Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2797 (10.12.1926)
- Date
- 1926-12-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. S797 Mm, FrWs- 10. MMchvr ES Tsrte £ JÜDISCHE weit 1500 neue PaIW«a.z«tlfikate. Die Pa.Uj..ua„igpuug hat der Zionistischen E^ekur^e in Palästina 1600 neue Einreifezertifikate für Arbeiter-Einwanderer für die Periode Oktober 1926 bis März 1S27 zu gebilligt, davon 1000 für männliche und i »ür iveibliche Einwanderer. Leon Alum reift «ach Palftftina. äns Jerusalem wied uns berichtet: Aus Paris j..| soeben die Mitteilung ein, daß der Führer der Sozia, listen in der französischen Kammer, Leon Blum, anläßlich seiner Teilnahme an der zionistischen Wirtschaftskonferenz in London bestimmtest zugesagt habe, der Einladung der zionistischen Leitung, nach Palästina zu kommen, Folge zu leisten. Herr B l n nt wird wühr.nd der kommenden P.ssachtage in Palästina sein und dürfte gleichzeitig mit dem, Präsidenten Dr. Weiz m a n n und dem Londoner Fabrikanten Bemard Baron nach Palästina reisen Mftsnatio» de» Pra'effo» Sarstang. iu§ Jerusalem wird gemeldet: Der Direktor des Departements für Altertümer bei der Palästinarog'verung Professor John G a r st a n g, ist von seinem Amt zurückgetreten. Er war seit dem Jahre 1919 Direktor der britischen Schule für Archäologie ln Jerusalem, von 1919 bis 1920 Konsulent der Militärverwaltung für Altertümer und bekleidet seit 1920 die Stelle eines Direktors der archäologischen Departements der Palästinaregiernng. Bevor er nach Palästina ging, war Gvrstang Professor für Archäologie an der Universität in Liverpool und leitete verschied-ene Ausgrabrmgsavbelten in England, Aegypten, Kleinasten und Nordsyrien, über welche er eine Anzahl von Werken, so auch ein Buch über das „Land der Hettiter" veröffentlichte. M Jude Bürgermeister von Aoura« us iiotono wird uns berichtet: Seit längerer Zeit de,»and z ischeu den Juden und Litauen ein Wahlpcckk, laut welchem diesmal-zum Bürgermeister von Kowno ein Jude gewählt werden soll. Unmittelbar vor der Bürgermeiste-lvahl erklärten die Litauer, sich nicht an den Pakt halten zu wollen. Bei der Wahl unterlag jedoch ihr Kandidat. Gewählt wurde mit den jüdischen und polnischen Stimmen der Doktor Meschulem Wolf zum Bürgermeister und zum Bizevürgermcistcr der Führer der polnischen Fraktion, Ratmann B u r b a . - Sammlung der Mische« Archivmaterials l« AeibrutzlaaS. Ans Moskau wird berichtet: Die jüdische Abteilung c>es Instituts für weißrussische Kultur hat die vor längerer Zeit in Angriff genommene Sichtung der jüdischen Archive in Minsk, Witebsk und Homel beendet. Besonders im Witebsker Archiv wurde zahlreiches historisch-wertvolles Material Über das Leben der Juden 9t den Gouvernements Witebsk, Smolensk und Mohi^ew zutage gefördert. Unter anderem wurden auch Matr'a^ien über den seinerzeitigen Ri tnalmordrummel in Meliz die Kolonisation von I n d? n. i n S i b i r i e n u a m. gefunden. Sin Radkobortrag über die iödlsche Renalffance. .ins Paris wird utu berichtet: Hier weilt seit einiger jVit die Witlve des vor etwa zwei Jahren verstorbenen hebräischcn Lexikogras^hen Elieser bcn Jehuda. Elner Einladung der Radicv.'r..altnng von Paris folgend, hielt Frau ben Jehuda am 1. Dezember einen halbstündigen Vortrag durch Radio über das Thema „Das Wunder der jüdischen c rtüssanee". Der Bo.t'ag fand, nie festgestellt nmrde, aS $ ' c Inkreise und es besteht die Msicht, ähnliche Bo tr"g über!üdis^' F agen fof e t zu lassen. Auflösung der Pro-Fevusarem-Gesellschaft ln Jerusalem. Aus Jerusalem wirb uns berichtet: Der gewesene DrstriktSlomnussär von Jerusalem. Sir Ronald Storrs, hat die Gesellschaft Pro-Jerusalem, die er vor acht Jahren gründete, n: nmehr vor seiner Abreise nach Cypern, wo er die Gouverneurstelle bekleidet, aufgelöst Diese Gesellschaft, welche ren Schutz der Kunstdenkmäler Jerusalems besorgte, hat sich, wie StorrS erklärt«, bereits als iilberflüstig erwiesen, da ihre Aufgaben durch ständige Organisationen, d!« von der Regierung und dem Stadtrat von - Jerusalem ins Leben gerufen wurden. gesichert erscheinen. , Bon der jüdischen National« und Nntversitätsbibliothek. Auf Ansuchen der Leitung der Bibliothek hat die beim Völkerbund bestehende Kommission für Veröffentlichungen beschlossen, der Bibliothek von jetzt ab von sämtlichen ^'eröffeirtlichrmgen des Völkerbundes ein Exemplar zupfenden. Bekanntlich ist die Zahl der vom Völkerbund berausgegebenen Publikationen sehr groß und die Berössent-Übungen haben großes vo'iti'ches Interesse. Ins iiidisdke Maus das iiidisdke Matt Bühne und Kunst. „Wir Halen euch ein Mater gegeben..." Schrvieergkeiten bei der sozialdemokratischen „Freien Bühne". Wie das „Reui-g-keits-Weltblatt" meldet, befindet sich die zu Beginn des heurigen Spielijohres gegründete „Freie Bühne" in Schwierigkeiten und ist mit den Gagensahlungen im Rückstände. Bei der Gründung bemerkte der Leiter der Bühne, Joachim, stets, dätz die sozialdemokratische Partei und die „Kunststelle" hinter ihm stünden und daß daher vollständige Sicherheit für Ga-gen und Löhne gegeben sei. Bei der Auswahl der Schauspieler und der zur Auffühhrung bestimmten Stücke intervenierte stets der Leiter bet sogialdemo'kratischen Kunststelle, Dr. B a ch. Der Bühnenverein verlangte offenbar deshalb von dem Gründer auch kein« K a u t i o n für die Gagen der Schauspieler. Bei der ersten Vorstellung waren alle Parteigroßen unter d'r Führung des Bürgermeisters anwesend und in der offiziellen Eröffnungsrede wurde erklärt: „Wir haben euch ein Theater gegeben. . ." Die Vorstellungen fanden aber bei dem Arbeiterpublikum in Floridsdorf wenig Anklang. Im vorigen Monat konnten die Gagen nicht mehr vollständig gezahlt werden. Dr. Bach erklärte, daß die sozialdemokratische Kunststelle sich wohl für die „Freie Bi'chm" interessiert, habe, daß sie aber keineswegs als eine Gründung der Kunstst'lle oder gar der Partei anzufohen sei. Materiell habe die Kunststelle nichts mit der „Freien Bühne" zu tun. Präsident Stärk vom Bühnenverein hat den Mitgliedern versprochen, bei der sosial-demokratischon Parteileitung zu intervenieren, um die Bühne zu retten. A«r Dt« Malern. ^p-erntheater. Morgen, 7 Uhr, „Don Juan". ..urgtheater. Morgen 7 Uhr, „Der junge Aar". Akodemietheater. Morgen. XQ Uhr, „Spiel im Schloß" , Vo l'k.SoPer. Morgen endet der Nvbellungenrina mit „A ö t t e r d ä m m e r u n g". — Die italienische Opernstagione' beginnt am 13. d. M. mit einer Aufführung von „Riaoletto". - Deutsches Vol-StHea te r. Heute „LoloS Vater" mit Dt. Rudolf ThroN. — Samstag nachm. „Rathan der Weise". — Sonntag nachm. „Der Raub dar Sabiner innen". Adolf Donath Sv Jahre alt. Adolf Donath, der Lyriker und Kunstsachvecständtge, Ist gestern 60 Jahre alt gewoben. Er wurde von Georg Brandes in die Literatur eingefüh^t, der zu seinem ersten Gedichtbande ein begeistertes Vorwort schrieb. Bon Adolf Donaths lyrischen Schöpfungen sind seine „Lieder eines Judeu" sehr bekannt und geschätzt. Hervorragendes hat er auch als KunstkritiVe.r .geleistet. Die. von ihm geleitete Halbmonatsschrift „D-i Kunstwanderer" hat sich den Rang einer Über die Grenzen Deutschlands hinaus maßgebenden Knnstzeitschrift erworben. Zusammenschluß der arbeitslosen Bühnenangehörigen. Kürzlich fand die KonstituKrung der Vereinigung der arbeitslosen Mitglieder des deutsch-österreichischen Buhnenvereines statt, die als srelgewerkschastlicher Zusammenschluß dem Bühnenverein untersteht. Die Aufnahme von Mitgliedern erfolgt im Lokale der Vereinigung, Mariahilferstraße 39 a (Cast Mariahilf. Klubräume), täglich zwischen 5 und 7 Uhr abends. Dir Wiener Chopinfcier, die unter dem Protektorate des Wiener polnischen Gesandten am 8. Dezember im Aka» demie-Theater als Mittagsseier stattsand, wurde mit der. A-Dur-Polonaise Chopins eingeleitet, die auch anläßlich der Enthüllung des Chopindenkmales in Warschau gespielt wurde. Das Schüleronhester, der Musikakademle. von Prof. Wunderer geführt, wtr mit Eifer bei der Sache. Rektor Hofrat Dr. Marse erinnerte in seiner Anspache daran, daß Wien das Genie des LOjüh.igen Tondichters erkannte und zitierte Briefe ChipinS aus Men. Präsident Twardowskt würdigte in polnischer und französischer Spraäie Chopins BedeuAng für das polnische Volk und für die ganze kunstliebende Menschheit. Jan Smeterlin sthloß die stimmungsvolle Feier mit seiner ausgezeichneten Interpretation Chopinscher Musik. ....men manche Piecen werden vom Publikum, das weder mit dem „Regiebeitrag", wie das Eintriltsaeld hier genannt wird, noch mit den Ovationen geizt, fehnlstast verlangt. Im „Jüdischen Mtnstlerkabarett" tst die „Kaukaser Liebe", vom unlängst verstochenen Wischen Komponisten Sandler, tatsüchltcl) zu einem wirksamen amerikanischen Schlager geworden. Bor allem sind es die fast verschollenen, trau» reu VolkSliedermotive, von Sandler geschmackvoll paraphraltert. die dieser Operette besonderen Reiz und Anziehungskraft verleihen. Den Text, dieser Mache echt amerikanischer ^rvdenienz, nimmt man um so eher in Kauf, als er den Herr Streng, der Leiter dieses Thraterchenö, als ver- «ter Schäme-, und der buhnenstäiere Herr Fostel, er ein längeres Gastspiel absolviert, als singender und tanzender kaukasischer Jüngling. Beide Künstler wurden oft und reichlich mtt Ovationen bedaäst. Frau Weißmann, als reiche, ältere Köchin, die mit dem Schames, diesem unverbesserlichen Schnorrer» liebäugelt, erweckte große Lach- Wrme. «. Sehr guter Besuch an einem gewöhnlichen Montag! M. 'Lwrtick. zur Bildung1 durch. Jj:’ das -dr zu 1, 2, 3 Schilling in der Büchorscliweiiime R. Löwit I, Rotenturmstraße Kr. L2 Gerichtssaal. „Lausbub" — durch das Telephon — strassrei. Der Kaust manu Heinrich L. war bei jernem Geschäftsfreunde Ignaz N. mit Zinsen im Rückstände und weigerte sich, diese zu begleichen. Er erklärte K.S Buchhalter auf einen telephonischen Anruf: „Sagen Sie Jhcem Chef, daß er ein Lausbub und Notzbub ist." Der so TttuUerte horchte aber an der zweiten Muschel des Apparates, hörte die Post, die ihm der Buchhalter ausrichten sollte und klagte L. auf Ehrenbeleid "»ng. Das Bezirksgericht Favoriten gab der Klage statt und verurteilte L. zu einer Geldstrafe von 10 Schilling. Dieser benef gegen das Urteil und begründete die Berufung damit, der Anruf sei aus einer Tete phonzelle erfolgt, weshalb der Tatbestand d e r O e f f e n stl t ch k e i t ma n g e l t. AVer auch aus Seite des Angerufenen sei die Oeffemlichleit nicht gegeben gewesen, da außer K. nur der Buchhalter die Acußerung hörte, das Gesetz aber zwei oder mehrere Ohrenzeugen verlange. Der Berufungssenat gab der Berufung statt und führte m der Begründung aus, daß bei der in Frage stehenden Beleidigung das Moment der Oeffentlichkeit fehle, weil die Telephonistinnen, die die Verbindung Herstellen, durch ihren Amtseid zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. L wurde deshalb fr.eigeiprochen. Eine neue Wendung in der Affäre Marek. In der Affäre des Mödlinger Technikers Emil Marek, der des Versicherungsbetruges beschuldigt wird und gegen den bereits vom Landesgericht 2 die Anklage erhoben worden ist, hat sich ein neues Moment ergeben Äre Verteidigung hatte nämlich , bei der Staalsanwallschaft die Anzeige erstattet, daß der derzeit arbeitslose Diener Karl Mras darüber Auskunft geben könne, daß an dem amputierten Bein Mareks im Spital Veränderungen vorgenommen worden seren. Mras wurde zum Untersuchungsrichter Dr. Pol l a k vorgeladen und nach einer längeren Einvernahme über Hn die Untersuchungshaft verhängt. Die Prager Koburg—Dr. Eisler-Märe vor einem Mener Gericht« Vor dein Presserichter des Sraatsbezirksgerichtcs 1, Hosrat Dr. H ösl mayer, fand gestern eine BerhaMung gegen den veranttvortlichen Redakteur des „Neuen Wiener Journals" Dr. Emil Reich wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge statt, die über Anzeige der in oer Prager Affäre Coburg — Dr. Eisler vielgenannten Generalsgattin Baronin Berta von Einem anberaumt worden war. In dem genannten Blatte war unter der Ueberjchrifl Prinz Cyrill von Bulgarien in Prag" mit dem Untertitel „Intervention einer schönen Frau ein Artikel erichienen, der die Wiedergabe eines im Prager „P r a v o L i d u erschienenen Artikels beinhaltete, daß eine sehr schöne und elegante Frau in der Coburg-Affäre zu den verschiedensten Interventionen verwendet wurde, die dank ihrer äußeren Vorzüge glückten. Im „Neuen Mener Journal" hieß es weiter: „Gemeint ist damit sichtlich die Baronin Einem» die Gattin des ehemaligen Militärattarhes in Bern." Der von Dr. Desidor Friedmann verteidigte Beschuldigte gab an, er habe den Artikel weder verfaßt noch vor der Drucklegung gelesen. Der als Zeuge vernommene Gatte der Frau Einem, Generalmajor i. P. Wiluam Einem, erklärte, daß seine Frau durch den inkrimminier-- ten Artikel in ihrer Ehre empfindnch gekränkt wurde. In demselben Sinne sagte der Gesandte a. D. Graf Moritz Palffy aus. Der Angeklagte erklärte. Beweisanträge in der Richtung zu stelle«, daß auch andere Blätter, teilweise schon früher, als das .Meue Wiener Journal" die Inkrimminierten Beschuldigungen mit Nennung des Namens der Frau Einem gebracht hatten. Der Richter vertagte ia Stattgebung dieses Antrages die Verhandlung. Watman zu sechs Monate» GefS»gniö verurteilt. Aus Odessa meidet I. T. A.r Watman, der bisherige Leitev der jüdischen Kolonie „Kotowskl", ein bekannter Komtnunist» wurde zu fechS Monaten Gefängnis verurteilt, weil er den jüdischen Journalisten Sw et low im RedaktionSlykal der „OdeSkia Mwestia" überfallen und miß» handelt hat. Swetloio hatte Watman vorgeworfen, daß er die ihm anvertraute Wische Kolonie bureaukratlsch leite und die jüdischen Kolonisten quäle, für deren Bedürsnisie er kein Verständnis habe. Der Gerichrshof kam auf Grund der Verhandlung zu dem Schluß, daß Swetlvw mit seinen Eingriffen gegen Watman inallenPunkten recht gehabt habe. Watman sei ammßend in seinem Verkehr mit den jüdischen Siedlern gewesen und habe das in ihn gesetzte Bert.pa.uen irr keiner Weise geMWerM.