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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-06 · Heft 2793 (6.12.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2793 (6.12.1926)
Date
1926-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Polen » LS groggy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr 1*8 oder in einer Verschleißstelle Trafik) mofiatl.5 Schilling Straßen verkauf In Wien' durch die Kolporteure der?irtna Goldschmied, I., Wollseile 11 Mit Postrersand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ta che oho - Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Men.Din.60 Polen:Mon 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 8h N»eb**hiooff*n bei Preis* rbSbangei) «etbshtHen »r. 2793 MMN WWMWWWWWWWWWWMWWWWWWnWWWWWWWWWWWWWWWMWWWWWWWWWWMl Ale«. Montag. 9. Nezemüer 1929 (iTFebetH 8981). IjPrelsJCO'jgJ England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. LS Lire Rnmftnien: Mon. 170Lei BülgarienrMon.lOOLewa, S o hw e i a und das Übrige Ausland monatlich Pres. & Redaktion, Administration: Wien, II., T&borstr. 1 Telephon: 44-0-88, 48-3-19 Ab 6 Ohr: Tel. 81-209 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oeeterreichisches Postsparkassenkonto Nr 150 693 8. galjega»» 9nt rednMoneÜen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetzteS E gekennzeichnet. Ae österreichischen »orruptionsaftSren. Mus Verleumdung der „Aebeiter-Zertung". Die Enthüllungskampagne der Sozialdemokraten, die zu Wahlzwecken eingeleitet wurde, hat eine Flut von Gegenenthüllungen und Angriffen auf sozialdemokratische Funktionäre hervorgerufen. Die „Arbeiter-Zeitung" sieht sich in der mißlichen Vage, von der Offensive in die Verteidigung übergehen zu müssen, und da ist ihr jedes, auch das schmutzigste Mittä recht, wenn sie nur die Einmal aufgerüfene öffentliche Aufmerksamkeit.ablenken kann. Gestern hat sich das Zentralorgan dazu verstiegen, auch die Zionisten in den-Kreis der Affären hinebnzuziehen. Das Blatt erzählt itv einer Polemik gegen das Grazer deutschnationale 'Organ das folgende: „So nebenbei, um das Netz dieser »veitverzweigten Berleümdungskampagne. . gegen sozialdemokratische Funktionäre darzutun, wollen wir bemerken, daß diese „Enthüllungen" in dem antisemitischen, deutschnationalen Grazer Blatt von zionistische r Seite ausgehen: wie ja über die Mitwirkung von Zionisten an dieser unsauberen Beschäftigung gelegentlich Näheres berichtet werden kann, schon , zur Belehrung der zionistischen Arbeiter, die die chrisllick'sozialen Kuckuckseier in dem Wiener Zionistenblatt vielleicht noch nicht bemerkt , haben." . - Hier habt , ihr Hie Verleumdung, h>te:> -Jtß . leibt und lebt? Das Zentralorgan schreibt sie so hin, e r s p at t fich den Bew,et§, ‘der Vöelegentlich" geführt werden soll, und rechnet mit dem schlechten Gedächtnis des Proletariats. Wenn die „Arbeiter-Zeitung" zu ihrem Angriff berechtigt zu sein glaubt, so hat sie doch im Sinne einer anständigen Journalistik die Verpflichtung, ihr Material sofort vorzulegen. Sie hat kein Material und es ist eine freche Erfindung, die Kritik der „Wiener Morgenzeitttng" an .dem Tun und Treiben der österreichischen Sozialdemokratie als christüchsoziales Kuckucksel zu erklären. DaS^ ist aber noch mehr. Es ist der Versuch, s i ch von einer Aufklärung zu salvieren. Wir wissen, daß auch die,„zionistischen Arbeiter" (auf einmal weiß die „Arbeiter-Zeitung" von ihnen, nachdem der Parteivorstand die Proteschriefe doch hatte irgendwie zur Kenntnis nehmen müssen)'mit ihrer Ablehnung der Pöbel e i e n der „A r b eit e r -Zeitung" nicht hinter depr Berg halten und so muß ihnen irgend eine Lüge hingeworsen werden. Das ist, daß Zionisten das Wutte- Blatt rnformreren, wobei doch die Stellungnahme der „Morgenzeitung" zu Wutte ' an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ; und das sind weiter die christlichsozilrien Kuckuckseier in unserem Blatt. Diese besondere Frechheit der „Arbeiter-Zeitung" zeigt, wie es dort um d i e P r e s s e m o r a l eigentlich steht. Es ist so die Auffassung der „Arbeiter-Zeitung", man dürfe unbesehen verleumden und irgendetwas behaupten, wofür man sich den Nachweis entweder erspart oder ihn für „gelegentlich" aufhebt. Dieses Spiel, wollen wir nicht dulden, und da wir gewöhnt sind, eine Katze eine Katze zu nennen, so sagen wir, daß die „Arbeiter- Zeitung" mit ihren aus uns bezüglichen Behauptungen lügt. A-rer in Kuba. Bis zur Stunde liegt noch keine Meldung des österreichischen Gesandten in Washington darüber vor, daß eS ihm gelungen wäre, sich mit dem flüchtigen ehemaligen Fkianzmlnlster A h r e r in Berbmcnng zu setzen.?lhrer ist in Kuba, soll-aber nach einer in Graz eingetrossenen Depesche die Insel bereits verlassen haben. Seine Frau, die in Graz lebt, hält sich reisefertig. Ser Völkerbund. Genf, 6. Dezember. Der Rat des B-AeOunideS ist vormittag zusammengotveten. Das österreichische Finanzkomttee hat dem Investition-Programm . der österreichischen *$«a*ening für 1937 zugestimmt. Die Bölkerbundanleihe kann also für produktive Juvestitiomn herangezogen werde». VS . verlautet, daß nach der Bölkerbundseffion eine Begegnung Stresemanns mit Mussolini stattfinden wird. Die Bievmdchtekonferenz wurde abgegeben. Sine Palöft'inaDebatte im Unterhaus. Lie Anleihe. — Lrmrbtz-Sore: Ae Balsoar-teklaration bleibt. London, 5. Dezenrber. Wie schon berichtet, hat das Unterhaus vorgestern dem Anleiheprojekt für die Palästina-Regierung zugestimmt. Ueber die Debatte berichtet' die „I. T. A.": Als erster ergriff der Arbeiter-Parteiler Hugh Dalto» das Wort, der ausführte, durch die UeLernahme der Garantie dieser Anleihe wird.nicht so sehr Palästina, als England geholfen; denn aus dem Ertrag dieser Anleihe sollen zunächst die Steuerzahler dieses Landes 1,500.000 Pfund zurückerhalten, auch sonst dient der Ertrag der Anleihe zur Tilgung früherer Verpflichtungen. Ebensogut könnten wir Frankreich eine Anleihe gewähren unter der Bedingung, daß alle Einkünfte an uns zurückfließen. E s' l o h n t s i ch natürlich, eine Garantie für eine Anleihe zu übernehmen, deren Ertrag uns zugute kommt. Höchstens werden aus dieser Anleihe 1,500 000 Pfund dazu verwendet werden, um Palästina, wirklich zu entwickeln, und besonders den Hafenbau und die Erweiterung des Eisenbahnnetzes zu unterstützen. Wir von der Arbeiterpartei, fuhr der Redner fort, haben das zionistische Experiment als ein starkes und hoffnuNgsoostes stets unterstsitzt, wir werden auch. weiterhin nie etwasüutemW»Äh4t»S ^räftina ljute - der« könnte, die zum Leben, und zur Entwicklung nö- . Ligen Kapitalien zu erhalten. Der Konservative Sir Frederie W i s e versuchte s nachzuweksen, daß die britische Produktion nicht viel Eingang in Palästina gefunden hat. Vergleicht man den Handelsverkehr zwischen England und Palästina, fo> kommt England ziemlich schlecht weg. Als Dritter ergriff * ' ■ . Oberstleutnant Keuworthy das Wort. Es war dies seine erste Rede im Unterhaus«: nach seiner. Wiederwahl. Er drückte seine Verwunderung über, die Rede Sir. Frederie Wises aus, dessen Partei ja behauptet, ihre Politik sei das Streben nach, möglichster Entwicklung des British Empire. In dem Augenblick aber, da die Regierung einen Plan zur Entwicklung eines Mandatslcmdes vorlegt, kommt ein verletzender A ngriff. Die Patrioten, die zu den Wahlzeiten sich so sehr um das British Empire und die Union Jack besorgt zeigen, ziehen es vor, ihr Gold zu 8 Prozent Deutschland zu geben, schrecken aber davor zurück, irgendwelche Kapitalien in denjenigen Territorien anzulegen, di: mit einem solchen Aufwand von Blut und Opfern von Großbritannien erobert worden sind. Seit der Grober u n g Palästinas haben die Juden mehr als 10 Millionen Pfund nach Palästina gebracht. Diese Summe setzt sich aus kleinen Beträgen der armen Leute aus den osteuropäischen Ghettos zusammen. Es wurde zur Errichtung von Hospitälern und Schulen und zur Ausführung von öffentlichen Arbeiten verwandt. Bon der Anleihe, die heute zur Verhandlung steht, fließt kein Penny in die zionistischen Fonds. Es ist barer Unsinn, wenn eine gewisse antisemitische Presse behauptet, alle diese Millionen gehen für das jüdische Palästina. Die Zionisten bringen selbst die notwendigen Kapitalien auf. Sie vollbringen ein ans Wunderbare grenzendes Werk und erhalten von uns keinen Penny. Ich möchte an das Wort von Sir Alfred Mond erinnern, der gesagt hat, er hohe in Palästina keine Spuren britischer Unternehmungen wahrgenommen. Keuworthy stellte fest, daß der palästinensische Handel aussichtsreich sei, der Hafen von Haifa werde einer der bedeutendsten im nahen Osten sein. Die meisten Schiffe aber, die diesen Hafen anlaufen, sind britische Schiffe. Kenworthy protestierte dagegen, daß das Kolonialamt die Palästina-Anleihe mit den ofrkkanifchon Anleihen verbunden hat, Das sei unfair. Wenn wir so an dk Behandlung des Budgets des Kolonialamtes gehen, bringen alle Pioniere r.us Westafrtta und Ostafrika ihre Angelegensten vor, und Palästina bleibt vollkommen im Hintergründe. Tun wir wirklich alles, um die Besiedelung Palästinas zu ermutigen? fragte Kenworthy weiter. In jedem anderen Mandatsland haben wir Maßnahmen getroffen, um Siedler heranzuziehen, denen wir günstii? Siedlungsbedingungen machten. Sinzig in Palästima tun wir nichts, und dort muß das ganze zur Siedlung notwendige Larw im offenen Markte teuer gekauft werden. Tie Bodenpreiise steigen. Und dennoch gibt cs Landftächen, die der neuen Siedlung verfügbar gemacht werden können: die Kronländereien. Wird endlich die Negierung dafür sorgen, daß dem Unfug der Landipekularion in Palästina entgegengearbeitet wird? Es besteht aber noch eine andere Gefahr: die Bolschewistenrogierung bietet der jüdischen Bevölkerung freies S>iedlurig«and in der Krim an; sie gibt auch noch Siedlungskapital dazu. Ich glaube zwar nicht, daß diese Aktion dem Palästina-Werk schaden könnte, da ja das jüdische Streben nach Palästina zu stark ist, ich möchte aber doch betonen, daß die Aktion der russischen Regierung in einem solchen Kontrast zu dem Handeln der britischen Regierring in Palästina steht,-daß immerhin für die ziomstischen Bemühungen in Palästina eine uMehÄglkche Situation entsteht. W Der den jüdischen Siedlern gegebene. Boden der^rior ist nicht irgendwelchen früheren Eigentümern weggenommen worden, sondern es handelt sich um Staatsboden. Auch der Boden, den die britische Regierung in Palästina hat, ist f r ü h e r e r t ü r k i s ch e r Staatsboden, der v o n A r a b e r n o k k u p r e r t worden ist, die, ohne K a p i t a l u n d o h'n e E r fahr ü'n g, unfähig sind, den Boden zu kultivieren. Ich hoffe, daß der Herr Unterstaatssvkretär uns heute mitteilen wird, daß das Kolonialamt nunmehr bemüht sst, den I u d e n m e h r Land z.u r Dorfü g ung z u st e lle n. Ich lade ihn zu dieser mutigen Erklärung ' er«. Major Glyn (konservativ) wies darauf hin, daß von der Anleihesumme ja 1,116.000 Pfund für den Hafenbau in Haifa und andere Hafenverbesserungen verwendet werden sollen; die würde dem ganzen Lande, und also auch den Arabern, zugute kommen. Der Unterstaatssekretar für die Kolonien, Mr. Ormsby-Gore, führte unter , großer Aufmerksamkeit des Hauses folgendes aus: . Der Jude in Palästina bevorzugt die modernen landwirtschaftlichen Methoden. Er wendet bei der Kultivierung des Landes allewissenfchaftl i ch e jt Errungenschaften an. Auch der Araber, der v r<* I altmodischer und primitiver ist, lernt ziemlich schnell von dein Juden und beginnt allmählich auch mit der Anwendung moderner Methoden. Ein Wort über die Balfour-Deklaration: Ueber die Politik ist nichts Neues zu sage«. Eß ist keine Aenderung in der Politik der Regierung, die von den letzten vier Regierungen befolgt worden ist, eingetreten. Die Dalfom-Deklaration bleibt. Wir versuchen, den Juden wie den Arabern in gleicher Weise Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir wissen, daß das BodenProblem 'durchaus kein leicht losendes sei. Der Umstand, daß in der letzten Zeit keinerlei Unruhe im Lande vorgekommen ist, ist der Zusammenarbeit zwischen der Regierung und allen Teilen der Bevölkerung, sowie der Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern zuzuschreiben. Die britische Politik im Lande ist durch die Umstände gerechtfertigt worden. Das Land, von dem vor wenigen Jahren noch viele Leute geglaubt haben, daß es stets ein Passivum bleiben werde, hat sich als e i n w e r t v o l l e s Aktivum in der Handelspolitik erwiesen. Wcch' wenige Personen hätten vor ein paar Jahren der Vorstellung Glauben schenken können, daß wir heute einen Einnahmenüberschuß von mehr als -einer AiMion Mund Sterling über die TMaben

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