gesehener Gast und als er gar seine hypnotischen Fähigkeiten offenbarte und ein paar interesscknle Experimente veranstaltete» schwor der Gewürzkräuter Leon Tauzia samt Frau und Tochter auf keinen Höheren mehr. Er wohnte übrigens in einem der vornehmsten Hotels von Nizza urch gab an, die berühmte Villa Henrico von den reichen amerikanischen Besitzern erworben zu habe». Für Montag abends war ein: e n t f ch e i d e n d e h'y pnotische Sitzung angesetzt. Der Frerude halte von seinen amerikanischen Bekannten ein sensaticne-les Geheimnis erfahren, das nur d:n besten indischen Fakiren bekmint war; der Gewürzkrämer Leon Tauzla sollte einer der wenigen Auserwahlten sein, dem es enthüllt wurde. Man plauderte bis zur Mitternachtsstunde, dann wurden die Vorbereitungen zum Experiment getroffen. Im letzten Au g mb'ick wurde dem Getvürzkrämcr übel:, er wollte sich auf die Rolle eines Zuschauers beschränken und legte sich aufs Sofa. Der Fremde machte sich daran, die Frau und die Tochter an Händen und Füßen festzu verschnüren, band sie an einen Pfosten, tränkte zwei große Taschentücher in Essig und legte sie ihnen um! die Augen. j Die Hypnotisierten sollten plötzlich „sehend" werden und allerlei Geheinrnisse wie in einem Spiegel erblicken. Ehe sie sich aber über ihre Visionen zu äußern vermochten, krachten drei Schüsse, ein Möbel stürzte, die Mutter stieß einen Weh schrei aus und sank zu Boden, indes die schreckensstarre Tochter nicht wagte, eine Betvegung zu tun. Ms sie sich endlich von ihrer essiggetränkten Augeubiilde befreite, bemerkte sie zunächst den schweren, vom Sofa heruntergeglittenen Körper ihres Vaters: ein Kopfschuß hatte ihn auf der Stelle getötet. Die Mutter war schwer verletzt, der Kassenfchrank mit sämtlichen Erspa rnistsenausgeraubt. Nachbam holten die Polizei herbei, die den Fall so unglaublich fand, daß sie zunächst irgendeine Mystifikation anzunehmen geneigt war. Das Ausfiuden des Mörders wird durch den Umstand besonders erschwert, daß die unverletzt gebliebene Tochter nicht nur keinen Namen anzugeben vermochte, sondern «sich in der äußeren Beschreibung ganz unklar und w'd.-rst ruchsvoll war: Der Mann sei ihr als Hypnotiseur so hoh.itsvolt erschienen, daß sie ihn immer nur wie durch einen Nebel gesehen habe! Ae flüfftttttüra w Me»« SemelMrat. Sin rlpps.7 fjes Bürgormcisters au die OpposittlM. Nachdem gestern Gemeinderat Stöger feine mehrstündige Rede beendet hatte, ergriff der Bürgermeister das Wort zu einem Appell an die Opposition, die Obstruktion einzustellen; sonst könnte das Budget nicht zeitgerecht unter Dach und Fach gebracht werden, so daß .für die Ausgaben keine Deckung vor- ' Händen rväre, wodurch in der Tätigkeit der Gemeirche ein Vakuum eintreten müßte. Berechtigte Wünsche der Opposition nmrden auf ihre Sachlichkeit hin geprüft, doch könne die Opposition nicht verlangen, daß die Gemeindeverwaltung von ihren Grundsätzen abweiche. Ueber die Herabsetzung der Steuern Beschluß zu fassen, müsse einer durchgreifenden Beratung vorchehalten bleiben, da ein einfaches Daraufeingehen stark einer Koalition gleichkomnien könnte, was wieder ganz ausgeschlossen sei. Hierauf wurde der Antrag auf Schluß der Generaldebatte angenommen, als deren Kontrar^ner K u n sch a k die Bedeutung der Obstruktion betonte, die von der Mehrheit mißverstanden toorden sei. Heute beginnt die Spozialdebatte über das Budget. MW« zeulrum der forwke» Hklsrgeme!«> schalt tlntti» Müller. litte« Ausarteustrake SS. Der Hebräisch «Jugendklub ladet alle bebräisch-r sprechenden Jugendlichen zu seinen Sonntag , und Mittwoch, ab halb 7 Uyr abends stattjindenden Aonversattonsabende« herzlich ein. Leitung Pttf. Kestenhaü yr. Um der großen Nachfrage nach einem neue» hebräische» AnfängerkurS Reörnung zu tragen, wird in den nächsten Tagen ein dritter ParallelkurS für Anfänger eröffnet. Demnächst beginnt ein Kurs über jüdische Kunst, ge? leitet von Frau Dr. Else H o f m a n n. WeiterS beginüt demnächst der Kurs Deutsch für Ausländer. Einschretbunge» für alle Kurse täglich von 6 bis 8 Uhr abends im Sekretariat. sie Rovember-ksuoSage des Keren -Mod. Wie vom Hauptbureau des Kore» Haiessod in Jerusalem mitgetei^t wird, betrugen die November-Eingänge des Keren . . -a« — - -UM im Roverwweisen somit eine egenüber dem gleichen Monat des Borjahre's auf. In diese« Eingängen trugen veir Amerika 8BM Südafrika SM. Deutschland 4042, Oesterreich 3260, England MV, Rumänien 1494, Polen 1000, Kanada 1009 Pst. Gt