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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-10 · Heft 2797 (10.12.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2797 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Mens» 10. DezemGsr 1926 Nr. 2797 Ser zusammenkchluf, der jüdischen Kullusgemeinven in Sefterreich. Ein Gespräch mit Gemeindsrat Tr. Leopold PlaschkeS. Wie bereits gestern berichtet, ist die konstituierende Versammlung des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden Oesterreichfür die nächsten Tage, und zwar für den 12. Dezember nach Wien einberufen. Innerhalb des Vorstandes der W i tusgemeinde treten nur die Zionisten energisch für den Zusammenschluß ein, während die liberale Mehrheit einen ablehnenden Standpunkt einnimmt. Einem unserer Mitarbeiter gegenüber machte Gemeinderat Tr. Leopold P l a s ch k e s die folgenden Mitteilungen über die grundsätzliche Stellungnahme der jüdisch-nationalen Fraktion: Die Frage des Gemeind.ibundes soll heute (Donnerslag) abends in einer Plenarsitzung des Kultusvorstandes entschieden werden. Die bisherige Stellungnahme der liberalen Mehrheit war allerdings durchaus ablehnend. Wir Zionisten sind unbedingt dafür, daß die Wiener jüdische' Gemeinde dem freiwilligen Verbände der israelitischen Kultusgemeinde in der Republik Oesterreich beitritl, und wir betrachten es als einen Fehler der liberalen Mehrheit unseres Vorstandes, daß sie diesen Verband als einen Ballast empfindet, daß sie Bedenken hegt, durch ihn würde die Schlagkraft Und Selbständigkeit unserer Genveinde gelähmt und was der Ausreden und Prestigefragen noch mehr sind. Auch die Angst, es würden bedeutende, materielle Lasten auf die Gemeinde Wien, überwälzt und dadurch unser Budget ins Wanken gebracht, finden wir nicht als eine taktvolle oder auch nur zutreffende Begründung dieser Ablehnung. Die Vertreter Wiens als qualifizierte' Mehcheit der Verbandsversammlung können sich vor solchen Maßnahmen schützen, oder falls die Belastung unerträglich wäre, später den Verband verlassen. Aber ehe wir wissen/ was mit dem Vorstand sein wird, ihn vereiteln oder zu einer lächerlichen Farce machen wollen, halten wir. für gefährlich und beschämend. Was sollen die 30.000 Juden der' österreichischen Provinz allein an fangen, wie soll der" Verband aussehon, wenn die 200.000 Juden Mens-draußen stehen? Dürfen wir die Gefahr auf uns nehmen, daß die'übrigen Gemeinden Beschlüsse fassen, dje Wien nicht passen, und daß wir dann vor der gesamten Ooffentlichfeit einen Kampf ausfcchten, ob hie 30.000 oder, die 200.000 im Rechte sind? Ist'das die vielgerühmte jüdische Solidarität? Das heißt, unsere Solidarität zerfetzen, und zwar -einem unangebrachten Lokalpatriotismus ^u* Liebes Wir. treiben eine kurzsichtige, engherzige Politik, ^weunwir eine - Organisation ablehnen, - die in Zukunft;■ ersprießliche wirken kann. ' ,;:; Dre^üdische Gemeinde soll, nfcht. für sich allein. existieren, sie soll das wichtigste Glied' der'Gesämtörganlsätlön.^ der issterrcichischen Judenheit bilden, die sich wieder als ein Teil des Judentums der Welt zu fühlen hat. Es find in den letzten Jahren mehrfach hoffnungsvolle Versuche zu solchen Zusammenschlüssen .gemacht worden, die'überall erfolgreich, bemüht waren, den Staat zu Beiträgen für die Ausgaben auf dem Gebiete der jüdischen Kultur und des Unterrichtes heranzuziehen. Preußen ist nur ein Beispiel fürviele^ und die Liberalen.müssen beachten,-.was.-.-ist. dieser Hinsicht ihr Parteigenosse Dr. Jsmar Freund aus Berlin im Vorjahr berichtet hat. - Es gibt eine Fülle von Aufgaben, die über-den Rahmen der Einzelgemeinde hinauSgohen und durch gemeinsames Handeln gelöst werden können: Gutachten an die Behörden, Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete der jüdischen Verwaltungen. Bor allem jedoch handelt es sich um die Vertretung nach außen und die Wahrnehmung der Jntisre-ssen der Gesamtjudenheit unserer Republik. Denken wir an den gemeinsamen Rechtsschutz,' an den Kampf um di? nationalen, sozialen, kulturellen und religiösen Miyderheitsrechte auf. Grund des Friedensvertrn* ges, denken wir aber vor allem an unsere Pflicht, die übrigen Gemeinden nicht im Stich zu lasten. Wir Zionisten knüpfen keineswegs überschwengliche Hoffnungen an den. Vorhand, wir erblicken in ihm bloß einen richtigen Ansatz zu überparteilicher Vertretung der österreichischen Judenschaft. Wir wissen aber auch, dieser Verband, wird Erfolg haben, wenn er von der Autorität und Kraft der Wiener Gemeinde geleitet ist. Eirve Ablehnung der Wiener Gemeinde wird den gegenwärtigen Zustand, der Zersplitterung verewigen und Mißverständnisse schaffen, vor denen wir nur eindringlich warnen können. Hoffentlich überlegen sich die Führer dvr Mehrheit des Wiener Kultusvorstandes diese wichtige Sache noch rechtzeitig, ehe die österreichische Judenschaft empfindlichen Schaden leidet. Me liberale Mehrbeit stimmt gegen den Lerdand. Der Vorstand der Wiener Kultrsgemeinde zog gestern Wend die Einladung zur konstituierenden Versammlung deS Jüdischen Gemeindebundes in Beratung. Den tSandPunkt der Jüdischnationalen, die den Bund begrüßen, präzisierten Oberbaurat Stricker und Gemeinderat De. Plafchktzs. Bei der Abstimmung wurde der Antrag, sich dem Ge «reindebund anzufchließen, nrit 1ö Stimmen der Liberalagudistischen Mehrheit gegen 13 Stimmen der Aüdlschnationalen rmd der sostalen Grrwpe abgelehnt. > U).-|.MJBD0 * \ Sie WeltwiMasMonkerenz. Auch Amerika an* 2>o v.etezchland wer»,» Hu getttd-r. Genf, 9. Dezember. Der deutsche Reichsaußenminlster Dr. Stesemann berichtete heulc dem Bölkeribundrat über die Vorbereitungen zur WettwirtschafskonferLnz, welche am 4. Mai 1987 in Genf -usammentreten wird. Er führte aus, daß das vorbereitende Komitee ein Programm ausgeardeitet habe, das eine vorzügliche Gumdlage für die Konferenz darstelle. Auf feinen Vorschlag beschloß der Bölkerbundrat nicht nur die Mit'gli ödst aaten des Völkerbundes, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika, Sowjet r u ß l a n d, die T ü r k e i, M e x t k o, Ecuador und Aegypten zur Beteiligung einzuladen. Die Regierungen sollen ersucht werden, die Delegierten ihrer Länder zu ernennen, hingegen sollen dieselben v oll st ä n di g unabhängig und nicht die Wortführer einer offiziellen Wirtschaftspolitik sein. Der ehemalige belgische Ministerpräsident Tch e u n! s, welcher der Verhandlung beiwohnte, erklärte sich bereit, den ihm angetragenen Posten des Vorsitzenden der Konferenz zu übernehmen. Gr fügte hinzu, daß man von dieser "ersten Wirtschaftskonferenz keine umstürzenden Aenderungen im Wirtschaftsleben der Völker erwarten dürfe. Sie bildet lediglich den e r st e n Schritt auf dem Wege, den der Völkerbund im Jntereste der Besterung dieser Verhältnisse einzuschkagen beschlossen habe. Die öffentliche Sitzung des Völkerbundrates befaßte sich mit der Frage der griechischen Flüchtlinge, - beschloß sodann ein Komitee zur Vorbereitung eines A bkommens gegen Geldfälschung en/usetzen un'.. genehmigte ferner die Auflegung einer Anleihe für Danzig, während der Streit der Donaukomiss i y n mit der r u m ä n r sch e n N <g i e r u n g dem Internationalen Schiedsgerichtshof üLe.wise.: wurde. Der Kampf «m die deutsche Milttärkunirolle. Genf, 9. Dez^niber. Die Führer der Driegätion.n der Rhempakttnächte haben heute der von Fromageot, Sir Cecil Hurst und Ministerialdirektor Gauß ausgearbeiteten Zusatzerklärung zum JnveftigätionSplän des Bölkwbundes ihre Zustimmung erteilt, so daß diese Angelegenheit alS erledigt betrachtet w:rden kann, l'.isowcit .sie die direkt;Mer«ssiörien Mächte anlangt.'Der Völkerb und rat, dem d'ese Erklärung unterbreitet werden wird, wird zweifellos seine Genehmigung erteilen Gruffe VersMrch/erttug? Genf, 9. Dezember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Nach soevep aus Paris eingetroffenen Nachrichten scheint in der Lage ln bezug auf die Atkfhrbung der.interalliierten Mililär- ^.kpNlrolle (n Deutschland, insoweit' für dieselbe dw B ots ch'a f t e r k o n f e r e n z zuständig ist, wider alles Erwar- . ten eine e r n st e B e r s ch le.ch.t e.r u n g .eingetreten zu ' sein. Man rechnet deshalb auch mit einer Verzögerung i n den G e-n f er Be rh a n d l u n g e n. Abschluß kines dtutsch-tt.ilieoischen Frenudschaftsvertra,eS^ - London, 8. Dezember. Die „Morning Post" meldet aus Genf:«S ei a loja unh Schubert haben-einen ita- 'lieuisch-deutschen S ch ie dsg e r i ch t s - und-Fr eu n dschaft 3 v? rtag abgefaßt. In deutschen Kreisen wird erklärt, der Vertrag sei in kein er Weise politisch und enthalte keine Geheimklausel; er den anderen Freundschaftsverträgen. Me PalSftüia Anleihe In Weiter Lssuug angsnommr». 2ondon. 9. T-ezmiber. (I. T-A.) DaS Unterhaus nahnr vorg.stern die Vorlage betreff'nd die Gacan ir Großbritanniens für die Anleihe der .P.Mtina-Regi.'rung in zweiter Lesung an. . »«reetitbkrschLffe in PüiSftina. Ie»usalem. 9. Dezember. (I. T -A.) Im Halbjahr' April bcs September 1926 beliefen sich die Einkünfte der Palästina-Regierung auf 1,038.866 Pstind, .die Ausgaben auf 947.629 Pfund. Es ergab sich demnach ein Ueberschuß von 91.287 Pfund. Las Srgebnls der Wahlen in Lel-Awiw. Drl Aw.w. 9. Dezember. (I. T.-A.) Vorgestern wurd.n die Wahlen zum St.ädtrat -zu Tel Awiw .durchgeführt. Trotz des von den Hausbesitzern proklamierten Wahlboykotts war die Beteiligung eine ziemlich starke. 66 Prozent aller Wahlberechtigten kamen zur Urne- DaS Ergebnis dev Wahlen ist folgendes: Gewählt ivurden 14 Arbeiter-Vertreter, 7 Vertreter der polnischen Olim (Einwanderer), 4 Orthodoxe, 2 Vertreter der Poale Zion. Me daMlnensische Staat,blirserschast. Jerusalem. 8. Dezember. Auf daS Ansuchen des arabischen Exekutivkomitees, die im Artikel 2 des palästinensischen Staatsbürgerschaftsgesetzes fsstgesetz'e Frist für die Kooptierung zugunsten der palästinenfischen Staatsbürgerschaft zu verlängern, langte dieser Tage die Cntscheidung des Ministeriums, für die Kolonien herab. In der Zuschrift wird darauf hingewiefen, daß d i e O v t i o n sfrlst im Sinne der Bestimmungen des Laujqnner Ber- Hl 7 7 A il I Mt Mk ä s, Atens« Bastti« Ganz neu, mit modernstem Komfort elnfterjchtet. Erstklassige, streng koschere Küche unter Aufsicht des Rabbi* na's. Zimmerbestellung rechtzeitig erbeten. IIlustfierteTföSpeftte auf Verlangen kostenlos w -w träges festgesetzt wurde und ohne Zustimmung der Türkei nicht festgesetzt werden könne, selbst dann nicht, wenn der Betrc^enoe teil Nachweis erb nge, daß er schon vor Ab^ lauf der Frist entst,)t0,,en war, für Palästina zu optieren, aber keine Möglichkeit hatte, die damit verbunden tt Fot-» malität.'n zu e»füllen. Die Regierung sei jedoch auch j tzt noch bereit, jedes Gesuch von im Auslande geborenen o t t o nt a n i f ch e n Staatsangehörigen um Paß und Einrcisevisum zu erfüllen, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, nach Palästina zu kommen und hier die palästinensische Staatsbürgerschaft durch Ersitzung erlangen. Produktive AroeitsioseMrsorae in PaiSstkua. JerusalL'm, 8. Dezember. Vor einiger Zeit unlerbveitete die Organisation der Arbeiter der Zionistischen Leitung den Antrag, die Arbeitslosenunterstützung in Zukunft nicht in Bargeld, sondern in der Form von effektiven Arbe.iten, deren Entlohnung der Unterstützungsquote entspricht, zu gebcn. Die Arbeiter — hieß es in dem Antrag. — lehuen es ab, Gcldalmosen anzunehmeri und wollen für die empfang:ne Unterstützung produktive Aufbauarbeit leisten. Nunmehr hat die zionistische Leitung dem Antrag zugesiinrmt und die Arbeitslosenunterstützung erfolgt bereits in der von den Arbeitern vorg fchlagenen Form. Die arabische« Rationalisie« gegen die ziouiiUiche Flagge. Wie wir bereits bsrichteten. ist in dem neuen Band der •o c i t i if chen Euz y kilo pä d i e »«'ten Pen offiziellen Flaggen -der Puch dem Kriege enfftand-rnen neuen Staaten a<uch die & i.o n i jt i sch e Fahne crb<;vb'.idet. Darüber regt sich, wie „Haareh" berichtet, daS arabische Exekutivkomitee furchtbar auf unv der Sekretär Dfchcmral- Husfe'ini richtete an die NedÄtion der Enzyk-loiplidie e^in-ProtcWelebramm wegort-' des „schtoeren Unrechts", das Palästina hiedurchzt-gofügt morden sei. In einem auZführlichen .Schreiben vertritt .Dschemal Husseini.übcvdies, .,den Slandpu^kt,. daß die .potä- ' stinensiische Fahne noch-nicht/(«Mejept^* fei,bie. in «Qi e e' entschieden, daß Me zioniskffche Fahne im i n te rna tlowalen Sinne nicht alS Fähne'zii betrachten sei und daß der VöltleA-und nach E-utgagennahme verschiedener Gutachten^ deS arabischen' ExekÄivüamsteeS' ' beAÜ'Jllich 'der zionistischen, Fahne Eleichf-allS 'besiatigit habe, daß die ^ahn« ter Zionisten keinen amtlichen Eharakter-ha>öe. . MakÄonalVs Mißtrauenrvolum abgelehvt. London. 8.- D^ .enrber.'McutKr^) Das. Unterhaus hat den von Macdo"nald emgebrachten Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei -mit >V9^ Stimmen gegen 131 ' Stimmen ah g el e h nt; die -Liberalen' enthielten, sich der. Alstimwungl ' . Sie Regiekungotrike in 8ugo'l«vieu. Belgrad, 9. Dezenuber. Da der mit der Neubildung der Negierung betraute biLherige Minist'örprä'sident U z u n o v i e ignen' Auftrag nicht. durchführen könnt«, hat er heute sein Mandat in die Hände des Königs zu rückgelegt.' König A.i e xa n d e r empfing' im Laufe des-Tages den P Lstdenten der Skupschtina. T r i f k o v i c, de.l Führer der radikalen Partei, Nicola P a s i e, und nach ihm den kroatischen Bau«rnführer Stephan Ra die in längerer. Audienz. Ein Auftrag zur Neubildung des Kabinetts, ist bisher nicht ergangen.. Las schwarze Kabinett i« Paten. Abgehorchte Telephougefpriiche. Warschau, ü. Dezember. Im BudgetauSschutz des polnischen Sejm wu-vt« gestern bei der Beratung des Post- und.. TelegraphenibudgetS von einer Reihe von Abgoordncten lebhaifte Klage darüber gcisU)vt. daß in Warschau soivoyl Orts, als auch Ferngespräche in «sogenannten schwarzen Kabinetten von Funktionären der Pplizei abgehoecht werden. Der Direktor der Posddirektian gab die TaTa«che des M>« Härchens van Gesprächen zu, wobei er opklävte, er hätte seinerzeit festgestsät. daß gewisse Peysonen die am Fern- .sprechor geführten Gest,räche.abhorcherr. Die "schußdetatte über die «schwarzen Kabinette hat kr T- ' großes Auffehen heworgorufan. Sturz der lettischen Negierung. Riga. 9. Dezember. (I. T.-A.) Das Kabinett Albarings ist gestern zurückgetreten, da es bei einer ParlamentSabstlmmung in der Minderheit blieb. Den Ausschlag gaben die jüdischen und die deutsche« Abgeordneten, die mit ber Haltung der Regierung in der Frage der Verleihung der Bürgerrechte an Sfojje* hörige der Minderheiten unzufrieden Jtitb.

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