Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2790 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Krelwg 8. DszemVer 1ll36 Oe. 2790 Mene» Mori>e«r-kt««s JÜDISCHE WEIT ras Stuft der ukraMche« Pogrome. Aus Paris wird uns berichtet: Die vom Komitee der jüdischen Delegationen gesammelten Materialien über die Pogrome in der Ukraine in den Jahren 1917—1920 befinden sich bereits im Druck und werden in den nächsten Tagen in Buchform erscheinen. Das Buch zerfä'lt in drei Teile. Im ersten Teil werden die Vorgänge in der Ukraine im Zusamm nhang mit der Pogromwelle geschildert, der ziveite Teil enthält eine Reih« Untersnchungsma'erial, authentische Dokumente und Akten. Im dritten Teil w'rden die Dokumente über die vom Komitee der jüdischen Delegationen in Paris seinerzeit im Zusani nenhang mit den Pogronmr durchgeführten Aktionen im Ausland verösf.ntlicht. Die gwße Bedenttrng dieses Buches liegt darin, daß in ihm znm ersten Male eine ganze Anzahl neuer unbekannter Daten und Tatsachen veröffentlicht werdet:, durch welchedie gerade gegewvärtig lvichtige Frage der Veranttvortlichkeit P e t l j u r a s für die Pogrome in der Ukraine beantwortet wird. Auch die bisher noch wenig historisch behandelten Zusanmimhärige der Pogrome der Petljura-Baicken in Ostgalizien im Herbst 1920, erfahren durch die in dem Buch enthaltenen Materialien die richtige Beleuchtung. Mk'cher aus London. Auseinem Londoner Brief. Die Mitteilung, daß in dem aristokratischen G o l fklU'b in der letzten Zeit Inden bloß wegen der Zugehöri-gkeit -um Judentum nicht ausgenommen werden, hat in der gesamten englischen Presse mit einem Male die Frage des gesellschaftlichen Boykotts gegen Juden in den Vordergrund der Diskussion gestellt. Die Blätter veröffentlichen Zuschriften an die Nedaiktionen, in denen darauf hingewiesen wird, daß der Golfklnb nicht der einzige sei, in dem sich der .gesellschaftliche Antisemitismus breit macht. In vielen anderen Klubs macht sich der Antisemitismus selbst gegen angesohene eingeborene Juden fühlbar^ Ebenso werden in manchen öffentlichen Schulen keine j >ü d ischen Kinder ausgenommen, und in einer ganzen Reihe von Spitälern und öffentlichen Anstalten werden Juden zu keinen Stellungen zugzlassen. Das Pressekomitee des jüdischen Board of Deputier veröffentlichte eine Erklärung, daß der Board schon seit langem gezwungen sei, gegen eine Reihe antisemitischer V e r l e u m d u n g e n in den Provinzblättern und in öffentlichen Versammlungen einen Kampf zu führen. So zum Beispiel haben die Gegner des Kohlenstreicks in ihren Blättern . die Behauptung verbreitet, daß die jüdischen Bolschewiken den Streik finanzieren, weshalb er so lange dauere und die Not der Engländer vergrößere. Auf der anderen Seite wieder evklärte der Arbeiterführer S a r r e y, daß die Streiken- - den den Kampf gegen die deutschen Juden führen Müssen, welche die Besitzer der Kohlengruben [eien.. Im übrigen wird allgemein erwartet, daß die Regierung. um d'm Skandal im Golfklub ein Ende zu'bereiten, den Pachtvertrag bänglich des Golfplatzes, der staatlicher Grund ist, kündigen und nicht mehr verlängern werde. Drr „Cathoüc Herab" erwecke durch die Mitteilung, in seiner letzten Nummer, daß sich unter den jüdischen Frauen von England in letzter Zeit eine starke TaufbewegUng zeige, gwße Sensation. Angrb'ich sollen auffallend viele jüdische Frauen in der letzten Zelt zum Katholizisnms übertreten sein. Bon verschiedenen jüdischen Stellen wick» diese Behmrptung als unbegründet hingestellt und erklärt, daß die Austritte aus dem Judentum und ganz besonders die Uebertritte zum Katholizismus durchaus nicht den Umfang einer „Bewegung" angenom nen Halen. Auch diese Mitteilung, deren Wahrheit nicht festgestellt werden kann, wich von anglikanisch orient'erter antlsernltis her Seite zu einer Hetzkampagne ausgenützt. Sehr interessante Feststellungen über die Entwicklung der Juden in Whitechapel wurden in der letzten Zeit gemacht. Whitechapel ist bekanntlich eine sehr judenreiche Handels-, und Jndust.iestadt. Vor kurzem nun wur'en s'm große städtische Schulen in Whitechapel wegen Sch'tlermangels geschlossen. Noch vor zehn Jahren waren dieselben Schulen mit-jüdischen Kindern, geradezu überfüllt. Seit Kriegsende abcr haben sehr v'e'e Juden wohl ihre Geschäfte in Whitechapel wütevbehalten, ihren Wohnort jedoch nach dem Nordrn und Westen von London verlegt, so daß Whitechapel allnmhlich ein jüdisches Gesch'iftszentvnm, aber nichl mehr die Stadt mit drr ausgesprochen jüdischen Bewohnevschast werben wird. Der BegrünHer der amerNantfchen PaMga seltorben. Durch bas Ableben eines der hervorragendsten Bürger von Boston, Jsak Heller, wird die Erinnerung an eine amerikanische Staatsaktion wachgerusen, die seinerzeit großes Aufsehen erregt hatte. Der im 64. Lebensjahre verstörtem Jsak Heller war der Begründer und erste Präsident der amerikanischen „Patzport League", die seinerzeit den Präsidenten der Vereinigten- Staaten, Last, veranlaßt«, den Handelsvertrag mit Rußland abzulehnen, weil das zaristische Rußland amerikanischen Mogem, die ursprünglich aus Rußland stammten, trotz ihres amerikanischen Passes keine Aufenthaltsbewilligung in Rußland gewährte, weil sie Juden waren. Jsak H e l l e r hat auch sonst eine Reihe von Ehrenstellen bekleidet, für welche er von der Negierung ernannt wurde. ' ' Dr. Schalon, Treislmarm Oberrabbimr von Portugal. Aus Lodz wird uns berichtet» Ing. Samuel Schwarz, der bekannte Erforscher der Lebens der Marannen in Portugal» ist nach zweiwöchigem Besuch bei seinen Eltern in dem unweit von Lodz gelegenen Städtchen Zgierz wieder nach Lissabon abaereist. In einem Gespräch mit dem Redakteur des „Lodzer TaMatt" teilte er mit, daß er in Lodz den jungen jüdischen Gelehrten Dr. Schalom Tr eist mann als Rabbiner für die jüdische Gemeinde von Lissabon und GroßrabMner von Portugal gewonnen habe. Dr. Schalom Tr ei st mann, der schon demnächst nach Lissabon übersiedelt, wird auch von der Ltssaboner Untrerfltät die Einladung erhalten, Vorlesungen über Judaioa an der Hochschule zu halten. Ing Schtvarz knüpft an die Berufung dieses vielseitig gebildeten und energischen jüdischen Gelehrten auch besondere Hoffnungen hinsichtlich der Aktion zur Zurücff-ührung der Manannen in Portugal zum Judentum. .Eine jüdische Schnhlwa 1« Saloniki. In den letzten Tagen waren in Saloniki MassenflUgblätter vorbre'/lrtt Warden, die zu Angriffen auf Juden auffordern. Der Generalgouverneur verMg'e die Konfiskation. In Saloniki Hai sich eine Liga für Wahrung, der jüdischen, sozialen, politischen und ethisch-kulturellen Interessen gebildet. Die Liga will auch gegen das Uebergreifen des Kommunismus auf die jltdisthe Arbeiterschaft ankämpfen. „ Fünsjährkges Bestchm troit Kfar Jacheskiel. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Kfar JecheSktel, die grMo unter den Kleinsiedlungen des RurtS-KomplexeS auf Boden . des Keren Kajemech. Leisrael und eine der bedeutendsten im Emek, feierte am 19. November ihr füuMLigeS Bestehen. Bei d.'ser Gelegenheit wurde der Grundstein für das demnächst zu errichtende SchnlhauS feierlich gelegt, das die völlig ungenügenden Holzbaracken, in denen jetzt Kindergarten und Elementarschule untergebracht find, ersetzen, soll. Festlich gekleidet versammelten sich die Bewohner dieser großen Keren Hajessod-Siedlung vor der mit Farnkraut geschmückten Tribüne, um den kurzen Ansprachen über die Bedeutung des Tages zu lauschen. Die Siedler von Kfar Jocheskielsind alte, wohlerfahrene jüdische Kolonisten, unter denen sich auch einige elzemalige L egionäre der^iüdischen Bataillone befinden. Vertreter der benachbarten Siedlungen in NuriS und aüS dem ganzen Emek nahmen an der. Feier teil. lafcha LeoMew. Kammerspiele. Es war mehr als ein „Tanzabend": Eine Reihe höchst eindringlicher, höchst' persönlicher pantomimischer Szenen. f ' Dieser naive, seinem Werke unvergleichlich hingegebene Künstler dichtet. Monologe und rezitiert sie ohne Worte. Durch harmonische, charakteristische Gesten der .Gliedmaßen un-d vor allem seines beredten,-jedes Ausdrucks fähigen'Gesichtes- Erschütternd im Religiösen (insbesondere „Die Beichte"), rassig im volkstümlich Nationalen („Der Dartarenbettler", „Mazurka"), humorvoll im Satirischen (insbesondere in der Tartüff- Glosse „Der Scheinheilige"), entzückend, wenn er, der Fremdländische, seine //Erinnerungen an Wien" mitteitt. In, tänzerischer Vollkommenheit ^bewegt sich sein Köpper, der von den Fing?rspitzen bis zur Fußsohle seinem schöpferischen Willen untertan ist. Tanzübnngen, Tanzphrasen, Tanzakrcibatik erspart er uns. Dieser außerordentliche Rhythmiker kommt mit einein Minimum melodischer Bewegungen aus, die in ihrer Ursprünglichkeit und Natürlichkeit allen tanztechnischen Kunststücken vorzuziehen sind, wie man sie an anderen Tanzabenden über sich ergehen lassen muß. Meisterhaft die Klavierbegleitung Prof. Erich Meilers. Sascha Leontjew wurde bejubelt. O. A. sine neue rheater-Aera ln gtaNen. Gvimdung dreier großer Nitionaltheater. — Pirandello Generaldirektor. Die großen italienischen Blätter berichten in sensationeller Aufmachung über einen umfassenden Plan der italienisch-en Schriftlstellevwelt und der Regierung, das italienische Theater, das gegenwärtig für Prosaaufführungen weder über ein ständiges Bühnenhaus, noch auch über ein dauerndes Ensemble verfügt, auf ganz neue Grundlagen zu stellen. Pirandello hat zusammen mit dem bekannten, Theaterfachmann Doktor G i o r d a n i der Regierung den Plan für ein „dramatisches Staatstheater" vopgelegt. und die Billigung des UnterrichtSministers und des Ministerpräsidenten gefunden. Es wird ein Staatstheater in Rom gegründet, ebenso eines in Mailand und eines in Turin. Der Grund für die in größtem Stile beabsichtigte Einrichtung liegt in dem Darniederliegen der Sprechbllhne, der dramatischen Dichtkunst sowie der Schauspiekkunst in Jtal''en, die auch wirtschaftlich gegenüber der Oper infolge der Teilnahmslosigkeit des Puölikums vollständig im Hintertreffen steht. Seite 5 «u» de« Deutern. MoverneS TheS-ter. >Mo«gLtt» halb 4 mittags, ,# t u Ö 4 r J& u ii t g". OPe r n thea t e r. Morgen, hai!S 8 ,Uhr» dort". Uhr rrachp „Tu ra rr. Volksoper. Morgsn »/Die Wulklüre" mit Charlotte Dahmen. — Dw italienische Opernsta-gione beginnt Sonntag, den 13. d., mit „R i g o l e t t o" ihr Gastspiel. Raimundtheater. Sonntag mn u Uhr nachnüttags, als Kindervovstell'ung Struwelpeter". Deutsches Vollkstheator. Heute, neueinstudiert, „Nathan der Weise" mit Leopold .Gramer in der Titelrolle. Morgen spielt Leopold Kramer in Gabriel Dreaelys Lustspiel „Der Gatte des Fräuleins". Neben ihm de'tutievt Lklli Bader vom Prager Deutschen Landestheater. Sonntag, halb 4 Uhr nachmittags, „Die Schule der Kokotten". Burgtheater. Heu-te statt „Die rote Mühle" „Der Traum ein Leven" (ITheatergemeinde, Serie A, weiß). Die entfallene Vorstellung findet Montag, den 27. .statt. Morgen „Der junge Aar". Akademietheat-er. Samstag, halb 8 Uhr, „Spiel im Schloß". Bühne der Jungen. Samstag, den 4. d. M., in den „Kunstspielen", 1. Dez., Riemergaffe 11, 8 Uhr abends, als erste Vorstellung der Spielzeit, Strindbergs „Scheiterhanfe n". Eine Berliner Gesellschaft der Freunde der „Habirnah". Wie I. T. A. meldet, har sich in Berlin eine GesellsüMst der Freunde der „Habimah" gebildet, deren Zlveck es ist, die Zukunft des hebräischen Theaters „Hammah" sicher zu stellen. " Ein neues Drama Ernil Bernhards. Der erfolgreiche Autor des Dramas „Die Jagd Gottes", Emil Bernhard (Rabbiner Dr. Emil Cohn-Berlin), hat, wie I. T. A. meldet, ein neues Bühnenwerk „Das reißende Lamm", vollendet, welches zur gemeinsamen Urauffiihrung für den 11- Dezember von den Vereinigten Theatern in Breslau und den Stadttheatern in Magdeburg, Bonn und Halle erworben wurde. Vereine, Bartriige und Versammluuue«. Wiener Bcth-Hamidrasch, 2. Bez., Dempelgass.e 9. Morgen, SamSlag, 3 Uhr, Lektor Dr. S. Rubin: „Joseph in Aegypten,." — Ausstellung „Die Frau von Heute", 8. Bezirk, Alserstraße 23. Heute, /'S 11 Uhr vormittags: Die Pfl-ege des Bübikopfes, Helene Peßl; 3 Uhr nachmittags: Billiges und abwechslungsreiches Kochen, Frau Steffi Rernhart; 4Uhr: Mühelose Hauswäsche. Frau Netnhart; 6. Uhr: Die Elektrizität im Haushalt, Ing. Arthur Hochstädter. — Zionistische Jugenbgruppe Leopoldstadt, 2. Beg., Zirkusgasp 66. Morgen um 7 Uhr Chanukahfeier mrt reichhaltigem Programm. Festredner Herr Dr. Jisioor Kla-ber. Gäste willkommen! — Hebräischer Klub. Morgen um 7 Uhr abends findet im Vereinslokal, 2. Bez., Z.iÄusgasse 66, in dem unter Leitung des Kulturanites des Zionistischen Äandeskomitees stehenden hebräischen Klub anläßlich des Chanukahfestes eine gemütliche Zuisammenkunft der He'bräischsprechenden statt. L Eine Akademie mit Modeschmr. Montag, den 6. DezenrDer 1926, 8 Uhr aben>ds, veranstalten die zionistischen Jrauengruppen 18 und 19 im Restaurant Türkenschanzipavk eine Mademi-e mit Modsschau zugunsten des Keren Kajemeth. Karten erhältlich bei den Komiteedamen; Kartenvormerkungen im Büro deS Keren Kajemeth, 1. Bez„ Kärntnerstraße 28, Telephon 77-4-86. 77-4-86. «urftellervekficherungeu stad aufjuwerteo. Die Private Klara Dresdner hatte bei der Geburt einer Tochter im Jahre 1904 für diese eine A u ssteuerversicherung mit der Wiener Lebens-« un.d^ Rentenversicherungsanstalt abgeschlossen. Wie in der Polizze ausdrücklich hervorgehoben wurde, handelte es sich Um Anlage eines Aussteuerkapitals^ im Bettage von 10.000 Kronen. Jährlich war eine Prämie von 500 Kwnen zu zahlen. Als Ende Februar 1925 die Versicherung fällig wurde, schickte die genannte Anstatt der Frau Dresdner die Versicherungssumme im Bettage von einem Schilling. Frau Dresdner wies diesen Bettag zurück und brachte beim Handelsgerichte eine Klage auf Aufwertung der Versicherungssumme ein, iveil es sich, wie aus der Polizze hervorgehe, nicht um eine gewöhnliche Kapitalsversicherung, sorckern um eine ganz bestimmte Zweckversicherung haMe. In der Polizze werde ausdrücklich von einem Aussteuvrkapital gesprochen. Das Handelsgericht totes die Balvrisierrmgsklage jedoch zur Gänze ab mit der Begründung, daß es sich hier um eine der Aufwertung nicht unterliegender Kapitalsversicherung ' handle. Das Oberlandesgericht gab jedoch der Berufung der Klägerin Folge und erkannte zu Recht, daß das angefochtene Urteil aufgehoben und die Stteitsache zur neuerlichen Verhandlung an die erste Instanz vertviesen werde, Das Berufungsgericht war der Anschauung, daß es sich, hivrj, wie es aus dem Inhalt der Polizze sclM hervorgche, um eine der Auftoettnng unterliegende Z we ckv er sichern ng handle. Das Gericht erster Instanz wich nach Rechtskraft dieser Entscheidung zu prüfen HÄen, welches Kapital einer seinerzeit mit 10.000 -Kronen bewerteten Aussteuer entspricht Schröders Lodesurtril bestütigt. Leipzig, 3. Dezemiber. Der dritte Strafsenat des: Reichsgerichtes pevhandette heute unter dein Vorsitz des Reichsgerichtsprasidenten Dr. Simons als RevPonslststanz über das Urteil des Magdeburger Schwurgerichtes vom 17, September, durch das der ehemalige Handelsschüler S ch r ö d e r wegen E r m o r d u n g des Buchhalters Helling zum Tode verurteilt worden war. Das Reichsgericht hat die Revision Schräders verworfen und das Urteil der Vorinstanh ohne zche