Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2795 (8.12.1926)
- Date
- 1926-12-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2795 Mm, Mittwoch Wiener Morftenzeitnns 8. DezeMer 1926 Seite 8 Lanünenunglück de« St. Bernhard. Au- MartiVach (Kanton Wallis) wird gomeAatr CLste^wüüürn'e'nva^n'Mömhe und Ritzen des Hospizeauf dem Großem St. Bernhard, ore, sich w» Mfahren Uten, von einer Lawäne überrascht. Fün>f Novizen wurden von der Lawine fortgeriflen. Avei könnt«» gerettet werden, drei kamen ums Leven. Hayretzdin, der BVrseaner. » Am 6. d. wurde in einem Hotel auf der Wieden der au- Konstantinopel geflüchtete Banvbeamte Acbmedoff HaYredbin verhaftet. Er wird von rer Konstantinopler Hayreddin gibt ---— von BörfetranSaktionen echalien zu hatlen. die jedoch unMrck« lich auk'?ielen. Kenan drohte nun rem Hayrewtn, ihn uv er den Haufen zu schießen. Aus Angst, der Mavtnettutnant könnte Vit Drohung nxchrmachen, sei er nun gezüchtet. HayreLbin, dessen Patz Radierungen austveist, wurde in Haft behalten. Befreiung von der NahrungS- und Genutzmtttelabgabe. Gestern echtelten runv hundertfünfzig Lebens. Mittelhändler di« Verständigung, daß chre Geschäfte vorläufig auf vier Monate von der Nahrung S- und Ge n u s;mittelabgabe befreit werden. Ts handÄt sich um Mi ne re tzjeschäfl-leule. die ibikher eine Pauschal« von zehn Schilling monatlich an NahrungSlnD Genußmitteüaibgaibe zu leisten hatten. Eine Zentralstelle für Unfallverhütung. In einer Besprechung von Vertretern des GswerbeinspeltoratS. der Handelskammer, des HauplverbandeS der Industrie, deS Gewer'bever'banüeS, sowie der ArbeiterunfallvexsicherungSanstalt und der Unfallveusicherangsari,mlt der Eisenbahnen wurde beschlossen. daß die genannten Vertretungen sich als Zentralstelle für Unfallverhütung, mit dem Sitze in Wien, 20. Dez., Webergasse 2- -6, konsiitureren; eS wurde ein BevwaltungsauSschutz bestellt. GefchaftSDhrer ist Ing. Alfred Winter, Wien, 20. Beg., Wi nt Liga sie S—6. Zweck der Zentralstelle ist das StnÄium der Ursachen der Unfälle und der MittÄ zu ihrer Verhütung und deren Anwendung. MS metlhodische Mittel komme-n in Betracht: Aufklärung durch Borträge, Vonführung belehrender Filme. Entwurf und Aussendung beilehrender Bilder mir Plakate. Bosttebungen. die Unfallverhütung in den Lehrplan der gewerblichen ForOil» dungsschulen, der Technischen Hochschule aufzunchmen, und cihnllicheö. £ Zur Auffrischung des Blutes trinken Sie emige Tage hindurch früh morgens ein GliaS »mtürltches ,Aranz-Josef"-Bitterwasser! Das von vielen Aerzten verordnete Franz-Josef-Waffer regelt den Darm, stärkt den Magen, verbessert das B-lut, beruhigt die Nerven und schafft so reinen Körper und klaren Kopf. Zirkus Adolfi. Heute finden zwei große Festvorstellurrgen, um 3 Uhr nachmittags (zu bedeutend ermäßigten Preisen) und 8 Uhr abends statt. In beiden Vorstellungen gelangt das grandiose Dezemberprogramm mit Clisf Aeros zur Aufführung. £ Im Weiu liegt die Wahrheit. In einer Flasche Löwen-Franzbranntwein mit Menthol die Wohltat. Ueberau erhältlich! Eine Linker Ortsgruppe der zionistische« Fraroenorganisation Oesterreichs. Man schreibt uns aus Linz: Im Anschlüsse an einen Vortrag der Frau Dr. Martha Hosmann aus Men im Linzer jüdischen Frauen-verein, fand eine engere Zusammenkunft statt., Es wurde auf Grund der Berichte der Refercntin Wer die Institutionen der W. I. Z. O. in Palästina eine Ortsgruppe der zionistischen Frauenorganiiation unter dem Vorfitze von Frau Hil-oa Morgenstern gegründet. Die Vorsitzende des Frauenveveines. Frau Weiß, ferner Frau Ing. Mautner sowie Frau Dr. Rudolfine Menzel (als Kulturreferentin) traten dem Arbeitsausschüsse bei. Sämtliche Linzer zion-tstische Frauen und Mädchen meldeten sich als Mitglieder an. 8 Tanz-Institut H. Braun, 14. Bez., Relnborfgasse 42. Senioren-Kurse Montag und Freitag von 8—11, Sonn- und Feiertagen von Junioren-Kurse Dienstag und Donnerstag von 7—11, Sonn- und Feiertagen 16—1 Uhr vormittags; Perfektionen Mittwoch, Samstag, Sonn- und Feiertagen von 7—N Uhr. Privatstunden tägl. zu jeder Zeit (S. 8.50). ffl f ff - .SeftBSjfj, Bücher aus aller Welt Jeder Band nur Schilling I Schillis^ Schmucke H; 1 /eluonbLncke Hilf holzfreiem Papier DOSTOJEWSKI QftRSQHlN: TURGENJEW: STEVENSON: TOLSTOI» LQT1; MILLE» BQUTET» TSCHECHOW» QOETHE: MOZART: POMPADOUR» LIEBESNOVELLEN IPIo kleinen Vorrat« gehen bald üw Endel Bestellen Sie daher sofort bei BUCHHANDLUNG R. LÖW1T, WIEN l ROTßNTURMSTRASSß Nr, 22 Die Sanfte Eins Nacht Rudln Der Selbstmörderklub Der Pechvogel Kindheit Die Pilgerfahrt nach 0m kor Des Totenschiff Des letzte Abenteuer Der Lehrer Relsetegobuch Briefe - Briefe der Renaissance III 70. Geburtstag Louis Marshallrl Am 14. Dezember begeht der Präsident des American- Fewish Committee Louis Marshall, eine der angesehenften führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Iudenschaft, seinen 70. Geburtstag. Die amerikanische Iudenheit trifft grossartige Vorbereitungen, um diesen Tag wüchig zu begehen. Louis Marsh all wurde 1856 in Syrakuse im Staate Newyork als der Sohn 1819 in Amerika erngetvanderter Eltern geboren. Er ist einer der sühnenden Berfassungsrechtsgelehrten in Amerika. Bei der Friedenskonferenz in Versailles war Louis Marfhall der Wortführer der amerikanischen Jude "?it, die sich für den Schutz der jüdischen Minderheits rechte einsetzte. An der Arbeit des Joint Distribution Committee nahm er hervorragende»» Anteil. Er ist der Führer der sogenannten „Marsball-Gruppe", jener amerikanischen Gruppe der Nichtzionisten, die jetzt mit Dr. W e i z m a n n über die Erweiterung der Jewish Agency verhandelt. PalMna f# der allgemeinen Selchlchte. Aus London Wird mrs geschrieben: In der British Academy hielt dieser Tage der Professor für semitisch.' Sprachen Theodore H. Robinson seinen ersten Bortrag über den Zyklus „Palästina in der allgemeinen Geschichte". Dieser Vortrag umfaßte die Zeit bis zum Fall von Ninive. Im Verhältnis zu seinem Umfang hat das Land Palästina in der Geschichte der Menschheit eine grösser« Wichtigkeit erlangt als irgend ein anderes Land und es war kein Zufall, daß die entscheidende militärische Aktion des großen Krieges auf dem Boden Palästinas ausgetragen wurde. Von den ältesten Zeiten angefangen, war Palästina die Brücke Mschrn den Zivilisationen der alten Welt und bildete das allerdings unerläßliche Objekt jedes Herrschers, der das Ziel verfolgte, Herrscher eines Weltreichs zu Iverden. So wurde es der Reihe nach von den Aegyptern, den Hettitern, den Assyrern beherrscht und mochte der Sitz des Philisterreiches bis zum Auftreten Israels gewesen sein. Aber auch die Aegypter vermochten nur für kurze Zeit die Unabhängigkeit Palästinas zu sichern und die letzte ägyptische Periode war von sehrkurzer Dauer. Israel, der einzigen echten, palästinensische»» Nation der alten Welt, gebührt die Anerkennung dafür, daß es dem politischen Denken der Menschheit einen der größten und bedeutendsten Boiträge gl^ftrt hat. Israel brachte aus seinem Nomadenzustand das Konzept der gemeinsamen Brüderlichkeit, das es als erstes auf die Bedingungen einer hochwertig organisierten Siedl ungsgemeinfchaft anwcndete. Glich arideren orientalischen Nationen kennte Israel keine andere Form der politischen Ordnung als die der Monarchie erhalten. Aber in Israel war die Monarchie ein eigenartiges Phänomen. Anderswo tvar d:r König absolut. Eine begrenzte Monarchie war ein Widerspruch in sich selbst. In Israel war der Herrscher gezwungen, eine Verfassung zu akzeptieren, deren Bestimmungen vom Volke diktiert waren. Er besaß keinerlei Rechte Über den Besitz seiner Untertanen außer den von der BerfaAmg .hm zugestaudenen Abgaben. Das echte israelitische Gefühl bestand immer darauf, daß der Monarch derErsteunter Gleichen sei. Allen anderen Monarchen waren ihre Untertanen Sklaven. Dem König der Israeliten aber war. n sie Brüder. In diesem Uinstand und in ihrer geographischen Lage liegt die einzigartige Politik' Bedeutung Israels unter den Nationen der Welt. Ae Srsahrinigen eines Wische« Üntettzanrmltgllrde». Das jüdische Mitglied des englischen Unterhauses S. Finüurgh, der den Wahlkreis North-Salford verttitt, hielt, ivie uns aus London berichtet wird, in der jüdischen Literaturgesellschast von Hampstead einen Vortrag. Als er zum erstenmal ins Haus kam, führte Mister Finburgh ans, berührte es ihn Peinlich, dort fr emdenfeindlichen Gefühlen zu begegnen, die aber jetzt schon fast gänzlich geschwunden sinh, weil die Mitglieder des Unterhauses jetzt genauere Kenntnisse über die mit der Fremdengesetzgevnng zusammenhängenden Frage»» be- . sitzen. Redner habe als Jude immer den Mut gefunden, fetn eigenes Volk zu verteidigen, und das wurde immer efpektiert. Er war bemüht, im Parlament ein Palästinakomitee zu bilden, das an der Durchfühcung der Balfour-Deklaration mld der dadurch bedingten Politik Grossbritannionwerktätig mit« arbeite, und verfolgte dieses Ziel trotz schwerwiegender Entmutigungen. Gegenwärtig besteht diese« Komitee aus 70 Parlamentsmitgliedern, unter denen sich Führer aller Partei?»» befinden. Er habe im Unterhaus auch nicht dageringste Zeichen von Antisemitismus beobachtet und sei von dem Geist der Brüderlichkeit und Demokratie unter dm Mitglieder sehr tief berührt. Leider seien die meisten jüdischen Mitglieder des Parlaments Dingen gegenüber, die ihr eigenes Volk betreffe»», in« different. Mr. Finburgh schilderte dann die innere Gtmktur des Parlaments, und erklärte, daß die Anttalienbewegung zumeist aus völliger Ignoranz und Oberslächlichkeil entspringt und sehr häufig durch die Presse geschürt wird. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Auskläruirg und UnerschrockenheU immer zu guten Resultaten führen. Keine Regierung vermag gegen eine organisierte Sffentlbche Meinung zu bestehen, deshalb sei es die Pflicht der Londoner Juden, alle ihre Fordenm^^.. mit Nachdruck und Unerschrockenheit zu verfechten. Sie So»kl«o.Sesells«a?t. Am 4. und 5. Dezember fand in Berlin die dies, jährige Jahresversammlung der Soneino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen BucheS statt. Die Versammlung war sehr stark auch von auswärtigen Gästen besucht. So hatten verschriene auswärtige Logen^ ferner eine Anzahl bibliophiler Gesellschaften, u. a. die Weimarer bMophile Gesellschaft, Vertreter mtsandt. Am 4. Dezember abends fand im „Kaiserhof" eine gesellige Zusammenkunft statt, deren Höhepunkt eine feinsinnige Rede Arnold ZweigS bildet«. Am Sonntag vormittag erstattete der Vorstarrd Bericht. Ein ausgezeichnetes Referat des Doktor Horodisz über Bibliophilie wurde mit höchstem Interesse angehört. Nachmütags fanden Führungen der auswärtigen Gäste durch verschiedene Privatsammlungen statt. Eine große Anzahl von Freunden des Vereines, erste Berlagsanstalten und Druckereiei» hatten für die Festteilnehmer Spenden gestiftet, so daß jeder der Teilnehmer ein Paket bibliophiler Gaben na# Hause tragen konnte Der Oberravbiner der Amsterdamer Perüngiesengemeinbe gestorben. In Amsterdam starv am 8. Dezernder der Oberravbiner der historischen portugiesischen Gemeinde, RaVbiner I. van P a l a ch e, i-m Alter von 69 Jahren. Er war der Vorsitzende deö allgemeinen Rates der Oberravbiner von Holland. «.«re Damcnsloif ncultcilcn geben wir wegen vorgerückter Saison »ML»» billig OB»» Velourstoffe für Mantel » S 8.—, 12.—. Spezialhaus für feine Damen* und Herrenstoffe PS. Brodiovln & Co. >., lasomirtfott traße 4 (beim S(epnon*plolz) Großer Restenverkanf Bühne und Kunst. das Defizit der Bunvertheater. Im Budgetausschuß kam gestern neuerlich daS Kapitel! „BundeScheater" zur Verhandlung und der Berid-terstatter Volker wies darauf hin, daß der Voranschlag Ausgaben von 10.8 Millionen Schilling und Einnahmen von 6.8 Mb, lionen Schilling für die Bundescheater auSweise, W.»S ei« Defizrt von etwa 4 Millionen Schilling ergibt. Unter den Ausgaben lasten auf den Betrieben der drei Theater (Burg-, Akademietheater und Staatsopec) Pen-, sionen von mehr als einer Million Schilling. Der Berichterstatter beklagte sich dabei, daß die Lustbarkeitssteuer über 409.000 Schilling ausmacht, tat es also ebenso wie alle verkrachten Dljeaterdirektoren, die der Oeffentlichkeit einzureden stlchen, daß die LuswarkeitsabgaHe dm» ihnen und nicht vom Publikum getragen wird. Daß die Bundesthectter Betriebe sind, mit denen eS entsthreden nicht geht, »oeist die Einnah»nebudgetterung sehr deutlich auf; sie ergibt, daß durd-schnlttlich mit nicht mehr Einnahmen als 700 Schilling täglich t« den drei Theatern zu rixhnen ist, wchet es sich um Theater mit riesigem Fassungsraum Wper 8390 Personen. Burgtl-eatev 1890 Persorten) handelt. Wenn so große Theater, die rnit riesigen Ausgaben belastet sind (die DageSgagen einer Reihe von Künstlern bettagen mehr als die DurchschntttSeinnatMe), auf nicht »nchr Annahmen rechnen können, so b ikvsist dies unbedingt ein künstlerisches Defiztt. Wo dieses im Bnrgcheater und in der Oper liegt, haben wir bereits mehrfach dargelegtr die Bundestheater werden vom Staate, wie es seinen Berhäitttissen entspricht, als Kleinstaatmtb Kletnstadtunternehmungen von Bureaukvateu und Kleinstädtern geführt; sie haben den Kontakt mit den Ereignissen der Theate^wött schon längst nicht mchr» und in Wien gibt es keine interessanten Theatererelgitisse, welch« für das europäische Theaterleben von MWigkeit tzürep. am allerwenigsten jedoch i» de« Bundescheater»», Wenn der Nationalst Jerzabekden Bundescheater»» die österreichischen Autoren voMit, die, wie er sich geschmackvoll ausdrückt, »aus de« ErgänzungSbezirk Jerusalem sich rekrutieren", und dafür der Unterrichtsministtc die „katholische Abteilung* anführt, damit die konsesslouelle Parität unter den österreichischen Autoren wieder hergssdsltt sei, wöbe» Herr Schmitz den SchottensttktmWker Terramare in die christliche Abteilung nimm», obwohl er aus dem Bisenzer Etammfthioß derer von CtSler stamnt, so ist dazu zu bemerken, daß die theatralische MWchlagskraft der sogenannte« österreichischen Autoren, fovchi der katholische» als auch dev Ismermzchen MMuW..Lledb null ist. /