Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2801 (14.12.1926)
- Date
- 1926-12-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 mft, DtenStag Morgenzertung IS. De-omber 1906 Kr. SSM »a»'^'^-==zr=r= '■■'"«11,' ^msuHaaaBas: Ommer wieder! In beit Provitrzhauptstädten veranstaltete der Führer der Technischen Union Abg. Zelenka eine ReW von Versammlungen. Zelenka erNärtc in allen diesen Versammlungen: „Wenn die Regierung meint, daß e< im nächsten Jahre keine Verhandlungen über die ForberungH: der Beamtenschaft geben wird, so ist sie einer irrigen Ansicht. Die Bundesangsstellten werden im kommenden Jahre verlangen, daß eine weitere Valorisierung der Bezüge und eine entsprechende ErhShung der Pensionen durchgeführt werde." KLUB RADIKALER ZIONISTEN Am Mittwoch, den 15, Dezember IM, um halb 9 Uhr abends, im Cafd Atlashof, I., Aspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) Klubversammlung Thema: Der Zionismus und die jüdische Jugend. Referent: Oberbaurat Robert Stricker. ®os General Maritz in Deutschland gelernt hat. Aus Johannisvurg meldet I. T. 31: General Maritz hielt in einer von 7000 Goldgräbern besuchten Versammlung in Grassontein eine Hetzrede gegen die Juden. Er deutete an, daß die Juden daran schuld seien, daß man ihn nach seiner Rückkehr aus der deutschen Gefangenschaft unter dem Verdacht des Landesverrates ins GesängniS setzte. In Deutschland habe er nur den Antisemitismus gelernt. Südafrika ist ein zweites Jerusalem. Für Juden ist hier kein Platz. Der Premierminister von Südafrika, Tielman Noos, hielt heute in Johannisburg in einer großen Versammlung eine Rede, kn der er sich ln sehr scharfen Worten gegen die Volksverhctzung seitens des Generals Maritz wendcte. Ich betone, sagte der Premierminister, daß wir entschlossen sind und die Macht dazu haben, die Juden hier im Ände ebenso zu schützen tote jeden anderen Teil der südafrikanischen Nation. Wir sind den Juden dankbar für das, was sie für unser Land getan haben und hoffen, daß sie in Zukunft noch zehnmal mehr für uns tun werden. §!ne cuzistische FaterpeVatlou. . Bukarest, 13. Mzemöer (I. T. A.). In der Kammer richtete der Cuzist Gavamescu im Nanren Mner Fraktion an die Regierung die Anfrage, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die rumänische studierende Jugend gegen Provokationen B o l k s f r e m d e r zu. schützen. Eine zweite Anfrage der Cuzi'sten lautete: ,Mrs gedenkt die Regierung zu tun, um die Anzahl der Studierenden der Minderheitler an den Universitäten au-f ein der Bi-vobkerungsgah! der betreffenden Minderheit entsprechendes Maß zu beschränke n?M. Um diese Interpellation zu charakterisieren, ist eS nur notwendig, daran zu erinnern, daß in Czernowitz ein jüdischer Student ermordet worden ist. vrr Kamps zweier österreichischer Armee« um einen guveu. Im Lembergcr „Morgen" erzählt Senator Doktor Michael Ringel eine interessante Erinnerung aus dem Weltkrieg. In Wolhynien und später in der Umgebung von Christianopel und Zolkiem stand im Jahre 1916/17 die erste österreichische Armee. Zur fachmännischen Ausnützung der großen Waldungen in jener Gegend zog das sogenannte Quarttermeisteramt auch zivile Fachleute heran. Einer dieser Fachleute war auch der bekannte Lemberger Holzhändler L., der einen sehr guten Rus genoß und für seine Treue und aufopfernde Arbeit wiederholt ausgezeichnet wurde. Wie groß aber war seine Verwunderung, als ihrn eines schönen Tages eine Anklageschrift des Kriegsgerichtes der zweiten Armee in Lemberg zugestellt wurde, in welcher er beschuldigt wird, daß er während der russischen Invasion Holz für die Befestigungen geliefert habe. Die Untersuä-ung hatte ergeben, daß L. in früherer Zeit einen christlichen Kompagnon halte, welcher Bretter an die Russen geliefert hatte, die jedoch fast ausschließlich zur Herstellung von Betten in den Spitälern verroendet wurden. Trotz der eklatarUen Unschuld des jüdischen Holzhändlers kam es zur Verhandlung vor dem zu diesem Zweck zusammettgetretenen Militärgericht. Der Leiter der Verhandlung war ein bekannter antisemitischer Gerichlsrat aus Czernowitz Kuporenko. Die Verteidigung des L. führte Dr. Ringel. Die Sav.-e stund so klar, daß der gegenwärtige Generalprokurator Brzeski, dar damals als Militäranwalt bei der Verhandlung fungierte, Dr. Ringel im voraus zur Freisprechung seines Klienten gratulierte. Zur allgemeinen UeberrasclMng jedoch verkündete der Verhandlungsleiter Kuporenko das Urteil, wonach L. zu mehrjährigem Gefängnis dermtmlt wurde. Da begann mm ein interessanter Kampf zwischen der ersten und der zweiten Armer. Die erste Armee protestierte gegen die Verurteilung und Verhaftung des jüdischen Händlers und bestätigte, daß er ein patriotischer, treuer Bürger sei. Die zweite Arme« machte daraus eine Prestigefrage und wollte um jäten Preis beweisen, daß der Angeklagte ein Verräter ist. In Wahrheit war dieser Mann ein einfacher galizisch-jüdischer Händler, dem es nicht im Traume eingefallen ist, „ein Bündnis mit den Russen zu schließen", um Oesterreich mit Hilfe .... eintger Bretter zu besiegen. In dem Rekirrs bot sich Dr. Ringel selbst als Zeuge an und erklärte, daß das Berhandlungsprotokoll gefälscht worden sei. Die Angelegenheit zog sich durch mehrere Monate hin, die gegnerische ziveite Armee erwies sich stärker als dir erste, und der jüdische Holzhändler wurde erst im November 1918, nach dem Zerfall der Sstrrrchhischm Monarchie, aus dem Gefängnis freige- Freie Aussprache. — Im Landesverband organisierte Zionisten als OSste willkommen «lllllllllllllllllll lassen. Der jüdische Händler — schließt Dr. Ringel seine Reminiszenz — konnte sich wenigstens damit trösten, daß nicht nur er allein besiegt wurde, sondern mit chm auch die erste österreichische Armee. Sl»e Worervtofio«. Nizza. 19. Lcz:u.b:r. (Havas.) In Sa int-An bau ist ein Reservoir mit 80 Tonnen Chlor explodiert, toobei 19 Personen getötet und 30 verletzt worden sind. Las FubllSum des Keren Kalemeth. In Wien finden aus Anlaß des 25jährig.n Bestandes der jüdischen Nationalfonds die folgen-den Feiern statt: Sam-tag, den 16. Dezember: 1. Frauengruppe Prater: F strednerin: Frau Dr. Nadia Stein; 2. S e kt i o n 20: Festrcdnc': . Präsident d>eS Keren Kajometh, Oesterve'ich, A Böhm. — Sonntag, dm 19. Dezember: 1. ® u tion 2, an der sich alle Ji^cudgruppen des 2. Bezirkes sowie die „Hltachduth" beteiligen; 2. Sektion Prater: Festredner: Präsident des Zionistischen LandeSkomItees, Herr Dr. Leo G o l d h a m m e r; 8. Sektion 12/16: F.strodner: Leiter des Keren Kajemeth, Oesterreich. Dr. Cha'm Tartakower; < Sektion 18/19: Festr-e-dner: Viz.ipräsident der Israelitischen Kult-usgemem-de. Dr. Josef Löwenh-e rz. — Montag, den 20. Dezemberfiwdet in den Olympiasälen, 1. Bez. Rotgasse, eine I u g e n d f e i e r statt. Sie Amerikaner müssen Schnurrbärte tragen. Bekanntttch wandert der grüßte Teil der Amerikaner bartlos durch die Welt. Und wenn ein Teil von ihnen, jene, die in den großen Städten Newhork, Chicago oder San Franeisko w.hnen» sich Schnurrbärte wachsen läßt, so hält die männliche Bedö.'kerung in kleineren Orten mit umso größerer Zähigkeit an dem althergebrachten Brauche fest, sich das Gesicht vollständig glatt zu rasieren. Vtthrr haben die Frauen in den Bereinigten Staaten diese Gepflogenheit als eine unumstößliche Tatsache hingenommen. Nun aber ist plötzlich eine große Bewegung in der amerikanischen Frauenwelt entstanden! Es wird die beharrliche Forderung aufgestellt, daß die Männer sich zum mindesten Schurrbärte wachsen lassen müssen. Der Ausgangspunkt dieser „Revolution" ist St. Louis und den Anlaß zu ihr gab ein Zigeunerprimas, welcher dort mit seiner Kapelle konzertierte. Zum ersten Male erblickten die amerikanischen Frauen Männer, wrlche nicht die ausdruckslose, glattrasierte Maske trugen, die so uncharakteristisch ist, sondern Männer, die an der Oberlippe mit einem schneidigen Schnurrbart versehen waren, eine männliche Zier, die auf das Herz der Frauen einen unauslöschlichen Eindruck hervorrtef. Das war doch etwas ganz anderes I Von dem Aufruhr, welchen diese Schurrbarte der Zigeuner bei der weiblichen Einw.hnerschaft von St. LouiS entfnchte, sei weiter nicht gesprochen» sondern nur so viel davon erwähnt, daß in der Männerwelt eine lebhafte Beunruhigung entstand und eine autzergetvöhnliche An- 3f§Kuasoflni8 Xebens^estAidMe Uegt ln dem eben erschienenen Buch von M. G- Sarfatt! »Vom Jtfaurev mum SH&taton« vor. Ein menschliches Dokument unseres Jahrhunderts. Es Ist das Buch des beispiellosen Aufstieges eines Mannes aus dem Volke und deshalb das Buch unserer Zeit. Preis des Osnslelnenbandes S 1b70 Buchhandlung R löwit, Wien,!. Rotenturmetraße Nr. 22 zuhl von Scheidungsklagen in der nächstfolgenden Zeit anhängig gemacht wurden. AVer die Frauen nahnten sich der großen Sache mit unerwarteter Begeisterung und Energie an. ES wurde in Sl. LouiS eine' allgemeine y rauen versa mmlun g einberufcn und einstimmig der Kampf Vis anfS Messer erklärt, wenn die Männ.'k sich nicht fügen sollten und nicht Vorzügen, sich Schnurrbärte wachsen zu lassen. Man proklamierte einen allgemeinen Streik, einen Streik der Liebe und siehe da — das System hatte Erfolg. Den Männern blieb nichts übrig, als nachzngeben und sich ivohl oder übel — ob eS patzte oder nicht, Schnurrbärte loachseu zu lassen. Wien, 14. Dezember 1926. DaS Wetter. Gestern herrscht« trockenes, kalles Winicrwetter. Die Voraussage Lautet: Heiter mit Moralin,, Lrel und Frost. Litt Erdstoß ln Znrittau. Sonntag wurde in Zwlttm in Sachsen, wle von dort r.emo bet toab, ein Erdstoß ivalngcnommen. BeMderS wirkte er in der inneren Stadt und in den südlichen Vororten, wo ihn ein dumpfes Rollen begleitete. Dr. M. Naüinlo'm. Der Präsident des jüdischen Sejmklubr. teMc der Zionistischen Organisation in 1'itauen, Deputierter Tr. M. Robinsohn wird, wie wir erfahren, in den wichsten Tagen in Wien elntrefsen, und hier u)cr Mo Mi >iorirä - tenlrage ln Osten rova einen Vortrag halten. Doktor Robinsohn s? t nach dem Umsturz das erst» zlonifttsckir Tagb^ntt in Kowao begründet und hat sich um dah:bräische S'mwe'en in Litauen ganz hervorraaoude Verdienste worben. Das von ihm in Wkrbassen gegniodete frcOruikuc Gymnasium Mit a!S Muster.iiista't. Bckann' ist r ud, RoblnsohnS hebräisches .Handbuch znr Tcmograpbi? der Inden. RoSinsohn w:r auch der Präsident deS JüdiiU'ON i-l'Uonalraies in Litanen. A-S diese Köroecschaft ansaelöst wurde, hot Robinsolm eine freitoi'stae Organis.-.tiou der Jndrn in Litauen geschiffen. um so die Einheit des litauischen Judentums aufrecht zu halten. Bei den lohten S''imwM'cn schuf er den Black de^ Juden mit der Liukeu vr«d es ist ihm t't’iidi’vJi gelungen, die Klo ikilen zu stün'u. Acgcnwä.tla fü-rt er Verhandlungen ir»cgon Wioderch?rftcl>nng deS jüdischen NationalrateS in Lit-nren. N 'binsmm hat an den Arbeiten der Minvrit^tHkvu'erom in Genf groston Anteil oenommcn. Sein dort gchaltenos Rrser'lk über daS Vcrhä'tniS de-- Mknarit't"n zu den Staaten Vit Aussehen erregt. Dr. R binsohn ist auch Mitg'ied deS ZionistisÄM AttionSkomiteeS. Jüdischer H«lch'mlauss.ch.,st „Judäa". Der diesjährige ordentliche Te'egiertrntag findet SanrStag, den 18. d. M. 5 Üiirr nachm, im Fcsisaa'e des Vereines „Zukunft", Wien, 8. Be>z., Bennoplätz 1, statt. Ein vennihter Tourist. Seit dem N. v. M. ilst der 1Sj«hrige SchWer Franz Holet, der eine Tour aus d'.e Rar unl-ernoinmen halle, vermißt. ES ist zu -befürchten, daß Holek ein Opfer der Berge gervorden ist TobeSsturz vom Dache. In dem BorrieDe im Hause Pasettistraße B ist der dort lbeschäftigie Mähris Cpeng-lerlohvlulg Änton Jiri'lofsty be, der Arbeit von einem Kvei Stock hohen Dacksc ar^stürst und erlitt elnen Bruch des E-chädelgrundes mit Gchirnims» trl'dt. Er stavb bald darauf. Große Diebstähle bei Krupp in Bernborf. Die Polizei gel-amste zur Kenntnis, daß die ^lsährigr Maurermeiltersgattin Marie Srrnad in ilirer Wohnung. 3. De^., Mohsgasse 18, einen Handel mit Silchergeschirr und Tmse-lgerät te-treive, das offenbar von Dicilislüblen bei der Firma Krupp in Bern^ors herrührte. Eine Hatt-5durchs«chung förcev^e zahlreiches BelastnngSmaterick! zutage. Die Sirnad wrrd-e verhaftet und an, daß ihre Lieferantin die früher bei Kru-pp de.d>enstete ZSjcöhrige Gidonie Wessely war. Ms dann die Wesselp im Jahre 1923 austrat, hat die 36>j<ihrige Marie Pu in die Lieferungen fortgesetzt. Bisher konniei» Waren im Werte von 7000 S.?'.'standegebracht werden, doch dürfte der Schaden loeit höher sein. Gegen die Bcteiliglen wurde das Strafverfahren eingcleitet. Von einem Auto getötet. Gestern früh wurde eine etwa 40jährige Frau, deren Identität noch nkl,t festgeftel't werden konnte, an der Ecke des Lerchenfeldergärtels rtnd der Koppstratzo von einem vom Chauffeur Emaguel Barth gelenkten Auto giodergestoßen und getötet. Tie Vcrfchuldenfrage ist nock) nicht fcstgestellt. Eine LLfache Mörderin. Der Oberste Gerichtshof in Warschau hat EamSiag das Todesurteil gegen Janina Z'bonsla. der die Tc»lnahme an ö8 Morden nachgew'.cs-en wott^en tvar, beslütitn. Bon Wildfchtveinen nnqefrefsen. Wie die deutschen Btt't:er ans Undenburg In Westfalen melden, haben Waldurbeiter im Dickicht die Urberreste eines schulpf-idrtigen Mädchengesunden, daü olfenbar von Wildschweinen überfallen und zeris-en worden war. Die Leiche eines zweiton Mädchen-, daS ebenfalls seit eini"on T"a,'n vermißt wird, konnte noch nicht aufgefunden worden. Min nimmt an, daß die Wildschweine, die infolge des strengen Frostes der letzten Tage Hunger litten, die beiden Kinder anliesressen yaben. Wanderungen obdachloser Kinder ln Soivji-trußlanb. Die Ländstrelcherei der obdachlosen Kinder in Soiofet» rutzland beginnt jetzt mit Eintreten der Winlerkälte tviooer einzusetzen. Wir an- Kiew gemeldet wird, sind tetzt wieder ganze Scharen von obda-ck)ly'en Kindern ans die Wanderung nach dem Süden gegangen» wo sie van der Kult«» weniger zu leiden haben. Die Städte der Krim lind ein beiondergerngewähltos Ziel der vagabundierenden Kinder. In der Krim ist daher beschlossen tv'rdcn, daS Hern,nstrollen von Kindern nicht zir dulden und mit poliLettid-eu Maßregeln dagegen dorzuqehen. y Geh» nicht am Glück vorbei! Di« größten Hantvttresfer und Prämien der Klasse,tlocterie, «veiche so erft t»c» der ..Glücks« stelle" Stein, l. Bes.. WuPling-rnr 21. erzielt worden sind, sind illoemem bolanui'. Nr neue ftUiiTentoHerW* ve>iinnt am 98. und,10 Dezemil'er WeihnachtSg-ohnngi. Ufsiren Lesern rutvn and, mir zu- LS» Groß, vb Ktein. all«» saust Kbaffenlose >ter .MüMielle" S! c i n. Wien. 1. kSivplingerstr 21. an der ..Lwben Brücke" Preise: 1.^1 5^»SS.8S.—, H G 16.—, K ®. .8-, »/« D. 4.- LoSversant» licheoaWn Pie Besteller erhalten gleichzeitig ein Prol'eerempsor neu erschienenen .^ttlustrierien. Dlott der GLückSstells" Ron W achte unser be,''iges ftnierat. k Löwen Fnanzbr<n'nhvein mi>t Menthol lindert Kyeug« und i^kkenschinerzen. Uetzeraü erhältstchi