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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-10 · Heft 2797 (10.12.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2797 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9h. SW? Me«, FEag tu. imm/btr 1S26 •sm 9 rer Amismltkm«« w «aßla«. ttilff füIfAtf Kßaaa». Tagesbericht. 9as Uatttzrium der jüdifche» Stvdentes. D« der Warschime» tät j«ve«ret». Warschau, 9. Dezember. (I. T.-A.) Die allgemeine Versammlung der Studenten der juridischen Fakultät, die sich um den „Juristenkreis" gruppieren, nahm bei Ablvesenheit der fortschrittlich gesinnten Mitgliedergruppeu einen Beschluß an, das Statut des Kreises nach der Richluug zu ändern, daß Kommunisten und Juden nicht Mitglieder des JuristenkreiseS werden können. Zu diesem Beschluß wird — wie die Blätter Mitteilen — der akademische Senat der Universität noch Stellung zu nehmen haben. Die Kölner Universität. Das ,Mlner Jüdische Wochenblatt" bespricht die Dor- ,junge an der Münchener Universität, wo bekanntlich die jüdischen Studenten von den JubilLumsfeierlichkeitsn ausgeschlossen wurden, und schreibt dann weiter: „Selbst an unserer als freiheitlich bekannten Kölner Universität blüht dieser Antisemitismus. Gerade die beiden führenden Männer, Geheimrät Eckert und Professor v. d. Leyen, sind davon nickt freizusprechen. So hat ersterer im Sommersemester 1985 in seiner Vorlesung darauf hingewiesen, daß die führenden Männer auf dem Wirtschaftsgebiete Jude:: seien, und warnend richtete er an das Auditorium die Worte: „Ich rate euch Juden, drängt euch nicht vor." Brausenden Beifall ernteten natürlich diese Worte, während die dort befindlichen jüdischen Studenten zu scharren anfingen. — Was Herrn Prof. v. d. Leyen betrifft, so macht er aus seiner deutsch-völkischen Gesinnung kein Hehl." Die Grlauer Recht-akade«ie. Budapest, 9. Dezember. Der Präsident der Erlauer jüdischen Gemeinde, Desider von Kanitz, gibt bekannt, daß sich in der Erlauer Rechtsakademie, die Hochschulcharakter trägt, in diesem Jahr unter den 6V aufgenommenen Hörern kein einziger Jude befiirdet. Sämtliche Juden, die sich zur Inskription gemeldet hatten, wurden a b g e w i ese n. Die schon früher aufgenommenen sieben jüdischen Hörer der höheren Semester können auch weiter die Rechts-- akadcnrie frequentieren. Es ergibt sich demnach, daß die Erlauer Rechtsakademie mit insgesamt 180 Hörern im ganzen sieben jüdische Hörer aufweist. Das ist eine rassenschützlerische Unterbietung der Prozentnorm. Moskau, 8. Dezember. Der Antisemitismus in Rußland erfaßt immer weitere Kreise. Vor einigen Tagen erschien in der „Meczarnaja Moskwa" ein Artikel von Jaroslawski, der offiziell die antijüdische Stimmung bestätigte. Am 3. Dezember fand im Saal des Moskauer Konservatoriums eine öffentliche Diskussion über dieses Thema statt. An der Diskussion beteiligten sich der Vertreter Kalinins Smidowtez, Larin, ei« hervorragendes Mitglied der kommunistischen Partei, Professor Reisner, Redakteur Kolzow, Prof. Kluez- «i k o w und B r a g i n, der Organisator der jüdischen Kolonisation in Rußland. Charakteristisch war die Rede Prof. Klucznikows, der die antisemitische Weste mit dem alten Argument von dem Mißverhältnis zwischen der Zahl der jüdischen Einwohner in Rußland und ■ ihrem Einfluß auf das öffentliche Leben in Sowjetrußland zu erklären versuchte. Diese Anschauung rief im ganzen Saal lauten Widerspruch hervor und Prof. Klucznikow konnte seine Rede nicht beendigen. Gegen seine Ausführungen trat L a r i n auf, der die Juden, die amtliche Stesten in Rußland bekleiden, verteidigte. Die Konferenz hat in Moskau großes Interesse wachgerufeu. 6tn wissenschaftliche« AaswanüenmgrlassUnt in »arscha«. In. Warschau wurde vor einiger Zeit ein Auswanderungsinstitut ins Leben gerufen, das de» Zweck hat, die aktuellen Fragen der Emigration und Kolonisation wissenschaftlich zu erforschen und publizistisch zu verarbeiten Als Mitglieder des Auswanderungsinstitutes wurden die Herren Äjmdeputierten Pt.of. G l o m b i n s k i, Prof. K r z iwieki und eine ganze Reihe anderer Gelehrter und Fachmänner auf dem Gebiete des Emkgrations- und Kolonisationswesens berufen. Als Vertreter der Juden gehört der Direktor der zentralen jüdischen Emigrationsgesellschaft, Leon Alter, dem Institut als Mitglied an. Reae rntaulhame«s«>>be. Aus Kairo 'wird gemeldet: Bei den Aufrärrmmigsarbeiten im Grabe Tutankhamens sind noch einige Funde gemacht worden. Unter diesen befindet sich * ein Standbild des ägyptischen Gottes Anubis, ferner mehrere Kasten mit Juwelen des Königs, darunter ein Zepter, Fächer, Sandalen und Kisten mit kleinen Standbildern der Pharaonen bei der Ausübung religiöser Zeremonien in der Unterwelt. Den wichtigsten Fund dürfte ein Sarkophag darstellcn, der zweifellos die inneren Organe des Königs enthält, die in besonderen Behältern beigesetzt wurden. Wir iverden von besonderer Seite daraus anfrnerksam genrarht, daß der Sekretär des Jerusalemer Rabbiners S o n n e n f e l d, ein gewisser Herr Blau, in Men Gelder für das „Religiöse Schukivesen in Palästina" sammelt. Trotzdem es sich diesfatts um agudistische, also antizionistische Schulen handelt wagt es Herr- Blau, auch bei Zionisten vorzusprechen und sie zu Geldspenden zu veranlassen Wir warne« hienrit die zionistische Oeffentlichkeit, sich von diesem Herren trreführen zu lassen ,und ihm Geldbeiträge für einen Zweck zu Übergeben, der den neuen Jischrüv tu Palästina mb inSbesond««' sein Schulwerk schädigt. VCfnCiltlcROu ottflilftO ueSSufttffB MNkMlMv. Bukarest, 9. Dezember. (Orient-Radio.) Ueber das Befinden des Königs wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Der König hat die Nacht sehr gut verbracht. Die Nahrungsaufnahme beginnt sich zu besten. Temperatur 36,4, Puls 64. Allgemeinzustand fortgesetzt befriedigend. Der französische Chirurg Dr, .tzartmann wird morgen nach Paris zurückkehren. Uekae SrNhaftuug Saribawir. Paris, 9. Dezember. Das von dem Verteidiger Garibaldis gestellte Ansuchen um provisorische Entlassung Garibaldis aus der Hast ist heute von dem znstän-igerr GerWAhof abgelehnt worden. ««wmerie tmfe Polizei droh« mit tzaWtt «efifteor. Da vie Regierung das ForderungsprvgÄcüMrr der Sicher yeitsexekutive (Gendarmerie, Sicherheitsivache, Sdadtschrtzrvacheund Justizwache) abgelehnt Hot, faßte gesternedre Versammlung dieser Wachkörper eine Resolution, in der erklärt ivrrd, die Entscheidung liege nunmehr bei den politischen Parteien. Bon diesen erwarten die Beamten der Sichecheitsex^kutive bei der Beschlußfassung Wer die Gehaltsgesetznovelle die Erfüllung ihrer Forderungen. Die Wachebeamten seien am Ende ihrer Geduld. Bon der Haftung der politischen Parteien werde eS abhängen, ob die Wachebeamten aus ihrer roftrvierwn .HMyzg heMuStret^ odernicht. Gräßlicher Selibstinordversuch einer Greisin. Gestern vormittags wurde in ihrer Wohnung im Haust .Aietztngen Hauptstraße 43 die 76jährige Kleinrentüeri« Marie Petzoch mit schweren Verbrennungen vorgefundeu. Sie hatte sich kurz vorher mit Spiritus überschüttet und die Kleider in Brano gesetzt. Sie wurde in lebensgefährlich verletzten« Zustande m das Spital gebracht. flnläOlich der Feier des Z5 jährigen Jubiläums des Keren Hnjumeth übernimmt jeder Zinnist 1. Sein diesjähriges Selbstkontingent 2. Die Aufstellung von 10 neuen Keren Kajemeth-Büchsen 3. Die Beteiligung an derMassenadresse a. d. Keren Kajemeth Waschelwuscheiwisch. Bon Hans Reimann. Mer der Titel stammt nicht von mir, sondern von Fritz Halbach, dem Autor des bei H e r m a n n Ä. W i e chmann in München erschienenen Märchens für Kinder von sieben bis siebzig Jahren. Dem Buche liegt eine Drucksache des Berlages bei, an die „Deutschen unter den Deutschen", also an die Völkischen. Denn ein Deutscher ist schlechthin ein Deutscher, und nur die Völkischen haben das Deutschtum mit dem Löffel gefvessen und blähen sich vor Patriotismus. Der Verlag fordert die Gutgesinnten im deutschen Volke (Stänker, Greise, Korpsstudenten, Landgerichtsräte und andere Wilhelminiker) aus, Anschriften (gemeint sind Adressen) von Bekannten und Freunden einzusenden, die für Deutschland und Gott ein Hochgefühl besitzen. Für Deutschland und Gott ein Hochgefühl besitzen ist das: den Rennsteig lieben, den Schwarzwald und die Fränkische Schweiz, die Lüneburger Heide und das Stettiner Haff und seine Mitmenschen in Jesu Christo? Nein. Für Deutschland und Gott ein Hochgefühl besitzen: das bedeutet: einen antisemitischen Koller haben, die Klöfettwände beschmieren und monarchistischen Meister im Hirn haben. Fritz Halbach tut sein. Möglichstes, das Hochgefühl zu wecken und zu mästen. Waschelwuschelwisch ist der deutsche Michel, von Hellntuth Stockmann im harmlosesten „Fliegende Blätter"-Stil aus den Umschlag gezeichnet. „Liebe Kinder!" — so beginnt das Buch — „Nun will, ich auch eine neue Geschichte erzählen. Und das ist die Geschichte vom Waschelwuschelwisch. Der Waschelwuschelwlsch ist ein so großer und ungeschickter Tölpel, wie ihr allesamt noch keinen gesehen habt. Wenn er von der Bank füllt, dann wirft er jedesmal die Bank mit um, und so oft er zu seinem eigenen Hause aus- und eingeht, stößt er sich den Kopf an den Türpfosten, daß es nur so kracht. Mer der Waschelwuschelwisch hat einen so harten Schädel, daß eS ihm nicht sonderlich weh tut. Und was hat der Piest'ntölpel für eine Zipfelmütze auf! Liebe Kinder! So eine Zipfelmütze HM ihr in eurem ganzen Leben noch , nicht gesehen! Mit beiden Händen zieht er sie immer rechts und links weit über die Ohren, daß er nur ja nichts hört, und wenn er schläft, hängt ihm die Quaste weit über die Nasenspitze herab." Und der so überaus humorvoll geschildert«? Waschelwuschelwisch hat eine Frau, Wischelwuschelwasch mit Namen, und die wischt und wäscht, daß es eine Lust ist. Und wenn Waschelwuschelwisch, der professionelle Schläfer aufwacht und fragt: „Wischelwuschelwasch, wo ist die große Flasch?", dann anwortet>d!e Gattin: „Waschelwuscheiwisch, die steht ja auf dem Tisch!" Und im übrigen wird das Familienleben von Mäusen und Rathen gobildet, die dem Tölpel in den Taschen herumspazieren, und von Fliegen, die zu dritt oder viert auf seiner Nase hocken und auf feinen Händen und hinter den Ohren. > ■ . Und nun geschieht etwas sehr Originelles: sichen Zwerge bringen der Wischelwuschelwasch ein Knäblein; da Waschelwuschelwisch offenbar an Männerschwächv leidet. Und das Knäblein hört auf den symbolischen Namen Schlagdilach. Und nun wird's gefährlich. Der König Ldontodon, das ist England; der Staat Marlanneum ist Frankreich; der Kaiser Sibiribim ist Rußland; der König Rommeldiromm ist Italien, und die Schweinerei ist fertig. Poineare heißt Präsident Paripap. Und Waschelwuschelwisch schleudert die Zipfelmütze weit von sich und macht Weltkrieg, Marke „Im Felde unbestegt!". Und die Stube ward rot rundum. Dem Könige Leontodon verkeilt ich den Popo mit Wonn', dem Kaiser Sibiribim erging's nicht minder schlimm, den Präsidenten Paripap, den schlug ich auf die rote Kapp, und dem kleinen König Rommeldiromm, dem wünsch' ich, daß es ihm wohl bekomm!" Und dann kommt das vierte Kapitel an die Reihe, und da wird die Politik von her Rassenkunde verdrängt. Überschrift: „Der Tölpel Waschelwuschelwisch macht eine große Dummheit." Nämlich: Leontodon, Sibiribim, Rommeldiromm und Paripap begeben sich auf den Weg nach Jüdland. Merkt ihr was, liebe Kinder? Nachdem Herr Dichter Fritz Halbach keinen Zweifel gelassen hat, daß die vier Typen soviel bedeuten wie England, Rußland, Italien und Frankreich, schildert er den Beherrscher des Zauberreichs Jüdland als teuflischen Wild-West-Galizianer. „Ich bin der Moschemeires, mach koscheres Geseires, werd reden, werd verhandeln, werd Leu in Lamm verwandeln!" Und Moschemeires verübt den Versailler Frieden, indem er sich an Waschelwuschestvischs Hütte schleicht, leis die Tür ausklinkt, aus Zehenspitzen in die Stube tritt, dem Waschelwuschelwisch das Schwert aus der Hand windet und dazu spricht: „Nimm für dein Schwert, dein teires, den Orden Pleitegei ros!" Und Moßhemeires trug das deutsche Holdenschwert zu den Königen Leontodon und Rommeldiromm, zum Präsidenten Paripap und zum Kaiser Sibiribim, die gemeinsam also redeten: „Erst das Schwert und' dann das Haus! Freut euch, Ratte, Spinn und Maus! Freu dich, krummer Zaubermann! Ueberall regierst du dann!" Und dann zogen die fünf dem armen Wicht Rock und Hose aus und legten ihn in Ketten und verhöhnten ihn, und der Zauberer vom Jüdland frohlockt: „Kapipapuparoreö! Jetzt kommt der große Schores! Baldibaldowereires, Mamischamoschameires!" Tja, und dann flucht Waschelwuschelwisch den: Orden Pleitegelres und dem jüdländischen Zauberer, und seine Gemahlin betet.zu Gott um ein Wunder, und da erscheint ihr eine Fee, und die nimmt den Schlagdilach an der Hand und führt ihn in den Wald und klatscht dreimal in die Hände, und da battern die sieben Zwerge herbei, welch letztere dann nun wohl traun füvwahr, die Krönlein schmieden fürs Königssöhnlein. Und Schlagdilach, der kühne Recke, befreit seinen halbidiotischen Papa und tötet die Spinnen und die Wanzen mit seiner jungen Kraft, heißa, und reinigt die ganze Welt und versohlt den Pommcare und schlägt den Moschemeires windelweich, und das ist die Hauptsache, und dafür bekommt er dann die Krone und eine Jungfrau, und dann ist. das Buch zu Ende, und man begibt sich todtraurig zum Waschbecken und tut sin paar Bröselchen Sublimat hinein und wäscht sich die Hände, die den Unrat angesaßt haben.

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