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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-16 · Heft 2803 (16.12.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2803 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. W6 Bren. DormerStag K. Dezember 19636 Esiftnsss WkSEAEWAE^ckWSH rOLKSWlRTICHAFT Eingreifen Dentfchiandr in der Answertungssrage. «ns»ert««,»0«ge eiars Prlokitörr der »«ddks«r>M««Mr«nt'»chn. ajli Lveixste Gerichtshof hat, wie aus einem erst vor kurzem beachteten Erkenntnis (Abteilung 3, 200/34) hervorgeht. entschieden, daß Schulden in Silber in Schilling «ach dem Sikberpreis zu bezahlen sind. Es handelte sich bei der Klage um Forderungen aus dem Jahve 1679 und das Gericht erkannte, daß solche Forderungen, auch wenn sie älteren Datums gewesen wären, weil, sie auf Gulden-Silbergeld lauten, nicht unter die Dorschristen der Zwangskonversion fallen. Weder Artikel 82 Bg. vom 14. November 1922 üher die Oesterreichische Nationalbank, noch das Schillinggesetz haben bezüglich solcher. Forderungen etwas Rechtsänderndes verfugt. Dieses Erkenntnis des Obersten Gerichtshofes war um so bedeutsamer, als er auf dem Sandpunkte steht, daß die Staatsmacht über die Währung, in der Privatschulden zu erfüllen sind, souverän entscheiden kann. Daraus ergeben sich nun bedeutsame Schlüsse auf die Ansprüche, die auf Prioritäten, die Zahlung in klingender Münze verheißen, begründet sind. Es hat daher kürzlich ein Prioritär der Rudolf- Salz kammergut.Bahn, deren Titres a u f Mark lauten, eine Klage gegen den österreichischen Staat angestrengt, um eine Entscheidung darüber zu provozieren, oo den früheren Usancen und Bestimmungen entsprechend, die Auszahlung der Kupons jeweils auf Wunsch des Vorlegers in W'en ttt Noten nach dem amtlichen Geldkurs der Ä Mark-Stucke des dem Ginlösungstage vorangehenden Börsentages zu erfolgen hat. Wörde daA Gericht dem Kläger Recht geben, so wäre dies eine Entscheidung, die sich der R^chtsauffassung des Kammergerichtes Berlin in der Klage wegen der Markpriorktä'ten der Steg anpaßte, denn das Kammergericht Berlin hatte, sich in der Frage der Markprioritaten der Steg auf den Standpunkt gestellt, daß die Zahlung der Kupons entsprechend den Bestimmungen nach dem Kurse' eines 20 Mark-StüÄs zu erfolgen hat. Allerdings schwebt der Prozeß noch in letzter Instanz beim Reichsgericht und wenn auch das Urteil gegen den österreichischen, bzw. tschechoslowakischen Staat nicht vollstreckbar wäre, so würde doch eine Klärung der Rechtslage durch das höchste deutsche Gericht sowohl für die Gläubiger, wie für den Schuldner von höchster Bedeutung sein. \ In der Frage der Markprior'rtäten der Steg ist die Haltung der tschechoslowakischen Regierung dem Gläubiger gegenüber, trotz des Vorbe- Haltes, daß es sich dabei um eine reine, von der Reparationskommissron als solche anerkannte Papiermarkschuld handle, bei . wertem nicht so intransigent, da sie sich zunächst zu einem Angebot auf eine 3prozenlige Valorisierung bequemt hat. Die deutschen Glaubiger haben dieses Angebot als unzulänglich abgewiesen und sie fanden hiebei die Unterstützung der Re-ichsregierung, die sich in einer 9wte an die tschechoslowakische Regierung gewendet hat, in der sie die Ansprüche des Gläubigers vertritt. Die deutsche Regierung entwickelt -übrigens in allen Schuldenfragen, bei denen Gläubigerinteressen ihrer Staatsangehörigen interessiert sind, eine große Rührigkeit. Wie aus Mitteilungen des Schutzverbandes deuscher Kronenbesitzer an den „Berliner Bvrsencourier" hervorgeht, führt die deutsche Regierung mit der österreichischen und ungarischen Regierung Verhandlungen über eine Neuregelung der Verpflichtungen ans den auf Gold, beziehungsweise Silber lautenden hypothekarisch sichergestellten Obligationen verstaatlichter Eisenbahnen. Alles in Frage kommende Material über das österreichische Recht ist den zuständigen Instanzen der Reichsministerien bereits übermittelt worden. Diese Mitteilungen des deutschen Blattes werden uns auch von anderer Seite bestätigt. Tatsächlich ist die Frage der Bereinigung der auf Gold und Silber lautenden auf den Eisenbahnen sichergestellten Schulden von höchster Dringlichkeit, einerseits weil der Zinsendienst für die der Caisse Commune angeschlossenen österreichischungarischen Vorkriegsanleihen zum Teile bereits ausgenommen wurde, anderseits weil der österreichische Staat nach Erschöpfung der Reste aus der Völkerbundanleihe an die Aufnahme einer internationalen Anleihe denken muß. Für deren Abschluß ist dl? Bereinigung der Vorkriegsschulden eine unerläßliche Voraussetzung, so daß die Zahlungswilligkeit, die der österreichische Staat bisher bekundet hat, nur so lange bestehen konnte, als er auf eine Anleihe nicht angewiesen war. Die geänderten V-erhältnisse bedingen eine geänderte Schuldenmoral. Der Zahlungsunwille wird sich zwangsläufig in einen Zahlungs-Willen v°vwnndeln müssen. Ausnahme des Aipsendienftes kür die ungarische Ooldrenie durch die Catsse Commune. Die Caisse Commune wird demnächst den Zinsendienst für die 4proZentige ungarische Goldrente wieder anfnchmen, und es ist hicfür in Oesterreich die Zent r a l e u r o p ä i s ch e Länderbank als Zahlstelle bestimmt. Die Caisse Commune hat bereits mit der Kuponbogen.' rneuerung und Honorierung des Kupons Nr. 88 begönnen. Die Vorteile der Wiederaufnahme des Zinseirdienstes werden aber leider nur den Ausländern zugute kommen, während die österreichischen Inhaber der Schuldverschreibungen der ungarischen Goldrente infolge der Haltung der Bundesfinanzverwaltung. die vor bald zwei Jahren die Ablieferung cxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxr Am besten sind doch die Ceschka-hote VII., KilscrstraBa 123 WIEN IX., AlssrstraBs Nr. 6 j OOOOOOOOOOOCXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXSOOOO ungarischer Renten an die Staatszentralkassa angv« ordnet hat, die Titres noch iminer den rechtmäßigen Besitzern vorenthalten. Umso dringender muß aber die Forderung nach einer Freigabe der Titres erhoben werden, als der Ablieferungszivang mit der Begründung dekretiert worden war, daß die Konskription ungprrfcher Renten im Interesse einer Austeilung der Schulden unter die Nachfolgestaaten Ungarns durch die. Reparationskommission unerläßlich sei, Diese Austeilung ist längst erfolgt, die Caisse Commune ist gebildet, die Caisse Commune wird demnächst den ersten Kupon den Ausländern honorieren, aber der österreichische Besitzer der ungarischen Goldrente wird noch immer im Unklaren darüber gehalten, was mit seinem Besitze geschehen wird. «e AqrtldaNo» der BlrdennmmdM. Zu der gestern von uns veröffentlichten Meldung Met den vom Verlvaltuirgsrat gefaßten Beschluß, der Generalversammlung vom 31. Dezember die Liquidation vorzuschkagen, erfahren wir, daß derzeit noch Verhandlungen wegen der Uebernahme des Instituts durch die Vcrkehrsbank gepflogen werden, die nicht ungünstig verlaufen. Das Hauptaktivum der Biedermannkank ist das Tabak ge schüft mit Bulgarien, wo die Berkehrsbank seit jeher gute Beziehungen hat. Die Biedermannbank hat seit Beginn des Börsenkrachs 1924 ihre Geschäftstätigkeit sehr eingeschränkt und nahm im vorigen Jahr, anläßlich der Aufstellung der Goldbllanz, einschneidende Zusammenlegungen ihrer Aktien vor. Das Aktienkapital beträgt derzeit 626.000 Schilling. Die Biedermannbank war die erste Bank, der es vermöge ihrer Beziehungen zu amerikanischen Finanzkreisen gelungen war, einem österreichischen Jndustriermternehmen, der Nerv äg, den ersten Obligationenkredit in Amerika zu verschaffen. Skhöhimg der MrsesedShtt». In der gestrigen Plenarsitzung der Wiener Börsebomwer, der Voranschlag für das Jahr 1937 genehmigt. Zur Herstellung des Budget Gleichgewichtes erwies sich als unerläßlich, sämtliche Gebühren, insbesondere auch die Karten gebühren der Effekten, wie der Warensektum, entsprechend zu erhöhen. 'Große Schwankungen der Lira. Ae Lira.setzte gestern! schwach ein und eröffnete 26.73 (gegen 28.30 tagsborher). Ditz Abschwächung hing mit PositionsWsungen der internationaleil Hänssespskulation zusammen, die. durch Gerüchte' Mer M" ruhen Italiens irritiert war. Mittags ging die Lira auf In-, terventronen bis 23.13 gegen Zürich, schloß jedoch 32.60. 3drch die Tendenz der Devise Paris war geistern schwächer, - 20LI Yt nach 20.45. Bukarest wurde zeitweilig vis 2L6 an- . geboten, erholte sich aber zmn Schlüsse auff 2.70. Ae Verzinsungs-sätze Paris und Mailand sind trotz «der.schwächeren Prompt'devisen zurückgegangen. Paris 60 'Centimes pro Pfund und Monat. Lira '80 Centimes pro Pffuntz und Monat. Bukarest ist derzeit die teuerste Leitzdeviffe, da der Satz zirka 32 Prozent p a. beträgt Güstern zeigten sich auch Ansätze zu einer Belebung des' Geschafftes in Zlotyvtzi^iwsirng. Der Satz ist 1% Prozent p. m. Das Postsparkassengesetz. In donr Gesetzeniwurff über die.Postsparkasse war für die Veranlagung der-Gelber, ein bestimmter Prozentsatz vorgeschriüben. - Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, dürfte die Neuformulierung Äe. Fchtsetzung der Verzinsung, von der Berffügung des F i na n z m i n i st e r s, die je nach. den wirtschaftlichen Ver-, hältnissen zu treffen wäre, abhängig machen Auch .die einschränkenden Bestimmungen Wer «den Wimungskreis der Postsiparkasse dürften soweit abgeändert werden, daß os im großen und gangen bei dem bisherigen Wirkungsk r.e i.s der Postsparkasse bleibt. Die Beschränkung ist aus. das Ausmaß gebracht, welches durch die finanzielle Lage.lder Postsparkasse und den Mangel an genügenden Geldmitteln als /unabwendbar erscheint. RaueLnfühvungen und Schilliugnotierungen an der Wiener Börse. In der gestrigen Plenarsitzung der Bvrsoraucmer wurde auf Antrag des NotierungÄomitees beschlossen, die Gesuche wegen Erteilung der Notierungsbowilligung für die llprozentige 20jÄhrige Hypothekara n leihe der («. Fortsetzung.) Tag der Schrecke«. *S« Sr iknidrithönogrn rfmf rnstlfidt« )nSo 8. Stein. ~~ Die Wilden im&u hoben die Wohnung gestürmt. — sre heulen und kreischen — heiserer Gesang tönt aus dem Ade«, Werden sie Herkommen? Nun sind sie im Flur — stolpern über den Koffer aus der Falltüre — werden sie ihn fortschieben? — Rein — aber sie kommen näher, erreiche« die Stiege — klimmen hinan mit schweren, polterigen Füßen. Wenn sie mich -finden — mich und mein krankes Kind? — Mn Schüttelfrost macht meine'Glieder Ziegen und meine Zähne gegeneinanderklappern. Nun sind sie da, lachend, heulend. Ich blicke unverwaM auf die Tür. Warum Mt sie nicht aus. den Angeln? Sie steht ja da mit den braungestrichenen Flächen und den Eisenbesch"ägen. wie ein schadenfrohes Wesen — und verbirgt die Henker hinter sich. Wie hasse, ich diese Tür! — Ein Blll kracht gegen das Holz, einmal, zehnmal — jeder Streich läßt' daß Mnd aus denc Fiehertaumel aufzucken — jeder Streich trifft mich mitten ins Herz. Aber ich werde mich verteidi-- gen) werde morden wie sie alle,, bevor sch mich ergebe. In! der Oeffimng? die nmr in der Tür klafft, erscheint ein. struppiger Kopf, dem der. Körper lang'am nachschiebt. Ich schieße, mit Bedacht, nachdem Mgezielt habe — ineine Kugel zerschmettert ^'-en Kopf. Jetzt eile ich ans Fenster, komme maß da wolle, und während sie dort die Leiche aus der Ki.em.tne zu au-i^u jUu^n, swinge ich nüch üoer die brett umklammernd, mit der anderen das Kind an mich drückend. Meine Füße finden Grund. Es. ist das Dach einer Holzkammer. Einige Kunden stehe ich schweratinend da. Soll ich in den Hof hinunter? Sie könnten mich sehen und mich verfolgen. Zur linken Hand erhebt sich eine niedere Mauer — wie ich da hinaufkomme,. begreife ich nicht — aber ich bin oben auf einem sanft absteigenden Dach. Zwei Schritte von mir ein offenes Bodenfenster. Ich krieche ohne Besinnung durch — eile durch stickige Bodenräume, stolpernd über allerlei Gerünrpel — Anjuschka weint qualvoll — dann hinaus durch ein anderes Fenster, auf ein neues Dach, von dem aus ich über einen schrägen First auf die Straße sehe. Hooligans jagen vorüber, schleifen formlose Massen hinter sich her. Wenn mich nur nieinänd erblickt! Ich Nettere mühsam weiter — nun wieder ein Dach mit einer .türähnlichen Luke. Hinunter! Ich befinde mich mrf einein Boden, der hoch und luftig ist und vorne in eineir Erker mit Fenstem ausläuft. Ich lege das Kind auf eine Kiste hin und breche kraftlos zusanrmen. Mmm jetzt die Hooli- Ms — ich wäre verloren, denn ich könnte mich weder ivehren noch flüchten. Von 'der Straße driilgt verworrener Lärm zu rmr herauf, der wie MeereZbrausen anschtvillt tlnd verebbt. Ich achte nicht darauf, Es ist mir, als schrunUten meine Glieder vor Mü^gkeit ein, ich versinke in einen Zustand halb wachen, halb schlafähnlichen Brütens. Die Stunden verrinnen, aus allen Winleln d^s Bodens kriechen die Schatten der Dämmerung heran wie unheimliche Tiere, vom Erker fällt ein blutroter Schein auf die Fliesen. 'Jch erhebe mich urid sche hinwiter. llbvr nnr liegt der Inden- Brüstung, gleite himmter, mit der einen Hand das Fensterplatz — ein nntjter Trümmerhaufen, aus dem hie und da Flammen und Rauchschwaden aiifsteigen. 'Es - schrint, 'daß die Horden hie" 'nchts mehr zu zerstören'haben, 'denn sie lungern nur ito* herum uifl> toerßeten sich in den Seitengassen. Leichen — Leichen überall, in den Mnnen, vor'ben Haustüren, zwischen den Trümmern, Reichen von Kindern und Frauen. Und gerade vor mir, auf einer zerbrochenen Kiste sitzend, mrser Arzt — jener Mann, der in der ganzen Stadt der Arzt der Armen genannt wird Mch der schriftlichen! Erst später erfahre'ich, daß er'seine'Wohnung nicht verschlossen hatte in dem Glauben, 'die Zerstörer,'llienen er yst in Krankheit und Not beigestanden, würden ihn schonen. Aber sie verhöhnten rhn. bariden ihn, bevor er "sich verteidigen konrüe, zerrten u)n mff die Straße, wp llie ihn an einen Laternenpfahl fesselten, und töteten seine beiden Kinder vor seinen Augen. Zwei von der Rotte wurden von herbeistürmeydm Studenten Niedergeschosse». Mer was hals's? Nun sitzt er da, inmitten der Zerstörung, fingt mit lauter Stimme und macht ein glückliches Gesicht, Ein Twm - petenstoß ertönt. Im Hintergrund der Gassen, die auf den Judenplatz münden, erscheinen berittene Kosaken. Sie koiumen langsmn vor, in geschlossenm Reihen, auf den tänzelnden,' schnaubenden Pferden. Wieder tönen Trompeten. Es ist das Signal: nun llst's germg, Dagtverk ist getan! Mein Kops brennt ein wütender Schnttrz Hämmert gegen meine Schläfen. Ich sinke neben der Kiste nieder,/auf der Anjuschka liegt, von einem unruhigen Schlumnrer befangm. Ueber ihrem linken Auge, qu« über die Stirn,' läuft eine breite, Mutige Schramine. (Schs".ß

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