Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2782 (25.11.1926)
- Date
- 1926-11-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Men, Donnerstag Wiener Msrgen-ettrmg 26. November 1986 Nr. S?8L Gegenmaßnahmen der Tschechoslowakei zur Folge gehOt. Da in Oesterreich ausgewiesen urttb, weift auch das Ausland aus. Nunmehr hat auch die ungarische Regierung, wie man unS aus Oedenburg berichtet, angeordnet, daß den österreichischen Bundesbürgern keine Gewerbescheine Mehr ausgefolgt iverden und daß die in Ungarn beschäftigten österreichischen Arbeiter konskribiert werden. Der nationale Furor der österreichischen Sozialdemokratie hat die vorauszusehende Wirkung gehabt. Arme Arbeiter, die hier rvio dort wehrlos sind, werden der Ponei überantwortet. Lrr zentralsank. Im Stationakvat, der heute wieder Zusammentritt, wird die Regierung ein Gesitz über die Vorsorgen einbringen, die aus Anlaß des Ablaufes des Moratoriums der Zentralbank deutscher Sparkassen getroffen werden müssen. Ueber die Refnndkerung der vom Staat vvrgeschostenen Milliarden wird noch mit den Sparkassen und Kreditinstituten vechandelt. Srhöhnng der Bierftenrr «m » Schilling pro Hektoliter. Das mit den Sozialdemokraten abgeschlossene Kompromiß über die fünfte Abgabenteilungslwvelle wurde gestern vom Finanzausschuß ratifiziert. Demnach-werden hie Länder zur Deckung ihrer ihnen aus den Zuschüssen zur ArbeitslosenuntrrstÄtzung erwachsenden Mehrausgaben Landesbiersteuern im Betrage von sechs Schilling pro Hektoliter bei den Brauereien und Biernirderlagen einheben können.' Auf die in der Vorlage enthaltene Landesweinsteuer und auf die Jnkamerierung der Vermögenssteuer hat die Regierung Verzicht geleistet. Das Gesetz wird heute im Nationalrat zur Beschlußfassung gelangen. Kür das Sottorat der Handelrhochschlller. Ueber Einladung des Niederüsterreichischen Gewevbevereines ver-sammÄte sich gestern eine große Zahl von Kaufleuten und Industriellen zur Erörterung der Frage des Doktorates für HandelshochsclMer, die kürzlich zu der bekannten Bewegung an der Hochschule für Welthandel und zur Verweigerung der Inskription geführt hatte. Das Referat erstattete Kommerzialrat H. Rosenberg. Er führte aus, daß das Promotionsrecht dieser Hochschule so gut wie jeder anderen gebühre. Es könne kaum bestritten werden^ daß die Hochschule für Welthandel jener Mir Bodenkrütur oder für Bergbau nach der Höhe ihres Niveaus' mindestens ebeyÄürtig sei. Der Kampf hat bereits zu einer Schädigung der Hochschule dadurch geführt, daß viele Kandidaten, namentlich die Ausländer, sich an die Hochschulen Italiens, und an die Berliner Handelshochschule gewendet haben, roeill sie das Doktorat nicht entbehren wollen. Die Abwanderung der Ausländer ist ein Schaden für unsere Bilanz, eine Verringerung unseres ,,stillen Exportes". In der sich anschließenden lebhaften Debatte wurden weitere Argumente für das Doktorat dorgebracht, worauf sich die Versammlung den Anträgen des Referenten a n - 'chlvtz. 8«r Resignation Sr. Ludwig Singer». Ein Schreiben an die slowakischen Zionisten. Preßburg, 24. November. In dem Begrüßungsschreiben, das Dr. Ludwig S i n g e r an die (von uns bereits im Blatte behandelte — Die Red.) Silleiner Konferenz der slowakischen Zionisten vom 21. November richtete, an der er teilzunehmen verhindert war, erklärt er: «Ich lege Wert darauf, laut und mit allem Nachdruck gerade heute zu betonen, daß ich unverändert und unbedingt der Ihrige bin. Diejenigen, welch« aus meiner vor einigen Tagen erfolgten Resignation eine Aenderung meiner Gesinnung und Ueberzeugung absichtlich oder unabsichtlich abzuleiten versuchen, sind in einem großen Irrtum besangen. Kein Abrücken von Idee und Programm! Nicht um Haaresbreite!" Dr. Singer drückt weiter seine UeberMgung aus, baß seine Demission dazu beitragen werde, die Diskussion der schwellenden politischen Fragen aus eine von persönlichen Momenten freie rein sachliche Basis zu stellen. Die Tagung sprach in einer Resolution Dr. Singer ihr volles Vertrauen aus und ersuchte ihn um Zurückziehung seiner Demission. Wetterkatastrophen. Sv T-d-sopfer eine- Erdrutsche-. Sttzza, 84. November. In Roquebillere ereignete sich infolge wolkenbruchartigen Regens mehrere Erdrutsche, wodurch etwa 25 Häuser verschüttet wurden. Hiebei find etwa 20 Personen ums Leben gekommen. Eine Otnrrnflut im Aernrelkanal. Pari-. 84. November. Durch eine Sturmflut 'sind in dem Seebad Ault am Aevmelkanal 150 Meter der Hafenmauer eingestürzt. Das Kasino droht einzustürzen. Es mußte in aller Eile geräumt werden. Der Schaden wird auf 1 Million Francs geschützt. Auch in der Umgebung der Ortschaft haben sich tiefe Erdspalten geöffnet und ein nahegelegener Hügel bewegt sich in der Richtung auf das Dorf. Zyklouartige Stürme in de« Karpathen. Prag, 24. November. Der nordwestliche Teil der Karpathenkette ist von schweren zhklonartigen Stürmen heimgesucht worden. Der Winddruck hat in den Forsten ganze '^aldstrecken niedrrgelegt. Die Eisenbahn B r a l a- Kenty in Galizien mußte den Verkehr einstellen, weil die GelÄse von den'umgeworfenen Hochwaldstämmen auf weite Strecken hm gesperrt waren. Die RettungSarboiten wurden durch das Unwctter erschwert und gefährdet. Ern Arbeiter ist dabei «tödlich verunglückt. Sa« Berliner Schachturnier. Bogoljubow an der Spitze. Berlin, 24 November. Die heutige sechste Runde im Weltmeister-Schachturnier brachte in der Mehrzahl sehr lebhafte Partien. Colle machte gegen Bogoljubow einen heftigen Angriff, den der russische Meister zurückwies. Nach achtzehn Zügen gab Colle auf. Holz hausen wählte im Nachzug ein Damen-Gamblt gegen I o h n e r und erlag nach 33 Zügen dem starken Angriff des Schweizer Meisters. Sehr. lebhaft verlief die Partie Spielmann — Ahnes, ein Läuferspiel. Der Berliner Meister brachte ein Damen-Opfer und hielt durch ewiges Schach remis. Die indische Partie Sämisch — Grünsel/ zeigte beiderseits korrektes Posttionsspiel. Nach 31 Zügen einigten sich Uelde Spieler auf remis. Am längstens hatte Ru bin stein gegen List zu kämpfen. Rubinstein vereinzelte seinem Gegner einen Damen-Baucrn und eroberte ihn schließlich. List spielte nun auf Königsapgriff und opferte noch einen zweiten Bauern, doch leistete List im Endspiel hartnäckigen Widerstand. Die Partie wurde in besserer Stellung für Ru bin st ein abgebrochen. Der Stand ist folgender: Bogoljubow 4M, Rubinstein 4 (eine Hängepartie), Grünfeld, Johner 3K, List 3 (eine Hängepartie), Sämisch, Spielmann 234, Ahnes, Colle 2, Holzhausen IN. «n «sie! Die ycberrvindung des Raumes durch die RiÄtowekkem Aus Rom wird gemeldet! Auf Einladung der „Cavalieri bei Lavoro" und in Gegenwart des Königs hielt Marc o ni im Augusteum, dem größten Konzertsaal Roms, einen Bortrag über seine neue Erfindung, die Ausnutzung kurzer Wellen in Bündelform für den Jernverkeh''» Mareont führte aus, daß seine Erfindung ans zehnjährige . Studien zuriickgehe, die er 1918 in Genua begonnen und seitdem in Livorno und ln seinem silMmmenden Laboratorium, der Nacht „Eleetra", gemacht habe und die heute scweit fortgeschritten seien, daß er v o n L o n d o n a uS m i t Australien sprechen Wmr* Das sei das erste Mal, daß die menschliche Stimme aus eine Entfe rnungvon 20 000 Kilometern k'ar gehört worden sei, Tie Weitergabe vollzieht sich in einem schnelleren Tempo als Vishe", Die langen Wellen hätten eine Frequenz von 80 000 in der Sekunde, die kurzen 3 E is 30 Millionen, Tie UeVermittlung unterliegt nicht dem Einfluß des Sonnenlichts und atmo-! sphärischen Störungen. Sogar Gewitter haben kaum Einfluß, ' Der größte Vorteil der Erfindung sei, daß die Uevermittlung pus ei ne gewollte Richtung durch Reflektoren Vek Abgabe und "'ng konzentriert werden könne, wogegen bei dem alten System eine aufgegebene Nachricht sich Wer die ganze Erde verbreitete und durch jede Antenne aufgefangen werden könnt', Mqrconi 'teilte mit, daß England bereits nach den ersten Versuchen 1934 sich die Berbirchung nach allen seinen Dominions gesßhert hat, Die Verbindung zwischen London einerseits Md Australien, Südafrika und Indien andererseits werde in wenigen Tagen hergestellt sein. wirken vorbeugend und Hndetnd die ärztlich erptobten und empfohlenen ScnrffWttHB » Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis § 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz. Sie Wische Republik in Rublmd. Sine kommunistische Debatte. Ms der Moskauer Konferenz „Ozet" (Ge'ellfchasteft für jüdische Kolonisa-tion) entivickelte sich eine sehr lebhafte Debatte über die Frage, ob int Zusammenhang mit der Schafsiing einer zusammenhängenden jüdischen Sie elung die Schaf,ung einer autonomen jüdischen Repn-- blik in Angriff genommen werden solle. Abraham B r a g i n und der Vorsitzende L a r i n setzten sich für die jüdische Repub.'ik ein; der Sprecher der <Konrmunisten T s ch e m e r i s k i erklärte, daß die Jewsekzia jede ausgesprochen nationale Tendenz entschieden zurückweis«. Als La rin nochmals das Recht der Juden auf territoriale Autonomie betonte, erwiderte ihm Tschemeriski, daß nur die Jewsekzia das Recht habe, für die jüdische Bevölkerung zu sprechen. Nach dieser, gewiß autoritativen Aufk ämng des Dertueters der Jewsekzia kann also kein Zweifel daran bleiben, daß den Juden nicht einlnal das gleiche Recht wir den Tataren gewährt wird. Eine jüdische Massensiedelung ohne Mrtonomie ist ein Unding. di sie sich nicht enttvickeln kann. Ser Kamps um die jüdischen Anatomie- Leichen in Polen. Warschau, 33. November. Der Beschluß der Warschauer Umversitätsbehörden, den jüdischen Studenten den Eintritt in das Pro's.ktorium nur in dem Maße zu gestatten, als.jüdische Leichen geli-efert werden, hat in allen Kreisen der jüdischen Osffentlichkeit große E r.d i tterung hervorgernfeir. Der jüdische Sejm-klu'b wird in dieser Ang lcgeicheit eine Interpellation einbringen. Abgeordneter Hartglas, der Präsident des jüdischen Se-jmklulbs, erklärte Pressevertretern gogenWer, Uran gewinne den Eindruck, daß es sich nicht um die Leichen handle, an denen gar kein Mangel, bestehe, sondern um einen Vorwand, die Bresche zu korrigieren, die heuer in das Numerus-clausus-System geschlagen werde»» konnte. Ser Erwerb der rumänischen Staatsbürgerschaft. Aus Bukarest wird gemeldet: Der König hat das Protokoll des Ministerrates über die Interpretierung des Artikels 61 des Regulaments betreffend die Konstatierung der rumänischen Nationalität genehmigt, worauf der Innenminister folgenden Erlaß an die unterstehenden Behörden richtete: ■ Alle Personen, di; die Konstatierung der Nationalität Ms Grund des Artikels 2, Punkt 4 des Regulaments angesordert haben und die in das Nationalitätenregister beim Innenministerium eingetragen wurden, haben sich an die Primarien ihrer Geburtsgemeinden in den neuen Provinzen mit ihrem Ansuchen zu wenden. In die StaatsbürgerfchastSliste beim Innenministerium werden nur jene Personen eingetragen, die im Zeitpunkt der Befreiung der neuen Provinzen im Auslände wohnten Uiü» die in Provinzen geboren sind, welche zum ehemaligen Rußland obre Oesterreich-Ungarn gehörten und die sich. Rumänien nicht angeschlossen haben, wobei die Voraussetzung vorliegen muß, daß diese Personen keine Geburtsgemeinden auf rumänischem Boden aufweisen. Weiters werden jene Personen eingetragen, die dem Arttkel 56, Punkt 8, des Staatsbürgerschaftsgesetzes und dem Artikel 5 des Gesetzes entsprechen. Annulliert werden die Nationalitäiszertisikate, die vom Jnnenmini-- sterium jenen Personen zuerkannt wurden, deren Staatsbürgerschaft auf Grund des Artikels 61 bzw. Artikels £- Punkt 4, des Regulaments festgestellt wurde. ,k*dL zionistische Bezirlssektion Leopoldstadt. Heute, 8 Uhr aMI, 2. B.zirk, HlrkuSgafse SS, Botztmg des Gerneindewtes Dt. Leopold Plaschkes über „Zionismus und Goztaldemokratre". Der Beitritt zur Rabaflsehflon des Keren Kafemetfli WtzMtzÄpiMSb bringt sowohl dem Mitgliede als auch dem Keren Kajemeth Vorteile. Bei der im Gange befindlichen Bücnsenentleerung kann, jeder Büchseninhaber unentgeltlichsich der Rabattsektion anschließen.