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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-11 · Heft 2798 (11.12.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2798 (11.12.1926)
Date
1926-12-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seife 3 Men, GarnSkag jUimm-m ... m«»“* •' '"•»»'*"<»-" ' ' ' . ..■ ■ ■:r‘■'i”1:"-': ivurscherl und so . . . ein sicheres Symptom von Verrücktsein und er brachte sie bald nach Steinhof. Als die Unvoreiugeyomvrenen dort erkannten, daß sie sonst normal sei, kam sie nach Hause zurück. Jetzt schickte sie ihn nach Steinhof, denn es schien ihr merAoiir^>rg, daß er nicht mehr ^Ärrscherl", sondern schon Lieber heiliger Johann" genannt Weeden wollte und auf der Straße Uiagen fing» obwohl eS keine gab. Alles aus Liebe: „Burscherl", Flisgönfangen und ins* Jrrenhaus-gebracht-werden. Auch ihm aber wurde die geistige Gesundheit nach ermigen Tagen bestätigt <und die moterne Licibesballade fand chr vorläufiges Ende vor dem Kadi, wo beide Teil« die Scheidung verlangten. Aus reiner Liebe: denn die Liebe kann bekanntlich alles ertragen, «Burfcherl* und Fliegenfangen und sogar das Irrenhaus, aber wie liang?! l. ch. Schweres Vergwerksuuslöck in Amerika. SV Bergarbeiter gerötet, 81 verletzt. Newyork, 10. Dezember. Bei einer Explosion in einem Kohlenbergwerk bei P r i n c e t o n im Staate Jrwiana wurden 6b Bergarbeiter verschüttet. 40 davon konnten durch Rettungsmannschaften an die Oberfläche gebracht werden. 20 Bergarbeiter sind tot. 31 verletzt, darunter mehrere schwer. 7 Arbeiter sind noch verschüttet und konnten noch wicht geboren werden. Starke Erdstöße i» Kord-Chile. Santiago de Chile, 10. Dezember. In mehreren Städten Nord-Chiles wurden in der letzten Nacht starke Erd stütze verspürt, durch die die Bevölkerung in Schrecken versetzt wurde. Nebel über Pari-. Paris, 10. Dezemlber. In len heutigen Vormittagsstunden hat ein dichter Nebel zu einer Reihe von Verkehrsstörungen geführt. Auch Fernzüge erlitten starke Verspätungen und die meisten Flugverbindungen mutzten eingestellt werden. An der äutzeren Galerie der Borse wurde durch Feuerwehr eine It o tb e le u ch tu ng m i t. S ch einwerf e rn eingerichtet. Es ereigneten sich mehrere Unfälle. So stürzten zwei Polen in die Seine, von denen nur der eine gerettet werden konnte, während der andere ertrank. ver SchatzgrSber in Schönbrunn. Hauptman« Lewin darf graben. Amtlich wird mitgeteilt: Die im BoS.'e verbreiteten ^>achricht-en über angebliche, im Schönbrunner Schlotzpark aus früheren Jahrhunderten vergraben liegende Goldschätze haben den Rutengänger Haurptmann a. D. LeapoD L e w i n veranlaßt, den Par! daraufhin zu durchforschen. Lewin will hiebet mittels der Wünschelrute an Mei Stellen vergrabene Goldbestände festgestellt haben und hat auch diese Stellen gelegentlich einer vom Dundesdenkmalamt beantragten kommissionellen Begehung des Schloßpaokes bezeichnet. Ueber Vorschlag der Schloßhauptmannschaft hat sich mit Zustimmung deS BundesdeEmalamtes das Bundesmin-isterium für Handel urD Verkehr nunmehr veranlaßt gesehen, um den übertriebenen und auf keiner tatsächlichen Grundlage fußenden Gerüchten über Goldfunde ui Schönbrunn ein Ende zu bereiten, dem Hauptmann Lewin die Bewilligung zur Vornahme von Grabungen an einer der von chm bezeichneten Stellen zu geben. Die Grabungen muß Lewin auf eigene Kosten und unter Aufsicht des Vertreters des SchLotzlhauptmannes, des BundeN-enikmalamteS und der Geologischen Bundesanstalt längstens binnen tm im Jahre 1804 nach Newyork und findet dort feinen- Unterhalt als Lehrer der italienischen Sprache. Er vermittelt die Bereicherung der amerikanischen Bibliotheken durch italienische Werke und bildet einen Stock von Philologen des italienischen Schrifttums heran. Nichtsdestou'e iger muß er das Leben auf das Kümmerlichste fristen: dazu stirbt seine Lebensgefährtin, mit der er in glücklicher Ehe gelebt hatte. Als 1825 der weltberühmte Sänger Garcia mit seiner Truppe nach Newyork kommt, sucht ihn da Ponte auf; wie .ein zerlumpter Bettler erscheint er an der Tür von Garcias Wohnzimmer und stellt sich diesem mit folgenden Worten vor: „Ich bin Lorenzo da Ponte, Mozarts Freund und der Dichter des Don Juan." Jubelnd füllt ihm Garcia um den Hais und singt die berühmte Champagner-Arie. Die Aufführung des Don Juan, die nun beide veranstalten, ist wohl die letzte Freude im Leben des Greises. In der ganzen Welt werden Mozarts Opern mit dem größten Beifall des Pu« blikums ausgeführt -> der Dichter des Textes, der doch seinen Teil an diesen Werken hat, hungert. In welcher Gemütsverfassung der alte Mann war, dessen belehr uns ein von diesem au einen Freund in Paris geschriebener Brief ans dem Jahre 1838, den wir hier wiedergeben wollen: ,Magen Sie ihnen, daß der Verfasser von 36 Dramen, der Hofpoet Josefs ll., Salieris, Martins und Mozarts, nachdem er nach Amerika Sprache, Literatur und Musik Italiens gebracht, etwa an 3000 Zöglinge.gehabt, 25.000 Bände von Meisterwerken dahin verpflanzt, öffentliche und private Bibliotheken begründet, Lehrer gebildet und ihrem Kollegium 300 Bände klassischer Autoren geschenkt, nachdem er das Mer von 83 Jahren erreicht, verlassen, vernachlässigt, vergessen ist, als wenn man nie von ihm gehört, als wäre er ein, dm Galeeren entsprungener Verbrecher." Wenige Monate, nachdem da Ponte diesen Brief geschrieben 8eite, starb.er, hochhetagt, im Jahre 1638. Dr. Paul Steiner. Merier ff. Dezemön 1998 Oe. 14 Lagen nach Erhalt der Bewilligung vornehmen» widrigenfalls diese erlischt. Auch sind die Grabungen spätestens vier Wochen nach deren Beginn zu beenden und der Rutengänger verpflichtet» nach ihrem Abschlüsse das Gelage auf eigene Kosten wieder in den ursprünglichen Zustande« bringen. ^erstlich eifig»rotiten. — Wirk« aicder und milde. I tu alle« AMOKkca. Mes ous Palästina. kt stete« Kajemeth. — Siele«,off. Bon Dr. Fritz Loewenstein. Jerusalems 1. Dezember. Gestern abends ist hier das Jubiläum des Keren Kajemeth, die Feier des 25jährigsn Bestehens unseres Bodenkaufsfonds, mit einem Festakt eröffnet worden. (Die „Wiener Morgenzeitung" hat darüber bereits kurz berichtet.) In dem großen „Zion"-Saal, der einzigen in Jerusalem vorhandenen Räumlichkeit für derartige große Veranstaltungen, fand sich um 8 Uhr eine ^große M"'v ein: Vertreter der verschiedensten Körperschaften und Berufe des Jischuw, um den ersten Aberw C^nukÄtz zugleich mit dem BeLinn der neuen „ Jen Aruütsperiode des Keren Kajemeth zu begehen. L . Regierung war durch den Leiter ihres Landesdepartements vertreten, dxr in einer ausführlichen Rede den Segen darlegte, den der Keren Kajemeth dem Lande gebracht habe, und der mit Ausdrücken großer Bewunderung von dem sozialen Charakter des Keren Kajemeth und seiner Rolle bei der Bekämpfung der Bodenspekulation sprach (Eine kleine Mitteilung über die Zuerteilung von Staatsländereien hätte freilich sicherlich einen noch besseren Eindruck hervorgerufen.) Ussischk i n, der als Managing Governor die Veranstaltung leitete und unter dessen Äitung der Fonds einen so gewaltigen Aufschwung genommen hat, hielt die Eröffnungsrede, di: kurz und scharf sich in zwei Teile gliederte: einen kurzen Rückblick, der des Weges gedachte, den der K:ren Kajemeth von 10.000 Pfund Sterling Einnahmen im Jahre 1902 bis zu 300.000 Pfund Sterling im laufenden Jahre und bis zum Besitz von 200.000 Dunom geführt hat. und des Haupttekls, worin UssisclLin zeigte, wie wenig das bisher Geleistete bedeutet. Wohin man sich von Jerusalem aus wendet, in jeder der vier Himmelsrichtungen fände man nicht erlösten Boden, und unendlich sei die Aufgabe, die der Fonds noch zu lösen habe, keineswegs unendlich aber die Zeit, die dafür zur Verfügung stehe. Nicht nur an den Jischuw, nein, an das ganze jüdische Volk müsse der Aufruf von dieser Feier ergehen, sich nicht mehr mit Sympathieerklärungen zu begnügen, sondern zu Taten fortzuschreiten. Nur wenige Begrünungen waren an dem Abend zugelassen worden, da ein Ueberm-aß derartiger stereotyper Begrüßungsreden das Interesse abguschwächen pflegt. Kisch, I e l l i n und K a p l a n s k y sprachen für die Zionistische Exekutive, den Waad Leumi und den Keren Hajessod, wob.! vor allem Kaplansky sehr! interessant das enge Zusammenaib-eiten schilderte, mit dem die beiden nationalen Fonds bisher kolonisiert haben und weiter kolonisieren werden. Er kündigte an, daß. wie er hoffe, auf den der Besiedlung harrenden Ländereien des Keren Kajemeth i n de r U m g e b u n g von Nahalal in kürzester Zeit die Kolonisation beginnen werde. Dann sprach einer der Siedler auf Keren Kajemeth-Boden und zum Schluß Bialik, dem ein stürmischer Empfang bereitet wurde. Es würde zu weit führen, die tiefen Gedanken seiner Rede hier darzulegen, in der er vor allem versuchte, zwischen dem Buch und dem Boden einen Zusammenhang herzustellen und die Verknüpfung des Keren Kajemeth mit dem Chanukahfeste begrüßte. Nach der Feier blieben die Schriftsteller und Journalisten mit Ussischkin zusammen, um. wie vor einem Jahre in Kirjath Anawim, die eng? Verbindung der geistigen Arbeiter mit dem Keren KajeMeth erneut zu verkörpern. Erst gegen Morgen trennte man sich, was in Jerusalem ein Vorgang von äußerster Seltenheit ist. ^cxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxro Bficnfß mW w vH A* 1% atu 1t 2, 3 SthUlinä in der £Hlcfkerscfkvremirvie P LftWIT / WIEN I. fioteniuvmsteaßc JZ*. ST Diese kurzen Bemerkungen über die Feier rrrog*. j genügen. Ueberall in der Welt, wo Juden noch eine Verbindung mit Palästina empfinden, wird ja jetzt de? Keren Kajemeth gedacht werden. Wir haben es immer wiederholt, und nach dem Scheitern der vierten Alijah mehr als je,- daß die Verwirklichung des Zionismus nur möglich ist, wenn uns in Palästina die Schaffung eines gesunden Bauernstandes gelingt. Nur der fünfzehnte Teil, des Bodens ist heute in jüdischem Besitz und von ihm ist wiederum nur ein Fünftel Besitz unseres nationalen Bodenfonds. Von der jüdischen Bevölkerung Palästinas aber loben nur etwa 17 Progent auf dem Lande. Diese Ziffern bedürfen keines Kommentars, und wenn wir mit Stolz die aufsteigende Linie sehen, in der sich die Einnahmen des Keren Kajemeth bewegen, so sollen uns die geringen Resultate, die damit erzielt wurden, zeigen, wie unsere Anstrengungen vervielfacht werden müssen, um unser Ziel zu erreichen. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß es im Norden und Süden des Landes große, zusammenhängende Landstrecken gibt, die wir kmfen können, sobald wir die Mittel haben. « , Mit dem Eintritt von Die seng off in die Palästina-Exekutive und der gleichzeitigen Ausgestaltung des bisherigen Handel- und Jndustriebepärtements zu einer Abteilung für städtische Kölonisat i o n unter seiner Leitung ist ein Beschluß der letzten A. C.-Sitzung ausgeführt worden, der vielfach als eine Konzession an die Elemente der vierten Alijah aufgefaßr worden ist. Diese Auffassung braucht nicht richtig zu sein, kann es ober werden. Ueber die Notwendigkeit städtischer Kolonisation sind sich auch diejenigen Kreise einig, die den Vorrang der landwirtschaftlichen Kolonisation mit allem Nachdruck aufrecht erhalten. Ebenso iln'bestr.'tten ist wohl, daß bisher für diesen Zweck zu wenig geschehen ist, daß die etwa 3 Prozent, die vom Keren Hajessod-Budget für diese Zwecke ausgegeben wurden, keinesfalls als ausreichend betrachtet werden können und daß das Scheitern der vierten Alijah zu einem Teil auch ans unsere Untätigkeit aus dem Gebiete der städtischen Kolonisation zurückzuführen ist, ohne daß das freilich als der Hauptgrund anzusehen ist. Wenn nun letzt eine erhöhte Aktivität auf diesem Gebiet einsetzen wird, so bleibt es umso wichtiger, daß man sich vor dem Aufkommen einer neuen städtischen Ideologie hütet, die nur erneut zu Enttäuschungen führen wird. Die Förderung unserer Landwirtschaft bleibt die Grundlage unserer Arbeit, der städtischen Kolonisation aber soll soviel an Mitteln und an Zeit Angewandt werden, wie erübrigt werden kann. Es ist nicht überflüssig, diese-Gedanken heute zu betonen. Es ist ja bekannt, daß Diesengoff, der in London zur Zeit seiner Wahl in die Exekutive nicht anwesend war, große Bedenken getragen hatte, den Ruf anzunehmen. und daß es umfangreicher Verhandlungen bedurfte, um eine Basis für gemeinsame Arbeit zu finden. Das Memorandum, das Diesengoff vor seinem Eintritt in die Exekutive dieser eingereicht hatte, enthält viel bemerkenswertes Material. Interessant ist zum Beispiel, daß Diesengoff, so sehr er die bisherige Interesselosigkeit der Zionistischen Organisation gegenüber der Privatindustrie angreift, doch deutlich und klar erklärt, nicht Kreditnot habe zum Zusammenbruch . zahlreicher Unernehmungen geführt, sondern ganz andere Momente, wie fachliche Unfähigkeit der Industriellen, völlige Unkenntnis der Marktverhältnisse, Mangel an Bereitschaft zu einem etwas eingeschränkteren Leben während der ersten Jahve und Aehnliches. Dennoch enthält dieses Memorandum Gedankengänge und Andeutungen, die Gefahren mit sich bringen können. Wie kann man aus der Tatsache, die wir schon oben erwähnten, daß nämlich heute 83 Prozent des Jischuw in den Städten wohnen, ernsthaft verlangen, daß auch die Verteilung dex Gelder des Keren Hajessod. mit dieser Berufsgliederrrng rechne, während dach elementarste zionistische Erkenntnis uns lehrt, daß eine solche Berussgliederung nur ein^ Abbild der anormalen Berufsfchichtung der Juden in der Galuth darstellt, deren Umänderung im Sipne einer Reproduktiipierung und Ueberführung zur Landwirtschaft einer der Grundgedanken unserer Idee ist! Ebenso wenig ist zu verkennen, daß trotz DiesengoffS Betonung, er kenne weder Parteien noch Klassen, dieses Memorandum vom Standpunkt der mittelständischen Elemente aus geschrieben ist und der Arbeiterschaft wen'g günstig gegen'ühersteht. Es ist ja natürlich, daß jeder, der eine Arbeit tut, ihre Bedeutung zu überschätzen geneigt ist» aber trotzdem darf Förderung unserer städtischen Kolonisation nicht zur Zurückdrängung der Landwirtschaft führen, wie stärkere Untzrsttttzung der Privatinitiative die entscheidenden Stiftungen nicht vergessen lassen sollen, dje bk Arbeiterschaft noch täglich M den Ausbau leistet»

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