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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-19 · Heft 2806 (19.12.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2806 (19.12.1926)
Date
1926-12-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. 28(X) Wen, GomUag Lagesbericht. Sin Isukma' Wr Sofef Poppervtznieus. yv/i'i'r. 'tlU Im Nath-.inspark, in nächster Näl?c fcc3 Sitzes der sozialistischen Gemcin.deve.:.re>ung, wird h u e ein Dnkmal für Josef Popprr-Lynkeus enthält. W r, die Verehrer dieses großen Mannes, und alle, die von seinem Wirken und seinen Werken für die gesamte Menschheit gehört haben freuen uns, daß in vrrhäl n''mäßig so kur',er Zeit — fi'iuf Jahre nach se'n »n Tode — da) A'.dcnk n des edlen Mcnschenfreilndes an würdiget Stelle ge ehr. wird. Neben d-es'nn Gefühl freudiger Ge.'.n.e.tun g beschl icht aber die Freunde ver Al geineinen Nährpsli.ht, sein s g öß ten Werkes, das bedrückende Empfinden, daß eigen lich mit etN-em Denkmal, und wäre es aus edelstem Marmor, diesem Manne zu wenig Aneri-ennung geleistet ist, wenn nicht gerade die Partei, welche programmgemäß für jeden sozialen Fortschritt einznstehen h'itt?, sich Po - pers soziale Gedanken zu eigen mach'. W'r. w'ssen ja leider ans der Erfahrung viel zu gilt, wie .reuig Denkmäler tatsächlich wstk n. Eine f ierliche A n"'n hn g, schöne und große Worte, einige Zeilen in den B'ättern — und in einignr Tagen ist alles vergessen — al) ob der geoßs Mann nie gelebt, nichts -BedenlcndeS für d e Menschheit geschassen hätte, das wir zu crfiit'eu und treu zu bewahren haben. Gerade in der letzte»» Zeit haben wir so recht den ,.Wert" von Del'kn'äkern zu b'ur'eilen G'legenheit ge- Hamlet 8«d Mette, Aasüel und Mi. Ein Brrtjner Kernstbrief von Ü»vi Münzer. liii^v g .r 0■ 0,- der ,r .-..y-c ^ittertdam Ber.ins, hat s.inen ersten Mister,og bei der Presse g habt, einen nen.ttiche.l bi den DeutschaaUo-a eil. Denn: er hat s.ine g.'.stalfte Ta. g.tntist, er hrt den aste-> elvigeil Hamlet, Stück hochh i igcr Klasjit, ei^enwil.iz, eigellsthe .isch, eige.isüh cn.» . eraub .eirächt. M.r' se'.:em Ma ler Netze»-, dessen Phantastic Geäste, S sta.l r de - Ueöersin .ichen, Bijioil a s Plastik fjjit, Verbund ir, veinunden mi Schausj.-ieie.rn, die nicht im einzelnen hervor.a^ed sind, aber ein Ens.mb c höchster Gat ung vorste len, s.hus ‘t: .eine., rlbend von nm'-.g.s, ich.r Eindru.^-rrast. Al e., war ge^e Brauch, Tradition und Erwnr ung Univ. die Gefüh swerder reisen Kriti er nalur.^mäß, begreisttch. n »r von Türich lei: augg if.eu, am Al e>l hiinzcn, mußte ihnen dieser neu. Ham.ei gegen Herz und Au. en gehen. Da.- Kostüm ist nich Smo.ing lind Si o .t,elz, es ist zitloer Art. Aber da) Ein Pgarlige dieser I szcuiernn i ist die Empsi'.düng, di Jeh er dem Schaufle: ei »ges üßt hat! die At»»ws. hä.e di er ihn» schö^strischstnittn t. Ist es nicht a s hörten wirs zu erste..»nat, dieses im Herwu»m iche» erstarr e Stück? Ohn Experimeilt, ohne i l-.«.«il!sa>nkeit, rein au) gestalte»- denl Jnstiilll. aus be ebrndee Ciilü'ih ung,t.a,t he.au) ha Jeß-.er dar Drama für uni) lebendig gemacht'. Mrn stöhn e sonst so sehr tK der >ite;.*uO if sympa hin rend. der Inten baut habe v.*!; '-°--s-e Vlfführung dieser belebten -Republik seine Verben?!"-- »na.hewoilen. (Die S.tzma.h fällt au die Be dächte ' -öa--rn? c’\l. .der Hof. vo l 'r inn Ma»»n geschaut, Puppe ha tel bcWut; die Etikette ba.ocl -«»"'.st. k > . - '.''-"niell o .st'ch Ei: lini.' a:gene hat es ersaßt! Jeßn-er ha' st':.n Geist ve.s hve l e - vo- Erscheir.en de) Geiste) - ' Nun da) B n b!' k il ri a ian dreA ihm; es er'as) g't:.üi» ' - st d'. Ferstn lg a-ee e enip-- findet ihre Größe und Selbstiin'-ig'eit nn-iar WkWer Moksenzettung 19. Kozembck 19Z6 Seite 9habt. Her von den Wwnern kennt Nicht die schöne Büste vör dem Postspärkafstugebäitde? Har jen:ar.d von all den Äeranüoort!ichen vsim Anb.ick des dorr ausgestellten Drnkumles sich an die gvldeaerr Körte des Schöpfers jenes staatlickren Institutes erinnert? Der Stein ist kalt. Rur die Tat, ynr die Vsrwickkbchung ihrer Gedanken und Absicht, n bringt die Mensch- IM den: Jk eal näher, das diesen Großen vorgeschw-ebl hat. Würden Herzlö prophetische Gedanken stärker m uns wirken, wenn er ein Denkmal besäße? Wenn Popper heute aufstehen tiitf» reden kör u'r, er würde sichre jagen: „So Ihr nicht die jrste Absicht -.rbrt, zugleich N'it der Enthüllung nwiner Büste inern Werk in die Tot ulnzusep' n, ist Euer Trrn wertlos, wie gut Ihr es auch dam-« meiner." Aber Popper hat für die ganze Welt geichrssen, nicht bloß für die Stadt, die ihn jetzt chri. Was er über die gesicherte Existenz eines jeden Individuums, g r^n utt durch das Gemcinlvesen in welch"»« der «inze ne l'bt, gesagt hat, gilt für alle Völker. Cs soM« b'sonders für uns Juden, die tmr daran gehen, uns ein eigenes Staa'swescn zu zimmern, ein Gebot der S und.' se'n das wir als Haupt- und Grundgesetz in uitfcr Versa jung mszuueh» men hätten, wollen wir durch die Tat bÄonsen, da) wir willens sind, der Menschheit daS Beispiel er>.es Fortschrittes auf den« Wege der Zivillsa'ion zu geben, d?r gerade für die in der Diaspora lebenden Juden von unschätzbarein Wcr e sn'n wird. Durch die Tat also föTen wir da) A:br: k n nnse. es edlen Volksgenossen ehren, der se'n Bestes, s.'rne' Bibliothek der jüdischen Nationalbiblio h k in Jrrnsa^em g'- rvidmet hat und damit bezeug?» woNe, daß er trotz seines kosmopolitischen Denkens nicht aufgehört habe, ein treuer Sohn seines Bol- Jrr neununduneuiczig von hundert Fallen geschieht das. Denn neunundneunzig von hundert Menschen sind böse. — Für den im Kupee Sitzenden ist übrigens keine Antwort so naheliegend lvie diese. Merkwürdiges Gesetz! Es kostet ihm sozusagen gar keine Uebenvindung, den Bittsteller mit seinem „Alle Plätze besetzt!" ganz energisch abzulveisen. Etioa so, als habe man ihn soeben mit einer großen Zumutung belästigt. Dabei macht es säst gar .'einen Unterschied, ob tatsächlich alle Plätze besetzt sind oder ob notorisch einer oder gar zloei frei sind «oder ob inindcstcns Unklarh?tt darüber herrsche, da in der Situation, in der der Zug eben hält, einige Leute aus- und einige zugestiegen fiiio. Einerlei, es ist so einfach u»d klärt die Situation so gründlich, wenrl manu,Alles besetzt!" schst-eit. Denn für die glückttchen Sitzinhaber ist ja keinessglls etwas verloren, eher ist es sogar eine kleine M- Nchmlichkeit, roenn ein Platz im Abteil frei bleibt^ Wie anders malt sich die Situation im Kvpfe des Eintnltverlangenden! Wie, er soll eüler groben oder auch nur lei.ßtseriigell, ungenmuen Antwort Niegen draußen im Korridor stehen blciöen! Ist er energisch so kümmert er sich dciln auch sehr worüg um die Ablehnung, die er als regulär vorausgesehen hat. Für ihn war die Frage nur Formsache, etroas wie eine höfliche Begrüßung, nun. aber oringt er auf jeden Fall gleich ins Kupee ein . und prüft, der ilegattven Auslunst zum Trotz, mit strengen Blrckert vie Sau>age. Sofort hat er eilten Platz entdeckt, der nicht belegt ist. „Pardon, der Herr steht draußen im Gang." — „Das gibt's nicht, der Platz ivar nicht belegt!" — Uebrigens gibt es noch bösere Menschen, die das Gewöhndes ,.B^ä''?b'leqens" grundsätzlich mizlveiseln. Wir Juden haben eine doppelte Pflicht zu erfüllen. Wir haben in unfctc Verfassung das Rocht aus garantierte Existenz sichern n g aus u"ehmen » n.> in der Diaspora für die Ausnahme dieses R'-cht-.S tn die Verfassungen zu wirken, um uns und der ganzen Welt zu nütze»». Dan»l erst werden wir unscr n g.oßert Toten ehren, lvie es einem großen Volke geziernt Der Grabgaug. Der alljährlich stattfjndende Ga;:g zürn Grabe Josef Popper-Lynkcns findet am 26. Dczen.b.r d. I, um halb 11 Uf>v vorm'tiags, beim Z n'ra'fr'.chhof, 1. Tor, statt. Rudolf Steiner. „Alle Mtze Srsetzt." B»i ta\ zur Charakterltttidc Von Max Btod. . Sie »vollen »vissen, ob 'Sie cin guter oder ein böser Mensch oder eine der vi.'len möglichen Zwifcher.nüanc^l sind? — Sehr einfach. Beobachten . Si? sich in folgender öitnalion. Ein dicht besetzter Zug Stativir. Man steigt ein. Jeruand tritt an die. Türe des WagetcaÜtcils, in dem Sie sitzen, und fragt mit der bescheidenen Miene d-"s Bittstellers: „Bülr, ist hier noch ein Platz frei?" Werden Sie ihn mit „Nein!" oder „Alles besetzt!" '»»brülle»»? 7 lKV 2/ vFw i W ■fizdcimn Klassenlose vom '•Bfliiikhause Sohethammer &Scf tattern _ WienI# Siephampl h\\-ä M. i.l-n mn. MW mm!iumwsämsm- V—t.. qUüji t) >>.- wei* »u-)>. n>e...ger g 1^/ s)iSeator die allen „tchänler" ähn^ch he:a »Zgebracht, inü einem F-u wr, rin r Geg mvartsinteirsiM,. die ei. sa.h heran 'the:ld war. Aber nun. bi-omyi nach dieser arck'chw. a^ch.chr.-. Ailsrna huilss Harir.ets, hat dir d u'.schna.iona e^ Fvaklion im preu .'üstheit Laiwtag ein n An. a; gegen Jeßn -r eiirge'.ra.ht D-. Staatsmi-.iste.ium so..e ,,.o ortchl.a /.rahmen tre seu, u:i dieser — durch die Auöwahc, sittüch anstößige Glücke. u»ch h e sich an die ni dr'gstcn I stknkte wendende I chze-ierung — Gefäh.dung von Kü rnr. K mst und Sitt ich eit e»ngeze . - »nvirken." Was berv.ist besser die Genia ilä eine) Marne. vre Jeßner, a s diese Furcht vor ihn», dieser Lttlfftand gc je» sein We r! Er hat sogar v.nnocht. daß Hamlet nur .ine Person in» Stück ist, nrchr »nehr das Stück, so u. v? g'eichlich ist sei.» Zu'a'.ns.-iel. Äa.. tu esdaß Blau .»ine Echinger,.sonst die kesse Pvttle-Gni be i. Berim', üs Ophelia mit LL.pei.ai niht al Z erchl'.r und di.' Köln »in allzu eintönig la-Mr an».ist. Kortner, a'wiß uiH. »lm Hamlet g bo en. ist .Hantlet in die'er neuer GesühiZelnslellurrg des D.anraö. Im lla'ßsch au g.mach'.en wäre er' vrnigec möglich. Aber saß zp sei »ein ei euer bürgerliche» ochcnls/iel ma lst hier Po onin) di: Tragödie, fr s y)r*cvl»' 'bmdig im d dieser Hofbeamte in Paul Bilds Gesta i Es gab ma chm Aben' der Erschütterung de ) -eewoßn .er, Glei sg wicht?, der Aus /ühßrng der schon sai.o .Le'mußten. Seele. So wenn die einzige dvctte Guilbert vor mnklem Vo.hang steht und Charme, Esiwit, Sa'ire und Schmerz au?strömt. Diese Frau von mehr a'> se hzig Iahen, uwve.n e bar, seit: sie vor Menschen« ter z.nm er'tennml 9a g'u des eben entsch as neu Äichrpin sch'u l»z« u»»L flüßerte, besitzt eine seltene Magie des Wortes und dev Gehrde. Ihre Sugg. stivkraft ist un ewöh ich. Mi einer Grse »»alt sie Dorf u»td Kirche, mit eine»» Zucken der Schulter l md und G eis, au? ihrer R de steigt lebend che Gestalt. Die Macht der Pery ichkei! h>ibt da) größte Erlebnis ''vstte einMmfch. Das enipjiu'e' da) siebem'-e Pub'i- »un der bk'-i^n hnßm P.ätzr?■’* n o wie di; große Ge'ell- 'hast vi Lrgnr und lnftchen Orck' -stersitzen. Alles strömt ,a zu ihr, die VottSschuliehrerm und dir Ministersgatlin, der ^»u/wa Uno o-v ^un,..er. ’A>iu ji.u> dir internalio.ia.cm Abeirde Berlins. Die Gesandtschaslen des Ostens urrd Westens plaudern in allen Sprachen. Uvette spricht jede. Der gwße Mensch ist a.len verständlich jenseits des Worts. Das ist ein Trost. Kein Genie bleibt unverstanden. Dieselbe Pracht »o» nackten Schustern,: Pelz, Brokat n.-d Frack erctsaltet sich bei Anna Pawlowa. 'Weiß Gott, sie b.eiot doch die einzige Tänze.in seit ztvanzig Iah-, .eit! Bei ihr ist die letzte Schivore des Leibs überwürrden, der Triumph der Seele war »»och nie größer als bei nieser Frau, deren Körper ihr .St'urt)tmit:e£ ist. Auch sie ist icht Mehr jung, aber Gnüe scheint noch das Fleisch in . 'einer B üte zu verewigen.- M-en'n6 die Pawlowa ihren „Sterre'.'/oc» Schlvan" tanzt, ist im Fcküg l lästern ihrer Arme die Sehu'ncht einer Menschheit zu Tode getroffen; im letz- :m Erbeben ihres Halses geht uns das Mysterium des 7terber:s ans, a.s erlebten wirS am Geliebdesten. In einent io»:do Beetl-everrS ist sie lonhehasli» der senge Geist, der Beethoven insprst-ecte. Das Wesen der Musik selbst steigt da aus und vm"n'estiert sich. Ihr Tar-.', ist unbeschreiblich, da?r eben das Nn-agbare, nur nmsila-isch Ausdrückbare in Bestast und Vew gN'ng um setzt. Scha' -end ahnt inan in sich 'elbst die Frcih-ert von Schwerkraf-, .die Ge ostheit von Erde, 'llle Tä:'ze'.'!''.n.'n tverden «eben ihr erdgebundene trübe Wesen. Der neue Tanz w'rd—'.eben ihrem Ballettröckche»r n»ld Fußspitzen — Lite a ur '>nd Pantomirnre. Unsere hundert chysthmischrn Schu r,» — kie scnd »mr noch genießbar, wenn man die nmndrrbare Russin ver'gißt. Tlber ist sie nicht um vevgcßstch?... Man kann jetzt g-ößarkigen Gegensatz'zu sthr erleben: ein evdvenvurzeltes, naiurhaft gcil trrillendes Geschöpf, Ra> el Meller, schwer von Blut, von Sinrrlichkeit. Dia Französin sparst die La einen, iin Feydersihen Filin, den »nan nur g.'itrek^n kann, »venu nur.» die O;»er Ms seiner Err'.neruag "« Es ist die Meriminsche Noioelle, mch der da) Drehbuch b arbeitet ist. Und nur haben nicht bald »v!ed-- ci :en zlveiten Fistn. der so nnnrittelbar Leben -st wie dieser, völ.»^ »-'»gestellte Realität, ei'ke »mlde, Herriche Wah hüt. eine - "..'iubmde Ebt'eit. Rag»»el und Louis Lerch, ein Don Jose, jüngstngshast bezaubernd als Svlr z -

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