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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-02 · Heft 2789 (2.12.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2789 (2.12.1926)
Date
1926-12-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«Sekte 6 Wien, DonnerSkvF Wtemr Mvrq«tMmrs s VazeMer IM» Nr. 2786 OEST. PATENT O. ft. - PATENT Das Elastische f Qßkissen, ideale Schuheinlage beseitigt sofort FitfcErmSdungstcliiiierzeii, Sohlen- I Bei Postbestellufig brennen und Plattfußbeschwerden! Schuhnummer angebeo APOTHEKE, Wien, II . ennsitasse 2 J 6fn gemeinsamer not Bet Wische» Gemeinde» in Amerika. Nach langen Vorverhandlungen wurde, wie aus N e w - D o r k berichtet wird, unter dem Namen ,,The Jynagogues Council" ein gemeinsamer Rat der j -ü! d i - schon religiösen O r g a n i s a t i o ne n in Amerika gebildet. Laut dem Statut habe es sich als wünschenswert erwiesen, daß sich alle religiösen Richtungen zur Förderung der allen Teilen gemeinsamen Interessen vereinigen, ohne die religiöse un'd administrative Autonomie der im Rat vertretenen E'.wzelorganisationen zu berühren. Der Rat hielt bereits seine erste Sitzung ab, in der das Problem der „wachsenden Verweltlichung" des Mischen Lebens in Amerika, die Frage des Zusammenwirkens zwischen Christen und Juden in der sozialen Mirsorge, sowie endlich die Frage der außerhalb der Verbände stehenden Rabbiner behandelt wurden. Der Rat drückte der Bewegung, die der Erleichterung der Rückkehr der.portugiesischen Marannen zum Judentum gewidmet ist, seine Sympathie aus. Er sprach sich auch für die Institution der fünftägigen Arbeitswoche, die die Sabbathaltung erleichtern soll, aus. Die Errichtung eines Zentralbureaus fiir Wanderrabbiner wurde beschlossen. Im gemeinsamen Rat sind vertreten: die Union orthodoxer jüdischer Kongregationen, der orthodoxe Rabbinerrat, die Vereinigte Synagoge von Amerika und deren Rab- Linsrkonferenz (konservativ), die Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner und die Union amerikanisch-jüdischer Kongregationen (Reformer). Präsident des gemeinschaftlichen Rates ist Rabbiner Abram Simon in Washington. Selbstmord eines litauischen Rabbiners in Cleveland. Airs Netvhor. wird uns berichtet: In Cleveland beging dieser Tage der Abgesandte der berühmten Jeschiknh von Slobodka, Rabbiner Akiba Rogowski, Selbstmord durch Erhängen. Rabbiner Rogowski war ein angesehener Rabbiner': in Litauen, wo er'eine Frau mit sieben Mndern zurückläßt. Er dürste etwa 50. Jahre alt gewesen sein. Nach Amerika kam er, um eine Sammlung für die Jeschiwah von Slobodka durckzusühren; er lebte in großer Not ünd versuchte, in Amerika einen Ravbinerposten zu erlangen, was ihm jedoch nicht gelang. Auch seine Bemühungen, seine Familie nach Amerika zu bringen, schlugen fehl. In seiner Verzweiflung machte er-seinem Leben ein freiwilliges Ende. Dieser Selbstmord des orthodoxen Rabbiners h^t in Amerika, besonders aber in Cleveland, ungeheures Aufsehen erregt. Jiddische Stenographie. Me uns aus Moskau berichtet wird, hat die Gesellschaft für wissenschaftliche Stenographie ein vom jüdischen Schriftsetzer N. Schahki entworfenes System für die jiddische Sprache als theoretisch richtig und praktisch zweckmäßig angenommen und zur Einführung bestätigt. Auf Grund dieser „Legalisierung" seines. Systems wird Schatzki nunmehr in Minsk jiddische Stenographiekurse eröffnen und auch ein Lehrbuch für jiddische Stenographie cherausgeben. veberfäkl auf eine« Rabbiner in Antwerpen. Aus Ant w e'r p e n wird uns berichtet: Letzten Montag wurde der Oberraböiner der Gemeinde Machsike Hadath Rothenberg auf dem Heimweg aus der Synagoge von sechs unbekanntkn Personen überfallen und mißhandelt. Der Polizeikommissär des betreffenden Rayons erschien am nächsten Morgen in der Wohnung des Rabbiners, entschuldigte sich in höflicher Form wegen des Ueverfalls und versicherte, daß die Beschuldigten, die bereits emiert sind, wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Beleidigung des Repräsentanten einer Religionsgemeinde aufs strengste bestraft werden. Bühne und Kunst. Ka Wleaer Seakmal «Sr Sastad Mahler. Das Komitee zur Errichtung eines DonlnialS für Gustav Mahler erläßt folgen-ten Aufnrf: Im Jahre der Zentenarfeier Beethovens, des größten Symphonikers, »vollen wir unserer. Damespflicht ge^e näher seinen verstorbenen Nachfolgern gedenken. In Wien schufen nach langer Pause DrahmS, Bruckner. Mahler, als Haupt» repräsentanten der symphonischen Musi! rm Gefolge des UrwienerS Schubert. Allen den Genannten wurden da seilst Denkmäler errichtet — ausgenommen Gustav Mahler. In dem MeisteUkonwonHden Mahler osffenbarte sich auch eine unvergleichliche Gabe für ausübende Musitk. Er hat in Wien eine Aera geschaffen, die noch heute von allen, unvoreingenommcnevweise sie erlebt haben, als in sich vollendet angesehen wird, soweit es Menschenwerk sein kann. Cr seMt Lezelchnete es in beispiellos bescheidener Weise als Stückwerk. In gleicher Welse wirkte er in anderen Städten des Kontinents und j'ewseitS des QzeanS. Mit einem Idealismus, mit einer Hingebung oblag er seinen Ausgaben, wie sie seither als erzieherisches Moment vorbildlich find. Seine Schöpfungen, verbreiten sich immer mehr- und haben schon heute in viorschiedensten Landern glm lbige Gemeinden und begeisterte Apostel. So wollen wir an der Hanptstätt« seines Wirkens, dem Meister ein öffentliches Denkmal setzen, und wenden uns an alle Freunde uns Schätzer seiner großen Kunst und seiner edlen Persönlichkeit um Beitritt und Förderung. Richard Schmitz, Karl Seitz, Anton Rinbelen, Guido Adler, Julius Bittner, Arthur Bocanzky (Äew Park), Offip Gabrilowitsch (Detroit Mich.). Wilhelm Zflenzl, Joseph Marx, Willem Mengelberg (Amsterdam), Mfrsd Roller, Franz Schalk, Franz Schmidt. Arnold Schöntberg, Bruno Walter, Felix Weingartner, Alexander Wunderer. Alexander Zemlinsiy .(Prag). Den ^renschütz-üher das Komitee, hat Bn n-e s p r ä s ibeni Hainisch übernommen. Den Kassendienst besorgt die Cvoditanstalt, Filiale Stefansplatz (Gustav^Mähler-DerckmalfvNdS). Phllharmoalfcher Konzert. Die Novität.n der phi harmonischen Konzerte lassen immer mehr gleichgültig, tvenn sie nicht dann imb wann durch ihre volle Wertlosigkeit zum Widerspruch heransfovdern. Eine „Benetianische Szene" des Italieners LuigiMäncinelli (1848—1921)' rollt in lebhafter ununterbrochener Sechszehntelbewegung wie ein Perpetuum mobile ab, ein ganz kurzes, flott instrumentiertes Salonstück von etüdenhafter Gleichförmigkeit. Für Weingartner war es eine willkommene, Gelegenheit zur Entfaltung seiner Elegance und rhythmischen Verve, für die Philharmoniker zur Entwicklung ihrer einzigartigen K'anBravvur. Also ein Pub ikumserso g, freilich lange' nicht so. heftig, daß er zur Wiederholung des ganzen Stückes berechtigt. , Auch die Eistaufsührung des ,',Sommergedichtes" von Bernhard <tz ekl e^s aus Frankfurt a. M. war keine künstlerische:'Notwendigkeit Das dreisätzige Tanzpoem bringt etwas Grieg r und..etwasMtN'eiKßvfommeL^vreli ThealerefM' und ' manche Orientale men/es ist in der Instrumentation herbstlich aufgedunsen,.in .der.Toysprache über.laut undrhetorisch. Das Finale, in welchem" — Igch bewährten Mustern — die Faune und. Waldgeister ihr geräuschvolles Unwesen treiben, wäre vielleicht die geeignete Grundlage für ein Tanzdvamvlett. Im Konzertsaal schleppt die durchaus gekonnte, brillante,' eMpfindungsarmL Musik gar zu viel gesuchte grelle Effekte mit sich.'; : Äußer, den Novitäten.-brachte das Konzert'noch die erste Schumann- und die vierte Beethovensinfonie. .zwei Prunkstücke der Philharmonikerin welchen Dirigent und Orchester zu gesundem, sinnlich,wariÄem"- Musizieren in 'schönster-.Hav-- monie zu sammenwirkten. . . sftz. V«r den Aeater»: »hr. Burgtheater. Morgen, 348 Mühle*. (Lheatergemeind-e^ Serie Ä.) Akademietheater.' Morgen, P t i n z i p*. («Abonnement, 3. Gruppe.) Operntheater, Aheatevgemei-rche, Serie 7 Uhr, „D e r R o s e n k a v a I i t c*V Bo'lkSoper. Morgen,.M'ilheLm Telk*. ,K»re. rote HS Uhr. „Das. L. gelb.) WIE flrofieii Unsien Tolstoi Kindheit, Knabenjahre, Jugendzeit . Krieg und Frieden, Roman in 4 Bänden Anna Karenina, Roman in 2 Bänden Auferstehung, Roman in 1 Band Der Überfall, Der Letnwandmesser, Chadschi-Murat, Erzählungen Volkserzählungen, Dramen Dostojewski Ein Werdender, Roman in 2 Bänden Dämonen, Roman in 2 Bänden Der Idiot, Roman in 2 Bänden Aufzeichnungen aus einem Totenhause Erniedrigte und Beleidigte, Roman in l Band In den niesten VcDersctzunüen nerriictie oonziemennanae mit reichster venniaantf ant Diüienwciöem Papier - ein scnmuck für jeden nociierscoirQnk Schilling Ct nur b e i I.. Rotenturrnstraße 22 1 Jl Biiaiiiiiiiniiifliiiiiiiiiiiiiigiiiiii GROSSER MUSIKVEREINSSAAL Samstag, den 4 Dezember 1926 Einziger Klavierabend Adolf Baller Die Kunst dieses jugendlichen Klaviervirtuosen, der kein Wunderkind mehr ist, aber ein frühgereifles überragendes Talent, hat im In- und Auslande den tiefsten Eindruck gemacht. IIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIl Deutsches Vol-kStheater. Leopolv Kramer tritt morgen in „Nathan der Weiise" in der Titelrolle auf. Samstag geht neu einstudiert Gallriel .Dregelys Lustspiel „Der Gatte des Fräuleins" mit Leopold Kramer in Szene. Sonntag nachm., J44 Uhr, „Die Schule der Kokotten". -Jvsrf Heller, Ser DramatiLer und Konrponi'st, trat jüngst als Interpret se:.ner Tondichtungen im Rahmen eines Kompüsitionsabends vor die Oeffentlichkeit, den lhm die „Urania" veranlftaltete. Seine melodischen WerÄe, die, sich durch kontrapünktliches Können ausgeichnen, fanden ungeteilten Beifall. Insbesondere als virtuoser Lauten,fpioler hatte er stürmischen Erfolg. Erika Heller, die Interpretin seiner Lieder, ist eine Sopranistin von schätzenswerten Qualitäten. Es wirkte ferner die vorzügliche Pianistin Elly Aszk-enazy mit. m. Vereine, Dortriige und Versammlungen. Zioniftffche Bezirkssektion Leopoldstabt. Heute, 8 Uhr abendS, im Heime 2. Dez., Zirkusgasse 38, Vortrag Frau Margit D u ch'b i n de r: „Die Geschichte der jüdischen Kolonisation vor 1914". — Der „Jiddische Kulturkreis" für Men, der in sich Gruppen aller jiidischer Parteien vereinigt, eröffnet Samstag, den 4. Dezember, seine allwöchentlichen Zusammenkünfte, in denen über Probleme der weltlichen jttdlschen Kultur referiert und diskutiert wird. Die Versammilungen firmen rm eigenem Loilale, 2. Dez., Hollandstrage 8 (Cafe Commerz), um HS Uhr abends statt. Me, die sich für jiddische Kultur interessieren, sirvv eingeladen. An der Sprtze des Komitees stehe-n die Heroen G. Lubecki und S. Löw. — Arbeitsgemeinschaft des Keren 5iajemeth, Prater, 2. Bez., Jungstraße 8. SamStag, dem 4. Dezember, präzise 7 Uhr abends, Ghanu>ka!hfeier. Es wirken unter anderem mit: Ocerkantor Wahvmann vom Betihaus Teifiloth Jeschurun. Fr. Mirjam Schnabel-Höflich. Eintritt frei. — Zionistische Frauenbezirksorgantsation im 18. Bezirk. Heute, Vortrag der Frau Dr. Nadja Stein über jüdische Frauenorganisationen und ihre Aufgaben", im Festsaal des Schopenhauer-Tempels, Wien, .18. Bez., Schopenhauerstraße 86. Beginn: 6 Uhr 30 Minuten nachm. — Chanukahfeier. Der Vorstand des L e o p o l d st ä >d t e r T e mpelvereines Aeschel Awoohom, 2. Ste#., Pazmanitengasse^b, veranstaltet für die Schuükinder seiner Talmud-Thora-Schule am Sonntag, den 6. Dezember, um H4 Uhr nachmittags, im Theatersaale Astoria, 2. Bez., Praterstraße 60, eine Chanulkahfeier, bei welcher Herr Ra'bbiner Dr. S. Funk die Festrede halten wird. Die Angehörigen sind hiezu hüfttchst eingeladen. E Jüdischer WohltätigkeitSverein ,-Brüderlichkeit" (Sitz Cake. Rem'brandt), 2. Dez.. Untere Augartenstraße 11, veranstaltet Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags 5 Ulhr, im Souterrain des Cafe Nembran5)t ei-n C h a n u k a h - Bell e i d un g s f e st» zu welchem alle Mitglieder, Freun-de und Gönner des Vereines eingeladen sind. Der junge Verein bekleidet jetzt bereits 30 arme Schuükinder. Festprogramm: 1. Anzünden -des Chan: Lahlichtes; 2. Festrede des Obmannes MaSkier G r ü n w a l d; 3. Gesangsvorträge der Chorknaben des Oberkantor Frankl; 4. Klaviervortcag des langen blinden Budape-ster Künstlers Jmve Ungar; 6. gem-üttiche Unterhaltung. — Entroe frei! E Zionistische Sektion 6—8. Heute, HQ Uhr abends, im Saale 8. Böz., Bennoplatz la, Makkabäer feier. Festrede: Dr. Max Schnabl. Anschließend Akademie. Ungarisches Recht. Der Budapesicr Strafgerlchtshof vechande^tc geftern den Pveßprozetz, den der Präsident 'des Vereines der Erwachenden Ungarn, der ehemalige Mg. Tibor Eckhardt, gegen den Doyen der ungarischen Publizistik, das Magnatenhvüsmitglied Eugen von R a k.o si, .angestrengt hat, weil dieser znr Zeit her Francs fälschev-Angelegenheil im „Pesti-Hiriwp" einen Artikel veröffentlicht, worin er die Erivacherüien Ungarn der morn ischen F^rbsnlb m'ch.it b.'ziHtig^e u.ch webters ausführte, diese wolllen in ihrem beschränken Gesichtskreis das Christentum und das Land mit falschen Banknoten und Pomben retten. Der 86jährige Rako si Überließ die Anträge für seine Verteidigung vollständig seinem Rechtsanwalt, der dem Gerichtshof die Einleitung des Beweisversahrens' vorschlug und zu diesem Zwecke die Vorladung verschi dener prominenter poetischer Persönlichkeiten verlangte. D.r Rechtsanwalt des Kagers stimmte dem Verlangen nach Einleitung d?s Beweisverfahrens zu, doch wurde dieser Antrag vom Gerichtshof abgewiesen. ' ' Der Gerichtshof verurteilte 'Eugen von 'Räkosi wegen Berleünidung zu einer Million Kronen Hauptnnd 6lX).000 Kronen Nebenstrafe. Dem Angeklagten wpche eine dreijährige Bewährungsfrist eingeräumt. Der Verteidiger Rakosis hat Berufung eingelegt. Dagegen Miß ein Horthy-Gericht, wo es Milde walten zu lassen hat. Am 29. Juli 1935 erschien in Szozat unter dem Titel „Die Parasiten der Em^ ein AEel Lehel Kadars, worin behauptet wird, die reiche Ernte werde von der frenrden syrischen, jMschen Rasse eingeheimst Ivevden Infolge dieser antisemitischen Ausfälle wurde Kadar wegen "Aufreizung znm 'Klassenhaß vom "^trafgerichtshöf zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. D.'r Auer-Senat deS Gerichtshofes sprach nun den Angek'aglen mit der Begründung frei, daß seine Ausführungen sich nicht auf eine gewlsst Rasse oder Konfession bezögen, sondern aus die Pre^streiber ohne Unterschied.

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