Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2792 (5.12.1926)
- Date
- 1926-12-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ab. mm L VMM» E * die ihn in Feme ev- Schloß FriedrtchSruh gestellt hat, klärt. m der Fürst, f» ist das Bott. MS MSmarck gestürmt ist, rührt sich keine Katze. Die Speichellecker gehen H« ans dem Weg- Niemand besticht ihn, die Finnl'ie schnöbet ihn, die StMmaKstvÄe von "Halle urD verweigern «ff Befthit von'Berlin dem 2 'fönTet die Ehre ms Empfanges. Bon Rachsucht geschüttelt verbringt der Eiserne dl« lchtsn 'Tage 'der Derbarmung "'Er sieht, d«D 'er nur ekn Werkzeug, nur Rn HsManger war. Ar Mck zum N'epndlkkaner. Der Wqg Au «rftr Gnficht ging'dnrch Mdfsensriedhöse. BiSmarck hat ftinen KSnig nach Berfailles geführt. Der König, der ihn niedrig behobelt und beleidigt hat, führte sein Volk wieder nach Versailles. Mer da war BiSrmmk schon tot. Sr sah das große Unglück kommen; er hatte es gena» fi angekündigt, wie es wurde, und er hatte es in einer erschütternden Szene in seinem eigenen Haus dem Kaiser voransgcsagt. Der verstand nicht einmal, lvas ihn: der alte Mann zugerufen hat. Und in diesem ei.rzigen Mgenblick war Bismarck groß, war er tratsch im strengsten Sinne der Forderung der Kunst. In dieser Tragik ist er gestorben (sein Kaiser verstand nicht.einmal wie der letzte Musketier zu sterben, sondern rannte in elender Feigheit davon) und die Tragik MSmarckZ wurde dann zur Lächerlichkeit. Der gefürchtete eiserne Kan z er würde zum Denktttd£. Sein Lrbanswerk ist zwanzig Jahre nach ihm gestorben. Um den stsimmwu Riesen 'stiegen die Spatzen und die ^uBwTn. Mteafas« ist bas getüordett, was Bismarck gedacht'uud getan hat, das zusammrrnstürz'e, als ber Schöpfer nicht mehr da war. Anders sind die Empfindungen der Völker und Menschen geworden mrd wer ihnen heute so gerecht werden wvllw, daß man ihn als einen Gwßm verehrt, müßte groß sei» in der Treue zu sich, in einer sittlichen und rechtlichen Erfüllung der Pflicht. Wer heute das Leben der Völker gestalten will, muß die Dynamik der Masse kennen, muß intuitiv erfasse», was sie will. Wer führt, muß dienen, nicht tzinem König, sondern allen. Er ist verantwörtlich für das Lehen des Kindes, dem er den Vater nicht nehmen darf. ES war eine andere Zeit, als Bisnrarck aus der toll vergeudeten Jugend zur Macht kam. Aber schon, als er noch wirkte, änderten sich die Verhältnis^. Unachtsam der Zeichen, die ihm aus Zentrum und Sozialdemokratie wurden, blieb BiSmarck der Royalist, der die Karten mischte. Er hat das Spiel verloren, aber die Enkel haben es gezahlt. Er war, wie er war. 'Die Enkel grübeln jetzt, warum er 'so war. EWAßer als er, einfacher, menschlicher war der Depeschenbote ÄederstrSm, der ihm als* der >Le!tte die Hand schüttelte, als ihm Mchelms Niedrigkeit die Türe gewiesen hatte. Wer föao bk Äeve^twm8 schvE titewt keine Bücher. rtettt und Fälschern. '(Es ist kein Zufall, daß' sie alle, 'die Massenmetzger und GeschtchtSsKsch'r den Jukn.vgom «mbeten.) Diese Leute enchfinöen aber doch irgendwie ihre Schuld und ihre Berantwortkichkett. Dem sie bestreiten sie ja. Aber da wurmt auch so ein Gyttesgnadcnmensch. Sein Name ist Wilhelm It. Er hat sich einen Bart wachsen, lassen, hackt Holz, betet viel zu Gott, schachert unt seinein Bott, vor dem er sich geflüchtet hat, um Abfindung,. um Geü> und Aecker, und verhökert Bücher für Pfund und Dollars. Gr belästigt die Zeitgenossen mit seinen höchst unerbetenen Ratschlagen über Pvlüik und Religion rack» mimt den Verkannten. Er hat vergleicheirde GeMchtstabellen geschrieben, die von der sachverständigen Kritik nicht einnml einer Antwort gewürdigt wurden, und seine „Errizn'sse und Gestalten aus den Jahren 1378 bis 1918" sind vom Publikum mtt zorniger Empörung zuäickgewiesen worden. E§ K vom Bankliause Sdielhasnmer &Schai^a WSeril. «Stephawspl braver Schüler am 'Kasseler Echmnchiwn,"tvug'ölmu'rn Bonn den weißen Borussenstürer (Mensuren hat er nicht ge'chlagen) und diente treu beim Militär. Bei der Garde. War st» tüchtig, daß er bald Leutnant, Hauptmann, Major, Oberst wurde. Daß er aus England, wohin ihn die Großmutter eingeladen hatte, nach Hause schreiben konnte, wo die Fehler der epischen Kanonen wären. Ein kreuzgescheites Gartenlaube-Kind. Xxm, ehrlich, gewissenhaft. So ist er geblichen, eine Seele von einem Menschen. Hat gehen« et, Kinder gekriegt und ist dann eines Tazes Kaiser gewesen. Hier hört das Buch auf. Fortsetzung „Ereignisse und Gestalten". Siehe ohen. Man zerdrückt eine Thräne im Auge. Wie konnte man diesen Großpapa so mißverstehen und. verketinen? Die Welt ist schlimm und trägt es diesem Edlen nach, daß er Krieg angefan-gen hat, daß er Volk und Staat verdorben hat. War er denn schuld? „Der allmächtige Lenker unserer SchicksalAvege" kennt die letzten WWW- Apsiffima verba. Bismarck hctt dasselbe gesagt. >. k Hlinka vemrteklt. PrWmry, 4. Dezember. Der bekannte EÄöMbmfÜh» rer und Priester, Abg. Hlinka, hat seinerzeit in seiner» Parteiblatte einen antisemitischen Aufsatz veröffentlicht, in welchem er auf die Sympathien hinwies, die der Präsident der Republik, Dr. Masaryk, den Juden entgegenvringe. Er fei der „Tateleben dar JrHett in der Republik". Wegen dieser BerhSYrttmg SM MaaOoveryaRptLö wurde Hlinka in erster Instanz zu acht Tagen Gefängnis unbedingt verurteilt. Die zweite Instanz bestätigte dieses Urteil und auch der Oberste Gerichtshof. Nur stellte er es dem Erstgerichte anheim, sich über eine bedingte Strafe zu entscheiden. Nun hat das Erstgericht dem Abgeordneten Hlinka eine Bewährungsfrist vor» zwei Jahren zuerkannt. Ne Katholik« in engfeafc. London, 3. Dezember. Das Unterhaus hat in dritter Lesung die Vorlage angenommen, welche die den römischkatholischen Bürger»: Englands nach der Reformation entzogenen Rechte teilweise wiederherstellt. Das bedeutet die Ergänzung der im Jahre 1829 erfolgten Emanzipation der Katholiken. Doch ist nicht ersichtlich wie weit die Aushebung der Berbotsgesetze geht. Es bestehen bisher in England noch Ausnahmsbestimmüngen gegen die Mönchsorden unb kanonischen Würdenbezeichrnrngen. fife stHeeWe« "ftfose. "Sie leben "ihrem "Benn. ihrer Famllie, find die Zetten, aus denen sich die Geschich.e baut, die Träger der Ehre eines Volkes. Sie fiitb brav und gut, schlicht mä> fleißig. Sie haben Gesetze, leben nach ihnen oder auch gegen sie. Wenn sie sich vergangen haben, so büßen fios. Sie gehorchen auch dann dem Gesetz und tragen in Würde ihr Schicksal. Die Großen tuns nicht. Sit haben ja die Gesche diktiert, cms ihrem Wil'en, aus ihrem Interesse. Jhmm geht nichts über sich. Aber wenns schief kommt, dann klagen sie an. Die Feldherren, die den Krieg verloren haben, ^schuldigen das Bol*, das Hiittcr and (meistens die Jrcken), die ^»litik. Sie warcns nicht und je'er findet sein MM. Es ist eine dreckige Sivpschaft von Lügleben doch noch zu viele, denen diese Gestalt'schve ",.es Ereignis waren. Ihnen redet jetzt, Wilhelm (in zweiter Ehe verheiratet und von der Republik mit Schloß Homburg bedacht) aus dem Tusculum zu D?orn zu. Er ählt ih.'.en ,,a n s meinem Leb eit "1859 bis 1888" *). Das ist ein hübsches Buch. Keine deutsche Fannie lvird es aus de:n Weihnachtstisch missen »vollen. Cs wird einem tvarrn. Der gute Gwßpapa'sitzt am "Ofen tmt Filzpa'.llöf'eln un> Ps.i'e; das Feuer knistert, es ist so nwllig warm in der Stube, Zichorie riecht, der Duft gebratener Aepfel zieht durch die Stube. Und der gute Großpapa schi'dert den aushorchenden Blotidköpschen, wie das war. 'Er war ein gutes Kind, ein * Wilhelm II.: Aus meinem Leben 1859—1688. Verlag K. F. Köhler, Berlin-Leipzig. «am SBI K Wer alle mSgliche« kMkttWgrkillkil I laaim ü B « durchsemacht hat und trotz großer diätischer Entvehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte. B ■ versuche Dr. HoffbauerS EntfeitungSrablette«, die vor allem köiue Aenderung der ■ Bsaa m gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester Zell Gewichtsverminderung bewirken. — Depot r ■ Apotheke H. Bayer, Wollzrile Nr. 13 rMnMiMnwnMWWMOTWW W»mükah-Revol«tt»«. Von Jakob Krastz. Wl P an dreißig Jahre her, daß in der Jtzfchrtvcch des stvwalischeu Städtchens T. eilte ernste Revolution ausbrach. Wie bei den meisten Revolutionen, so tvar auch in dieser Jeschüvah der Boden längst unterwühlt,, We Geister waren reif für die Auflehnung und es bedurfte b'oß eines Wortes, um die Revolution auch wirklich zum Ausbruch gelängen zu lassen. 'Und dieses eine Wort fiel ant ersten 'Ehcvnünahabend in der großen 'Stube der Frumec Gv^dölum in der Schulgasse, mttten in einer erinnerten Kartetrpartie. Die acht Ehanukkcchtage wäret» 'für die Bachutint der Jeschiwah wirkliche Tage der Freiheit, an denen sie, von manchem Zwange befreit, sich welliger dem.Stttdirtnr und der körperlichen und seelischm Askese hi »gebe t nmß e;t un « s ch sogar ein f.'öttes Karten- und Würfels, iel er ariben dürfte r. Für Frumet Gotdblum bedeutete die Ehanükkithwoche eilte wichtige, sichere Geschästssaison Bon den dreißig Bachuriin, welche die Jeschiwah zählte, Megten »vvhl die Söhne der besser situierten Juden der Nachbargemeinden über ^hantik'ah nach Hause zu fahren, aber imm.»rhin b irben 16 Bachurim in T. und für diese wußte Frumet Gv dblum »nährend der Festtage gar manche Annehmlichkeiten zu bereiten. Die große Stube wurde her«richtet, der Fußbot^n mit fri'chem Lehm bedeckt, von den Nachbam wuä«i Tische 'und Sttih'e aukaelbhen und wenn der Abend heveinbrach, ver'antmesten sich die Ärchurim im Hause der Frumet Goldbluni, um bei Tee, <ck und M auch bei gutem Schnaps, dem Spiel M frönen. Gespielt tvurde Einundzwanzig und nur die minder Bamitblten zogm sich in eine Ecke zurück, um. wie sie sagten, das geistigere Spiel „Klabrias" zu W:n. Frumet: figuriert« hierbei sowohl als Wirtin, wie auch im Notfall als Geldverleiheriu für zusammengebwchene Spieler. Frumet verstand ihr Geschäft. Sie kochte gut und tvar diskret. Bon ihr'erfuhr niemand, welcher von den Bachurim am End: des Chanukkah' festes seinen Tallisbeutel mit der schölwn Stickerei als Wand zurücklassen tmchte und rver vor» ihnen als reicher Mann fei* AUtfkaihM - mfAfnlTiH fahffa QKXmu* frUiAr * bei* Fruinet Go.db.rtin gälten tticht au^g.reicht, ihr .Hans ptt Sammelputllt der Bachurim zu machen, hätte ihr bei ihrer schweren Arbeit nicht auch ihre Nichte, die sch ^arzäugigk Mirele mit einem Charme assistiert, der auch a:rdere junge Menschen als die weltfremt-en Bachurim angelockt hätte. Der tonangebende unter den Bachurim, gewissecnm^ea der Maitre de plaisir, der an allen, solchen Feste!» wie Chanukkah, Purim und Simchas Thora "in Mion'trat, war Jojne Flesch. Jojne tvar für dicses Amt von Natur aus prüdest ini rt. Hoch gelra^hseu, überragte er al e aitderen Bachurim um einen Kopf, hatte viel Mutterw'tz, begriff alles sehr rasch und gab dem Rabbiner bei seinen Vorträgen durch verfängliche Fragen nicht wmi» zu schassen. Jojne tvarf diese Fragen plötzlich, unvermittelt in den Pihu', in dir Disputation und niemand wußte recht, ob Josne die Frage »virk ich aus ernsten, inneren B.'denken aus erse oder b^oß, NmFich einen Jux zu machen und den Rabbiner in Verlegenheit zu bri»lg:n. Dum Jojne war alles ztttutrauen. Man sah ihn selten über den Talmud-Folianten sitzen und dennoch beherrschte er bei jedem Schiur, bei jedem Borlrag dm Stoff ivie kein ztveiter. Dafür stand er im Verdacht, in seiner freie« Zeit, deren er unter sollen Umstanden gar viel hatte, sich mit Philosophie und jüdischer Geschick-t: avzugeben. Dazu kam noch, daß er sein Haar nach Künstlerart trug uwd seinen dunkelbraunen Bart pflegte wie eine junge Dame ihr Gesicht. Die Tochter des Rabbiners hatte sogar einmal gesehen, wie Mirele, die Nichte der Frumet Goldblum, bei der sie zu Besuch war, am heMchten Tage Jojne dechkSaMdkäppchen vom Kopse nahm und ihm mit ihren sMttetweb' che« Händen liebevoll durch dar Künstlsrhaar strich. Wie in allen oberungarischen Zeschiwoth der Mm M gab es auch in der Jeschiwah von Tl. zwei Richtmtgen, die strenge« und die gemäßigte. Die Anhänger der gemäßigten Richtung standen im Gerüche, mit einem Fuß bereits jenseits jener „vier Eilen der Thora" zu stehen, innerhalb welcher kein anderer Gedanke als der der Lehre wrd ihrer Erforschung auflo»mnen darf. Der Führer der gemäßigten Richtung war Jojne Mesch, der kn den UnterrichtSpaufett und -oisihe« bm Gebchen m m SÄE ßmven (Btimm immer etwas Äteues aus. feinen Studiert imtgiitei.cn »vußte, was geeignet erschien, seine Freunde twntec mehr flöt die GMnzc jener vier Ellen zu'bringen. r Am e.sten Chanukkah-Abend biä Jahres der Revvkution in der Jeschiwah von T. ging es bei der EinundzivanM- Partie im Hause der Frum.t GoMlum bereits hoch her. An der PGtie hatte auch Ber Deutschsänder, ein g-ooßer Eiferer der strengen Observanz, tei'genommen. Jojne war an jenem Abend hoch Kn Form und bei ausgezeichneter Laune. Mirele wich nicht von seiner Seite und Frumet hatte Mühe, den Wüttschen ihrer Gäste nach Tee, Slibvwitz mtd G annne n, die sie fürsorg ich vorber.ilet hatte, nachzukontmen. Jojne getvann unausgesetzt, hingegen mußte'Ber tmederholt in die Küche zu Frumet verschwinden, um an ihren Kredit zu appellieren. Je »mh'r Jojne gewann und je cnfsgelassener er wurde, desto gereizter tvurde Ber, der, wie eö hieß, fast auch seinen Kvpf verloren hatte. Als BeeAbev-- prals vor einer leeren Geldtasse saß, di« Frumet den Spielern beigestettt hatte, sprang « «ragt von fefetew Wch auf und schrie: ' »s | „Jojne, mir scheint, daS geht nicht mit rechten Dinge« zu. Da scheint irgend ein ,Chanukkahivunder' im Spieke zu sein. Ein Mensch setzt sich ohne Kreuzer Geld nieder lund jetzt ist seine Tasse zu Nein, um das viele Geld zu fassen. Me in jenem Oettrügche«, in dem kein Tropfen Oel tvar und durch ein Wunder Oel genug hatte, um acht Tcvgelllang zu brennen, hat Jojnes Tasse chm jetzt Geld für ein halbe- Jahr gebracht. Aber bei diesem Wunder ist der liÄbe Gott, gesegnet sei sein Name, sicherlich nicht mit im Spiole." Alleenvartete, daß Jojne aus diesen verstecken Bor- Wurf des Falschspielvns ebenso erregt antwvr.en wecke, wie ihn Ber angegangen, war. Achne aber MtwvvtE «K hm größte» Seelenruhe- < „Unsere Meinungen gefta 8V Wckk iMchnckickr. M teil« die Ansicht jenes Gelehrten im Talmud, der die These ausgestellt hat, daß auch Gott nur dort durch ein Wunder Segen schaffen kann, wo bereits etwas vorhamden ist. Aus nichts kann auch tiichtS werden. Dieser Gelehrt« gflaubt nmr, dickdss!! 1 i «■ 'I >1 ".l I l 1 s \ 1 H i .