Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2796 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mmm -iEZSSH^WSHSI Nr. 2796 Min, Donnerstag Wiener Morgenzeit««- 9. Dezember 16L6 mtc 7 Moderne Haushalt Vo« Reisigen im Haushalt. Gtmge Kapttel GisypyttSarveit. 1. Das Aufräumen. Die Hauptarbeit der Hausfrau besteht in ihrem täglich und stündlich geführten Kampf gegen Stäub und Schmutz. Die Arbeit, die zu bewältigen ist, um ein behagliches, sauberes Heim herzustellen, läßt sich kaum Überblicken und es gehört das ganze, große organisatorische Talent der Frauen dazu, die Fülle der Verpflichtungen zu erledigen, die die Führung des Haushaltes .der Hauchnutter auferlegt. Die Vorbedingungen der guten Hauswirtschaft sind Ordnung und Sauberkeit; deshalb sollen dem Kapitel „Reinigung im Haushalt" einige Artikel, die wir als Zyklus bringen, gewidmet seim Wir. wollen in dieser Rubrik vom Aufräumen, Abwaschen, Wäschereinigen, von der Pflege der Möbel, der Kleiwr und Schuhe, der Teppiche und Fußböden sprechen und lassen heute eine Leserin zu Worte kommen, die -dem Problem des „Aufräumens" im modernen Haushalt an den Leib rückt. Das „Aufräumen" der Wohnung müßte keine so zeitraubende, kräftverschlingendc, nervenzerstörende Arbeit sein, wenn die Hausgenossen sich entschließen könnten, beim Wechsel der Kleider und Schuhe, bei Beendigung der Körperpflege (Waschen, Baden, Frisieren), bei Erledigung ihrer sonstigen Arbeiten daheim alles so in Ordnung zu halten, die Dinge nach Gelrauch wieder an ihren vorbestimmten Ort zu geben, wie sie dies sicher an ihrer Arbeitsstätte, im Bureau, in der Werkstatt, in der Fabrik tun müssen. Wie aber sieht dies meist in Wirklichkeit aus? Wenn Mann und - et des Morgens das Haus verlassen, gleicht einsor. jorgsam geführtes Haus gewöhnlich einem heillosen Chaos. Offene Kaftrntüren, Kleider und Wäschestück auf Sesseln und sonstigen Möbelstücken -umherltegcnd, Waschtisch und Frisiertisch in Heller Unordnung, vom Vorzimmer bis ins Schlafzimmer alles wie nach einer SckilaÄt. Dir Hausfrau braucht erst Zeit.und Mühe zum „Wegräurnen", bis sie zum eigentlichen „Aufräumen" kornmt. Würden, die Hausgenossen, oft drei und mehr an der ^uhl, bedenken, daß. für jaden von ihnen 8 bis $ B^IMSCMEINS Pflanzen-Margarine Unei reicht; in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürder. des Herrn Oberrabbiners S. Purst Bar! in kein iMscln IMalt Mi! Ueberall erhältlich im KARL BLAIMSGHE1NS vereinigte Margarine- und Butterfabriken, Wien*.14. Bez., Diefenbachgasse 59 Handgriffe mühelos sind, die für die Mutter dann 30 Handgriffe und nv.hr bedeuten, viel wäre an Arbeitskraft der Hausfrau erspart. Nun die Arbeit des „Aufräumens" an sich. Die modernen Behelfe kommen der Hausfrau gerade bei diesem Teil der Reirrigungsarbeiten besonders entgegen. Die Apparate, die den ölten1 Besen ersetzen sollen, werden fast von Lag zu Tag verbessert. Die Staubsauger aller Art, deren Anschaffung eine Amortisation der Ausgabe in verhüteten Krankheiten der Atmungsorgane findet (zwei Halsentzündungen, ein Bronchialkatarrh und ein paar Schnupfen in der > Familie, erzeugt durch aufgewirbelten Staub, kosten mehr als ein guter verläßlicher'Staubsauger), sind wahre Hausfreunde der Frau. Daneben sind es aber auch keine, bewegliche Apparate mit imprägnierten Wollfransen, die den Staub beim Wischen ans-augen und mit denen man leicht in die kleinsten Winkel reicht, terpentinölgetränkte Staubtücher, die man nicht meh. beim F-enster auszubeuteln braucht, gute Reinigungspasten und Flüssigkeiten für diie Fußböden aller Art, für die gestrichenen und matten Möbel erleichtern die Arbeit um ein Vielfaches an Zeit,'und Mühe bei erhöhtem Erfolg. Ein sinnreich angebrachtes Gestänge zum praktischen Lüften von Bettzeug, die modernen leichten Stoffe für Vorhänge und Decken, die leicht zerlegbaren modernen Betiren, die glatten und unverzierten Möbel sind ln der Reinigung z?it- und kraftsparend. Der Haushalt, der überflüssige Kleingegenstände immer mehr in die Kosten 'verbannt, anstatt sie als falschverstandenen Schmuck 3mal schnell sagen: Kochen Braten Backen Bügeln Baden Heizen Waschen nur mit Siemens - Gas Apparaten TEILZAHLUNGEN VERKAUF: Alaeratrafle 20, Ausstellung »Die Frau von Heute**, VW:, Alseratraßo 23, Kochschule, Alseratrafie 20. Bel jedem Installateur. 'ZT GräFS altbewährte /uppen-Würfel herumstehen zu lassen, ist leicht in Ordnung zu halten. Anstatt des schwerfälligen großen, fast unverrückbaren Speisetisches bekommt die junge praktische Hausfrau zwei leicht zusammenschließbare, Keine, bewegliche Tische; der staubfangonde Luster weicht der Decken- und Tischbeleuchtung. Die neuen Häuser werden mit eingebauüen Kasten und praktischen Wirtschaftsnischen versehen und so werden nächste Generationen nicht verstehen, daß das „Aufräumen" einmal fast einen halben Tag an Hausarbeit verschlungen hat. Ln« Sem Reich her Küche. lieber anoemeinen Wunsch bringen wir spezielle Miichr. Menus und werden wo notwendig, die Bezeichnung (milchig) beifügen. Nachtmahl für Freitag Abend: Schwammerlsuppe: Junges von der Gans, eingemacht, mit Knödel als Borspeise. Pfeffer- oder Paprivafisch. Bavcheö. Rezept für Schwaunnerlsuppe: Geputzte und geschnittene Champignons (frisch), oder in lauem Wasser gut aufaeweichte getrocknete Schwämme, mit Petersilie und etwas Zwiebel in wenig Jett etwas aufgedünstet, mit Mehl gestaubt, mit guter Rindsuppe (die man von Mittag oufhwt) Men, ein Eidotter versprudelt, etwas Suppenkraut efchmack, kurze Zeit auflochen lassen Über Mchlnockcrl anrichten. ' Rezept für Junges von der GanS: TaS GSnsejunge rein putzen, waschen, in kleine Stücke zerteilen (Ächtung vor Knochensplittern) mit Karfiog (Blumenkohl, der von Blättern befreit in Salzw.rsser weich gekocht ist und einer hellen EinVrenn (Mehl und Gänsefett) in einer Kasserolle gedünstet. Tie Einbrenn mit Karfiolteilchen kann auch durchpasstert werden und dann über den Karfiol, der in der Mitte der Schüssel angerichtet wird und das'Gänsejunge, das kranzartig herum garniert ist, vergossen werden. Dazu kleine Knödel oder Reis. Papriba-Karpfen. Gut geputzter, geschuppter, gewaschener Karpfen, in Stücke zerteilt, eingesalzen etwas.liegen lassen, itemt in eine Pfanne Wasser, drei Zehntel Liter Essigs Petersilie, Zeller (Sellerie), gelbe Rüben, Gewürze, Lorbeerblatt und viel Zwiebel (auf ein Kilogramm Fisch ein halbes Kilogramm Zwiebel) in Scheiben geschnitten, das Ganze 1V Minuten kochen lassen und einen Eßlöffel Paprika dazu geben. Dann die Fischstücke hineingeven, 10 Minuten kochen lassen. Dann gut abseihen, abkcären und sülzen (an küh em Ort). Die Fischstücke zur Fischfotm zu- : sammenfetzen, übergießen und ebenfalls sülzen lassen. ' Rezept für Barchesr Ein halbes Kilogramm Mehl aufs Nudelvrett, etwas Salz, etwas Zucker geben, in ein kleines; Gläschen laues Wasser etwas Germ (Hefe) einige Minuten stehen lassen, daß die Germ nach oben geht, dann den Teig damit anmEn. nicht zu fest und nicht zu locker. ttbernahmntellen In federn Bezirk! THpilctier Autoverkehr In alle BeaErke rwedks Abholuno vom Hauset ZENTRALEMI WAlLu/4-TEL';5 5-20 SEfo’ifc tag der Schrecke«. Aus den Aufzeichnungen einer russischen Midi«. ‘ Bon Leo G. Stek«. Wenn ich jetzt -tin dem freien und gastfreundlichen Lande, das mir zur noüen Heimat wurde — Rückschau halte und die Vergangenheit vor mir evstehen lasse, dann »erscheint es . mir wunderbar, daß ich n-och lebe, daß ich noch zu' leben wünsche, ' und ich gewinne eine richtige Vorstellung davon, wie tieftvurzelnd und unbesieglrch unsere Liebe zum Dasein ist. Es waren schwere Schickungen, von denen ich heim» gesucht wurde Jahre, die sich mit ihrer Not und ihren Schrecken gewittergleich über mich entluden. Als sie vorübergingen, unternahm ich weite Reisen durch das westliche -Europa, gleichsam, um meinem Leben, das mir wertlos erschien, einen neuen Halt zu geben. In der ersten Zeit dieser fieberhaften Fahrten, die mehr einer Flucht ähnlich sahen, dünkte es mich — je mehr Meilen zwischen mir und Rußland lagen —daß die Bilder der Vergangenheit wie verworrene Träume erblassend zurWraten. Aber es rvar nur ein Trug, der dem brennenden Verlangen entsprang, irgendwie Vergessen zu finden. Denn wie ein Wald, der das goldene Morgensonnenlicht gierig in sich aufsaugt, in seinem Innern jedoch dunkel bleibt rso konnte auch nichts die Schatten ,au8 meiner Seele bannen, obfchon ich manche reiche Stunde erlebte. Es ereignet sich oft, daß ich, scheinbar , ohne jede, äußere Veranlassung. plötzlich nach Rußland zurückversetzt' werde. Ich sehe Ogrodno, unsere alte | Stadt, mit dcm engen, schmutzigen Judenviertel, und durchlebe wieder jenen einen blutigen, schreckensvollerr Tag, der mich für immer zeichnete. Mein eigentliches Schicksal begann damals, als ich aus Ogrodno nach Odessa übersiedelte, wo mein Mann 'den Posten ern-es Ingenieurs bei einer Privatbaugesellschaft angenommen hatte, während ich mich der Medizin widmete. Mit diesem Studium waren mancherlei Pläne und Ziele eng verknüpft, deren Verwirklichung mein Leben zu einem arbeitS- und schVnheitsreichen gestalten konnte. Aber ich mutzte später alles aufgcben. Es war nach dem ersten Baseler, Kongreß. Die ’ zionistische Idee war Um ein gut Stück in die Wirklichkeit vorgerückt. In die jüdischen Massen, welche bis dahin, von Armut und Knechtschaft bedrückt, ein fass mittelalterliches Dasein geführt hatten, war neues Detrey gekommen. Pie Prophetenstimme jenes feurigen und weitblickenden Mannes aus Oesterreich hatte sie alle aus der Lethargie emporgerissen. Sie regten sich, noch halb befangen vom bleischweren Schlummer, aber ihre Ohren horchten auf den freudigen Trompetenstoß, der sie zur Freiheit rief, und ihre Augen sahen in ein neues, traumschönes Land, das jener Unermüdliche ihnen vorzauberte. Es war wie ein Frühling, der nach langem, peinvollem Winter kam. Tausend heimliche Kräfte regten sich allüberall in heißem, drängendem, himmelanstrebendem Werden. Selbst die russische Regierung stand der neuen Bewegung wohlwollend gegenüber, in der un-. klaren Hoffnung, vielleicht auf diese Welse die Juden loSzuwevden. Wer jenes verlorene Land, um das ein Äolk feit Jahrtausenden verwerfest rümpfte, ließ sich nicht im Handumdrehen wiedergswinnen. Das war eine arge Enttäuschung für die Regierung, und sie 'nahm schließlich zu dem von einem erzreaktronären geistlichen Staatsmann empfohlenen, System ' ihre Zuflucht, zu jenem brutalen System, das da lautet: Ein Drittel der Juden wandert aus. ein Drittel verhungert im Lande und ein Drittel wird totgeschlagen. Um jene Zeit war es, daß mein Mann von der zionistischen Bewegung wie von 'einem frühlingsfreudigen Strom mitgerissen wurde. Er hatte schon lange nach einer Betätigungsmöglichkeit gesucht, die seinem feurigen Temperament., seinem zu leidenschaftlichen Ausfällen neigenden Wesen entsprach und ihm Ziele er-' öffnete, welche mehr bedeuteten als das, was sein täglicher Beruf ihm bieten konnte. Nun hatte er gesunden, was er sucAe. Er geriet in einen Arbeitseifer, in ein Feuer des Schaffens, das in mir oft Besorgnis weckte. Er war mit ganzer Seele bei der Srche und trug' eine Ho-ffnungsfreudigkeit zur Schau, die ihn seine Ziele viel näher sehen ließ, als sie in Wirklichkeit waren. Schon war im Verein der Beschluß zu einer Palästinareise gefaßt; da kam jener für ihn so furchtbare Schlag, der Verrat eines zionistischen Genossen, dem er all?s vertraut, und mit dem gemeinsam er seine sonnenstürmen- . den Pläne geschmiedet hatte. Der Schein war gegen ihn, Erbitterung und Ekel griffen so tief in fein innerstes Leben, daß er nicht mehr dir Kraft fand, sich zu verteitigen. Begeisterung Arbeitsfreude, Hoffnung — alles erstarrte in ihm wre ein feuerflüssiges Erzstück^ das man plötzlich in eiskaltes Wasser wirft. Er wollte nichts rnehr vom Zionismus wissen. (Fortsetzung foM) 2**