Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2785 (28.11.1926)
- Date
- 1926-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen r 35 gfos2y | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in cinerVerschleißstello (Trafik) monatl.G Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho - Slowakei«: Mon-K £2-«Jugoslawien: Mon.Din.60 Polen:Mon 6 Zloty Deutschland: Mon. 6m. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Free. 35 N»chi*blttni?on bei Ptel«- erhAbnogen. »orbbliiltött Nr. 2785 Wiener orgenxeilung IPreis g» g] England:Mon.4SdüUing. Italien: Monatl. 20Xire Rumänien: Mon. 170Lei Bnlgarien:Mon.lOOLewat S c hw e i 2 und das übrige Ausland monatlich Pros. 8 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr : Tel. 31-209 711,, LerchenfeTderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Wien, Sonntag, 28. November 1926 (22. NIslew 5887). Oesterreichisohes Postsparkassenkonto Nr. 150 693 SSSS5SS5S55SSSS 8. ZaHrgang Am rvdattionellen Teil enthaltene eutgeMiche Mrtteilrmoen find durch ein vvrangesetzteS E gekennzeichnet. tamMMMMMMMMMeMMMMMMMMMMMMMMMS ALLEINIGE ANZEIGEN - ANNAHME ANNONCEN STC°K SCHALEN WIEN, l.v WOLLZEILE 11. - TBL. 76 0-81, 76-0-82 Gummischlüpfer in großer Auswahl In allen Größen lagernd VII., Neubaugasse 26 Telephon 30-1-76 ver Führer der englischen Arbeiterpartei, gewesener Minister im Kabinett Mäcdonald, spricht am Dienstag, den39. Äovsmtzer, - um 7 Wr abettds, itt einer - jüdischen -----. Massenversammlung im Marren Saal der SophiensLle (Hl., - Marxergaffe) über das Thema: Wä-s erwartet die Kulturwelt vom jüdischen Palästina? -Colonel Wedgewood ist eben von einer Informationsreise durch Palästina zurückgekehrt. die Marke des eleganten Herrn VII., Kaiserstraße 123 IX., Alsesrtraße 6 INI m ZYKLON (BU*«l*re-l)«HhKmt>gen) // Modernste mmmmmm Ungezlefer-Vcrniohtling mmmmm ohne Scheden für Elnrlohtungigegemtände Deutsohe OoseUsohaffc für Soh&dllnga'bekä.mpfang; QoeohBftiiteil« ’ Wien. III., ErooergstraOo 39 6706 , Telephon 9t-0-!i7 England tut nichts für Palöftina. Colonel Wedgewood «nd WlaSimlr Sabotlnsktz 88« Sie Probleme der Wischen Heimstätte. Im nachfolgenden veröffenllichen wir Erklärungen von zwei Männern über die zionistische Arbeit in Palästina und über das Verhältnis der britischen Regierung zu dem Mandatsland. Diese zwei Persönlichkeiten, ein englisch-sozialistischer Politiker und ein zionistischer Führer, haben natürlich nicht die gleiche Einstellung zur Frage der jüdischen Heimstätte. Der englische Abgeordnete, unter Macdonald Minister für soziale Fürsorge, urteilt als der Sohn' eines großen Kolomälvolkes dein aus seiner politischen Vernunft heraus. JaLotinski ist mit dem heißen Herzen bei der Sache. Es ist seine Sache, für die er sein Leben eingesetzt hat. Aber beide kommen aus Palästina, beide sind voll der Eindrücke, stehen ganz im Banne dieses großen Kulturwerkes, das das jüdische Volk vollbringt, und so sehr sich der/Jude ln seiner Anschauung von dem Engländer unterscheidet, so sehr stimmen beide nach ihren an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen überein, in der Feststellung nämlich, daß die Berw altun g d cr Mandat s r e g i e r u n g d e n ihr vom V ö l k e r b u n d erteilten Auftrag nicht erfüllt. Die Kritik des Engländers ist in ihrer Fassung sogar noch schärfer als die des Zionisten. Aus den Erklärungen beider ergibt sich, daß die jüdische Arbeit in der nächsten 'Zukunft noch weit. mehr als bisher äuf die politi - sch e Sicherung ihrer Position bedgcht sein, muß und daß sie unter gär keine.: UmMndcusihr Ziel ver-.'' dunkeln lassen darf; sie muß eim p p l i tbs ch e s S yst e m schaffen, um der Deffentlichkeit Englands und der ganzen-Welt es ins.'Bewußtsein zu-bringen, daß. das jüdische'Volk auf' dem im Mandat anerkannten Rocht besteht und daß-cs keine Einschränkung oder Berkümmcrnng dnl'den wird. 8o?mel Wedgewood einer der Führer der englischen Arbeiterpartei, ist gestern aus der Rückreise von Palästina in Wien eingetroffen. In einem Gespräch, mit einem Mitarbeiter der „Wiener Morgenzcitung" machte Colonel Wedgewood die folgenden Ausführungen: „Ich würde es bedauern, wenn Palästina eine V. Konstitution erhalten würde, bevor die Juden die Majorität erlangt haben. Die Araber beginnen bereits die Konstitution zu fordern, und es würde meiner Ansicht nach gefährlich sein, die Konstitution vorzeitig zu geben. Man hat jetzt in den palästinensischen Städten einen Council eingesetzt. Die Wahlen erfolgen in drei Kurien. Araber, Juden, Christen haben m gesonderten Kurien gewählt, sitze« Mer in einer gemeinsamen Körperschaft. Dieses System halte ich für schlecht. Es nährt die nationalistischen und chauvlnistrschen Instinkte und dient der Reaktion. Die Entwicklung in Palästina dahin zu fördern, daß ehestens die jüdische Majorität erlangt wird, liegt auch im Interesse der Araber, nämlich der großen Masse der Fellachen. Nachteile wird die jüdische Majorij tät nur der Kaste der Paschas und den Beduinen'bringen. Die unterdrückten, ausgebeuteten Fellachen aber wird eine jüdische Mehrheit im Lande'befreien. Wirs das Verhalten der Mandatarmacht anlangt, so kann ich nur kurz und bündig folgendes sagen: England hat in diesen acht Jahren seit der Balfour-Deklaration.für Palästina so gut wie nichts: getan. Für die Juden nichts, aber für die Araber auch nichts." Oberst Wed ge wo o.d ggb seiner großen Genugtuung über den gegenwärtigen Stand des Palästmawerkes, insbesondere des landwirtschaftlichen Teiles, Ausdruck und wendete sich dann der Arbeiterstage zu: „Es gibt im jüdischen Palästina zwei Arbeiterparteien: eine individualistische unter Führung Sprinzaks und eine kollektivistische, mit deren Führern, Ben G o r i o n, Ben Z w i und Tschcrtok,. ich eingehend gesprochen habe. In England würden diese beiden Parteien viel doktrinärer sein und recht hart aneinander geraten. In Palästina fand ich sie weit praktischer orientiert: Sie sind vor allem Zionisten und erst in zweiter Linie Arbeiter. Diese Führer stammen nicht aus dem Arbeiterstande^soudern kommen aus der StMerstube, sind zum großen Teile - Universitätsleute, aber sie haben sehr gute syndikalistische Arbeit aus.genossenschaftlicher Grundlage geleistet. Sie lassen das klassenkämpferische Moment nicht in der Vordergrund treten. Sie. sagten mir: Das Kapital war bisher in Palästina der Diener, nicht der Herr des Aufbauwerkes. Arbeitersürsorge, Arbeiterversicherung und Kulturarbeit für die Arbeiter, stehen aus - bemerkenswert hohem Niveau. Sonst ist überall das Synd ika t b cr landwirtschaftlichen Arbeiter das schwächste, in .Palästina hingegen das stärkste Syndikat. Die meisten sind Arbeiter für eigene Rechnung und doch in ein Syndikat eingeordnet. Deshalb ist das Syndikat der Landarbeiter viel mehr'eine kooperative als eine klassenkämpferische Institution." ' --'Eine durchaus positive Einstellung hat Wedgewood zu der Kwuzah, und zwar sowohl zu der kleinen als auch zu . hop großen. Kwuzah: „Niemand .kann mit BestimmHeit sagen, ob die. kooperative Siedlungsform der Kwuzcch eine vorübergehende Erscheinung ist.. Ich für meinen Teil hoffe, daß sich diese. Form dauernd behaupten wird. Die Mitglieder der. Kwuzah haben. in bewunderungswerter Weise ihr eigenes Interesse: dem Gemeininteresse subordiniert. Ihre herrliche Begeisterung befähigt sie dazu. Es ist nur fraglich, ob auch die Kinder dieser Pioniere von denr gleichen Patriotismus boseelt sein werden. Wer die Kinder der großen Kwuzah Ain Charo-d sieht, wird in' dieser Hoffnung bestärkt. Die große Kwuzah hat, )vie ich glaube, ganz besondere Entwicklungsmöglichkeiten. Denn sie ist die denkbar vollkommenste Selbstversorgerin. Bloß Benzin wird gekauft. Sie verfügt heute schon Wer Spezialisten für jedes Fach. Hier hat das Pioniertum die besten Früchte gezeitigt. Im Gegensatz zu der Ansicht Prof. Oppenheimers bin ich ein ausgesprochener Gegner der Bureaukratre und sehe in der großen Kwuzah das beste Beispiel für die durchaus geglückte Form der Selbstverwaltung und Sel b st d i r e k t i-v e. Einen Mangel konstatierte ich in der Richtung, daß es in manchen Kwuzoth, z. B. in M e r chawia nicht genug Kinder gibt, so daß die Frage der nächsten Generation hier noch offen ist. Die Kinder selbst sind in der Kwuzah herrlich gehalten, weit besser als irgendwo in der Einzelsamilie. Manchmal scheint es mir geradezu, sie seien zu gut gehalten. Ein leuchtendes Beispiel in dieser Richtung ist die Kwuzah Dagania. Ich muß noch hervorhebhu, daß die Frauen und Kinder der Kwuzah in bezug auf Körperpflege, Ernährung und Kleidung weit besser gehalten sind als überall in der Welt, wo ich Landwirtschaft zu studieren Gelegenheit hatte. Noch ein Detail muß ich hervorheben: Während sonst überall'die Landwirte^ über mangelnden Erfolg klagen, ist dies im jüdischen Palästina nicht der Fall, und es ist bezeichnend, daß die Kolonisten der einzelnen Siedlungen, so verschieden auch die Form ihrer Wirtschaft ifc ihre Siedlungsform und ihre Arbeitsmethode für die beste halten. Ich muß noch betonen, daß ich die landwirt-' schaftliche Siedlungsform der Kwuzah, sowohl der großen als auch der kleinen, für rentabel hatte, vorausgesetzt, daß der vom Keren Hajessod zu leistende Kredit von 700 Pfund pro Familie auch tatsächlich gegeben wird. Biele Siedlungen haben diesen Kredit bereits erhalten und prosperieren. Nach meiner Meinung werden insbesondere Ille Wascherei der Hausfrauen, StÄss? £ Spezialität: Schrankfertige Rollwäsohe Kostenlose Abholung und Zustellung