Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-12-22 · Heft 2809 (22.12.1926) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2809 (22.12.1926)
Date
1926-12-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981896--28536-3016581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 2 Wien. iWrffmc# Klubversammlung Thema: Der Fall Schvvafibarth. Referent: Dr. J. Waldmann. Freie Aussprache. Im Landesverhand organisierte Zionisten als Oäste willkommen SK Fordsche Kettenlüge. —y, Wien, 22 Dezember 1926 Henry Ford ist nicht bereit/ feine anüjüdischen Behauptungen zu erhärten. Er ivar von Nathan Straus nr l'iner öffentlich-n Verhandlung eingeladen ivor'.en, sein Material einer Gesellschaft von zehn angesehenen ehreichaftcn Männern vorzulegen, von denen er selbst acht bestimmen könne. Ford erklärt in seinem ,.Dearborn Independent", in der Zeitung, in der zuerst die später zum „Unüekannten- ^uden" vereinigten Ans ätze erschienen, er denke nicht daran, der Aufforderung des Herrn Straus zu entsprechen. Er bleibt aber dabei, daß die Juden, tvie für alleZ in der Welt, so auch für den Weltkrieg verantwortlich seien, denn — das ist die überraschend neue Note in der Fordscheu Argumentation— die Rechtswie die Links radikalen seien von den Juden beherrscht. Das würde so z'emlich die gairze Welt als eine Herde von 'Hammeln erscheinen lassen, als eine Bande von Dummköpfen, aus der nur Henry Ford als ein Wissender hervorragt. Er verschmäht es stolz, dem Meer von Trotteln zu sagen, worin die jüdische Herrschaft besteht. Er tut das nicht, und hat doch in demselben „Dearborir Independent" vor ganz kurzer Zeit sich bereit erklärt, öffentlich nachzuweisen, daß „jüdisch w Einfluß sämtliche sinanziel- ' len Zentren der anrerikannchsn 'Regierung, eu^ch-ießlich des Federal Reserve Board kontrolliere?" Er hat diesen Nachweis nicht erbracht. Da aber das amerikanische Repräsen-- tantenhaus auf jüdischem Antrag hin ebne Kommission zur Prüfung dieser Behauptung eingesetzt hat, so kann man wohl neugierig sein, mit nrelcher Begründung der tapfere Judenfresser dort auskneifen tvird. ... Henry Ford ist .der. in - der ... i Welt des aus -fremder. Arbeit , gemünzten ". hochverehr.e Meister des Kettenproze.s.se4. 7.'in’* ■ dir . Produktion. Alle zum Automobil gehörigen Beständtnte werden bei ihm erzeugt und. in einer,, fortlaufenden/Kette, rn. die Maschine eingesügt. Der in der ,Reihe stehende Arbeiters hat. sein Leben lang nur einen einzigen Handgriff zu tun. und diesen gemäß der gehirnnürrdenden Täyliormeihode zu" vollführen. Dieser ganze Prozeß ist der so viel angestaunte Fordismus, der sich als sozial gebärdet und sogar, da doch die bis zum Maschinenbcstandteil erniedrigten Arbeiter der-- hältnismäßig gut bezahlt werden nrüssen, auch als sozial gilt. Herr Ford, der jedenfalls gesünder und reicher ist als; seine -Arbeiter, wird dünn als genialer Industrieller gefeiert und man sieht ihn iw Europa als einen vornehmen' Repräsentanten des praktischen Sozialismus made in tt.; S. A. an. Nun, seinen Kettenprozeß überträgt er praktisch - auch auf die Behandlung der Judensrage. 'Er finanziert den Antisemitismus der Tat. Seine Verbindungen zu den stets geldbedürstigen Mörderbanden' in Mitteleuropa, vornehmlich zu den deutschen Organisationen, hat : man im Vorjahr aus den indiskreten Plaudereien des Hammer-Fritsch erkannt.. Vom diesen Zentralen läuft das'GeD zu den Filialen und überall ist eine Gruppe/ bk immer nur eine Lüge zu erzählen hat, da sie sich doch den-Stimmungen urw Verhältnissen ihres Landes anpassen muß. Di« je nach Temperament und Laune erfundenen Erzählungen faßt dann der große Meister in Detroit zusammen und präsentiert sie im. „Unbekannten Juden". Es mag schon so sein, daß er die Einzelheiten, die. ihm aus-der Kette zugetragen werden, selbst nicht glaubt und sich, darum wohlweislich hütet, einer Prüiung zuzuflimmen. Der Schaden, den er anrichtet, ist aber groß genug und seinen Niederschlag merkt man nicht zuletzt in der rässenhaft angelegten Einwandemugsgefetz/ebu/g. Es mag a"ch fein, d ß Henry Ford seine Pogromlrteratur aus Gründen der Geschäftsreklame in Zirkulation fetzt, wie ja die Propaganda sein ganzes Wesen bestimmt. Sem Friedens schiff, mit. dem er in dem blutigen Winter 1915 im Hafen von Christiania seinen.pomphaften Einzug hielt und das er schon am nächsten Morgen verließ, war ein Plakat dieser Art. Der Zweck, den Namen Ford in Verbindung mit dem Generalpogvom auf die europäische Kultur zu nennen, war erreicht. In Amerika waren riesenhafte Bestellungen von 'Mordmaschmeir zu erhoffen. Also eilte der Prediger der Humanität wieder nachhause. , Durch sein Verhalten gegenüber dem Verlangen der Judenschaft hat er aber seine Lügenkette 'jetzt selbst durchrissen. Ob er nun vor her Parlamentskommission erscheint oder.nicht, er ist als ein lächerlicher Lügner gestempelt mnd es bliebe nur mehr übrig, ihn vor die einzige, für Subjekte dieser Art zuständige Stelle zu bringe,», vor den Psychiater. Litt Mische Abgeordnete in der griechischen Kammer. salonlüj '21. Dezember. (I. Ti A.) Dem griechischen Parlament gehören vier I u d.-e st als . Msistlic^er an: z w e i # i o n i st e u, unter ihnen B e s.f a.n t ch l, und zwei Kommunisten. - Wisns? Msrq-nMruns LS.'DkAemb.'r 1926 N r. MB KLUB RADIKALER ZI 0 N1STEN Mittwoch, den 22. Dezember 1226. um halb 9 Uhr töends, Im Cafe Atlashof, 1., Aspernplatz (Klublokal; Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) Der Staatsstreich in Manen. Das Schicksal des $ariameutes ungewiß. HüunC, -(». D.z-eiiiber. irtf-'Hi.) Urtier das Schicksal des Sejm besteht s/kg-cunärtig noch leine Klarheit. Es umVnon dom Perhalirn der L i n k o p a r t e, e n äbhängen. Falls die Sozial-domokvatcn und die Nationalsozialisten auch weiterhin, wie gestern bei der Wahl des Präsidenten den Sitzungen fernbleiben sollten, wird der Sejm ans gelöst werden, doch glaubt inan in politischen Kreisen, daß die Rückkehr 'der N a t i o n a l s o z! a l i st e n nicht ausgcschlcssen ist. In eineni solchen Falle würde die Auflösung dos Sejm voraussichtlich unterbleiben. Sie Redointiou um innerpolitilch. Berlin, 21. Dezember. (Wolfs.) Nach Blättormeldungen aus Kowno erklärte Ministerpräsident Woldemoros vor Pressevertretern, die jüngste Umwälzung in Litauen berühre, da sie nur i n n e r p o l i t i j ch e n Charakter trage, 'die auswärtige Politik Litauens .wenig.. Die Beziehungen zu Deutschland blieben nach wie vor freundschaftlich. Es sei zu hoffen, daß tzie noch mr-geklärben Fragen, wie Hie wirtschaftlicheu Beziehungen und die M e m e l l a n d - F r n g e, eine Lösung auf der Grundlage gegenseitiger B e r st ä n d j g n n g finden worden. Mit dom Momel-Geüiot wolle die Regierung das beste Einvernehmen pflegen. Wie in Memel verlautet, hat 'der Gouverneur des- Memel-Gebietes S h a lk a u s k a s der Regierung in Kowno sein Rücktrittsgesuch unterbreitet. Eine Entscheidung über das Gesuch ist noch nicht bekannt geworden. Keine Rvhestikrungku. Warschau, 21. Dezember. Der „Hajnt" berichtet über e,u aut 19. d. M. vormittags stattgefuwdenes Telephongespräch mit der Redaktion des Tagblattes „Jüdische Stimmen" in Kowno. Es wurde mitgeteilt, daß weder in Kowno noch in der Prcvinz irgend welche Auss ch r e i t uu g e ii ge ge n I u«d e n stattgefunden hätten. Im allgemeinen herrschte im ganzen' Lande vollkommen c Rstho, und die Meldungen der ausländischen Presse über Unruhen, Bürgerkrieg u. dgl. entflirecher nicht den Tatsachen. Rechtsangleichung zwischen Deutschland und Lefterreich. Novellierung des Sfterreichtschen Strafgesetzes. Berlin, 21. Dezember. Dem Deutschen Reichsrat liegt gegenwärtig der Entwurf eines allgemeinen deutschen Strafgesetzes vor. Dia erste Losung soll noch in diesem Monat vollendet werden und man rechnet auf eine Beendigung der zweiten Lesung uu Februar des kommenden Jahres. Im Frühjahr wurde dann der Entwurf dem Reichstag zugehen. Die Fassung, die jetzt in Beratung steht und möglicherweise noch schwerwiegende Abänderungen erscchreu wird, ist von den Justizvcvnaltungen Deutschlands und Oesterreichs in gemeinsamer Beratung ausgestellt worden, und auch die von einzelnen deutschen Ländern vorgeschlagenen Aemderungen wurden fortlaufend nach Wien mitgeteilL Ihrem Korrespondenten wird nun von informierter-. 'deutscher Stelle mitgeteilt, daß auch dem österreichischem' Nation a!rat, sowie den interessierten österveichi-« schen Kreisen der Entwurf eines neuen Strafgesetzes in der dem Reichstag vorzulegenden Fassung übermittelt werden wird. Wenn die in Oesterreich bestehenden Verhältnisse dies gestatten,, so wäre die Vorlage in Wien f ü r-d i c 'S o m m e r s e s s i o n des ''Nationalrates zu er-' warten.' Lar nme Post'parkafkenstatat. Der Finanzausschuß wird sich heute mit dem vom Unterausschuß bereits gestern beschlossenen neuen Postspar Lassengesütz befassen. Eine neue Fassung errt hielt u. a.. der § 6, der über die Anlage der Gelder bestimmt, daß diese nur erfolgen dürfe durch Ankauf von Wertpapieren und Devisen — hiezu dürfen nur 40 Prozent der Spar- und 15 Prozent der Checkeinlagen verroendet tverden --- durch, Belehnung von in Wien kotierten Wertpapieren.' innerhalb'- der vom Kuratormm gesetzten Grenzen, durch Eskomptierung von- Kupons und verlosten Papieren, durch 'B e t e i ft g u n g ‘ an einer zu errichtenden Geldausgleichs-' stelle für Sparkassen und Kreditinstitute,! durch'Einlagen bei der Nationälbank, anderen österreichi- ' schen Banken und größeren Sparkassen, durch Eskomptierung von in lättgstenL drei Monaten fälligen bei der Nationalbank reeskömptierbaren Wechseln , und. durch E§- komptierung von Warrants. Der Präsident der Nationalbank ist be-: rechtigt, an allen Sitzungen des Vorstandes und des Kura-7 torrums mit beratender Stimme teilzunehmen. . gangen, die ein poliZeiärztliches Zcugniä ' eingcschicki haibr, wonach Trrbrig ovLeitSunfähig sei.- Aus Grun-d üwses Zc.ug- Nlffes sei Trubrig im Ministerium von einem Amtsarzt untersucht und als mit Wahnideen behafter. befunLen >varden. Dagegen hätte die Untersuchung durch den Gerichisarzr die JrrechnnngSfähigkeit!eS Trulbrig ausgesprochen. ..SSet gewesene Minister schloß, das Haus werde sich nunmehr ein richtiges MK> über, die Angelegenheit machen. Das ist schwer möglich, da doch der Direktor Truürig, wenn er .zurechnungsfähig ist. seine Anschirtdigungeu beweisen mutz. Für alle Falle ist es gut, daß das Stilleben im Ackerbauministerlum auch einmal an das Licht der Oefsen-ilichkeit kommt. Sin Skandal im SNerrelchlschen Ackerbauminiftetillm. "nvrMiaut oder Anklägers Aus einer Verhandlung vor dem VerfassüngLgerichtSihof, die am Montag bekannt wu-rLe, echiell man einen, tiefen und interessanten Einblick in das ÄckerbauminDerium, ein Amt, das CHristlichisozrale und Hakenkreugler in stiller Be» schauüchireit als- Lhre Domäne verwesen. Der Rechnu-ngsdirektor Tr übrig hatte den V»und geklagt, weck er behauptete, ungerechtfertigt in den Rn he st and. versetzt^ worden zu fein. Aus -ber Mage ging hervor, daß zum Zwecke seiner Pensionierung sogar ein amtsärztliches Zeug--, nis zustande gebracht wurde, das ihn als unheilbar geitslesgeftort bezeichnete. Die Gerichtsärzte svklärten dieses Zeugnis als unhaltbar, da es ohne jeden Befund und jedwede. Begründung abgegeben war. Den Gmnd für seine Maßregelung erblickt Trubrig darin, daß er jahrelange Verfehlungen, Unterschlagungen und Mißbräuche seiner Vorgesetzten aufdeckte, die urchedstrgt vertuschi'werden sollten. M dies geschah unter iwr 4-errjchaft des AckerdauminlsterS Buchinger. D«r Ver- - fassongSgerichtihof erttärte tatsächlich, daß frie Pensionierung zn Unrecht erfolgt sei. - * Herr Buchinger. den inz/ivischen der Tiroler Thaler als Minister abgelöst hatte, brachte gestern den Skandal - ‘ rasch' tm Nationalrat zur Sprache. 'Er sei-, sagte er, allen -Allagen des Direktors Trr.!brig nachgegangen und sie.hätten sich alle als falsch hepausgestellt. Der Anstoß zur Bevab» 'schiEng-des Trubr-ig' sei vyn vor Jorstdirettion ausge- > Die Lbstruktion im Wiener Semeilldeeat. Auch gestern hat die Obstruktion der Christlichsoziale: . im Wiener Gemeinderat angehalten.^Gemeiiiderat"Haider, per vorgestern 81/2 Stund.n gesprochen hatte, setzte seine Rede gestern vormittags fort. Erst na.-hmibtags löste ihn Gememderat Stöger ab, der bis zum Schluß der Sitzung; sprach. Die Christlichsozialen haben twch eine Reihe von Rchyent. zur G:.n:r<debatte angeureldet, so .daß cm Endder Äudgeldebätte nicht abzusehen ist. Ein ncner sranMicher SesaMer fite Wien7 Paris, 21. -Dezember. Ter sianzösische Gesandte in. Wien Caron.de Bea.umavchais ist zum Direktor für pollirsche und. krn merzi'elle Angelegenheiten im französischen Außenamte ernannt worden. Der gegenwärtige srarzksischc Gesandte, in Athen de Ch-ambrun iftizum' Gesandten in Wien ernannt worden. Der französische GosaEe in Budapest, Clinch a n t, ist zum Gesandten in B u k a r oft ernannt worden. Eine öfterreichische Wirtfchaftrpattei. Gegen das Listenwahlsystenr. Im' Cafe L'andtmqnn fgnd. am Montag vörmitLa^ eine von dem Vorsi-tzerchen des Gremiums der Handelsvertreter Herrn A. M. Eh r.l i.ch einberufene B^rsglym--- lung von Vertretern - mittsslställdischer Bereinigungen statt/ Der Einiberufer regte die Gründung einer Bereinigung aller Ständegruppen zu einer geschlossenen Wirtschafts-' vartei an, die zunächst gegen das bestehende List e n w ah kre cht aufzutreten habe.. Oberbaurat Stricker 'erklärte, jede jüdische Grupp erhübe das größte Interesse daran, daß wirklich!«: Arbeit freie Bahn geschaffen werde.' die Juden seien immer gegen jede Bureaukratisieruttg aufgetreten. In Oesterreich werde man nichts ausrichten, wenn man nicht alle jene Elemente aus schult et, die, sei es direkt, sei es indirekt, an der gegeMärtigen Mißlvirt-' schaft interessiert sind. Beide Herrschenden Par-, t e i en haben die verschiedensten Aemter geschaffen, in denen sie ihre eifrigsten Anhänger untergebracht haben,, um sich so einen Stäb von unbedingt verläßlichen Partei gängern zu., sichern. Man möge sich dadurch nichtad- . schrecken lassen, daß jcht die Herrschaft in den Hände« - zweier starker Parteien ist. Es wird von Nutzen feilt, , wenn die gegen diese Zustände austretenden Gruppen in den Natiomalrat auch nur drei und in den Gomeinderat auch nur etwa fünf ihrer Mitglieder hiueürbringen, die bei allen wichtigen Fragen ihre Stimme erheben können, um den herrschenden Parteien die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Regierungsrat Dr. Groß m <t n (Reichsverein der Ar : beitswilligen) beantragte, daß sich alle zustimmenden Organisationen zur Schaffung einer gemeinsamen -Plattform zusammenschließen sollen, damit bei de« kommenden Wahlen diese wirtschaftlichen undberuflichen Verbände in geschlossener Einheit auftreien fihmrti Der Anrtag wirrdc einstimmig angenommen. Ein-ahlimy viut Steuern. lich 81.'Tesember sitp den P.nrüijuwsrkeiht geschlossen. Die .. Einsahlling kon C teueri! un-)' Abgaben wird pnrch diese Verfügiung'nichts ein^schrän?!, well der für 'die Steuer- M)lcr viel beguemere Weg der Poilinarkassenzahlung offen bleibt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.