Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2792 (5.12.1926)
- Date
- 1926-12-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mt * Mm, Gornlwg trmi mrma sie eS nicht wußten, sie sterben fürs Vaterland. Den armen BSgeln konnte man das nicht weismachen. Run ist der Miste, langhalsige Schwan der einzige -und letzte Bewohner de- Parkteiche-. Einsam zieht er durch das stille Wasser. Ost hält er inn« und lauscht. Wittert er die Seelen der gemordeten Verwandten? Sieht er einen Manschen am Strande, schwimmt er heran unb schaut ihn unsäglich tiefsinnig an. Er wartet auf die Semmel. Wolf Guttmann. ras Meran« Schachlnkn'er. Meran, 4. Dezember. Heut« begann r-i« echte Stunde de» -Schachturniers. Grclb schlägt Przepiorka, GrünM schlägt Galapso, Canal schlägt Alimonda, Toll« schlägt Roselli. Kostihch schlägt Patay; die Partien Spielmann-Sacwni und KateS—Tartarower wurden remis. Morgen spielen Grob—Tartalower, Kost!tsch—DateS, Sacconi—'Patvy. Canal—Solle, Grünfeld—Mrmonda und PvzepioÄa—Galapsn. ein aulturkamplproreb im 8«la«. Dir ägyptischen Uleuea« gegen die Freiheit der Wijsenschnst. Aus Jerusalem wird der „Frankfurter Zeitung" geschrieen: „Dl: Aufmerlsarnklt der ägyptischen Oeffentlichkeit, soweit sie nicht durch die jetzige, infolge der fallenden Baumwollpreise herrschende n-i tfchaft'iche Krise abgelenkt wird, ist jetzt auf den großen Prozeß konzentriert, der vor dem Gerichtshof in Kairo gegen den Professor der arabischen Literatur an der ägyptischen Universität Dr. Taha Hussein geführt wird. Dr. Hussein wird schuldigt, in seinem im letzten Jahre veröffentlichten Buche über die arabische vorislamitisch- Dichtkunst die mohammedanische Religion verleumdet zu haben. Er hat in seinem Buche unvoreingenommen die mohammedanische Tradition über die frühe Geschichte Mekkas geprüft und ist zu dem selbstverständlichen Schluß gekommen, daß Abraham nie Mekka besucht hat und daß die Tradition über den Ursprung der Kaaba legendär ist. Der Fall wird dadurch noch versckjärst, daß hinter dem religiösen Konflikt ein politischer steht. Dr. Taha Hussein ist blind geboren, hat dann lange Jahre hindurch die Theologische Universität von El Ashar besucht, später Fränzösisch gelernt und den Doktorgrad der Philosophie an der Sorbonne in Paris erlangt, wo er auch eine Französin geheiratet hat. Nach Aegypten zurückgekehrt, erwarb er sich bald den Ruf einer großen Autorität Ms dem Gebiete der islamitischen Theologie wie auch der französischen Sprache imb Literatur und veröffentlichte auch eine Reihe von Dichtungen in arabischer Sprache. Eine Zeitlang wirkte ev als politischer Redakteur d«r Zeitungen, die eine sch a rf e Pressesehde gegen Zaghlul Pascha und den Wafd (die ägyptisch-arabischen Rationalisten) geführt haben, Als er später zum Professor der arabischen Literatur an der Universität in Kairo ernannt lvurde, blieb selbstverständlich die führende ägyptische Partei der Wafdjsten ihm wenig gewogen. Gleich nach Erscheinen seines Buches im vorigen Jahre verlangte eine Reihe von orthodoxen Ulemas die Entlassung Dr. Taha Husseins von seiner Professur, damit er nicht seine Studenten mit seiner eigenen Ungläubigkeil anstecke. Der Rektor der Universität gab dem nicht Folge, aber er ließ die ganze Auflage des Buches auflaufen, und Dr. Hussein veröffentlichte eine Erklärung in der Presse, daß er ein guter Mohammedaner sei und keine Absicht gehabt habe, die islamttische Religion anzugreifen. Im September dieses Jahres lvurde Dr. Husseins Buch auch ein Gegenstand von Verhandlungen im Parlament. Die Albgeordneten der Wafdpartei Zaghlul Paschas griffen Dr. Hussein heftig an und verlangten seine Versetzung in den An klage zust and. Der Ministerpräsident Mi Pascha, ein Konstitutionell-Liberaler, sprach sich dagegen aus, und es folgte eine scharfe Diskussion zwischen ihm und dem Kammerpräsidenten Zaghlul Pascha, der dir Kammer verließ. Sine ernste Mmisterkrise drohte und konnte nur nach längeren Verhandlungen beigelegt werden, in denen beschlossen wurde, daß die Anklage gegen Dr. Hussein nicht öffentlich, sondern von Privatpersonen erhoben werden sollte. Der Prozeß erweckt nicht nur «in tiefes Interesse in weitesten Krisen, sondern führt auch zu erbitterterl Kontroversen. Bezeichnend ist, daß einer der drei Verteidiger des Angeklagten deswegen in der Presse von seiner Familie angegriffen wurde, die erklärte, sich von einem Manne lossagen zu müssen, der die Verteidigung eines Ungläubigen übernimmt. Der Prozeß dreht sich juristisch darum, ob die Anwendung kritischer Methoden auf die Nehnlleserung einer Religion einen strafrechtlich verfolgbaren Angriff auf die Religion darstellt. Die beste Figur macht ein 11408 OQOOOOOOOOQOOOQOC^^ ▼xxxxxaooooo Wien, IV., Margaretenstraße IS. 7VifLAII ÄttÄ MR » lAtz I» w »M otint Seha/en für M0, Deuteofco CtoftUsohaft fttv ftofcädlinffBbafcgmpfg&ff SMeblfttattllet Will, M-. Bf«b»fg3tr»89 99 SM 0M)«S7 Wir WUSelm ii. (St Bin fthDin «teititc. „Gegm tfcMMtt, Mtfct und ««gelsachse^ In den letzten Jahren vor dem Krieg hatte fich die englische Regierung wtedevholt bemüht, mit Deutschland, dessen Kanzler damals BÜlow gewesen war, zu einem MarineaAommen zu gelangen. Lord Haldane wurde sogar ganz offiziell nach Berlin eu.. endet, jedoch vom Kaiser und von T i r p i tz in allen Bestrebungen sabotiert. Haldane kehrte tieftraurig nach London zurück und meldete das Mißlingen seiner Mission. Ende Dezember 1018 unterhielt er sich Wer diese Angelegenheit mit dem Botschafter Fürst Lichnowsky, stnem schlesischen Aristokraten, der später während des Krieges wegen seines Pazifismus aus dem preußischen Herrenhause aurgcschlosstn wmde. Der Bericht LichnowflyS Wer die Unterredung wird jetzt vom Berliner Auswärtigen Amt zusammen mit den Randbemerkungen des KaiferS, die ja Richtschnur für den Minister der Aeußeren waren, veröffentlicht. Der Botschafter schreibt, daß England unbedingt friedlich sei, daß eS aber bei einem Einmarsch Oesterreichs in Serbien (es war dies zur Zeit des Streites um Albanien) nicht Zuschauer bleiben könne. Wilhelm bemerkte dazu: „Erwartet niemand, die helfen den Galliern!" England, sagt Hakdane, werde unter keinen Umständen die Niederwerfung Frankreichs dulden können. Wilhelm: „Sie worden es doch müssen!" Der Bericht fährt fort: Sollte Deutschland durch Oesterreich in den Zwist hineingezogen werden und dadurch in Krieg mit Frankreich geraten, so würden in England Strömungen entstehen, denen keine Regierung widerstehen könnte und deren Folgen ganz unberechenbar wären. Wilhelm schreibt an den Rand: „Nichtig, haben wir schon berechnet!" Go geht es weiter. ES wimmelt von Quatsch!, Blödsinn!, Krämervolk! usw. Dann ist dem Bericht eine Anweisung des Kaisers an den Staatssekretär Klderlen- Wächter betgegeben, in dem eS heißt: „Der eventl. ExistenMinpf, den die Germanen in Europa. (Oesterreich, Deutschland) gegen die von Romanen (Galliern) unterstützten Slawen (Rußland) zu fechten haben werden, findet die Angelsachsen auf der Seite der Mmven... Eine erwünschte. Klärung, die für uns hinfort die Basis unserer Politik sein muß. Wir müssen mit Bulgarien und Türkei ein Militärabkommen machen, ebenso mit R u m ä n i e n. Wir müssen auch mit Japan ein solches Abkommen schließen..." Go sah also Wilhelms Friedonspolitik aus und so war sein Kalkül beschaffen. Familie van Lyck. Wie ei» Uankee in Paris hineingelegt wurde. Man hat in Paris herzlich gelacht! Denn so etwas konnte auch nur einem Amerikaner passieren. Ein braver Dollarkönig saß am Allerseelentag 2n seinem üblichen Restaurant und dinierte genmchlich, ^Da bemerkte er, wohl auch etwas traurig gestimmt durch den grauen Novemvertag und durch den guten, aber schwerflüssigen Bordeaux, am Tischchen nebenan einen jungen, sehr anständig gekleideten Mann in tiefer Trauer und sichtlich im Zustand einer seelischen Erschütterung. Der Amerikaner betrachtete ihn eine Weile gerührt und fragte ihn schließlich, nachdem er das: Gespräch als gut erzogener älterer Herr mit ein paar allgemeinen Bemerkungen über die Melancholie des Allorseelentages eingeleitet hatte, um den Grund der starken T-epression. D-er junge Mann konnte sich kaum fassen und vermochte kaum, ein Schluchzen zu unterdrücken. Schließlich gestand er: er sei der Sohn des berühmten Malers van Dyck, dessen Gemälde im Louvre hängen. Seine Mutter sei eine Enkelin der berühmten Malerin Bigier-Lebrun. Also er entstamme einer guten Familie. T-er Amerikaner überlegte. Gewiß, das mochte stimmen. Erft vor kurzem hatte er bei einer Führung duvch den Louvre erfahren, welch berühmter Maler van Dhck sei. Er freute sich deshalb nicht wenig, den Sohn des große» Künstlers kennen zu lernen. Der trauernde junge Mann fuhr nach einem Weilchen, währenddem er die Wirkung seiner Worte auf den Amerikaner beobachtet hatte, fort: ja, das Leben sei oft grausam. Do habe er seine junge Frau verlieren ntüssen, gerade jetzt, da sein Vater in Rom weile, um Mussolini zu porträtieren. Und er selbst, der junge Witwer, besitze so kein Geld, um die dringlichen Bestattungskosten zu bezahlen. Am AHerseelentag waren die Banken ohnehin geschlossen. Was konnte er anderes tun, als traurig fein? Er suchte nach seinem schwarzgeränderteu Taschentüchlein und schnupfte leise damit. Dev Amerikaner war gerührt. Und das Ende der Beschichte läßt sich leicht erraten: der gutmütige Pauke«, hoch erfreut und geehrt, dem Sohn van Dycks apshelfen zu können, öffnete feine Brieftasche und streckte dem jungen Mann lächelnd 2S.M Franken vor, damit der Nachkomme der Blgsn-Levrurr doch auch seine Frau in Ehren bestatten , könne. Ban Dyck junior händigte dem Gönner dafür einen falschen Scheck aus und lud ihn ein, an einem der nächsten Abende, sobald sein Vater aus Rom zurück sei, im Kreise seiner Familie ein paar Stunden zuzubringem Richtig telephonierte ein paar Lage später ein Herr van Dyck senior beim Amerikaner an, bedankte sich ln gerührten Worten für die Hilfe, die der gute Fremde feinem Sohne zukommen lieb- Und der Abend zum allgemeinen Festmahl tvurde gletä« bestimmt. Streng in Smoking und Glanzlederhandschuhen begab sich unser Dollarkönig nach dem angegebenen Hotel, um die van Dycks näher kennen zu lernen. Die Stimme des Hotelvortiers weckte ihn allerdings M aus seinen schönen Träumen. Ein Maler van Dyck Sogen alle wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erptobten und empfohlenen Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechsel Jahren. Preis 8 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz. war hier nicht bekannt. Und der Diktionär Larousse behielt ihm die nicht geringe Ueberraschung vor, daß van Dyck allerdings ein berühmter Maler sei, daß er jedoch schon Ml gestorben Ist und weder je mit einer TcnlKer der Malerin Vigler-Lebrun verheiratet sein konnte, noch kaum heute einen dreißigjährigen Sohn besaß. So blieb dem allzu leichtgläubigen Dankes nichts a«-> deres übrig, als lief) beim PoltzeikommWr zu beklagen. Für den nötigen Spott war allerdings in einem ungewohnten Maße zum voraus gesorgt worden. Ausreise aus Rußland als Lottiriegewluu. Wie ein Korrespondent des „Daily Expreß" in Moskau berichtet, haben die Sowjetbchörden di« Veranstaltung einer großen Bolkslotterie genehmigt, die jedenfalls originell genannt werden darf. Die Liste der zahlreichen Preise enthält als Gewänne die Ausstellung von Pässen und Sonderbegünstigun. gen, welche dem glücklichen Gewinner erlauben, Sowjet» rußland zu verlassen, und während einiger Zeit oder selbst dauernd in der bürgerlichen Welt zu leben. Die Preisgewinner erhalten alles, was ste als Globetrotter an Ausrüstung brauchen: Billette 1. Klasse in der Eisenbahn und auf den Dampfschiffen, Reisekleider und Diäten von dreißig Mark für den Aufenthalt nach dem europäischen Kontinent und in Großbritannien. Wenn die Reisenden nach Rußland zurückzukehren wünschen, erhalten sie Rückfahr t k a r t e n, und die Sowjetregierung verpflichtet sich, ihnen ihre Stellung zu reservieren oder ihnen bei ihrer Rückkehr eine andere gleichwertige zu garantieren. . Diese Lotterie, die von der offiziösen Gescllschaft zur Entwicklung der Luftschiffahrt und der chemischen Industrie organisiert wird, wird sicher in Moskau einen großen Erfolg haben, denn die Zahl derer» die Rußland verlassen möchten, aber sich keine Pässe verschaffen können, um in das Ausland zu reisen, ist sicherlich nicht gering. Der Geist der Medizi» ist leicht zu fassen; ghr durchftudlett die groß' und kleine West, Um es am Ende fteh'n zu lasse«. Welk Suser-gikör uns gesund erhült. lUeborall ervältllch.) Sfc FMscher gontrum der Soz'alen Hilirgemeitrschall Anitta Müller. 2. Brrz-., Untere Äugai^enftraße 36. Wcchcnprogramm: Sonntag, den 6. Dezember, Chanuknb'Feierr Bmck» jüdischer Junglvanderer, 6 Uhr. — Montag, Chanukah- Feier des jüdischen Pfadfinderbundes Zeireinu, halb 7 Uhr abends. — Dienstag, hw'öb 7 Ubr abends Chanukahfeier .veranstaltet von der Kinderlesestube des jüdischen Zentrnitks. — Montag unb Donnerstag von 2—4 Uhr nach? mittags ärztliche Beratungsstelle. — Dienstag von 0 As 7 Uhr juridische Bcratrmgsstelle. — Donnerstag, halb 8 Uhr abends, Vortrag Dr. Leo Goldhammerr Gliederung des jüdistiien Volkes (soziale, wirtsckiastliche und parteimäßige). — Donnerstag von halb 7-*8 Uhr, Beratungsstelle für schwer erziehbare und in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. — Samstag, haK 8 Uhr abends, Bortrag Dr. R. M. Gelber: Mhad Haani, der Begründer des Kultur Zionismus. Ten Unterricht im Hev.üisch-Kurs für Vorgeschrittene übernimmt ab Dienstag, den 7. Dezember, Prof. Jonah Gelernter. — Anmeldungen kür hebräWe, englische und französische Sprachkurse für Anfänger und Vorgeschrittene täglich von 6—8 Uhr abends int Sekretariat. E AttvrSbeschwerden wird durch Radtofelorin vovgebeugt und gekndert. Das radiumhalttge, frei verkäufliche 8! adiosclerin erhält *U« Arterien elastisch, es bewirkt eilte Verdünnung des Blutes, verhindert Kalkablqgerurrgen in den Blutgefäßen, befördert die Blutzirkuwtron und erhält daher dio unverminderte Arbeitsfähigrsit bis ins hohe Mter. Der Raetuyigehalt wird amtlich geprüft. Hauptdepot: Apotheke Bayer, Wien, 1. Bez.. Wollzeile 16. 0000000000000000000^^^ wollen Ihre Wasche sauber heben sollen Ihre Wäsche schonen mstsssn daher waschen lassen bei der fBINWMCHANSTAI>T BIANCA 2011m UN2GRSTBA98B m, HfcBPHOfJ 81-8.91 holen und «teilen jede» Quantum WHwhe kostend» «u. waschen ihre wasche ranz separat, schonend und blQtenweiß. halten ihre wasche |eg*n Jedes Riilko voll« versichert. 1SA 9 ^2311972