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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-16 · Heft 2803 (16.12.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2803 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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5*ffe « fßhött, 'üj 9f, 8808 wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen 9«atfl«r<ami Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Trauen in den Wechseljahren. Preis S 3.50. Erhältlich In allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien. i. Stephansplatz. Bühne und Kunst. «Stagione" in der Bottsrper. Eine Stagione, bereit Niveau etwa den'^dcr Bolksoper entspricht. Sie bringt keine glanzvollen Stars, keine Schauspiäerpersöniichkeitcn; einzig Massimo Andreoli als R lgol et to versteht sich, auf leideuschastlich-eres Spiel, und sein modulationsfähiger Bariton ist kräftiger, stellenweise naturalistischer Akzente fähig. Hingegen singt Wanda Bardo ne, anscheinend eine tüchtige Koloratur-« säugerin, als Gilda mit der Virtuosität und mit der Seelcnlosigkeit eines hohen Blasinstruments. Giulio T i nz ani ist als Herzog kein losgeherischer Ritter vom hoher: C, «ein Wüstling im Sinne Verdis, sondern ein bürgerlicher, in ■ seinem Aeußern bescheidener Liebhaber mit den Gesangsallüren eines italienischen Durchschnittstenors. Santo Scar-fi als. Sparafucile mehr brav als gefährlicher Bravo, und Lucia Warko als Magdalena vervolb« ständigten das Ensemble, welches von Kapellmeister Giovanni P a t t i ohne sonderliche Eigenart oder Präzisen geführt wurde. Die bloße Ankündigung einer „Stagione" lockt in Wien noch immer mit Zauberkraft, und so gab es ein sehr gut besuchtes Haus und stürmischen Beifall trotz aller Unzulänglichkeiten. Namentlich die plastische Verdeutlichung der Musik ließ manchen Wunsch unerfüllt. Die Worte Verdis in cimm Briefe an seinen Verleger Giülio^Riccordi — „Zweierlei können die Sänger gewiß nicht: deutlich aussprechen und im Tempo bleiben" — haben auch heute noch unverändert Geltung für die Opernbühnen aller Nationen. M. Aus dm Theatern. Burgtheater. Morgen. 7 Uhr, on Ca 11o§" (3ei.it ^arierifcerwm'f); Mittwoch, 22. Dezember, neueiniftubiert ,-Phädrä" von Racine, übersetzt von Schiller. 'Ll heckt dr in'der Jvs es st a d t, Montags ven 20. d., Premiere-von GogÄs Komödie „Der Revisor". Regie Dr".Fwan Schmith. K a m m e r s p i e l e. Die Premiere von ZangwiLs Lustsprel „D e r Ko n i g de'r Schnorrer", deutsch von Ernst Simon, mit Ludwig Stärk in der Titelrolle, findet Dienstag,^den 21, d. M., statt. O p er n t h e a t e r. In der heutigen Vorstellung von „Die Königin von Saba" singt Frau Kiurina die „Sularnith"; morgen. halb 8 Uhr, „Sie Zauberflöte". sDeutscheZVolkstiheater. Dienstag findet die österreichische Uraussuhrung von Oesterreicher—Gernauers Gär'ten Eden", vier Ärvpitel aus dem Leben eines „unanständigen" Mädchens, statt. BitrgsHauspchler Fritz Blum hat die Leitung der Schauspieler schule des Konservatoriums für Musik und Kunst. Mühlgasse 80,. übernommen. : Jarno übernimmt das Pretzchurger deutsche Theater. Der" vor einiger Zeit ausgebrochene Preßburger Theaterkrieg ist beendet. Das Ministerium für die Slowakei hat, wie uns aus Bratislava gemeldet wird, die Konzession für das Preßburger deutsche Theater an den Wiener Theaterdirektor Jarno vergeben. Kramer legt seine Prager Direttorstelle nieder. Aus P r a'g wird gemeldet: Der Ausschuß des deutschen Theatervereines hat im Einvernehmen mit Direktor Kramer dessen Vertragsverhältnis per 31. August 1927 gelöst. Diese Maßnahme erfolgt auf Grund der in Wien kundgegebenen Direktionsmüdigreit Kramers. ' .Der erste. Todestag der. Esther Rachel Kaminska. Gestern wurde m Warschau der. erste Todestag der großen jüdischen Schauspielerin Esther Rachel Kaminska, die in der Geschichte des jüdischen Theaters den Namen «Die unsterbliche Mutter des jüdischen Theaters" erhielt, feierlich begangen. Am'Grabe der Künstlerin wurde unter überaus starker Beteiligung einle^.Trauerfeier veran/staltet, in Kaminfkas Theater eine Jahrzei Vorstellung gegeben. Ter Gyürourtpreis ist, wie aus Paris gemeldet wird, Henry Deberly für seinen Roman „Die Oualerr der Pkjädra" verliehen worden. Strafe für eine Revueaufführung. In der gestrigen Sitzung des Tiroler Landtages wurde bei der Abstimmung Wer das Kapitel „K u n st" des Landes-VöranschlageS der von der christlichsozialen Abgeordneten Frau Sölder gestellte Antrag,- dem Innsbrucker Stadttheater wegen seiner „u,nm oralischen Darbietungen" die Subvention v o n L000 S ch i l l i n g z u st r e ich e n, mit. Überwiegender Mehrheit gegen die. Stimmen der Grotzdeutschsn und ' der Sozialdemokraten angenommen. Die Sozialdemokraten brachten zu diesem Gegenstand den Antrag ein, daß die Mttglieder. der Landesregierung als erste aus der Annahme des Antrages selber die Konsequenzen zu ziehen und das Stadttheater zu meiden hätten: Die-Landesregierung wäre infolgedessen zu beauftragen. der Stadt Innsbruck sofort ihre zwei GratiSlogen zur, VeWgung. zu.stellen. Dieser Antrag und ein weiterer des: Landeshauptmann-Stellvertreters Dr. Gruener, die Subvention um 50M Schilling zu erhöhen, wurde abgelehnt. Tie Subventionsentziehung ist die Folge einer von konservativen Kreisen betriebenen Agitation, die eS dem. Direktor des Innsbrucker Stadttheaters nicht verzeihen konntedaß er die Rüme „Wen.» Frauen träumen* von Farkas, im Stadttheater zur Aufführung gebrach hatte. Das PlkckaüaLSschrelben der FpemLenverkehrrkommission. Der ElmeichungStermin lat ist am 10. Jänner 1027 ab. Die Entwürfe..sind an die FremdenverlehrSlommission der Vundesländer Wien und Riede röste r reich. Wien. 7. Bez.. Museum, straße 1,' einzusenden, wo aucki die genauen Bedingungen er. häiUich sind.! Gerichtssaal. Renastall m»p Sulsbefitz »«ch LesravSaMmca. Unredliche Lagerhauskassiett bei der Donau-Dampsichisifahrtsgefellschaft. Bei den Abschlußadbeiten über das vergangene Geschäftsjahr entdeckte man Heuer bei der Ersten Donau- Dampfschi f f a h r t s g e s e l l s ch a f t in Wien, daß in der Gebarung des Lagerhauses der Gesellschaft am Praterkai riesige Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Eine genaue Unberprüfung stellte die Abgänge mit der Riesenzi ffer von mehr als 14 Milliärden Kronen stst.Es wurde gegen den Lagerhausagenten Rudolf Schlössern die Anzeige erstattet, und gleich bei seiner ersten Einvernahme Gezeichnete dieser den Oberinspektor Wafstlio Kapuscha als feinen Komplizen. Beide gestanden die Veruntreuung einiger hundert Millionen zu, doch beschuldigte bald darauf jeder den anderen, daß er weit mehr genommen habe, als er zugestehe. In der Untersuchung wurde festgestellt, daß-die beiden Teilhaber einer Firma warem Kapuscha war in der Motorlokalverkehrs- und Ueberfahrtsgesellschaft „Donau" beteiligt, hatte eine luxuriös ausgestattete Wohnung und eine B rief Markensammlung im Werte von einer Milliarde. Schlösiern hatte sich eine Wohnung im ersten Bezirk um 20.000 Schilling erworben und sie um 78.000 Schilling auf das kostspieligste eingerichtet. Seine Gattin besaß ein Gut in S teln ach -Irdn tn g, auf dem Schlösiern ein T r a b e r g e ft fi t unterhielt, das angeblich einen Wert von 200.000 Schilling haben soll. Zur Zeit seiner Verhaftung zählte sein Rennstall 46 P s e r d e. Gestern hatten sich nun die beiden vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hosrates Dr. G o l d-st c i n wegen Verbrechens der Veruntreuung zu verantworten, Anna Schlösiern wegen Teilnehmung an diesem Verbrechen. Der 38jährige Angeklagte Rudolf Schlösiern bekannte sich schuldig. Der zweite Angeklagte Kapuscha legte ein fr e i w \ l - liges Geständnis ab. Er gibt an, daß er zuletzt acht Millionen monatlich Einkommen halte. Dann wurde Frau Anna Schlösiern vernommen. Sie fühlt sich nicht schuldig. Das psychiatrische Gutachten hatte Kapuscha für einen dogenerativ veranlagten, Psychopathen minderwertigen, aber geistig zurechnungsfähigen Menschen bezeichnet. Nach dem Plädoyers des. Staatsanwaltes und der Verteidiger zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Das Urteil lautete: für Rudolf S ch l ö s fe r n 2 I a h r e s ch w e re n >K er k e r s, für Kapuscha 2 Iah r e s ch wer e n Ke r- .t e r. Anna Schlösiern wurde' öon der .Anklage frökgesprochen. Las Rolvrhnecht des Fsdcn. Budapest, 15. Dezember. Die Königliche Kurie, hat in dem gegen dm Gutsverwalter Michael Schwarz we^e.l des versuchten Verbrechens der vorsätzlichen Tötung angestrengten Prozeß das Urteil gefällt. Schwarz hatte im Dezember 1023 zwei Gutsarbeiter, von denen er unter lebensgefährlichen Drohungen und antisemitischen Beschimpfungen arge.rif n wor'er war durch Revolverschüsse verirnndet. Er wurde in Vesta lifp’m Wc5 Urteils der zweiten Instanz w'gen — bere htlgter Notwehr f r e i g e s p r o ch e n. In der Begründung des Urteils der Kurie heißt es u. a.: Der Umstand, daß sich der Angegriffene als Jude gesellschaftlich weniger geschützt sühnen mochte, verminderte seine Widerstandskraft und erhöhte seine Furcht. Das Gericht ist genötigt, die den Juden gegenüber herrschende g e - s e l l s ch a f t l i ch e S p a n n u n g. t-as bestch.'üde Vonlrtti^, welches, wenn es auch noch so bedauerlich ist, tatsächlich herrscht, und im gegebenen Fall die Kraft des einen erhöht, die des andrem herabmindrrt, in Betracht zu ziehen. Die bestehende psychologische Lage au und für sich blldet eine genügende Motivierung dafür, daß der unter gefährlichen Drohungen und Genalltätiglei'en angegriffene Gntsverwalter seine Lage a^s gefährdet betrachten ntuhte, fvas nach dem Gesetz Straflosigkeit zu sichert. He Mir»« »« Arztes Margulier freigelvroche». Aus Cz 0 rtkow wird uns berichtet: Der sonntägige Lokalaugenschem brachte keine nennensloerten Resultate und daher konnte in der Verhandlung am Montag das Bcwcisverfahreu geschlossen werden. Den Geschworenen wurde die Frage auf gemeinsamen Mord an dem Arzt Dr. Margnlies, begangen von Theodor mü> Katharina A k s e n t i j e w, ferner auf Antrag des Staatsanwaltes, die Eventualfrage auf Mord für Katharina Aksentijetv und auf Beihilfe und Mitschuld für Theodor Aksentijcw, und schließlich auf Antrag der Verteidigung die Zusatzfragc auf Totschlag und Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat" gestellt. Die Geschworenen v e r n e i n t e n d i e Frage auf gemeinsamen Mord einstimmig, bejaihten dagegen gemäß der Verteidigung der Atrgeklagte» die Mord frage für Katharina Akse nt ijew und die Frage auf Mitschuld, des Theodor Aksenlijew. Gleichzeitig wurde aber die Zusatz frage auf SinnesVerwirrung zur Zeit, der Tat bejaht. Auf Grund dieses Verdiktes wurden die Angeklagten vom Berbrechen des Mordes, bezw. Totschlages f r e i g e f p r o ch e n. Theodor Msentijew erhielt nur sieben Tage Arrest i «. DeAeMber 1996 für Uebertretung des Waffe,tpatentes und Katharina Aksentijew wurde des Verbrechms der Abtreibung schul dig erkamü und zu acht Monaten schweren Ker kers, verschärft durch viermalige Dunkelhaft, verurteilt. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigke itshefchwerde an und beantragte die Beibehaltung der Untersuchungshaft für beide Angeklagten. Der Gerichtshof stimmte den, Anträge des Staatsanwaltes zu. Der Mord am Zom Kippur. Der Täter zum Tode verurteilt. Aus S a m b o r wird uns gemeldet: Am Jom Kippur dieses Jahres erschoß in Smotnica, einem kleinen Dorf bei Sambor, Mechel Schick nach einem Streit seinen Schwager Max Wolf und verletzte hiebei seine beiden Schwiegereltern und seine Frau. (Wir haben über die Tat seinerzeit berichtet. —? Die Red) Nun hakte sich Mechel Schick vor dem Geschworenengericht in Sambor für feine Tat zu verantworten. Der Angeklagte verantwortete sich mit Notwehr. Sowohl d're Schwiegereltern als auch seine Frau wollten sich der Aussage nicht entschlagen und belasteten den Angeklagten schwer. Den Geschworenen Umrden Fragen auf Mord und auf Ueberschreitung. der Notwehr vorgelegt. Eine Frage auf Totschlag hatte der Gerichtshof abgelehnt. In seiner Anklagerede befaßte sich der Staatsanwalt insbesondere mit der Bedeutung des Jom Kippur für das jüdische Volk und betonte, daß angesichts der besonderen Heiligkeit des Vwsöhnungstages das Verbrechen des Angeklagten noch schwerer erscheine. Gegen diese Art der Anklage trat der ans dem Steiger- Prozeß bekannte Verteidiger Dr. Landau in einer flammenden Rede auf, indem er daraus verwies, daß der Angellagte vielleicht gerade den tirfsteu Sinn des Bersöhnungstages verwirllicht habe, wenn er unmittelbar nach der Tat in das HauS zurückkehrte und den Verwundeten streichelte und ihn um Verzeihung bat. Die GeschSvoreuen bcjahten mit zehn Stimmen die Mordfrage und verneinten mit derselben Stimmenzahl die Fragen ans Liotwehr, bezw. Ueberschreitung' der Notwehr. Sowohl der Staatsanwalt als auch der Der--. Leidiger besprachen in ihrem /Schlußwort das Geschworene, werdikr, das der eine „entsprechend" und der andere „grausam und unerbittlich" nannte. Nach einer kurzen Beratung rügte der Gec!ch':shof die Vertreter beider, Par^/ teien ft'ir ihre Kritik und verkündete das Urteil, das aus Tod durch den Strang lautete. Der Verteidiger Dr. Landau ersuchte den Gerichtshof, den Angeklagten der Gnade des Staatspräsidenten zu empsehl.n und alle, von ihm angeführten Milderungsgründe in Betracht zu" ziehen. Nach Verkündung des Urteils wmde der' Angeklagte ohnmächtig. Die Verteidigung -hat die Nicht,'gkeits--. besibwerde an-^emeldet. Varr den Meisterromanen ti. Novellen von JinatoSe tfrmiee sind nur mehr ganz wenige 3* Aervf. 9omffelnen6ünde m. reicAstfer ung xum &retee von n ui £ in der Büdierschwemme R. Löwit Wien, L, Rotenturmstr. xx vorrätig: Der Brunnen von Santa Clara. Die Perlmutterdose Die Sehnsucht des Johann Seroien Der Aufruhr der Engel Auf dem weißen Felsen Blaubarts sieben Frauen Die Götter dürsten Bratküche zur Königin Pedauque, Clio Komödiantengeschichten Smine, Sktfatnrnluneea traD Vortriige. Zionistische Sektion 6—8, 8. Dennaptätz 1a. Heute, präzise 8 Uhr abends, Vortrag Walter Markus: „Warum setzt man Popper-LymeuS ein DenimaN" Anschließen-d Mck« ,or Cannll Thnsal. :Rezitationen aus den. .M/anrasten eines Realisten" und anderen Werken. —- Wiener. Beth-Ha» midvasch, 2. Bez., Ternpetgasse 3. Heute, 6 Uhr. tzsktor Dottor Gelbhaus: „Historische Psalmen". -- Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt. Heute. 7 Uhr, Sichah-/ Freitag- 8 Uhr, Hebräisch für Anfänger; Samstag. 3 Uhr. Sichah; halb 7' bis 8 Uhr. Hobräsich für Fortgeschrittene. 8 Wr Ausschußsitzung. — Landesverband der Zionisten-Nevistonisten. Heute, halb 9 Uhr abends, »m Cafe Müller (Ktubzlmmer) Ausschußsitzung. Tagesordnung: Die Pariser Konferenz. Pvrdlg4en in den ism,rttMch>en Gemeindetempeln. Frei, De: I. M. Bach). 18. Dez.. Schopenhauersträße 39 ^Rabbiner Pr. .D. Feuchtwang). —* Samstag. 3 Uhr nachm,ttagSii 3 «. gendgvttesdienlst für btc rsroe itische Tchutztzgerch in. den Gemeinde, und Bestrrs-Stzrmgoges.

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