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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-19 · Heft 2806 (19.12.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2806 (19.12.1926)
Date
1926-12-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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j. Seide 2 Wen. Tonnias W!ensr iS. L"?.emld?r 4926 M^Sss Klassenlose zur Anfangazielvtmjj empfiehlt HiIim Stutz, I-, NipplHigersfräae IS tEcSc Schwaip.) Ziehung 28. und 80. Dezember. Lose, Plan und Erlagschein werden promptest zage-endet m V, 92 8, '/» 16 s. V« 8 S, Vi 4 S. Der österreichische HorzeLan »r laden. " — y, Wie«, 19. Lezembrr 1S23 Herr Dosel ist ein Dettlcr. Er hat es gestern in dem parlamentaristhen Unlersuchungsausschnß selbst gesagt. Wenngleich es in Ocstrfr:.i.h noch sehr vi^le Personen, geben dürste, die froh waren, so Bettler zn sein wie Herr Basel, so ist seine resigmerte Aeußerung doch in dem Sinne richtig, daß der noch vor Monaten so beneldclc und befeindete Jnslationslörtiz seinen Thron uud seine Bank verloren hat. Das ist eutsiwci cn das melanch^lischc Ende einer Laufbahn, die als märchenhaft beton: tdert.und beschrieben wurde, einstweilen das Er4>c cin-r Affäre, an der ihre Urheber sich nicht freuen können. Die Heroen der Moral von rechts und lirrls hallen zu einem gewaltigen Kampf gerüstet. Sie wollten jeder den andern enthüllen, dem Volke zeigen, daß es nur unter der Herrschaft de-, eben redenden Parteiprogramms gesund.n kömte. Sozialdemokraten und Chrisilichsostin e g.rieten ciuaud.r wütend in die Haare, natürlich nur im Namen einer höheren Sittlichkeit. Und als eS so weit war, daß das Dmk, gemäß dem gescheiten Ausspruch d.s Paters Drcx.-l beidr als Bagage.empfand, da einigten sie sich friedlich, schiiÄ« lich, fteundschastlich auf die alte gute Formel: Dar Jnd' ist schuld. Bosel ist dieser Jnd', der rettende Engel für Kunsch-ak und seine Eege:.s,-ieler. Wie ist eigentlich dieses SchlachtgetÜmmel der Moral- Pächter mit der roten und der w.ißm Nelke enlstat.dcw? Heute stehen sie belämmert vor dem Porze lanlad.n,' in dem sie sich herumgetri.ü.n haben, uud suchen krampfhaft nach einein gnten Erde. Sie haben alle d.n Anfang vergessen. Der Beginn lag in d.r mmchanschen Franc fälsch^rgeschichto. Die Sczict.b mokrat.n hatten Wind bekommen, daß auf steirischem Boden tschechische öcoren fa briziert wurden und daß die Steireröanr an dieser Schmutzgeschichte beteiligt war. Dies sollte genau festgestellt werden, und die Bamenkommijsion resp. ihr eifrigster C'ei.l, der Hosrat Stern, benlühte sich, in Graz den Hebel zu findest Die Kampagne geri.t aufs poliltst./e Geleise. Äd.'r der Landeshauptmann Rineelen w.hrte jich gegen jed- Hineinziehung seiner Person und des ihm von Gott ver Prisching und rwch einige Verdiener und Spekularrtcu arisch-antisemitis^er Konstssiou sanken ins GraS. Bon den Spuren des Horthy geri.t die Neugierde in neue, unbetretene Geoiste. Diin die Enge getriebenen Christlichsozialcn begannen zu schreien. Tie Zentralbank ist noch gar nichts, die P^pcu^asje ijt noch, nreit auä interessaneer. Tie Sozialpemokrmen ließ-n sich das nicht zweimal sagen uud stano-en plötzlich vor dem Herrin und Gebieter ihrer Hamm erb rotwe.le. Es war ein saurreo Stück Arbeit für sie, du riü/ige Eins.-uung zu dem so gut beivähnen Freund zu-findest Aber sie haben's geschafft/und in dem Rummel, in dem Wicöei der ein -arider jagenden Sensationen rings um Bvsel, irr den: Lärrn der Parteien, die einattder ihre Verbindung mit dem jüdischen Bantpräfioenten an d.n Kops warfen, fanden alle die richtige Parole. Losel hat alles auf dem Gewissen. Karikaturisten von rechts uno links rüurcu in geschlossener Front aus. Der eigentliche Siim der ganzen Enthüllungen, die pra.lstvolteu Geschichten der Minister, die die Verträge ungelesen uitterjchricben, ging ebenso verloren wie die i.ttercjfatt.e F.ststetiuug der grandiosen Praktiken unserer Bureaukratie in der Postsparkasse, die sich um Statut und Eto wenig gekümmert halte und mit Bosel gemeinjam den Ritt gegen den Franc unternahm. Die Zentralbank ist hino.e Slamsgauautie muß der Steuerzahler, ob Jud ob Christ leisten, die Postsparkasse ist dem Herrn Reisch übergeben worden, dem Mann, der das viel zu wenig gewürdigte Kunststück begangen hat, den Staat in die Garantie für die Zentralbank hinein zu empfehlen. Herr Boset ist ciu Belker. Ja, der Herr Jakob Ahrer ist auch noch da. Pachon, er ist nicht da, erist in Kuba und drahtet, er sei erbittert. Mit Reckst. So ein Lärm wegen eines lausigen Aktes, den kein Mensch je mehr gesehen hat! (Uud nach dem sich die grundgescheiten Kommissionäre vou E'.Sler bis Danneberg noch nicht.erkundigt haben.) H rr Ahrer aber sagt in seiner Verteidigung an einen amerikanischen Journalisten noch Einiges, was uns doch erkennen läßt, ums hier angerichtet worden ist. Er sagte,^die österreichische WirtsclM sei nicht beschädigt. Es muß also draußen in der Welt, jenseits der Linie Buchs—Retz, die Ansicht verbreitet sein, daß die öftrrcichische Wittschkft ja beschädigt ist. Sie ist es; jeder Kaufmann, der mit dein Aus land zu tun hat, verspürt es in allen Knochm, daß di. Moralreiter von re.hLS und links zunächst! das Vertrauere zu Oesterreich heillos ---rieht haben. Dafür haben sie jetzt den Bosel. Der ist fu;nib. z * Sosel - ela Bettler. Las DertzSr rar drÄ UNsrsuchMLLurschaL. Der PostsparkassenrmterauSs.-hus; hatte gestern eine Sensation. Der ühemu-.ige Präsident Veq.H-i'.-iohMph Siegmund Bosel hatte sich zur Einvernahme zinste funtzcn. Vor!«m Ausschußgimmer drängten sich zahlreiche jüeuK:crige, Abgeordnete. Beamte, Journa.tsten und Diener, um den Mann von Angesicht zu Angesicht zu sehen, der der Postsparkasse W4 Millionen Dollar schuldig ist, von dem du! Einen annchn.en, daß er dre leitenden Beamten cer Pas.tsparlassc, vor allem den ViZegou^erneur K lim e sch und schließlich auch den FiitunzrNinister Dr. Ahrer hineingelegt habe, während die anderen wieder behaupten, so dumm konnten roch die beiden nicht gewesen sein. Dieses r. rusche k «bare Männchen, daß da an dem grünen Ausschußtische Platz nahm» sch.cn, bevor cs zu sprechen begann,. Nicht vier zächlen zu können, endwickelie aber dann eine ganz rcsM'mvte Suada. Für die so ver-.u-stlbringenden Vertragsabschlüsse wußte er mit dem Argrment aufzuwarten, daß er auf seine Interessen bedacht war m-.id :ie Dahrnchmun-g der Jnievesse.« des Postspavkassenamres sekbslverständ'.ich bei seinen bcainteten Vertragspartnern vorar ksctzte. Im n'lrigcn g-alö er seinen völligen Zttj.ammcrrb. rrch * zü und behauptete, sogar ein Bettler zu sein, was sich allerdings nicht recht mit einer späteren Behauptung zUsammc-nreimt, in der er davon 'sprich:, i n Wien cinc.Zcit u n g z u b e s i h e n. Vor der Eir.veuuihme BolselS wurde ein neuerliches Telegramm j bi5 gewesenen Fiivatrzm-nistrrS Dr. Ak;re.r verlesen, worin er r.rn eine lonkreiere Fragestellung eufucht, da er aus ..cm lakonischen Brios des Gesandten Prochn il in D?as.)ington nichts G'-cr.öu.eS entnehmen fonnl-c' und von den An-zrifsen gegen sich nur obevsi-üchlich gehört habe. Der Ausschuß verzichtete dann stil'jsck-wcrgcn'd darauf. Ahrer L^iEMDSEiTE PEL11 Honen-» OasnenftenfeHfleii und Ra«*waren ‘n grttStsr Auswahl Ktllig.t tfciur,e!-an bal 121 ävNLKN WS tHUill R IAHC3 ittlWASZ NOf-chnunnelitar Wien, 1. Baz., Ertlga.ao 4 2u;sng: Bauarnm^rkt 14 vor ixiii tll.-enera-u.0l.iut m ^^ai.na \iau>]u-uc.ii ma-u-en zlaßen. Hierauf wurde D ose-l vernommen.! Cr erzäh'ie. er sei rm «e'prem'.'erersten in Ecchhäft-i^ezioh <n» tzcn zur Pchchp-ariasse ge.ommen. Cr sei dort bcgre.slichcrnwisc a^rediUert gowLsen, denn man wußte, :aß Bchel in den Jahren 1917 und 1918 einen Lvschluß vow einer ha-L-rn D.iürarLe Go-Äronen gemacht habe, wofür er sogar von der höchsten Stelle Lre Anerkennung ausgesprochen erhielt. DaanaLS hatte er auch ein z e.ultch großes Priva.n-ermögen vcfesten und Hab« jm Jahre ISIS 11,0 Millionen Goldkronen an Steuern gezah-.t. Das fei gcn'ügoi.'d Legitimation gewosen, mit ihm Geschäfte in Erwägung zu Stehen. Damals, sagte er. „war mein Haus ebeki a >f einem Höchepunlte. inzwischen ist 1>as Ung.ück hereinz-.ärochen un-. ich habe info ge mrines Optimismus mein Lormözen eiubüht. We-lches Venmagen ich be>saß, geht daraus hervor, dcß ich in den letzten Jahren nahezu 7 Millionen Schilltng au Steuern und sozialen Ah-gäb-en entrichtet habe. Heute bin ich e: n Bettler." @tu>nr.c damals bei der TevisenzenrraLe einen H o l la nd g u t d e n k red i't an^e-fordert,. en er für die Erwerbung seines dOprc^entige-n Antei-.-eS an den Ham-m er brotwerken brauchte. ES wurde dann d. rch Präsidenten N e i s ch festgestellt, daß Bose-l im Lause der Jahre 1023 und 1024 T-agielder beim OCa3CQC00C3öC0CCC3<^CCC3CCC003pCCX^C^ wollen Ihre Wäs.:he sauber haben sollen Ihre Wäsche schonen müssen daher waschen'lassen bei der FEiNWASCH ANSTALT SIE BIANCA ^Ill„ L1NZERSTRA. SE 209, TELEPHON 81 8-91 WIR ho’en und statten jedes Quintum Wäsche kosten! s tu, waschen ihre Wäsche ranz separat, •chonend « na blQtenwHfi. halten Ihre Wäsche tegen jedes Risiko voll: vei sichert. 156 F:nanzm:nisteriuM in der Höhe von 2,700.000 S. sukzessive aufnahm. Auf die Frage, wie er denn als Banlier zur Meinung komm:n koun.e, er werde sich vom Fitrangministcrium Geld ausborgen, antwortete Vbsel' ausweichend. Dann wurde er über die VertragSabsihtüsfe des Jahres 19G5 befragt. Cr habe damals — so erzählte er — mit der Po-sHpaekasse a.f Grund von Geschäften eine Würechnung-gehabt, bei der sich ein nicht gedecktes Saildo von ung-c-fähr 8,6 Millionen Dollar ersab. Außcrdom hatte er no.ch Verps.'ichtunccn im Ausland und bei der 5?ationa-?bank. Da seine Papiere nicht stiegen, wollte er der Sache ein En-dc verölten uni» d'.s Konzentration seiner Verpslich.unzen nach dem Ausland..verleben. Urkber liefe Angelegenheit -habe er wicdcchjült mit Tr. 8! e l s ch gesProchen. Es wurdr d-uim ia Unionen.st in Genf gegründet, der alle Kserle Deisels aufueihmen ond alle feine Verpsillchtutxen US a.is einige Millionen! ersüuen sollte. Davon habe er stA'stbr'.islär.dlich der P.ostspar<?asse int: tent FinanMinisteriuin Kenntnis gegeben. Dem 'Finanz-minister ha-le er fefrei, daß er tott der Forderung der Pcisif-parLasse. nicht sprechen k-i'-rne. ^.A'cnn ich im Ausland sagte, ich bin 10 Millionen Dollar schuldig, so machen die Leute de.S Geschäft nicht, icki muß tic For'rrung der PoschparEste u-ugcklärt lassen." Bei wict-erho-llcn Besprechungen mit drm F'uaniZU'.'nlster Dr. AhSer h-.ve ih-tzi dieser gcchizt, erh.tdo selbst große WirtschislZideen, er möchte, auch mit dem Gcneralkvmmissär sprechen./ Darinfl/tn h.ibe Vofel dem Al/eer ein Expose gegeben, ü er das, to.tJ er mit der @.y.vi;i$cv Gesellschaft jit machen fc.ui:kI;-U^c n;!t der auSd Ü:T i' en Demer7mtg, daß gegenürr den S'/'wesgern die P^stsparkasseverps'k.:> tungcn ni'-t gen'M'.t werden dü.scn. Diratisch'n sei er (Bose.) selbst ne.ch Genf gestrhirerr und huste das Ge^h-sift s.bgesch'lojsen. Der Negierung ll.tn'.en spssier Dcdeu?ru. Sie wollte deü Dertr.'.g Lust een. - ' Er wn.de znm Fitr-eugntin.'-sc-ir Kilbmann vtrusen, der mit i.stm von der Mög.'ich-est eines neuen Deetr.nes spra.-.h und l.st u dalwr - au.) geioisse 'Zusagen ma'che. M .n werde ihn nicht bemv.ic.en und ichn einen grosten T-ö'ukanstcag .rer Depisengesch"sie der T bab.cz'.e zu7ommen lachen. Auch Auch Von (stsn.agcn des Salzgcsthilstes wu.de ,.esprochen. Nur unter bimsen Voranösrhimgen habe er sich nicht dageg.-n gelo-rhot, daß das Geschüst nrit der Uikonbarck zustünocklim-e. : Aus de.t V ^h^t, dach in Diu:,7m Feihlitgeic dre Mil'.01ltt'.rg enthalten mc, Dosel habe den Minicht.e Ahrer Ui ch?:u Be-traglalsch'nß bestochen, erwiderte B -}ti „Ich habe Tate vorhor ersahren, daß ein N d-tlreur einer Mteer Zeitung dies n Ar.ilel geschrieke r hat. Ich kenne seii.e» Namtn. Dlcher Artikel w.rrl»e vorher a^'r.r Zersungen mrgeSoten und a u ch m ein er Zeitung, dem „Ta g". Dir haben ihn aöge chnt. Ich bi.r daranshia sogar aus Genf angerusen worden und die Heroen drohten mir, den ganzen Beotdrag mit der Posts'.oarkass-o zu kündigen. Ein Blatt nmgs'es, eine solche Verdächtigung und Verleumdung auS'u'prcchen und ich bin in vor ttnglücklichen Siiualion, daß der Finanstüli.üster in Havanna sitzt und nicht ln Lr 'en." < Nach V^sel wurde der ehemalige Vizegouvernenr drr Post spar 7as,'e. Dr. Kl im es ch einvernomm.-n. Er betcucrie, daß die Postsparkasse die statutenwidrigen Geschäfte absthließ?» mußt?, nur um die Spesen, die im Jahre 1924 schon 112 Mil rar', en b t^'grn,.aufzubringen. Die Frankenrrandaklion war gewiß ein Mißgriff. Er habe sich zu 'hr durch das Vanlhaus Bosel und nicht ohne Eiajlußs Bösels, der damals gerade aus der Schweiz kam, bestimmen/ lasftn. Für das Durchhalten des Arrangements Bose is habe ihm Dr. Ahrer auZdrückiich die finanzielle Untcrstiil'nna der R'-i rung zugesa.'t. 1 WWW Ei SsSteiiHtA Si« Jump^iki tJer ...... 8 2 — i.nmberjak ........ 818 — B atautaweatCr ..... ,8 18ituklnio-'iariillur ..... K 12 V'i ««le-S'rampie ..8 1 2d M# Holzer VI..ßl-trlaliiIfatBUaße89(neben FloHer kino), 11., Ja))or3traße 18 W « r alle mygllchen wirken vorbeugend und lindernd die Gütlich et probten und eitipfohlene-t * mtbwm »» - Knobfa^nnr-n'.en, Voraügllcn b«l Praue iä den w uhsellohrei». Preis 8 ISO, Erhältlich In allen Apotheken. i«, Erneurung: Ahe Feldapotheke, Wien, I. Stepbanspi tt^. IDurdtRcntadn bat utib trotz großer Oiätlfciier Emdehtniiaen keine Gewicbt<?ahnahme erzieten konnte. voGtzche Pr. Hyffbaüer Vntfe.tnn slabietren. die voaile.ii fein* Vlc detintg der ge>o-.hnttn Levenvwriie vertangen und in kitt ustei Zeit Gelvichldnermin-erimg bewstlen — Depot? Apothe e #». »l'riljcr, -tZyUzetir Nr. Vt \

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