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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-28 · Heft 2785 (28.11.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2785 (28.11.1926)
Date
1926-11-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«Seide L Wien, Sonntag Wiener Morgett^eitnng '28. November 1936 Nr. 2788 die galiläischen Kolonien (Dagania, Kinereth) zu Wohlstand gelangen. Ich habe auch eingehend mit Rutenberg gesprochen, der jetzt das große Projekt der Elektrifizierung fa Angriff nimmt. Rutenberg hofft, in absehbarer Zeit die Frage der Wasserwirtschaft zu lösen, insbesondere, den ganzen Emek zweckmäßig zu bewässern. Dann wird es möglich sein, fünfmal soviel landwirtschaftliche Kolonisten auf einer Bodenfläche von 100 Dunam onzusiedeln, als bisher." Politische offensive des Zionismus. War gabottnsly fordert. Ein Gespräch mit d.m Führ«» der Ztoniste« Revisionisten. Gestern! »oeilte Wladimir I a b o t i n s k y, der Führer und Propagator der zionistisch-revisionistischem Betvegung, einige Stunden in Wien. Der Aufenthalt »var der Verkehrsmisere zu verdanken. Denn Jabotinsky, der, wie »vir erst kürzlich berichteten, in Saloniki mit großem Enthusiasrnus empfangen »vurde und dann in Sofia vor einer vieltausendköpfigen Menschenmenge gesprochen hatte, konnte in Wien, das er für ein internationales Berkehrszentrum hielt, keinen direkten Anschluß nach Berlin' erhalten (Budapest hat ihn), um noch, rMzütig zu seinen! für gestern ang:kündigteu Vortrag in Berlin einzutreffen. Überdies hat ihm ein kleiner Unfall in Sofia —' er stürzte nach seinem Vortrag beim Verlassen des Podiums und verletzte sich am Knöchel — einige Stunden Schonung aufgezivungen. Jabotinsky benachrichtigte ein paar nähere Freunde von feiner Ankunft, und bald war in allen zionistischen Kreisen bekannt geworden, daß er Wiens Gast sein werde. Er »vurde bereits an der österreichisch-ungarischen Grenze von zahlreichen Freunden und Anhängern, darunter einer Delegation des österreichischen Verbandes der Revisionisten, den Chargierten der jüdisch-akademisch:»» Verbindung „Unitas", dem Präsidium des zionistifch-akademifch'N Vereines „Hechawer", ferner einer großen Zahl von Studenten erwartet, di? ihn nach Wien geleiteten. Hier hatten sich in dem Stadthotel, tvo Jabotinsky wohnte, bereits zahlreiche Freunde und Anhänger Jabotinsky» versammrlt, um ihn zu begrüßen. Auch das Zionistische Land-Fkomitee hatte seinen Präsidenten Dr. G o l d h a rn m e r sowie sein Mitglied Dr. Rvthblum entsendet. Der Empfang rvar alles eher denn offiziell. Jabotinsky, der feines verletzten Fußes halber sich auf zwei Stöcke, stützen muß, ist nicht der Mann, der aus Formen und Formalitäten achtet. Es hatten sich eben zionistische Freunde, die einander kurze oder längere Zeit kennen, und alle, mögen sie nun der oder jener zionistischen Anschauung sein, für ein Ziel arbeiten, zu zwanglosem Gespräch zusa»n»nengesu»!de»!, von der Freuds beherrscht, einen alten Mitkämpfer »v-iedLrzusehen, und dieser Freund und Mitkämpfer war der Führer der jüdisch:» Legion, hat in Palästina gekämpft und für sein Volk gelitten und ist heute der Verfechter einer zionistrsch'N Anschauung, die seinem Wesen entspricht: den Zionismus mit so viel aktiver Jmpetuosität zn erfüllen, »vie Jabotinsky selbst sie hat. Das Gespräch dreht sich mn Palästina und die Kiffe, sie jetzt das Land erfaßt hat, »vie sie zu überwinden sei und »velche Mittel von innen und außen dazu anzuivenden sind. Jabotinsky spricht zivangws, wägend und dabei doch mit jener seelischen Hingabe an seine Idee, die ihn geradezu körperlich durchbebt. Aeqiaälor- Ware: nver triefe | VI!., Lindengasse 93 Ecke Neubaugasse, Mezzanin Tadelloser - v SClüllllt um Preise voa » iso oder aet seine s irr oder derselbe S 94 oder derselbe S «6 oder derselbe 8 38 oder derselbe 10 «V Wl€§0??? ßesucaen sie nns Verlanden sie Prospekte l „Bei der B?.urteilung des Umfanges der Krise ist beiden Seiten", führt Jabotinsky aus, „Mäßigung anzuraten. Einerseits darf in keiner Weise übertrieben »Verden: die Krise in Palästina ist keine katastrophale Erscheinung. Auf der andern S-ite muß jedoch betont werden, daß sie eine sehr ernste, tiefgehende Erscheinung ist. Wenn man von dieser Krise nicht lernt, so »vürde das bedeute»', daß man einer zukünftigen Katastrophe entgcgensteuert. Heute aber sind »vir noch sehr weit von einer Katastrophe, »vie sie die Schlvarzseher so gern an die Wand malen. Ueb.r die Ursachen der Krise kann ich aus dem, .»vas ich in Palästina ges:hen und erfahren habe, sagen: Daß »vir eine große Immigration brauchen, verstehen alle, und aus natürlichen Gründen hat die zionistische Organisation das Entstehen einer starken Jmmigrationstoelle begeistert ausgenommen. Mer das Land Palästina unter dem heutigen politischen Regime und mit den heutigen Methoden der zionistischen Arbeit kann eine. jährlich? Immigration in diesem Umfange nicht verdauen. Daraus schließ:« einige Leute, daß »vir die Immigration jetzt vermindern solle»!. Bon meinem Standpunkt heißt das auf den Zionismus verzichten. »veil dics:s Niveau der Immigration das Minimum dcssen ist, was »vir brauchen, um ein: jüd ische Mehrheit im Lande im Laufe einer oder zweier Generationen zu schaffen. Daraus ergibt sich für mich die Folgerung, daß das Niveau und die Stärke der Immigration mit allen Mitteln aufrechterhalten »verden muß, daß aber das Land Palästina solche Bedingungen bekommen und daß »lnser: Politik so reorganisiert werden muß daß Palästina eine jährlich: Einwanderung von 99.000 bis 40.000 Juden verdau?« kann. So wie die Dinge heute liegen, war eine landwlrisch a f t l iche K o l o n i s a t i o n in b.t.c'ch lir cm Umiarg: ausgeschlossen, weil die Bodenpreise fie unmöglich machen. Eine i n d u st r teile Ehr twicNung in dem Maße wi wir es brauchen, ist bet dem Fehlen jeden Schutzes und jeder Stütze von seiten der Negierung nicht möglich. Nur ein Beispiel für viele sind die E i s e n b a h n t a r j f e in Palästina. Die Sililatgesellschast in Tel-Ahiw hatte Waren nach Haifa zu senden. Der Eisenbahntransport der Waren stellt sich so teuer, wie der von Triest nach Jaffa. Fm vorigen Winter mußte die Silikatgckellschaft diese hohen Frachtsätze in Kauf nehmen. Als der Frühling kam, richtete sie auf Booten einen Trauspo.tdienst von Jaffa nach Haifa ein. der sich trotz aller Schwierigkeiten noch um 30 Prozent billiger stellte als der Eisenbahutrcmsport. Als die EisenbahnveiUialtung das erfuhr, gewährte sie sofort einen drcißigprozentigen Rabatt. Aber als der Winter kam, hob sie diese Rabattbegi'nstigung so'ort auf. In Bcsprechmrgen mit Industriellen bekam ich den Eindruck, daß cs unter diesen Bedingungen vlc'le'.cht möglich sei, in Palästina kleine iud-ust.ielle Erpen,n.nle zu mach n, jedoch keine industrielle Eniw'cklung herbeiznckih en. Wir aber brauchen immer neue Industrien und Jndustriemöglichkeiten und das ist ausgeschlossen, ohne inen weitg henven Prr.tektirn siMs. der viel größer sein müßte als etwa in Mitteleuropa und sich zum wenigsten auf Zölle erstreckt, soude'N vor allem auf Steuerfreiheit, allerlei Privilegien und Begünstigungen, Verträge mit dem Ausland uftv. Die Unmöglichkeit der landwirlischastlichen Kolonisation hat die jüdischen Einwanderer in den Stkdten ko z ntriert uri' das Fehlen jeder Jndustriepflege seitens der Regierung hat die industrielle Entwicklung des Landes gehemmt. Es waren nicht genug Möglichkeiten, um die neuen Elemente zu aft'orbieren und daraus ergab sich die Krise. Dabei muß man auch noch sagen: eitle bessere zionistische Wirtschaftspolitik seitens der Zionistischen Organisation könnte un'er diesen Bedingungen nur eine kleine Besserung herbüführen, immerhin aber eine Besserung. Die Palästinenser beklagen sich über den Mangel eines richtigen Kreditwesens, besonders industrieller Kredite; es fehlt auch an einem ernsten JnformationSwesen. All das muß in Rechnung gezogen werden, aber meiner Meinung nach könnte auch bei der besten Wirtschaftspolitik seitens der Zionistischen Organisation unter den heutigen politischen Bedingungen dte Krise nur vielleicht um 10 Prozent vermindert werden. Die Hauptursache ist das antikolonisatorische Regime, unter dem alles aussichtslos ist, was wir treiben und unter dem höchstens ein tausendunderstes Ghetto geschaffen werden kann, jedoch keine Mafsen-- kolonßsation, rote wir sie brauchen. Wenn ich nun auf die Frage komme, wie dem abzuhelfen ist, so möchte ich zunächst eine Illusion zerstören: Man glaubt, das ganze sei e i n e Geldfrage. Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß kein einziger ernster Mensch in Palästina daran glaubt, bloß mit mehr Geld >»«>«»»«»»»>««>»«»>«»»«»»»»»»»>»»>»>» LOMBARDIERTE PELZE Hw»*"# OMiMkdfifakfiflii «ml ftatmwaraa in grSSter Auswahl billigst abzugebsn bei lS4 JOHANN WIlCHNITHN » JAN00 SCHWANZ KÖrsohnormelater Wien, I.Bet., Ertlgaiae 4 Zugang) Bauernmarkt 14 DVVWaWaWaWOaWWaaaW«»aWWWaaW*»M»WMMaWkDma könnte eine Aenderung gebracht werden. Rasche Hilfe, g> »rchsevmaßen eine fliegende Ambulanz gibt es im Zionismus nicht und bkifc Krise ist eine Lehre- Bon allen Seiten habe ich gehört: in den letzten Jahren sind nach Palästina acht Millionen Pfund jüdischen Gelds gekommen. Das ist, wenn man die gegenwärtige Lage der Judenheit in der Galuth betrachtet, eine wunderbare Leistung, auf die wir stolz sei»! könnten. ES ist eine Verleumdung, daß das jüdische Volk in geldlicher Beziehung für Palästina nichts gela»» hätte; Palästina Irmrde mit Geld überschtvemmt. Aber wären auch statt acht sechzehn Millionen Pfund nach Palästina gekommen, so wäre angesichts der erwähnten politischen Voraussetzirngen das Resultat dasselbe gewesen. Die Lehre der Krise ist also: das palästinensisch-politische Regime muß geändert, eS muß zu einem Kolontfatlonsregime werden. Ich behandle nicht die Frage, ob das englische Neginre in Palästina gut oder schlecht ist. Nehmer» wir an, die englische Administration sei gut. Wr brauchen aber kein Verwaltungs-, sondern ein Kolonisationssystem, ein System das dafür sorgt, daß für den Kolonisten von morgen der Platz gesichert ist. Ohne die methodisch-politffche Irrigation wird sich an den Verhältnissen nichts ändern. Dies besttnrmt auch meine Stellung zu der i*ul erfolgten Neffe WeizmatlttS nach Amerika: Sofern diese Reise dem Gelde gilt, höre ich, daß Welzmann selbst gesagt hat, es solle eine Heirat ohne Mitgift zustande kommen. Aber das Wichtigste und das Tragischeste dabei ist, daß das einzige Sprachrohr, durch welches die zionistische Veivegung das offizielle Recht hat, der Mandatsregierung Forderungen zu stecken, nämtich die Jewish Agency, dem amerikanischjüdischen Ko»igreß entnommen werden soll und daß die bestimmende Rocke in ihr Leute spielen sollen, die, um das Wenigste zu sagen, was von ihnen zu sagen ist, nicht f ür den Judenstaat und nicht für eine jüdische Mehrheit im Lande sind. Wer braucht Ne'ormen in Pa ästina? Für eine deine Kownilation braucht man sie nicht. Ich tvürve es übe n hmen, drei-, v eröder fü!'tausend au'ge.oähte Juden mit Geld in Palästina a izusi deltt, ohne daß die Araöer etwas tneiln.. Aber »vas hat das niit Zionismus y;un? Reformen braucht nur derjenige, der das Ziel hat, in Palaina eine Mesthhrit zu schaffen. Dann braucht man Maffcnin m'g ation. Gibt man dies das Ziel der Mehrheit auf, »oie es von der „Jüdischen Rundschau" verfocht.n wird, so kommt mau logischertveise zu der Verkleinerung der Immigration, für th die „Jüdische Rundschau" auch einteitt. Darum sage ich: Was Weizmann jetzt in Amerika tut, betrachte ich als Attentat nicht »rur auf die Zionislische Organisation, sondern ich bin auch der Ansicht, daß dadurch die Hoffnungen auf eine stärkere Haltung der Jewish Agency, die Hoffnungen auf Reformen in Palästina zerstö rt »verden. Geschieht das, dann, glaube ich, werden der pa'ästinensischen Jifchulv und diejenigen Zionisten, die das nicht zwafsen, vor der Aufgabe stehen, unabhängige Wege für die Po itische Einflußnahme zu suchen. Ich hoffe, daß es nicht dazu kiminen wich. r In ökonomischer Hinsicht muß ich wieder betonen: bei den henligcn B dingungen ist der Unterschied zwischen guter Wirschaft in Palästina oder schlechter Wirtschaft in Palästina höchstens 10 Prozent. Mass?n»virtschaft endet und und beginnt mit Po iiik. Al'es and're ist Kindrrgeplapper. Dementsprechend sind auch die Bcsch'üsse, zu denen die Konferenz der Z i o n i st e n - R c v i s i o n i st e n in Pa'äsckna geist und die die Pariser Welt'oi.^ercNK'uis'erer'Gruvpe, die irr der nächste:! Zeit stattsinden wird, wird bclracyteir müssen: In der landivirtschaftckchen Koloni'a'kon. so'eru sie unter dem heutigen Regime überhaupt mög'ich ist, soll jetzt alle Aufm'rk'an k it d n I t nslvierung) ckä »en von Sosim gewidmet werden. Wal die Industrie anlangt, so ist tr heute die erste Notwrnd'gkeit, indnstrleüe Kredite zu schaffen. Neberhaupt finden wir, daß die Sammeltätigkeit der Zionis.is hen Organisation al'mähl'ch oder vielleicht auch dastisch von der Spend.narbeit auf Bank-Drives konzentriert »verden sollte; bannt werden wir in immer stärkerem Maße zur Aul Nutzung von Kredit- und Jnvestitions- ^ormen der Kapitalsbeschasfung übergehen. Bon großer Wichckgkeit sind auch zwei andere Leistungen, die jetzt unternomn»en werden sollten: Eine We'tkampagne unter der Parole „Tozereth liglckath Hajischuw" und eine' Art Kanalisierung der iüdkscbcn Ersparnisse nack» Palästina durch pa^ästinensi- 6vgvn alle wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen 9<nilWdmai Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis S 3.50. Erhältlich ln allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz.

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