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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-19 · Heft 2806 (19.12.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2806 (19.12.1926)
Date
1926-12-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Serbe 4 Wen, Somrkrg Wiener Morgenrettnns 19. Dezemtzer 1928 Nr. 28M Tie fo^üncik Tugeudiil und Laster ker Mitrei,eNvei: schattieren sich während einer längeren Fahrt ziemlich deittlich ab. Da.- Wagcimbteil wird zum Experimentierkabinett für soziale Begabung. — „Die 'Dame. iuirb sofort cinsteiftciu Ich habe den Platz für ne belegt, sie sch'N'doch." — „Belegen gibts nicht. Da köuntc.n Sie ja gleich den -;«kv zen Zug für Ihre Familie reservieren! ' — Der : achter taxiert: Saziales Empfinden ■nicht genüg ud: Eine andere Nuance. Vielleicht geboren Sic ni.-r' V' deneir, die entschlossen jedem Enttreterck-en ihr „Allcö besetzt'." entgegenschreien. Dazu sind Sie zu nornehmi -- oder zu feig. Kommt ein neuer und wendet sich mit Frage und denrütigem Blick direkt an Sie, unmißverständlich mr Sie, so wenden Sie sich trotzdem ab, bemerke;; ihn gar nickst/. Was geht er Sie an! Er istj Ihnen ja gar nicht vorgeftellt. Ein Fremder. Wird er dringeird, so brummen Sie etwa, mißgelaunt, unwillig, gclangweilt: „Weiß nicht." Ganz natürlich, cs ist doch nicht Ihre Pflicht. Sie sind doch nicht dazu angestellt, die Anzahl der Sitzplatzmhaber (von denen einige für Minuten auf den Bahnsteig ausgestiegen, andere im Speisewagen sind) in Evidenz KU führen — Auch diese .Haltung ist wiederum, vom Sitzenden aus - betrachtet, so verständlich. Warum sich in seiner Ruhe stören. lassen Aber seltsamerweise kann ich a's Eintretender dieses Rn> bedürftris gar nicht nachfühlen und gna'e in große Wut, wenn ein ganzes Abteil ans so hochnäsige Art sein Des^ interessement zu erkennen gibt: Setz dich oder setz dich nicht, uns ist das ganz gleichgültig. — Fa. zum Teufel, sitzt ihr denn schon seit Erschaffung der Welt da? Seid ihr n'-st auch einmal ein getreten und habt hübsch besch idcn gesco.F. ob kein Platz frei ist? — Aden leider vergessen ja Me Mäuschen so schnell. Dann gibt es freilich nranchmal einen sympathische.: Streikbrecher im Abteil, meist ein Kind, daZ von den harter Lebensgewohnheiten der Erwachsene:: no:l> keine Ahnung hat. — Man tritt ein. Das ganze Kupee rü in jhitttmr Ablehnung verschworen. Niemand rückt zur Seile. Ja. eine ältere Dame hat vorher ihren Mantel und ihre Köfferchen absichtlich so drapiert, daß sie eine ganze Bank bedecken. Sie sagt nicht etwa, daß alles besetzt ist. Aber eine unschuldige Geste, ein stummes Ausbreiten der Hände: man möge doch selbst sehen, wie aller Raum schon in Anspruch genommen ist. Familienväter geben auch manchmal knapp vor der Station, in der Zuzug zu erwarten ist, ihren Angehörigen! das "Signal, dichtmassiert ans Fenster zu treten 'und die Kupeetür zu verstellen, dimrit jedem von vornherein die Lust vergeh", hcreinZuckömmen. — Und :v-nn nun durch derartige - menschenfreundliche MAhoden ein Abteil aufs beste präpariert ist, rust plötzlich ein Helles Kinderstimmchen Ms meine Frage: „O ja^VitÄFein Platz ist noch, frei!" Oder mit wohltuender' Exaktheit: „Der zweite P'atz vom Fenster drüben." — Bon meinen Reisen sind mir mehrere solche WährMsküttder, die die- Menschheit rehäbilrtieren, in "Erinnerung geblieben. Neulich im Bäder,M — ein lieber,'chübscher, laügdufgesch)fse- E JimgeFden' der B^a sofort 'rüdch 'geschehener Tät "mit' „dummer Brngel" titulierte..«- - i—M; 1' So also benimnrt nun: sich, wenn ein-.Platz' frei ist' Und nur verleugnet wird. i Ein guter Mensch sind Sie, wenn Sie nicht nur freie Platze nicht verleugnen, sondernetwa Mch noch dem einsteigerten Nebenmenschrn bei seiner meist'schwierigen Nachforschung Pehilsiich sind, wie die Gepäckstücke, belegten Plätze und wirklich vorhandenen Inhaber zusammmhärrgen: Auch soll es "Engel geben, die sogar'darm, tnenn tatsächlich cckle Plätze besetzt sind, dem ermüdet Zugestiegerreu ihren Platz für eine Zeit überlassem — Doch wir sprachen ja Hiervon irdischen Eisenbahnzüaen und menschlicher Psychologie. ' ■ ' - - * -. .ck, düsterer Gmt voll als Schumgg.er, lassensich —- als gäbe es keine Linse — in Liebe, ^rß und Kampf schanckos belauschen. Fast nur im Lande ausgenommen, kaum im Atelier, hock der Film Atmosphäre und Wesenheit, die.'die Leinrvand zum unmittelbaren offenen Blick in das Geheimnis - des Landes und der Menschenseele machen. Umgekehrt ist es bei dem großen amerikanischen Schlager „Der Wanderer", dem Film der Massen und für die Massen. Gigantische Bauten, die schließlich Pie kläffende' Erde verschlingt, Horden von Mensch und Tier, alles mit ' Cent Glanz, der Fülle amerikanischen Kapitals. Aber alles auch" nur Kulisse, Konstruktion, Effekt. Nicht mehr lange, und diese Kolossalfilme werden Archiv und Geschichte sein. BezMbernd, gegen, diese hohle Monumentalität sind die ' Marionetten-des Italieners Padrozzä, das Teatro '. der pic.coli, das vier Wochen lang Berlin entzückte. Ins . Unheimliche gesteigerte Lebendigkeit, gespenstige Spiegelung unseres Gehabens geben diesen Puppen einen Reiz, den gcnrz auszukosten Freiheit von Eitelkeit, von Selbstlüge und .Hochmut verlangt. In dieser winzigen Opernsängerin ent-' blö^ sich das ganze groteske Wesen der Gattung an sich. Unb jene Puppe am Klavier offenbart uns tatsächlich Jammer und Größe des Künstlers überhaupt. Nun, vor .Weihnachten, verstummen Th?ater und Musik. Friede senkt sich unerwünscht auf diese öffentlichen In? ftitute der Kunst. Aber vorher überschwemmte noch schnei eine Riesenwoge von MusikMten die Stadt. Carol Szreter spielt Klavier mit weichen träumerischen Fvauenhänden. Romantische Musik liegt ihm, aber Bach bleibt Spiel, wird nicht Erlebnis und Klang aus nmsnalischem Urgrund. Heinz I alles, im Spiel sich in den jungen Bonaparte verwandelnd, hat sein Erlebnis Schumann zu stärkster Suggestion vertieft. Szreters glitzernde, schimmernde Technik ist nicht Glanz plus der Tiefe, sondern Reflex der Oberfläche. LWr Jättes glänzt von unten heran', die Saiten, aufdenei: er spielt, sind in' feiner Seele gespannt. .. . Der Senat drs Mizrates Soanenfeld. Si« Mfettzeff )u Riaißers Srec-lM M den Borstand der BerNner Wische« Semeinde. ijiMitil iiifr itii Mandat Nieder. Die .-Wiener Morgenzeikung" hat am 25. November ü->.sführlich über .den Brief dos Führers der liberalen Fraktion in der Berliner jüdischen Repräsentantenversammlung, des IustizrateS Doktor Sonnenfeld, an den preußncyett Innenminister Greezinski berichtet. Sonnenfeld hatte ersucht, daß der Besprechung der ziomsti-;chen Wahlbeschwerde nicht der Mimstevialdirektor Dr. Ba d t. der Zronist sei, beigezogcn werde. Diese Affäre hat nun inzwischen Wefternn- -nnr angenommen, die am 16. Dezember in, der Reprüsenk-antenversammlurg zur Sprache gebracht wurden. Sonnenfeld hat die Demission gegeben. Ueber sie Vorgänge in der Sitzung berichtet die ,Z. T. A.": Der Führer der Mischen Dolkspartsi, Dr. Alfred Klee, der zum Etat sprach, verlas unter lebhaften Hört!- Hörtl-Rusen von links eine Reihe von Briefen, und zwar: ' den schon bekannten Brief Justizrats Son n e n s e l d an den preußischen Innenminister, ferner einen Brief des Justizrats Sonnenfeld an den preußischen Kültusmmist.?r, z. H. des Geheimrates Paul> in welchem dieser, der sich selbst als Antifomit bezeichmt, in devotester Weise direkt apostrophiert wird und in welchem der Inhalt des Gespräches mit dem Innenminister ganz falsch und irreführend wiedergegcbm ist. Die jüdische Ehre, sagte der Redner» werde dadurch schwer geschädigt, wenn einem antisemitischen Beamten in einer jüdischen Sache Vertrauen entgegen gebracht, aber einem jüdischen Beamten das Vertrauen versagt tMrd. Die Liberale Fraktion hat, wie man zugeben muß, in Unkenntnis des richtigen Sachverhaltes, an den preußischen Minister des Innern geschrieben, daß sie das Verhalten Sonnenfelds billigt. Zum Schluß verlas Dr. Klee das Schreiben des Ministers Gveczinski an den Vorstand der Gemeinde und an den Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, in welchem gesagt wird: „Bereits in der Unterredung, die der Herr Ju-, .; stizrat Sonnenfeld. in Verfolg seines in Abschrift beigegenen Schreibens vom 21. Oktober d. I. mit mir . «ram >:25. Oktober hatte, habe ich ihn nicht im Zweifel darüber gelasien, daß ich die völlig unbegründete Anzwei f l u n g. d e r O b j e k t i v i t ä t eines mir unterstellten Beamten aufs schärfste ablehne. .»! . Herr Justizrat S onneit f cld hat in einem an den Herrn Minister für Wsfenschüft) Kunst und 'Bolksv . üildung gerichteten, mir von diesem mitgeteilten Schreiben, dessen Abschrift ich beifüge, über den Inhalt dieser Unterredung u rizutreffende An gäb tot g'e-' macht; ich habe mich deshalb zu meinem Bedauern genötigt, gesehen, seine Angaben dem Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gegenüber richtig zu st e'l len. Wenn jetzt die Liberale Fraktion der Repräsdntäntenversammlung die Anzweiflung der Objekti'vität eines meiner Beamten ausmmmt, und bedauert, daß dieser sich ,/nicht selbst in dieser Angelegenheit als besängen erMrt habe", so mutz ich meinem lebhaften Befremde« Berlin stürmt den Be:thooenM, wenn Edwin Fischer seine Beethoven-Abende absolviert. Er hat, seit wenigen 'Jahren, eine leidenschaftliche Gemeinde. Aber in der Tat spielt er auch die ewigen Sonaten mit.männlicher Reise, mit einem selten gewordenen Maß rm Denrpo, er spielt wirklich Beethoven, nicht nur Fischer. Allenfalls die Sonate für Hammerklavier deutet er im Adagio nicht aus. Was ihrerseits die unvergleichliche E l liN e y kann. Meje Sonate, vielleicht das Schwierigste, was. das Klavier einer Frau bietet, gestaltet sie völlig wie aus Urerlebnis heraus. Sie Äßt, unmittelbar den schöpferischen Prozeß, hören. 'Man hät, bei d er Ney, Begegnungen mit der Musik. Die hat mm: auch, schließlich, bei Eduard Erdm a n n,. aber da ist es die Musik von heute. Ist es. immer nüch welche? In Schnabels (Arthur). großer Klaviersonate " tönt stellenweise das Gefühl im Ton. im langsamen Satz .leicht durch Intellekt und'Skepsis, durch Theorien und Absicht der wahre Klang der einzig echten Musik hervor. Doch dazwischen? Musik, die zu uns, aber nicht mit uns sprich). Erdmänns. Programme vermögen nicht, seinen Saal zu. füllen. Sein Mut ist schön, sein Spiel großartig, seine Hingabe rührend. Mer letzten Endes, kommt es nicht dennoch auf dm Gegmstand der Hingäbe an'? Wie dankbar schließt man sein Herz. Mf, wenn Erdmann nach Jarnach und Schönberg Busonis Fuga contrapunctistiea in klingendem Bogen wölbt! Man sollte beginnen, von Berlin aus den Namen eines Dirigenten zu verkünden. Peter Raabe. Bon Zeit zu 3 eit dirigiert er hier das schon durch so viele Hände ge.Mwne Symphonie-Orchester, das im Vorjahr unter Oskar Fried zu großem Klang sich - Mf-geschwungen hatte. Raabe ist ein Dämon am Pult, ein musikalischer Furor ohnegleichen eibt absonderliche Gebärde aus ihm heraus, er ist ein ^aepNmeister nach F. I. A. Hofmann; aber sei es alte, "'i es neue Musik: er gestaltet sie. immer von ihr besessen, -n Erlebnis. Er wird groß sein, sobald er einmal Ms dem - Befessmm zum Besitzer geworden fein wird. über ein solches Vorgehen Ausdruck geben. Der Aufsasi jung der Liberalen Fraktion liegt anscheinend eine grundsätzliche Verkennung der Stellung des Beamten, inÄiesondere des Vevwaltungsbeamten zugrunde. Von allen Beamten muß erwartet werden, daß sie, getreu ihrem Dionsteide, in.jedem Falle die Entscheidung nach pflichtgemäßem Ermessen und ohne Rücksicht darauf treffen, wie ste etwa gesinnungsmäßig einer zu entscheidenden Frage gegenüber eingestellt sind. In diesem Nahmen sind sie bei allen in ihr Arbeitsgebiet fallenden Entscheidun>gen zur Mitwirkung nicht nur berechtigt, sondern auch v e r p f i ch t e t, sofern nicht im Ei-n-elsalle die Person des Beamten selbst von der Entscheidung betroffen, wird. In allen anderen Fällen kommt die Erklärung eines Beamten, er sehe sich auf Grund einer gestnnungsmäßigon Einstellung zu der zu entscheidenden Frage als besangen am, gar nicht in Betracht. Eine andere Beurteilung würde mit Notwendigkeit z u einer völligen Lahmlegung jeder Verwaltungstätigkeit führen. Im übrigen hat letzten Endes für die Bearbeitung der Chef der Behörde, im vorliegenden Falle also ich selbst die Verantwortung, die ausdrücklich auch durch meine oder meines Vevt'reters Unterschrift unter den hmausgehenden Bescheid bekräftigt wird. Die Anzwvistllung der Objektivität melnes Sachbearbeiters in deck Schreiben des Herrn Justizvat Sonnenfeld richtet sich also unmittelbar gegen mich selbst. Ich bitte, die Einsender von meiner Stellungnahme in Kenntnis zu setzen und daraus hinwirken zu wollen, daß in Zukunft. solche grundlose Verdächtigungen unterbleiben." Dr. K l e e, seine Rede fortsetzond, anerkannte, daß die Liberalen, nenn sie informiert gewesen wären, sich keineswegs hinter Sonnenfeld gestellt hätten, und appelliert an die Liberalen, ihren oft bekundeten Friedenswillen durch eine Tat zu beweisen. Eine solche Tat wäre die Zurückziehung des Wahlprotestes. Die B o l k s p a r t e i wird sich nach dem Vorgefallenen auf kei.nerlei Kompromiß mehr emlassen. Der Sprecher der Liberalen, Professor Dr. Türk, konnte nur ein Rückzugsgefecht liefern. Er erklärte, Sonnenseld habe die Konftque-nzen gezogen und der Fraktioi: das'Mandat zur Verfügung gestellt. Es zeige, sich, daß die Liberalen nicht über alle S ch r i t te S o n n e'n fe l d's ü n t e r r'i ch t e t w ä ren, fix hätten sonst den Brief an den Mi-nister sicher nicht g e schrieben. Auf mich, fügte der Redner, wirkte der Brief des Ministers wie ein Dachziegel auf den Kopf. Aber auch der Minister ist ein Mensch und nicht unfehlbar. Die Liberale Fraktion hat mit einer Mehrheit beschlossen, die Proteste nicht zurückzuziehen. Bor Wahlen haben wir keine-Ärgst. Es gibt aber .andere Gründe für eine Vermeidung der Wahlen: der Wunsch, daß endlich Ruhe in die Gemeinde einkehrt. Lie letzten Nachkomme« der RIeseaechsen. Forschnugsreisende, die die Sundainseln bereisten, wußten allerlei Erstaimliches über dort lebende Riesenechsen zu berichten, die man nach Größe und G sta't, als die letzten,, wenn auch verkümmerten. Ueberbleibsel der Dinosaurier ansehen darf. Die Eingeborenen wußten so Fabelhaftes über die Größe und Gefährlichkeit dieser Nachfahren der Riefenechsen zu berichten^ daß man geneigt tvar, ihre Existenz überhaupt zu bezweifeln. Neuerdings ist es jedoch gelungen, einige dieser Tiere lebend zu fangen und nach dem Zoologischen Garten in Newyvrk zu schaffen, wo sie jetzt eine der größten Sehenswürdigkeiten bilden. Ferner ist ein drei Meter langes Exemplar einer Riesenechse nach Europa gebracht Inorden. Es befindet sich im Zoologischen Garten von Am st erd am,, wohin es Ms Hollandisch-Ostindien in einem besonders für diesen Zlveck angesertigten und mit einer. Heizanlage versehenen Käsig an Bv'H eines Kri"gsschif es überführt wurde. Vll., KsiserstraKe 123 IX., Alserstraß« 4 die Marke des eleganten Her

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