Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2794 (7.12.1926)
- Date
- 1926-12-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk r. £794 Wien, DlenSKrg Wkenee Mo^senzertrmg 7. Dezember WW Vefk 8 Zurück zur Bildung durch das zu 1, 2, 3 Schilling in der Büoherschwemme R. Löwit L, Rotenturmstraße Nr. 22 Hcdjejsod-Kommifsion mitteilt, sind die Vorarbeiten -für «men großzügigen Keren-Hajeisfod-Driv« im Gange, um eine allgemeine Hebung der K-eren-Hajessod-Eingänge irr Oesterreich zu erzielen. E Del-Ka-Damenschneefchube, neuestes Modell, „Mmpafsing" G. 18.80, sowie „Tretorn^-Gchneeschuhe zu S. 21.50 bis 24.60. Für jedes Paar wird Garantieschein für frische, erstklassige und fehlerfreie Qualitätsware gegeben. Siehe Inserat Seite 7. * ZioniMcho FrauenorganisaKon Mariahi.f-Reubau. Montag, den 29. v. M., fand die konstituierende Versammlung statt, di« außerordentlich stark beacht nmr. Die Wahlen Mitten folgendes Ergebnis: Rosa Kohn, Präsidentin; Jenny E ck st e i n und Regine K o h a n e, Vizepräisiden'tinnen. Anschließend erstattet« Frau Dr. Martha H o f m a n n ein Kulturreferat. Zuschriften an Rosa Kohn, 6. Bez., Stumperg. 89. E Wohltat bet Menschheit heißt: Löwen-Franzbranntwein mit Menthol. Ueberall erhältlich! * Die Makkabäer-Feier^ die vom Keren Kajemeth veranstaltet wuvde, fand Sonntag vormittags im Zentvalkino statt. Noch einer kurzen, aber sehr prägnanten Festrede Dr. Davöv NothblumS. des Kulturreferenten d«S Zionistischen LandeSkomiteeS. der sich insbesondere an die Kinder wandte und dem von verschiedenen Rücksichten und Hemmungen versklavten Leben der GalutH neaS freie Leben in Palästina entgegenstellte, sang Herr Qberkantor M a r g u» f i e S und Herr Teller trug' moderne jüdische Lyrik vor. Nach der Akademie wurde der Film „Aus der Kinderwelt Palästinasauwefi'chrt, über dessen Wert rvnd Bedeutung wir bereits anläßlich der Vorführung im Haydnkino berichtet haben. * Ermäßigte Hundemarken für 1927. Tie Gemeindeverwaltung hat für das Jahr 1927 eine größere Zahl von ermäßigten Hundemarken dem Wiener Tterschutzverein zur Verteilung überlassen. Die Gemeinde selbst gibt keine ermäßigten Hundemarken aus. Bedürltige Hundedesitzer werden ausgefordert, unter Vorweisung des Meldezettels in der Kanzlei des Wiener Tierschutzvereines, 1. Bez., Wlppttngerstraße S (Altes Rathaus), ebenerdig, Tür 75, mündlich um die ermäßigte Marke anzusuchen. * Die beliebten Journalisten. Ein« groß, Pariser Zeitung hatte einen Berichterstatter nach der HträflingSkolon»« Guyana geschickt. GineS Tages traf der Journalist einen Entlassenen, der einen wenig vertrauenöeuweckenit'en Eindruck machte. „Ich möchte am liebsten wieder etwas anstellsn, da. mit sie mich wieder einlochen," knurrte der Sträfling. J3n der Freiheit krepiert man vor Hunger. Dort hat man wenigstens seine Ration" ... — „Sie wollen mich doch nicht umöingen?" fragte e«r Berichterstatter erschrocken. „Einen taurnal-isten? Wo denken Sie hin! Man wäre im» . and«, mich frelzusprschen." * Ein neuer weißer Elefant kn Siam. In Siam herrscht große Freud«, denn vor wenigen Tagen wurde von einem Arbeitselefanten, der auf «inem Holzplatz beschäftigt war, ein richtiger Akbino-El-efa-nt geboren. Dt ose ganz weißen Neve sind, da es sich um reinen Albinismus handelt, äußerst selten, wenn auch Spielarten mit hellerer Haut nicht so selten anzutroffen sind. Der neue wem« Elefant, der sofort zum Kirchen« und Staa t Se le sa n ten befördert wurde, wird nun mit größter Sorgfalt aufgezogen und geht tan* * seiner Farbe einem sorgenfreien und verehrung-reichen Leben entgegen. Der weiße Enfant hat übrigenstetin der Geschichte von Siam eine große Rolle gespielt. So wurde »m lä. Jahr« hundert in Siam ein blutiger Krieg um den Besitz eineweihen Elefanten geführt, ein Kampf, 'der die RegierungSdauer von fünf Königen umfaßte und in dem in einem Jahrzehnte lang dauernden Ringen Tausende von Menschen Gut und Blut einbüßten. * Ei« Wettlauf der Kellner. 60 Kellner haben kürzlich ein sonderbares Wettrennen veranstaltet. Jeder Teilnehmer nahm ein Tablett in die Hand, auf dem fünf bis znm Rande gefüllte Ltkörglü'fer standen, und auf ein gegeoeneS Zeichen stu:zte die ganze Schar dieser Gleichgewichtsränstler davon. Ueber 2600 Meter ging das Rennen. ES war verboten. das Tablett in die andere Hand zu nehmen, und natürlich durfte auch nicht? von dem Likör verschüttet iverden. Der Geschickteste unter den Kellnern braiMe nur 10 Minuten und 29 Sekunden, um das Ziel zu erreichen. Wke bei jedem wichtigen Wettrennen, wurde natürlich auch hier die Rekordzeit genau mit der StoppM JÜDISCHE WEIT -er Schwarrbarth.Proreh. Wie vn« aus Paris geschrieben wird, dürste der Prozeß gegen Schalom Schwarzbarth endgültig für den Monat Jänner anberaumt werden. -er Steifte WWfdie Relkglaanat in -er Tschechoslowakei. Aus Prag wird uns g fchri ben: Vergangenen Sonntag wurde in Prag der Oberste israelitische Relionsrat gegründet, der die staal ich anerkannte o'erste Kor oratio.r für alle Anhänger der jüdischen Konf.ssion barste!t. Zum Vorsitzen^» dieses Religions -a'es wurde der Vorstand der Prager Kultus gemeind- Dr. August Stein gerügt, zu Stellvertretern Dr. A. Hilf au3 Mähr.-Ostrau, Dr. I. Popper aus Prag. Dr. Emil Margulies aus Leitm.vitz und Rabbiner Dr. Goldschmied aus Proß.citz. Slne Iemonftratko« indischer StuÄeute« gegen einen Rabbiner. ÄuS Wilna wird uns berichtet: Im Kampfe um die Frage wegen Beistellung jüdischer Leiche! für da) Pw'e"- torum der hiesigen Universität hat da) Rabbina. g-^en den Willen der jüdischen Studenten, 'sich bedingungsd') gegen die Zuweisung jüdischer Leichen ausgesprochen D'e'er Beschluß wurde Über Wunsch und Antrag des Rabbiner! G r odzenski gefaßt. Die jüdischen Studenten, deren ohnehin schwere Lage an der Universität dadurch noch verschärft l tvurbe, veranstaltete dieser Tage vor der Wohnung des genannten Rabbiners eine große Demonstration, an der sich hauptsächlich die Hörer des ersten und zweiten Jahrganges beteiligten. Ein Student hielt eine Rede, dis in einem Protest gegen den unzeitgemäßen Beschluß ausclang. Zu Ausschreitungen ist es dank der Besonnenheit der Führer da: Demonstration nicht gekommen. Mische NnnAgegenMde in Prlbatbefttz. Erst wenn die Nachlässe reicher Juden zur Versteigerung gelangen, erfährt man, wieviel kulturM-risch rrichtlge Kunstschätze sich in jüdischem Priva:beH beeiden. So wurde inan, wie uns auS Straßburg geschrieben wird, vor kürzend in dem elsässischen Colmar anläßlich der Versteigerung von Silbersachen aus der Konkursmasse des verstorbenen Bankiers Lurien Mannheimer durch die vielen wertvollen jüdischen Kunstgegenstände überrascht. Leider können nicht alle diese Gegenstände in einen öffentlichen jüdischen Besitz herübergercttet werden. Die Käufer waren fast durchrvegs Juden, von denen einer den anderen überbot. Zur Versteigerung kamen u. a. auch eine kunstvoll gearbeitete Thvrakrvne und ein prachtvoller Kidduschbecher. Die Thvrakrone erstand das Mitglied der hiesigen Syua'vgenrerira'tung Josef L e h m a n n, der sie der Synagoge zum Geschenk mach!«. Hingegen toucde der Kidduschbecher von einem Herrn Picard aus Mühlhausen für 8000 Francs ernwr?en, der ihn seiner Privatsainmlung von seltenen -jüdischen. Knnüg^ genständen einverleiben will. Bühne und Kauft. Staute Monet gestorben. 88 Jahre alt, ist auf seinem Landsitz der französische Maler Claude Monet gestorben. "Lein "Werk war bereits so klassisch geworden, daß man in den letzten Jahren gar nicht mehr daran dachte, Monet lebe und schaffe noch Monet hat zusarmnen mit Edouard Manet, mit dem er eng befreundet war, der aber um fast ein Menschenal'er vorher durch den Wahnsinn der Kunst entrissen Imitf e. jene Richtung in der Malerei, wenn auch nicht begründet, so doch repräsentiert, die als Impressionismus begannt ist. Der Name ist übrigens von einem Bild Monets genonkmen, das .,L'Jmpression" hieß. Angebahnt war diese Richtung bereits ein Jahrzehnt vorher durch den großen Cour!et worden, dessen Art, die Eimvirkung des Lichtes auf das Obsekt des künst'crischen Sehens geradezu körperlich fühlbar zu machen, sehr stark auf Monet wirkte. Das ma e ische Schassen Monets hat diese Art bis zu klassischer Vollendung ausg Er war rrüstande, denselben 'Gegenstand in ä'len ichen Lichteinwirkungen dat^ustellen und es eristieren z. B. fünf oder sechs Bilder, die einen Heuschober in verschiedener Belichtung darsiellen, ebenso einige nachma's sehr berühnl gewordene Gemä'de, in denen die Kathedrale von Ronen zu verschiedenen Tageszeiten und unter verschiedener Mir ung des Sonnenlichtes gemalt ist. Die Darstellungen Monets wurden ebenso wie die seines Freundes Manet lange verlacht und verspottet (als Manet im Wahnsinn starb, hatte die zünftige Kritik eine Handhabe für paihowgische Erklärungen seiner Bilder), aber nach und nach setzte sich der französische Impressionismus mehr und mehr d r und beeinflußt trotz der inzwischen au'getrttnen wuen Richtungen bis heute die gesamte europäische Ma'erei. (Liebermann, Slevogt, Corinth u. a. haben den französischen, Impressionismus fortgesetzt.) Monet genoß, was bis dahin nie der Fall gewesen war, alS erster die Auszeichnung, daß 'seine Bilder noch bei seinen Lebzeiten vom Louvre angetanst wurden, das sonst seiner Tradition gemäß nur Werke b reits verstorbener Ma'er sich etnverleibt. Monet, dessen spä'ere Arbeiten besonders die pointillierende Art der Malerei bevorzugt, womit er auch auf die zeitgenössische Ma'erei stark einwirkte, hat bis an sein Lebensende rastlos und künstlerisch hochwertig geschaffen. Anr den Theatern. Opernthea ter. Morgen, 7 Uhr, „Die Macht de.S GchickfalS" mit Margit Angerer a!S Gast. Burgtheater. Morgen, K8 Uhr, „Basantaserra". Akademietheater. Morgen, Uhr, „DaS Pr in» zip" (Abonnoment vierte Gruppe). .Deutsches VolkStheater. Morgen nachmittags. H4 Uhr, „De r A'wkskenswurm^. Abends, H8 Uhr, neu einstudlert, „Da S v i e r te Gebot" mit Dr. Rudolf Ty rol t. Donnerstag: Faust (1. und S. Teil). Stadttheater. Morgen nachmittags Erstaufführung der Kinderrevue „Dos tanzende Märchen" von Karl Farkas und Fritz Grünbaum. Musik von Franz Eteininger. Jedes Kind erhält ein ErinnerungSgefchenk. Raimundtheater Heute zum 100. Male „DaS Schwalbennest". Krunponist Granichstaedten wird die ZwifchenaktSmusik dirigieren. Lustspieltheater. DonnsrStag Erstaufführung de» ftanMfchen Schwanks „Der iS. Liebhaber. Kammerspiele. Die Premiere der Galsworthy-Komödie „Der Fa milienhäuptlin.g" mußte wegen Vorbereitung zu der heute Nacht stattfindenden A-B-C-Revue auf Donnerstag verschoben werden. Die aelösten Karten behalten ihre Gültigkeit. Morgen znm letzten Male „Marlborough zieht in den Krieg? Modernes Theater. Donnerstag, Uraufführung der Komödie „Der Diktator" von Mlhelm Lichtewberg und Fritz Gottwald. Dem Attdenkcn Kark Feldas. Der Twum dieses BW-i nenklinstlers war, am jiddischen Theater wirken zu dürfen. Morris Se!,»varh hatte während seines Wiener Gastspiels den leider bereits erkrankten Schauspieler für sein amerikanisches Meater engagiert und sein Wunsch stand vor der Erfüllung. Run l>at sich Felda, von doppelter Not bedrängt, er war blind und erwerbslos geioorden, selbst ins JenfeuS befördert. Als Felda von einer österreick-ischen Provinzbühne infolge antisemitischer Umtriebe verdrängt Mirde und nach Wien kam, batte er mit der ungewöhnlich geglückten Inszenierung von PinSkiS „Eifik Echefrel" im Komöoienhaus einen sehr starken Erfolg als Spielleiter und Darsteller der .Hauptrolle. Rach dieser Leistung war ein Aufstieg des Künstlers zu gewärtigen und eS eröffnete sich ihm auch an der Favoritener Rrbeiterbühne ein geeignetes Tätigkeitsgebiet. Alle, welche den ernst strebenden, begeisterten KÜnst» ler kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken fcem wahren. Der Geschmack des österrevchkschsn THraterpublikumS. Unterrrchtsmknister Schmitz bedauerte es gestern im Budgetausschusse, daß der Geschmack unseres Publikums nicht darnach angetan ist, die Bemühungen der Bundestheaterverwaltung zu untersttitzen. Wiederholt seien Versuche der Theaterverwaltung literarisch wertbvNe und interessante Stücke ins Publikum zu tragen, gescheitert. Leider macht eS unser Publikum der Theaterverwaltung unendlich schwer, das künstlerische Niveau zu heben und literarisch und musikalisch wertvolle Reuaufführungen zu bringen. Das Interesse deS Publikumwendet sich viel zu sehr der Ausstattung zu. Bühne der Junge«. Wie dem Publikum in einer Ansprache vor bau Vorhang mitgeteilt iourde, sollte diese Cröffnnngkvorstellung der Bühne der Jungen eine Reverenz-i Verbeugung vor dem Vater des modernen Drama», August Strindverg sein. An dieserDerehrungskrrndgebunghatte Strindberg sicherlich keine Freude gehabt. So darf mau Strindverg nicht aufführen und seinen „Säieiterhaufev" ntckjt spielen, will man ihm nicht und mit ihm alle moderne Dramatik lücherlicki machen. Am allerwenigsten darf es sich die Bühne der Jungen erlauben, sein Kammerspiel so oberflächlich vorzuvereiten und falsch zn besetzen. Sie erhebt darauf Anspruch, daß man ihre Versuche besonders ernst nimmt. He will Neues schaffen und neue Wege zeigen. Von den Schauspielern und auch der Spielleitung ist daher diesmal nicht viel Gutes zu sagen. Nur Paula Peters ist ihrer Aufgabe gewacijfen und leuchtet in ihrer schmerzerfüllten SÄichtl>eit und Natürlichkeit hervor. Insbesondere aber die Trägerin der Hauptrolle, Theodora Gert, eignet süh nicht zu einer Interpretin StrindvergS. ES ist nicht das einzige Merkmal einer Pelikan-Mutter, undeutlich und hysterisch zu spre^en. Eine ständige tschechische Bühne in Wie«. Direttov Drafar vom Olmützer Theater will das CarO-- Theater für ein Jahr pachten, um tschechische Opem-, Operetten- und Scl)auspieworstellungen zu geben. Drasar will als Gegenleistung eine Renovierung des Hauses durchführen.. Der Buhnenverein macht dem tschechischen Theater mit Rücksicht auf die zahlreichen in der Tschechodenkyst an LuxuSabgabe dürften ein günftistes Ergebnis hoben. Josef Reitter hat das erste Jahrzehnt seiner DiroktionStätigkett am Renen Wiener Konservatorium vollendet. Der verdienstvolle Jubilar wurde aus diesem Anlässe durch« eine Feier geehtt, welche Lehrer- und SchülerMst im mittleren Konzerthaussaale veranstalteten.