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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-09 · Heft 2796 (9.12.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2796 (9.12.1926)
Date
1926-12-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Dien, DonnsrSkrg Wre««e Ms^srnz-wms n. De^nLer 1928 Ar. SfW8 n naacD:nin:ü]gnooouiiQay Schenken Sie Jamparklcldtr ...... 8 W—■ Lamberjak ........ 8 »8 — Blulanfsweatef ...... 8 18’— Enklmo-OarnUur.8 1280 WUle-Strümpfa.8 128 M. Holzer VI., Mari ahllferstrafle 89 (neben flotten Kino), II., Taborstraße 18 KiGiaiaaaiaiaiDiaiaiaiaiapiaiasaiü Der reiche Man». —V, Wien, v. Dezember 1SSS Die Botschaft, die der Präsident Coolidg: an den Kongreß gerichtet hat, liest sich wie ein glänzender Hymnus auf die Politik, deren Inhalt die Splendid i'olation bi.'det. Da Schutzzollsystem ist di: Hauptgrund'ag: de? b ühenden Wohlstandes. Obzwar Amerika jährlich 680 Millionen Dollars für sein Militär ausgebe, sei es dennoch von den friedlichsten Absichten erfüllt. „Wir fürchten niemand und niemmrb raucht uns zu fürchten." . .Washington tv:rde sich zu einen Zentrum der Wissenschaft, Ku'tur und Kunst ent.>.i5eln Diese Botschaft hat hinter sich ein Budget von 4 Milliarden Dollars bei einer um fast 837 Millionen verringerten Staatsschuld. Das ist An.uß genug zu einev indden rosigsten^Wendungen schwingenden Rede und wer sich die europäischen von der Schwindsucht befallenen Budgets besieht und wer daran denkt, daß die Enkel und Urenkel der großen Zeit diesSchulden von heute werden bezahlen müssen, der muß voll Neid auf dieses Amerika sehen, das es doch besser hat als der alte Kontinent. Mehr als hinüberfehen kann man nicht. Amerika! sperrt sich ab. Es hat zwischen sich und das Elend Euwpas einen unüberwindlichen Kordon gestellt und führt für sein Verhalten allerlei Gründe an. Auch moralische. Es könne.: nicht die europäischen Notgestalten eiulassen, weil es seine heimische Rasse, seine heimische Produktion und seine im Werden begriffene ^Kultur vor der Infektion schützen wolle. Das Moralische versteht sich bekanntlich von selbst, auch in Amerika. Wenn man aber den großen Unterschied auf seine Ursachen prüft und der Frage nachgeht, weshalb Amerika so blühend und so reich, weshalb Europa so verfallen imd anämisch ist, so kommt man zunächst auf die amerikanisch: Politik, wie sie 1917 begonnen hat und bis heute fortgesetzt wurde. Vorher verdiente Amerika an den fetten Lieferungen an dem sich zerfleischenden Kontinent. Als er genug mürbe war und die Mittelmächte ihre wahnwitzigen Provokationen nicht einstellten, trat Amerika auf das Schlachtfeld. Es entschied den Sieg und schürz die Ludendorssschen Heere zu Boden. Präsident Wilson wollte die Situation nicht für sich ausnützen. Er war ein Phi'osoph der dcr Minute, Politik müsse unter allen Umständen ein ehrliches Spiel bleiben. Aber seine vierzehn Punkte blieben Chimäre, der Völkerbund wurde als Instrument der Sk.'ger gebildet und Wilson ging krank in die Heimat zurück.. Seine Gegner ln- Amerika hatten keine Sehnsucht nach moralischer Glorie. Sie nützten den Sieg so aus, .daß sie den wittschaftlichen Krieg auf ganz 'Europa ausdehnten. Der 'Völkerbund wurde verlassen und Amerika sah dem Treiben mit verschränkten Armen zu. Nur wenn es angerusen wurde, präsentierte es einen Wechsel. Es hielt' sich die Not fern und wenn es Klagen härte, verschärfte es die Einwanderungsgefetze. D.r Starke rst am mächtigsten allein und Amerika konnte sich die Position immer so wählen, wie sie seinen Forderungen entsprach. Es ist die Position des Gläubigers. Immerhin bringt die Botschaft des Präsenten in einem Punkt eine auch für Europa halbrvegs erfreuliche Kunde. Cpolidge kündigt eine neue Konferenz zur Beschränkung'der Marinerüstungen an. Das hat für Mitteleuropa keine unmittelbare Bedeutung, würde sich aber aus die gesamte Wirtschaft des Kontinentes heilsam auswirken. Die Marinestaaten bauen und bauen. England sieht sich gegen Frankreich vor, Frankreich gegen Italien. Die Freiheit der Meere, eine der Kriegsparolen, ist ein lächerlicher Wisch Aber der Präsident schränkt alle Hoffnung, die seine Verheißung etwa erwecken könnte, sofort ein. „Ich brauche nicht ausdrücklich zu betonen, daß ich zur gegebenen 'Kit bereit sein" werde, auf. praktischer Grundlage vorzugehrn.'" Wird di."se gegebene Zeit die sein, wo die Marinestaaten von ihrem Seechauvi- Minus so erschöpft fein werden,'daß sie nicht mehr werter können? Dann brauchte Amerika nicht mehr abzurüsten. Solange dies nicht eintritt, baut aber wieder Amerika weiter. Das ist das Ringelspiel der Politik, an dem alle Demokratie immer wieder scheitert. Frei ich sagt der Präsident, werden bis zu dem gegebenen Zeitpunkt, dey man nicht einmal durch das Fernglas. wahrnimmt, die Vertreter der Bereinigten Staaten in Genf sich noch weiter bemühen, im Interesse der Menschen am Frieden zu wirken. Das Interesse der Menschheit wird imme^ dann ang^hrt, wenn inan nicht Gegenständliches sagen lJU. Die Vertreter Amerikas sind doch nur Beobachter,'die ihren "Auftrag niemals überschreiten und niemals tätig Vorgehen.dürfen. Freilich würde die Macht, die durch sie vertreten wird, ihren Schritten eine bedingungslose Autori'ät geben. Aber sie machen davon keinen Gebrauch. Amerika wartet hinter dem Wall von Schutzzoll und in den europäischen Häfen amtieren seine Agenten mit dem Drosselungsgesetz. Sie vertreten den reichen Mann, der von nichts wissen will tvas ihm das Herz Juden und Sozialdemokraten. Ae Mffenversammlnng der zianifttschm «eilrkssrvloa Sa«,« Stadt. Nachstehend der Bericht über die Dienstag in dott Olyuipiafälen unter der Devise ,Hw:en und Sozialdemokraten" aibgchaltene ziontstffche Massenversammlung. Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes führte in seiner, stellenweise von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede, ungefähr folgendes aus: „Wenn wir den großen Siegeszug der sozialdemokratischen Partei in Wien in den letzten Jahren verfolgen, so müssen wir uns die Frage vorlegen, welchen Anteil die Juden daran sowohl als Führer als auch als Nachläufer haben. Auf der anderen Seite müssen wir konstatieren, daß es den Juden in Wien und Oesterreich, ohne Rücksicht darauf, ob sie Unternehmer oder Angestellte, manuelle oder geistige Arbeiter sind, jetzt viel schlechter geht als in der Zeit, kn der sie d e r s o z i a ldemokratischenPartei in den Sattel geholfen haben. Daß der Sicgeszug des marxistischen Prinz!pes gerade in Oesterreich so ungeheuer sein konnte, verdanken die Sozialdemokraten der Agitation ihrer jüdischen Führer, wobei ich nicht leugnen will, daß auch Nichtjuden dabei mitgewtrtt haben. Dennoch sind die Sozialdemokraten bestrebt, das Vorhandensein eines jüdischen Problems zu leugnen, und ihre jüdischen Führer sind es, die diese Vertuschungskomödie inszenieren. Die Majorität der n i ch tj ü d i s ch e » Arbe i t e r ist antisemitisch, und was sie an der Sozialdemokratie festhält, sind die wirtschaftlichen Vorteile, die sie sich mit Recht vor dort erhoffen. Die jüdischen sozialdemokratischen Führer sind nicht willens und stark genug, diesen antisemitischen Trieben entgegenzutreten, ja sie gehen sogar selbst planmäßig gegen die Juden vor und verschärfen so die Gegensätze zwischen aufrechten Juden und Sozialdemokraten. Ich will mich zuerst mit der Frage der sozialdemokratischen Publizistik befassen, die von der Judensrage keine Notiz nehmen will, oder wenn sie dies tut, nur in feindseliger und höhnischer Weise gegen Juden Stellung nimmt. Die „Arbeiter-Zeitung", die vornehmlich von Juden gemacht wird, kennt Juden gegenüber keine Schonung. Sie will sich dadurch bei den christlichen Massen Liebkind machen. Die „Wiener Dk o r g e n z e. i t u n g" ist das einzige Organ, das^ der „Arbeiter-Zeitung" bei jeder Gelegenheit, in der sie gegen Juden in ungebührlicher Welse Stellung nimmt, auf die Finger klopft. Erst jüngst wieder hat die „Arbeiter-Zeitung" geschrieben, daß ein Angriff in einem Grazer Blatt gegen sozialdemokratische Korruption von Zionisten lanciert wurde. Den Beweis dafür ist sie schuldig geblieben. Das ganze aber ist ein Einschüchterungsmanöver, das dahin hinausläuft, die Juden, wenn sie sozialdemokratische Korruptionssalle aufdecken, ebenso wie sie dies auch mit rücksichtsloser Schonung bei christlichsozialen und großdeutschen Korruptionsfällen tun, zum Schweigen zu bringen, mit der-verstecken Drohung, daß man im gegenteiligen Falle sie eines Paktierend mit den Ghristlichsozialen beschuldigen werde. Dieser Sittenpunkt des Herrn Austerlitz wird uns aber nicht daran hindern, auch in Zukunft unsere Pflicht zu erfüllen, die dahin geht, Unanständigkeiten zu kritisieren, ohne Rücksicht darauf, ob sie von Sozialdemokraten oder Christlichsozialen ausgehen. (Lebhafter Beifall.) Man macht mir den Vorwurf, daß ich reaktionär und klerikal bin, weil ich in Ausübung meines Gemeinderatsmandates die antisemitischen Handlungen der sozialdemokratischen Stadträte rücksichtslos brandmarke und weil ich nicht in allen Punkten mit der Breltnerschen Finanzmethode einverstanden bin. Weil K u n s ch a k in bezug auf das Breltnersche System manchmal dieselben Argumente ins Tressen führt, so beschuldigt man mich einer Konspiration mit der christlichsozialen Partei gegen die Sozialdemokraten. Ich erkläre, daß ich mich weder von links noch von rechts beeinflussen lasse und nur die Interessen der Juden Mens, die mich gewählt haben, vertrete. Wenn dbe aus der Luegerischen Aera übernommenen Magistratsbeamten sich gegen Juden antisemitischer Handlungsweise bedienen, so haben die sozialdemokratischen Stadträte die Pflicht, diese Mißstünde abzustellen. Die Stadträte Speiser und Richter, beispielsweise, unterstützen aber noch die Handlungsweise ihrer antisemitischen Beamten. Unter Lueger galt der Grundsatz: Juden undDeutschnat i o u «I i werden nicht angestellt. Heute gilt dieser Satz nur mehr noch bezüglich der Juden. Dieselbe Praxis hat sich Stadtrat Richter zurechtgelegt. Den Juden wird bestenfalls zur Zeit der Wahl gegen Handschlag, daß sie sozialdemokratisch wühlen «erden, das Heimatsrecht verliehen. Juden aber, die zehn und mehr Jahre bereits in Wien sind, werden a H g e w i e s e n, ^ährend man Nichtjuden, die nie in Wien gewohnt haben, da» Heimatsrecht verleiht. Ebenso verhält es sich mit dem jüdischen Schulwesen. Den Tschechen, die eine große Macht hinter sich haben, wurden die Schulen anstandslovswilligt, während den Juden für das hevrüifche Realgymnasium nicht einmal mietweise ein Haus zur Verfügung gestelü wurde. Dasselbe Vorgehen finden wirgegenüberder jüdischen sozialen Fürsorge. Die Gemeinde verweigert die Beiträge für das jüdische Blinden institut, Taubstummeninstitut, Versorgungshaus und Spital, Mil dies angeblich klerikale Institutionen sind und verlangt, daß unsere jüdischen Pfleglinge in den allgemeinen Heimen untergebracht werden. Wir begegnen überall derselben Einstellung, die Bürgermeister S e i tz zum Ausdruck gebracht -hat, als er dem Zionisten-Kongretz die pflichtgemäße Begrüßung verweigerte, weil er ihn oh klerikale Institution betrachtete, obzwar auch seine eigenen Parteigenossen, die P oale - Zionisten, dort vertreten waren. Und nun zu der Vreitnerschen Finanzmethode. Wir sagen nicht, daß Breitner allein an allem schuld ist, aber wir sagen, daß er mitschuldig ist an dem Ruin dieser Stadt. Aus der zugrunde gerichteten Wiener Bevölkerung werden jährlich nahezu drei Billionen, davon allein zwei Billionen städtischer Steuer herausgepreßt. Wenn die für Wohnhausbauten und andere Investitionen aus der laufenden Gebarung bezahlten Gelder' im Wege einer Anleihe aufgebracht würden, könnte man auf die Fürsorgeabgabe, auf die NahrungS- und Genußmittelabgabe, auf die Lustbarkeitsabgabe und auf die Wohnbausteuer verzichten. Das Verhältnis der Sozialdemokraten zu den Zionisten ist duraus feindselig. Ihnen sind nur Assimilanten erwünscht, und sie befinden sich in derselben Lage vre die Bolschewiken. Weil auch an ihrer Spitze Juden stehen, müssen sie antisemitisch sein. Wir verlangen nur von den Juden, daß sie die Äugen öffnen und erkennen, daß die so^ld^mokimtMe ^reiheitspartei allen gegenüber freiheitlich ist, nur nicht gegenüber den I u d e n." (Befall.) Der nächste Redner, Oberbaurnt Stricker, betonte einleitend, daß es im Auslande unverständlich bleiben werde, wenn Juden eine Versammlung gegen sozialdemokratischen Antisemitismus veranstalten. Die österreichischen Soziald'.mokraten sind eben anders als die Sozialbemofeetton der anderen. Länder. „Ich will" — sö führte et , aus — „dieser Frage nicht vom theoretischen, sondern vom praktischen Standpunkt zu Leibe gehen. Die Juden haben immer das Bestreben gezeigt, der Partei nachzulaufen, die gerade an der Macht ist. So war es zur Zeit, als d!v böhmischen und mährischen Inden nach Wien kamen und silb den damals im Sattel befindlicher Deutschliberalen verschrieben. Die Reaktion davon war der Antisemitismus unter Lueger. Dasselbe Spiel treiben sie heute, wenn sie nur aus persönlich«:n U t i l i t ä t s g r ü n d e-n den Sozialdemokraten nachkriechen. Ich will nicht leugnen, daß dem einen oder dem anderen diese Weltanschauung wirklich Herzensbedürfnis ist, von dem Gros der Juden aber kann ich dies nicht glauben. Die österreichische Sozialdemokratie wird von assimilierten Juden geführt, die jode aufrichtige, freie Stellungnahme zur Ju« den,rage und zum Zionismus verhindern, weil sie ihre Stellung dadurch bedroht sehen. Jede Diskussion in der Judenfrage wird von ihnen systematisch verhindert. Ms wir im Jahre 1919 bei dem damaligen Präsidenten der Nationalversammlung S e i tz um die Gewährung von he« britischen Schulen vorfprachen, da antwortete er: „Das können wir doch dem Bauer und Ellenbogen nicht autuu." Wir müssen den Kampf gegen die Assimilanten in den sozialdemokratischen Reihen genau so führen, wie gegen, die Assimilanten der anderen Parte'!Lichtungen. Unter der jüdisen Fahne läßt sich ebenso gut für Rechte und Freiheit der Arbeiter kämpfen wie unter der sozialdemokratischen. Wir müssen uns dagegen verwahren, baß man es schon als ein Geschenk auffassen müsse, wenn im sozialdemokratischen Parteiprogramm nichts yomAntisemitismu s -enthalten ist. Wird sind niemandem dafür Dank schuldig, weil er kein Barbar ist, und dafür darf er uns keine Rechnung präsentieren. Deshalb hat man noch lange kein Recht aus unsere Seelen. Ich hatte das Breitnevsche System für unklug, weil Breitner Jude ist. Wenn sein System zusam'menbrechen wird, dann wird nicht der Sozialdemokrat, sondern der Jude daran schuld sein. An seinem System wäre vielleicht nichts einzuwenden, wenn er in Verfolgung des Prinzipes, die Privatwirtschaft in Allgemeinwirtschaft überzuführem, an Stelle der zugrunde gerichteten Pripatunternehmungen, öffentlich o U n t e r n eh m n ng e n setzen würde. So aber baut er Bäder und Turnsäle, wogegen qn sich gewiß nichts «ty-uwende» ist, und erschlägt dadurch Handel und Jndu-

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