Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2792 (5.12.1926)
- Date
- 1926-12-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 SBteit, GkMnVllg Wiener Morgerrzettrrrrg 6. DezemSre 1886 «r. tm Sreler Boden! Am« fSnfindztvanziqi-brtgen Bestand de- Iüdtschen Nationalfonds. Von Dr. Leo Goldhammer. Ein allgemein geltender Grnridsav besagt, daß ein gesellschaftliches Kollektivum nur dann gesund bleiben kann, wenn jedes einzelne Glied desselben geistig, körperlich und wirtschaftlich gesund ist; geistig, körperlich und wirtschaftlich gesund kann aber der Mensch auf die Dauer nur dann bleiben, wenn er in irgendeinem lebendigen Zusammenhang« mit dem Erdboden steht, wenn er im Grund und Boden verwurzelt ist. Die Geschichte lehrt uns daher an der Hand einer Anzahl ron Fällen, daß ein Volk auch ohne Blütnergießen vernichtet werden kann, lvenn man es bloß von Anzahl von Fällen, daß ein Volk auch ohne Vlutver- Arbeit, wenn man es von der Scholle verdrängt; über kurz oder lang degeneriert ein solches Volk und geht in der R:gel unter. Die Kraft einer joden nationalen Truppe ruht daher in ihrem Bauernstände, ohne den übrigens auch ein geordnetes Staatsgebilde gar nicht existieren kann. -.,Jodes Volk bildet unter normalen Verhältnissen einen selbständigen Wirtschaftsorganismus, der sich urfpoünglich und zur Not auch später selbst genügt. Es tausche den Uberschuß seiner Produkte mit anderen Völkern aus, nicht um zu leben, sondern um besser zu leben, nicht um seine elementarsten, sondern um seine höher entwickelten Bedürfnisse zu befriedigen. Nur das jüdische Volk bildet keinen geschlossenen WirtschaftSkörper, denn es fehlt ihm dazu die unentbehrlichste Grundlage: ösr Boden. Es hat keine Erzeuger von Nahrungsmitteln und Rohstoffen in seiner Mitte. Der jüdische Erzeuger wirtschaftlicher Werte kann sich also nicht auf seine erste, natürliche Kundschaft, seine Volksgenossen, beschränken. Ein bloß innerer Kreislauf der Werte würde unfruchtbar bleiben; ein bloß gegenseitiger Austausch der erzeugten Güter niemanden ernähren. Der jüdische Erzeuger ist auf die nichtjüdische Kundschaft angewiesen. Er muß an die Nichtjuden verkaufen, denn er kann nur beim Nichtjuden sein Brot und seine Rohstoffe einkaufen." Mit diesen klaren und das Wesen der Judenfrage am besten erfassenden Worten hat Max N o r d a u in seiner Rede am fünften Zionistenkongretz die schädlichen Wirkungen der abnormen Differenzierung der ökonomischen Funktionen innerhalb der Judenheit ausgedeckt und damit auch gleWeitig das Endziel der zionistischen Bewegung formuliert: Die Schaffung des unbedingt notwendigen - geschlossenen jüdischen Wirtschaftskörpers. Sin Volk, das kein eigenes Territorium hat, kann auch keine eigene Ackerbauklasse besitzen; seine Existenz i macht keine selbständige Entwicklung durch,, sondern es ist dabei immer von. den anderen Nationen abhängig. Es entwickelt sich nicht von einer niederen zu einer höheren Stufe, sondern macht lediglich kleine Aenderungen durch, um sich jeweils den neuen äußeren Bedingungen anzupassen, eigentlich aber, um wieder eine technisch-wirtschaftliche Funktion zu erfüllen, die mit der Zeit überflüssig wird und das Volk, sobald es sie erfüllt W, dazu zwingt, den Wanderstab zu ergreifen. Der Bestand einer solchen Volksgruppe ist nur im Zusammenhangs mit einem anderen „territorialen" Volke' möglich. M es also klar, daß die Lösung der Judenfrage nur durch die Schaffung eines geschlossenen Wirtschastskorpers für die Inden in Palästina möglich ist, mit anderen Worten, daß eine Gesundung des jüdischen Volkes ohne Schaffung eines gesunden Bauernstandes, welcher di« Basis der Gesamtwirtschaft zu bilden hat, undenkbar ist, so unterliegt es keinem Zweifel, daß dies nicht auf die Basis der durch die jahrhundertelang währende systematische und brutale Machitpolitik geschaffenen Grundbesitzverteilung geschehen kann, die für die Klassen in Stadt und Land schon heute unerträglich ist. Dem Grund und Boden mutz demnach vor allem der Monopolcharakter genommen werben, der ihn zum Gegenstand einer volksschädlichen Spekulation kapitalsEräftiger Individuen oder Gruppen macht, welche in dem Boden bloß ein Objekt der Bereicherung sehen mrd denen das Wohl und Wehe der übrigen Bevölkerung gleichgültig ist. Es mutz jenes, im alten jüdischen Recht bereits geltende Prinzip endlich wieder zur Durchführung gebracht werden, nämlich, daß Grund und Boden Eigentum der Gesamtheit, also für den Einzelnen eigentlich nur bedingtes Eigentum ist, daß der Einzelne den Boden gewissermaßen nur als Darlehen von der Gesamtheit erhält, über dessen für sie nützliche und notwendige Behandlung und Ausnützung die Gesamtheit zu wachen das Recht und die Pflicht hat. Der Besitzer soll also keineswegs einfach nach seinem Gutdünken mit dem Grund und Boden, dem Eigentum der Allgemeinheit, schalten und walten dürfen. Dieses Grundprinzip, das die Menschheit nicht zu ihrem Besten — aufgegeben hat, bildet seit vielen Jahrhunderten den Angelpunkt aller MenstlHeitskrisen. Sie werden erst gelöst werden, wenn die Menschheit zu diesem, ihrem gesunden, natürlichen Bodenvecht zurückkchrt. Dröse Lösung bahnt das Judentum jetzt in Palä- Hna 0«. De? Keren Kajenreth, der Jüdische National-, fonds, dessen fülfundzwanziMhrigen Bestand wir in diesen Tagen feiern, ist nach dem Mllen seiner Schöpfer der Träger dieses Grundprinzips. Der von ihm erworbene Boden bleibt unveräußerliches Eigentum der Gesamtheit und schafft dem kranken jüdischen Volksorganismus (die Ursachen der Krankheit haben wir oben dargelegt) die Grundlage für eine dauerhafte, glückliche Existerrz als gsstrndes Volk auf freiem Boden im eigenen Lande. Klassenlose rar Anffwgsiiehang empfiehlt Hdm Stufe, 1., fflppllngintralt 18 (Eckt Sctiwiftp.) Ziehung 28. and 80. Dezember. Lose, Plan and Erlagschein werden promptest »gesendet. Bestellungen erbeten, m L« großen Kanzler und seinem Kaiser. Smil Ludwigs Msmarck-Buch. Saubere schöne Spitalsarbeü, mit Sympathie ausgeführt, mit derselben Liebe zum Objekt, mit der sich der Professor über den Körper beugt, der ihm dm Gefallen getan hat, sich auf den Tisch zu bemühen. Das war einmal ein lebender Organismus, erfüllt von Stotz, Mut und Haß. Hier ist das Gehirn, hier bas Herz, hier der Magen. Ms eines das andere noch bestimmen konnte, hieß das Ganze Bismarck und loar ein Großer,- einer von dmen, die — man sagt das so, und es ist nuir bis zu einem gewissen Grade wahr — Geschichte machen, di« dem Menschengeschlecht angeblich die Entlvicklungslinie ziehen. Jetzt liegt er auf dem Seziertisch, und Emil Ludwig*), der den Petit corporal zerlegt hat, besieht sich nun den eisernen Kanzler, analysiert ihn, löst ihn auf und hält dem Auditorium einen Rügen Bortrag. Warum er dies so tat und dies so, warum er dies hatte tun müssen und jenes nicht? Das Warum ist ein Buch von 662 Seiten, ein umfangreiches Obduittionsproto4oll, ausgenommen nach 30 Jahren im roten Licht der Revolutionslampen. Aber auch dieses dicke, schöne Buch kann das Warum nicht erklären Das Warum ist das Leben eines Menschen, ist zusammengesetzt aus tausend und einem Einfluß der Umwelt, anderer denkender, handelnder, irrender, strebender Mensch», und dieses Warum läßt sich nur. dozieren, tvenn das Schicksal abgeschlossen ist, und selbst dann ergibt sich, daß dieses Warum kein Darutn sein kann. Die kleinen Ursachen Voltaires sirrd die stärksten, sie bestimmen Anlaß und Wirkung, und sie erweisen, wie sinnlos alles ist, was man gemeiniglich Geschichte nennt, und wie uruvahr die Kriteria sind, an denen man die Größe zu bestimmen Pflegt. Besteht etwa die Größe aus der Summe der Individuen, denen der Große das Grab bereitet hat, aus der Summe derer, die noch nach ihm an seinen Fehlern mrd falschen Berechnungen, wissentlichen oder unbeioußten, Leben und Glück verlieren mußten? Ist das so, dann war Bismarck einer der Größten. Aber neheü Newton muß Wellington schweigen. Und selbst die Größe Bismarcks zerschelltean der Kleinheit des. Kaisers, der ihn Hinauswersen konnte, davonjagen, peitschen wie einen Leibeigenen. 75 Jahre ist der Große, der Recke alt, da muß er in einer gespenstischere Nacht, zwischen trübenr Kerzenschern und zitternden Schaltm, seine Briese und Akten in Kisten packen. Keinen Freund hat er, nichts konnte er sich an Wärme Mrd Liebe retten, nichts als das, tvas nicht auch der letzte Prolet hätte, die Frau und die Kinder. Aber auch das bleibt ihm nicht. Die Frau stirbt, die Kinder gehen fort, und der Große, dessen Namen einmal die Welt in Angst und Schrecken, in blutendem Respekt nannte, sitzt einsam und gebrochen in seinem Park neben dm eingegrabmen Lieblingshunden und sinnt mit tränenleerem Augen und bebenden Lippen darüber rrach, warum er mit der Dynastie gegangen ivar und nicht mit dem Volk. Ein Mensch voll Willen, Machtstreben und Härte ist er gewesen, nicht roeniger und nicht mehr u>ie ander» Menschen. Aber das Wesen der Größe lag nicht in ihm. Was Emil Ludwig beweisen ivill, daß man sich in Ehrfurcht zu bmgen habe, das ist nichts, was durch Bismarcks Persönlichkeit bedingt wäre. Sein Ruhm war nichts Geistiges; der Respekt, der ihm aufwartete, das Ansehen, das er genossen hat, gründete sich auf nichts, was er aus sich gab. Das preußische Militär, das Zündnadelgewehr, der arme Soldat, der marschiert und gehorcht und stirbt, und über allem die Dynastie. Das ist Bismarck gewesen. Seine Politik? Die hat innen wie außen das deutsche Volk bis ins tiefste zu spüren bekommen. Und eS ist nicht so, daß man dies erst heute erkennt. Bismarck Regierung ist ein einziger Kampf gewesen. Die Demokratm, das Zentrum, die Sozialdemokratie haben in jeder seiner Taten den Fehler gesehen, und sie habm gewarnt. Sie waren mefj weniger deutsch wie er. Gegen dm dänischen Krieg, gegen den österreichischen, den französischen; gegen Schutzzoll, Agrarzoll, ° Militärvorlagen, gegen die Kulturgvsetze, die Zuchthausvorlagen streitet erbittert, erregtwüteich die Opposition. Nirgends setzt sich Bismarck durch Er siegt mit Gewaltmitteln. Er löst den Reichstag immer wieder auf, benützt Attentate zu politischen Erpressungen, arbeite mit Ausnahmsrecht, Belagerungszustand, Majestätsbeleidigungsparagraph. Mas wir heute als FaftlsmuS verfluchen, die Anwendung der Roheit als Quelle des Gesetzes, ist daS nicht im Bismarckischen Deutschland schon gewesen? Die soziale Frage Witt er mit Schießen lösen, ja er legt sogar dem Reichstag ein Gesetz über Aberkennung der Staatsbürgerschaft vor. Sfciffwni hat sein Borbild. •) Emil Ludwig: Bismarck. M6. Ernst RowMt- Sttfefr Berti«, Und die äußere Politik Bismarcks? Krieg, Krieg, Krieg. Er kennt -di« Geschichte Preußens, die immer nur Vertragsbruch ivar. Feind aller Welt kann nur Feindschaft ernten. Auch dem großm Bismarck steht nichts anderes vor Augen. Das deutsche Volk will Frieden, das französische und russische Volk will keinm Krieg. Aber Bismarck weiß nichts vom Volk. Er ist aus der Junkerraste. Deutschland — has sind die Hohmzollern, Rußland die Romanows, Frankreich die BonaparteS. Die Staaten sind nicht die Völker und die Menschen; sie sind Dynastien. Der eine Klain der Mitte verbindet sich bald mit dem von rechts gegen dm von links, fürchtet Betrug tund begeht ihn, deckt sich hinter der Autorität der Religion und spielt mit ihr. Wenn die Könige streiten, weinen die Achiver. Dieser StrcÜ — ist Bismarcks Lebenselement, feine Weltanschauung. Für diesm Streit die günstigsten Voraussetzungen zu schaffen, Geld und Merrschm bereitzustellen und die beste Stunde zu wähle», das ist seine Außenpolitik. Er hält dm Fristen nicht Um des Friedens willen, sondern weil Deutschland nicht genujg gerüstet ist oder weil die Gegner eben stärker sind. Und alle Dynastien habm solche Diener, die nur lauern. Alle Dynasten und alle Dimer sind höchst fromme und gläubige Menschen, führen immer Gott und die Kirche geder seinen Got?uii,d. seine Kirche) im Mund; ihr Volk ist ihr Eigmtum. Bismarck als Deutscher mahnt die österreichischen Deutschen an ihre Pflicht der Treue; 1866 hetzt er die Tschechen gegen Habsburg und formiert eine magyarische Legion. Was ist sein Bolksbewußtsein? Was sind ihm die Deutschen in Siebenbürgen oder in Rußland? Untertanen, die zu kuschen haben. Er entstammt der Kaste, die sich in Treue unk den Thron schart; die den König ehrt, solange sein Geschäft das , ihre ist. Sie meutert, wennder König einmal andere Wege geht und sie haßt diesen Bisnrarck, weil er stärker ist als sie, weil er die Hand rascher am Prügel hat. Und so-wie die Kaste ist ihr Haupt. Der alte Wilhelm, den Bismarck zuml König und dann zum Kaiser gemacht hat, geht im höchsten Augenblick seines Lebens, im Versailler'S^iegeisaäl, an dem Kanzler vorbei, ohne ihm die Hand tzu reichen, Kaiser Friedrich will den D'encr seines Hauses nicht einmal anspucken und Kaiser Wichrlm sagt ihn davon wie einen Lakai. Und wie denkt dieser 'Bismarck von seinen Kaisern! Mit welcher Verachtung sprich. er von ihnen und ihren Freunden! Er hätte ein Recht, Wilhelm II. aufs tiefste zu verabscheuen. Mer atn Geburtstag, in der Ungnade, steht er an der Tafel auf und trinkt auf das Wohl Seiner Majestät, die seine Briefe aufbricht und Spitzel um täm Aeqnafor- Warenverlrieft M.. Lindengasse 13 Ecke Neubaugass«', Mezzanin Passen Sic auf! ff A» Tadelloser scanittl zum »reite »on s iso oder derselbe $ 122 oder derselbe S 94 oder derselbe $ Sv oder derselbe S 38 oder derselbe 10 tsö Wle$0???Besamen sie Verlanden sie prespeblc >