Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2793 (6.12.1926)
- Date
- 1926-12-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Mtte 2 Men. Monkvg toiirben ft st stellen können und daß Palästina schon heute so weit sein werde, eineAnleihe aufzunehmen und Schulden abzuzahlen. Die Zahlen, die Sir Frederie W i j e an-geführt hat, sind irreführend. Die meiste palästinensische Einfuhr ist notwendigerweise ägyptisch. Das einzige, was Groß» britannien beitragen kann, sind die Mittel für den Hafena n Sba u. Wenn wir die Ausgestaltung der HSM schaffen können, sagen wir, tfott zwei Häfen, ft wird das Land einer glönzrnd»',» wirtschaftlichen Zukunft entgegensteuern. Das ist meine Uebor" ist ein Land w a ch j ' n d i r. eich!: schon find friedlich. D': QloicOmdfjIr einanderfolgenden öruific.i Reg.erung. , . tlf, die, ungeachtet der .'Kedcn vieler Verleumder und Krililer, aufrecht erhalten ward?» : st, hat diese Entwicklung schaffen 'cnnen. Es sprachen nn v d. r Kommunist « a k l a t - vala, der von e'ner Benachte'l'.guna dis arabischen Elements sprach und d^r Befürchtung Ausdruck gab, daß die jüdischen Kapitalisten den Arabern dm; Sand wegnehmen wollen. Weizmaan in Amerika. Nevhvrk, k. Dezember. (I- T. A.) Der Mzepräsvxart der Vereinigten Staaten, Da wes, empfing am 3. d. M. den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation Dr. Chain» Weizmann und hatte mit ihm «ine längere Unterredung. Später »vurde Dr. Weizmann auch von dem StaatsjÄrrtLr des Aenßern Kellog empfangen. Re Mandatskommission. Genf, 5. Dezember. (I. T. A.) Die französische Regierung und die Regierung Südafrikas haben dem Völkerbund Noten überreicht, in denen gegen die Forderung der Mandatskommission des Völkerbundes, Petitionäre aus den Mandatsgebieten direkt anzuhören, sowie gegen deir neuen, erweiterten Fragebogen der Kommission Stellung genommen wird. Die Regierungen lehnen diese Forderungen entschieden ab. Re Mutter Zabotlnrktzs gestorben. Lel-Awiw, 4. Dezember. Die Mutter Wladimir Jabotinskys ist hier im Mter von 88 Jahr«» verschieden. Die hochöetagte Frau erfreute sich bis zuletzt einer großen geistigen Frische und genoß in Palästina weit und breit hohe Achtung. Aus Berlin meldet die I. L. A.: In einer Si-mistifchen Versammlung sprach am Donnerstag abends der Präsident der'Zionistischen Vorreinigung für Deutschland, Herr Kurt B l u me n f e l d, vor einem zahlreichen Publikum über „P a I ä st i n a im Spiegel der Kritik". Er schilderte die Entwicklung der zionistischen Politik, skizzierte die Geschichte der Balfourdeklaration und des 1922 herausg-egobenen Weißbuches, das die' Balfourdoklaration interpretierte. Die Zeit war damals so, daß man die Politik des Weißbuches atzsptr'eren mußte, die ja auch in keiner Weise den eigentlichen zionistischen Zielen seit Herz! widersprach. (?) Zu den Unterzeichnern der zionistischen Erklärung über die Annahme des Weißbuches gehörten auch Dr. Soloweitschik und Jabotinsky, heute die schärfsten Kritiker. Der Redner umschrieb den Begriff ,Ju>denstaat" und setzte auseinander, daß Herz! selbst und die Organisation diesen Begriff zugunsten der Bezeichnung „Oeffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" haben fallen gelassen. Nun zum Majoritätsprinzip. Ja, wir wollen eine Mehrheit sein. Ist aber die Frage ,Mehrheit oder Minderheit" überhaupt zu erhaben? Genügt es nicht, Gleichberechtigung und FriedenSsicherung zu verlangen? Jabotinsky macht sich die Sache dadurch leicht, daß er erzählt, das jüdische Volk sei gut, das Lon-d sei gut, auch England sei all right, nur die zion-kstische Leibung sei schlecht. Im G-'gensatz hierzu appellieren wir an die Se lb st hi Ije, was schwerer ist. Das Schicksal des Landes wird nicht durch Argumentation, sondern durch die Leistung entschieden. SS muß ein entschlossener Wille vorhanden sein, stets auszuhalten, ohne Rücksicht auf Konjunktur. Man kann nicht irnnrer die Frage des Politischen Zieles zu einer Angelegenheit von DoLksversammlungen machen, man untergräbt so die Kraft der Bewegung. Der Redner besprach-dann die Frage der Sicherheit des Landes und warnte vor einer Art „Kleinkaliber"' Propoganda; man denke da an vertraute Vorbilder. Der Redner warnte vor der Politik der Illusionen, die Grundst'rmmuua müsse bler'ben: Vertrauen in die eigene LvbenSkrast: es muß zwischen Wunsch und Ziel, Wille und MLq^chkeit die richtige Proportion vorhanden sein. Nicht tyr' Forderungen, durch Leistungen ist die Wrlt zu überzeuflen. Die Leitung der Betvegung lege großen Wert aus u?->sl!siche Eroberungen, und darin sind seit Balfour ggnansehnliche Erfolge erzielt worden. Dabei erwähnte d'vr Redner -öe bevorstehende Gründung eines Pro- Palästina-KoMlteein Dentschiand, um dis sich erste PersLni Weiten bemühen. Es sei verwunderlich, wie, Wiener Morgernettmist Jabotinsky auf einmal soviel Glauben setzt in den Willen der Völker zur Gerechtigkeit. Es war eine Zcit, da er solche Gedanken als entwürdige»»- bezeichnete. Ja, wir wollen die Welt von unserem Recht überzeugen. Die W:lt wird uns nur dann begreifen, wenn es klar sein wird, daß wir nicht als Unterdrücker in das Land gehen, Nicht mit Kleinkaliber-Jdeen, sondern als friedliche Erbauer. Der Redner schloß: „Unser Werk ist mit dem Leben und der Zukunft deS jüdischen Volks und des JtrddntumS verknüpft." Zu diesen Ausführungen Vlumenfeld8 wäre ' zu sag-en, daß sie in bezug auf die Entstehung des > Baseler Programms völlig irre gehen. Der Begriff Judenstaat wurde niemals fallen gelassen. Die Bezeichnung „Oeffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" wurde im Hinblick auf die Türkei gefaßt. ES war eine von heute grundverschiedene Situation, und wenn wir aus der kapitalen Aenderung der Verhältnisse im Orient nichts gelernt hätten und nicht unsere ewige Forderung vertreten würden, so wäre die Arbeit von 30 Jahren verloren. Die Formel des Weißbuches von .1922 ist ein sehr schroffer Widerspruch g:gen den Zionismus. UcDer die N-otwen.d'gke'lten, die zur Annahme dieser Formel zwangen, ist heute kein Wort zu verlieren, und es ändert nichts an dem Inhalt des Weißbuches, daß es von Solowe-itschik und Jabotinsky akzeptiert wurde, was ja wahr ist. Es genügt aber, darauf hinzuweisen, unter welchen ‘ Kämpfen und Bedenken die Churchillsche Definition der kulturellen Heimstätte angenommen wurde. Wo man Blumenfeld dagegen ohne Einschränkung zustimmen muß. ist es in der Frage der ,Meinkaliber^ Propaganda. Hrer kann es unter Zionisten, für die die jüdische Geschichte doch etwas Lebend'gcs sein muß, nur einen Weg geben und nur eine Auffassung: S>ie Ablehnung aller Parolen, die die Gegenseite begierig aufnimmt und in ihrer Weise beantwortet. Aber eö läßt sich auch aus den Reden Jabotinskys ftben, daß er sich einer realen Würdigung der Verhältnisse nähert. zurückweksurm der Angriffe Pritchetts auf den Zionismus- Rrwyork, s. Dezember. (I. T. A.) Bekanntlich hat der Kvmmi.'sär der Cam gi-Ttis ung sür int rnationa e» Fr eden, Dr. Henry Pritchett in seinem Sti tu gsüeci h. das zionistische Werk alS den Frl.den gefährdend ange* griffen. Diese Aeußerung wurde im vffentli ',t:\ Le'een Amerikas sehr viel erörtert. Dr. Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, wies in einer kurzen Feststellung nach, daß die Aeußerung Pritch.stts auf ganz irrtümlichen Voraussetzungen beruht. Auch Louis Marshall, der Präsident des Ainerikanlsch-jübischen Komitees, Dr. Stephan S W i s e. der Pr-ssident des Anu'rilanisch-Jüdischen Kong."'^ ull» Sa'nue' Nntermayer. der Präsident de5 Kere l Ha'essod in A-necika, veröffentlichten Erklärungen ge en Dr. Pri chett und drückten ihr Erstaunen darüber au2, daß d'v um den Frieden so sehr besorgte Dr. 'P.rit'chett gerade gegenüber den Zionisten einen so kriegerischen Ton «»»schlägt Sie stellte n fest, daß seine Aeußerung von einer vollkommen tlnlenninis der wirkichen Verhall isse in aP ästina zeug^. §r betonten ün Besmrderm/daß nicht der geringste Gru.w bestehe, von einer jüdischen nationa'cn Se bsiüberschätzu »g et, a' zu befürchten, und daß zwischen Juden und Arabrn in Palästina Frieden herrscht Dr. Marshall wies an Hand der Tatsachen nach, daß die jüdische Jmmig a'ion die Hilfsquellen des Landes entwickelt hat, wodurch die Lage ttarabischen Elements eine gehobene wurde Die jüdischen Pioniere bauen bas 'Lmck> für alle seine Bewohner auf. Herr Henry Morgenthau der einstige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, erklärte, mit den Ausführungen Dr. Pritchetts überein z u st i m m e n. Die gesamte amerikanische Presse brteillgt sich an der Diskussion: „New-York TimcS" b.'lä'npste insbesondere die Ansicht Pritchetts, daß sich die Juden noch für das auserwählle Volk Latten. 'Diesen Ausführungen schließt sich „B^tiu-ore Sun" an. Dageg " unterst „New Dorf W o i\ d" die Ausführungen "P.itchltts. rie Bolkrabstimmung i« der Schwell. DaS StantSmonopol für den Getreidehandel abgelebt. Bern, 6. Dezember. (Schw. Tel.-Ag.) Nach wochenlanger heftiger Propaganda hat die heute durchgeführte schweizerische Volksabstimmung das Staatsmonopol für den Getrsidehandel mit rund 371.000 gegen 365.000 Sttmmen und mit 14 Kantonm gegen acht Kantone verworfen. Die Stimmbeteiligung betrug 72Prozent. Für das Monopol waren besonders die Führerschaft der Bauern und die Sozialdemokraten eingetreten. Die Opposülon, die sich aus allen BolkSkveisen zusammensetzt, ist gegen eine weitere Ausdehnung der Staatsmonopole. Lar Meroner Schachturnier. Meran, 5. Dezember. (Stefani.) Tartakoiver schlägt Grob, Spielmann schlägt Roselli, Colle schlägt Canal, Przepiorka schlägt Calapso. Die Partien Kostüsch-Yates, Saceoni-Patzy, Grünseld-Alimonda endeten remis. 6. 1926 Nr. 2733 Ae vier Männer, die den Züvischen Nationalsonds groß gemacht habe«. Von JvrinS Berger, Ierufalenu Der 6. Zionistenkougrcß hatte die Gründung dsS Keren Kajemeth Leisrael beschlossen. AlS eS galt, den Beschluß in die WirMchktit umznsitzen, war eS klar, daß dafür nur ein Man» in Frage kam: Johann Kremen ezky. Für Kremenezky war es bezeichnend, daß er sich in all den Jahren, seit Prof. Schaptra auf dem 1. Kongreß seinen Plan zum erstenmale vorgctragen hatte, nicht nur tute die arideren mit der Frage der Benoendmcg der Gelder des Jüdischen Nationalsoräs beschäftigt hat. .Er war der erste, der schon auf dem 6. Kongreß ein Expose wegen der Ausgabe von Marker» vorlegte, das bis ins Detail ausgearbeitet war und nicht nur Zeugnis gab von dem gcoßerr OrganisationSgrschick deS Verfassers, sondern auch von seiner hohen Auffassung der Bedeutung des Keren Kajemeth als eines sozusage»» flaatlichen Jnstrumerrtes. In stiller und unermüdlicher Arbeit hat dann Kremenezky die OrgarrLsation deS Kcren Kajemeth in ihren Grundzügen ausgebarrt. Er hat die ersten Samnrelmittel erdacht oder eingeführt, die Marken, die Telegranttnblankctte, die Büchsen, daS Goldene Auch und die Selbstbesteuerung. Gr hat das System des Ausiveises geschasstzn. Er ist der Mann, dern die Sarnmlung des Keren Kajemeth Leisrael die Struktur verdarrkt, die sie im wesentlichen bis heute belbehalten hat. ES war ein ganz besonderes Glück für den Keren Kajerneth, daß er gleich zu Anfang itt die Hände eines »virklich praktische Me»»schen kam, der getvohnt um, in organisatorischen Formen zu denken. Aengstlich »var er bemüht, die Garantien zu schassen, die den Spendern die Sicherheit dafür geben sollten, daß ihr Geld von der lokalen Sammel- «stelle durch alle Instanzen richtig bis in die zentrale Kasse eingeliefert wurde, und seiner stillen, aber ebenso verantwortlichen und vor allen Dinge,l ziclbewußten Geschäftsführung ist es nicht zun» mindesten zu verdanken, daß der Keren Kajemeth von Anfang an populär »vurde und immer als der Fonds galt, dessen Geschäftsführurrg über jeden Zweifel erhaben war. Für Kreme»»ezky war der Keren Kajemeth zun» Lebensinhalt geworden, u-nd er hat sich ihm mit der ganzen Stärke, aber auch, mit der Wärme gewidmet, die diesen »virklich seltene» Menschen auSzcichnen. Nach dem Tode Herzls kam mit der Verlegung deS Sitzes der zionistiscl-eu Weltorga»»isation auch die Ver- »valtung deS Keren Kajemeth nach Köln. Es »var vielleicht nicht wenig bestimmend sür die Wahl Wolfssoh»rs zum Präsidenten der ziottistischen Organisation, daß mau wußte, er habe in Bodenheimer einen langjährigen Frertnd und Mitarbeiter, dem die zionistcsche Orgal»isatton ruhig die Verwaltung des Nationalforrds a»»vertrauen konnte. Und Dr. Bodenheimer hat das Verträum, daß ihm die Orgmiisation mit der Uebertragung des Amtes des - geschüstssührendcn Direktors des Keren Kajemeth Leisrael mtgcgmbrachte, vollauf gerechiftrt»gt: In den neun Jahren seiner Amtsführung erfuhr die Tätigkeit des Keren Kajemeth eine außerordentliche Bereicherung. Die Propaganda wurde auf breite Grundlagen gestellt, und sh- - stematisch. wurde darauf gedrängt, in allen Ländern eigme , Sammelstellen einzurich-ten. Es entstand eine straffe Zentralisierung der Propaganda im Haüptüuroaü in Köln, das an immer neue' Sammelstellen seine Wcisu»cgen gab. Bezeichnend" für die starke Tendei'.z zur Ordnung und UeberwackMng, die im Kölner Bureau herrschte, ist die Tatsache, daß unter Bodenheimer zum erstenmale eine Bück)senkartothe! geschassen wurde, von der »nan damals glaubte, daß sie sämtliche Äüchfeü in der gar.M Wett verzeichinen türmte. Bodenheimer war es auch, der zum» erstenmale Emissäre für den Keren Kajemeth Leisrael aussandte, so nach Newyork, wo die Saminelstelle durch seinen Gesandten vollkommm neu organisiert »vurde. Unter Bodenheüner erfuhr die Arbeit des Keren Kajemeth eine Bereicherung ga»»z besorrderer Art. Ü»»ter seiner Leitung setzte die praktische Palästina-Arbeit des Keren Kajemeth Leisrael ein. Chittim würde gekauft und die Böden von Kirveceth, Dagania, Ben Schemen und Hulda. Die Kwuzah in Dagania begann ihre Arbeit, aus dem neuerworbenen Bode,» von Merchaivja »vurde die Oppenheimersche Siedlungsgesellschaft gegrüirdct. Es war bezeichnend für die Auffassung Bodenheiiners, daß damals das Darlehen für Tel-A»viw gegeben nmrde, das Überhaupt erst die Gründung der Stadt ermöglichte — ein späier oH angegriffener iAkt, dessen für die damaligen Verhältnisse bedeutende Großzügigkeit aber nicht außeracht gelassen »verden sollte. Als der Weltkrieg kam, »var eS Bodenheimer, der im richtigen Augenblick schnell das Richtige tat. Gr überführte das Bureau des Keren Kajemeth noch im ersten Krieghjahre nach Den Haag. Gs ist nicht zu»n wenigsten diese Tat Dr. Bodenheirners, die die von allen Krtegszufällen ungestörte Weiterentwicklung des Keren Kaje- »neth ermöglicht hat. Als nach der Ucöerprüftmg nach dem H'Mg die UmstürLe Dr. Bodenh.irmr die weitere Hacidhabung der Geschäftsführung des Keren Kajemeth unrnög ich machen, fa»»d sich in dem Kreise der Haager Freirnde der Mann, desse»» Wirksamkeit für d.n Keren Kajnnech von geradezu elttscheidender Vedntttlng genrorden ist: Nehemia de Lie":e. Unter der Leitung 'Nehemia de Liernes hat der »ich«- a!'L c schroierigen Berhä!tr»issen des Krieges sta»»d ehallen, seine Beziehungen »Ncht nur aufrecht echllten. Kon ern ungeachtet der ftrrchtbarcn Verhältnisse weiter ausgedehnt. De Liene nmv es, der die Berantwort»mg Übernahm »md durchführ'e für die Ausrechterhaltung des KKL.-Werles in Erez Israel, was