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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-23 · Heft 2780 (23.11.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2780 (23.11.1926)
Date
1926-11-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 2780 Wien, Dienstsg Ri-««k Morg«»^tt«»g iomden. Er hat dir Göttinger Tradition gehalten und gewahrt.. Die „Jüdische Rundschau" schreibt Wer den neum Nobelpreisträger: „Professor Franck ist dem Judentum treu ergeben und gehörte, als vor einigen Jahren auch in Güttingen Sammlungen für den Keren Hajefsod veranstaltet wurden, dem dortigen Initiativkomitee des Keren Hajefsod an. Tluch an den Fragen der hebräischen Universität Jerusalem nimmt er lebhaften Anteil." Set Schwarzbarth-Proreß. Paris, 22. November. "I. T. A.) Das Vorverhör der Zeugen in der Untersuchung gegen Schalom Schwarzbarth ist abgeschlossen. Das öffentliche Gerichtsverfahren wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Jänner 1987 beginnen. Mehrere Häftlinge, durchwegs nichtMischeFranzosen, haben eine Eingabe an das Gericht geleitet, irr »velcher sie zum Ausdruck bringen: Wir, die Unterzeichneten, Schwarzbarth benachbarten Häftlinge, die Gelegmheit hatten, sein Leben und seinen Charakter kennen zu lernenleisten vor dem Gericht die volle Bürgschaft für seine makellose Sittlichkeit, Rechtschaffenheit und Herzensgute. Die Konserevr der slowakischen Zionisten. Sille in, 22. November. (Dsch. P.-B.) Gestern fand hier unter zahlreicher Beteiligung die Konferenz der slowakischen Zionisten statt, in der der Vorsitzende des Vollzugsausschusses Doktor Ru sei sei: über die politische Lage und die Zionistenbewegung in der ganzen Welt berichtete. Der Delogierte des Palästina-Ausibaufonds, Professor A. Freud, beleuchtete die Lage der Aufbauaktion. Den OrganisationSbericht, der ein Anwachsen der Zionistenbewegung in der Slowakei aufwies, erstattete Dr. M o ch n e r (Märisch-Ostrau). Hieraus wurde eine Resolution Wer die politische, organisatorische unb kulturelle Tätigkeit angenommen. An den Präsidenten der Republik wurde ein Begrüßungsschreiben gesendet, worin er ersucht wird, anläßlich seiner Orientreise auch das Wiederaufbauwerk in Palästina zu besichtigen. Bühne und Kunst. Baffermanns Striese. Deutsches Volkstheater. Es gwt keinen Schmierendirektor mehr vom Schlage des Emanuel Striese; aber es gibt einen Menschentypirs, der sein Lachen und fein Weinen, seine Wahrheit und seine Lüge vom Theater bezieht — den Typus des armen Komödianten des Lebens, lächerlich und traurig zugleich, mit dem Loben nur so verbünde»:, daß er etwa eine Frau hat, die ihm die Realitäten veS Lebens liefert, wie jener Striese, der so oft wiederholt: „Da kennen Se meene Frau nich!" Diese,: Menschentypus schafft Albert Basse r m a n n, wenn er sich in den langen braunen Mantel des Striese im alten Schönthan--Schwank „Der Raub do-r Sabinerinnen" steckt; und er spielt ihn mit schöpferischer Souveränität (Eingebung und Fleitz sind das Wesen der Schöpferkraft, die schon am Anbeginn der Welt sechs Tage arbeiten machte, bis einigermaßen etwas zustandekam). Uird was den „Techniker" Bassermann anlangt, der so oft als leiser Vorwurf mitklingt.— bis es wieder einmal einen Striese auf der Bühne gibt, der so passend „wohlerwogen" unabsichtlich den Kopf wendet, wer»»: jemand in: Zinuner ist, der ihn stört, dann — reden wir weiter von der „Technik". Was sich sonst auf der Bühne bewegte, spielte den alten Schönthan-Schwank mehr oder weniger gelungen; darüber hinaus Herr Be raun mit ausdrucksvollem Mienenspiel (etwas davon erinnerte sogar an den „berühmten Kollegen", der den Striese schuf), Fräulein Koeppke mit grotesken Einfällen (der „Star" möge lieber wegjbleiben). Richtig: warum lvurstelt Herr Sima? Er hat's doch nicht notwendig! Es gab Lachen, das sich von der Tragik befreite, und Beifallsstürme der Begeisterung. S. S. zehniöhriger gubilffum der Warschauer Wischen Literatenverbander. Professor Minz erWlt den höchsten settAridisHen Orden. Ter Orden „Drei Sterne", der höchste lettländischo Staatsvrden, wurde den Mitgliedern dos ersten lettländischon Kabinetts, unter ihnen auch Professor Minz, einen: Juden, verliehen. Eine russisch jüdische Gemeinde in Parts. Aus Parts meldet I. T. A.r Der OberrMiner von Frankreich, Israel Levt, führte jüngst den Vorsitz in der Weihe-Versammlung der neugevildeten Gemeinde russischer Juden, die den Namen „Ohel Jacob" führt. In seiner Ansprache gab der Ob erraöb irrer seiner Sympathie für die in Frankreich ansässigen russischen Juden Ausdrück. Sodann sprach Advokat Henry Sliosverg, einer der Initiatoren der Gemeinde, über die Erziehungsprobleme der Einwanderer. Zum Rabbiner der neuen Gemeinde wurde Dr. Eisensta d t, der frühere Oberrabbiner von Petersburg, gewählt. Er hielt eine Ansprache in Hebräisch, dre einen riefen Eindruck machte. Dem Komitee der Gemeinde gehören führende russische Juden an, wie Baron Alfred Ve Günzourg als Präsident, Advokat-Henry Sliosverg als Vizepräsident, Dr. Hafkine Leo Motzkin, I. Naiditstch, 0. Pollak, H. Zlatoposky u. a. m. Der letzte jüdische Einwohner von Rödelsee. Das „Israelitische Fainilienblatt" meldet aus Rödelsee (Unterste.): Der letzte Jude der hiesigen einst so blühenden Wischen Gemeinde wurde dieser Tage mit Herr,: LM Oppenheim im Alter von 76 Jahren unter starker Beteiligung aller Konfessionen zu Grabe getragen. Den Nachruf hielt Rabbiner Tr.- Wohlgenmt-Kitzingen. Als Veterane des Kriegs- 1870-71 begleitete auch der Vetemnenverein den Toten zur Ruhe und gab eine Ehrensalve ab. II i*=al Hi, t» (Dl Schenkt Bücher zu ■ m Chanukka! » I GroSc todlsdie M I Bi ßüchcr-Woche H M vom 22. bis 30. November 1926 nt III H » Bücher ans allen Wissensgebieten zu tief herabgesetzten Preisen II M ■ von 1 bis J5 Schilling P M Die Nachfrage ist groß, kommen Sie daher sofort! « Bestellen Sie kostenlos Verzeichnis! II m 11 BUCHHANDLUNG II L m R. LÖWIT, WIEN (Abteilung Bücherachwenmie) l. ROTENTURMSTRASSE Nr. 22 | « .1 In Warschau werden, wie uns von dort berichtet wird, Vorbereitungen für die Feier des zehnjährigen Jubiläums des Verbandes jüdischer Literaten undJournalisten getroffen, die für den 26. Dezember angesetzt ist. Laut dem vom Komitee.ausgegebenen Pcogramin werden in der Jubiläumswoche Konferenzen der einzelnen dem Verbände angehörender: Berufs- und Standesgruppen stattfinden, in denen aktuelle, geistige und materielle Probleme des Wischen Literaten und Journalisten zur Beratung gelangen werden. Zur selben Zeit wird eine Buchu n d. Presse-Ausstellung ein Bild der Entwicklung der jüdischen Presse und Literatur in den letzten zehn Jahren bieten. Ferner wird ein anläßlich des Jubiläums erscheinendes Sammelwerk nebst literarisch-publizistischem Material einen Bericht über die zehnjährige Arbeit des Verbandes enthalten. Schließlich.sollen in den Provinzstädtett verschiedene jüdische Buch- und tzvesseveranstaltungen durchgeführt werden. Aus den Theatern: B u r g th e a t e r. Morgen, 7 Uhr, - „Don Car l o s" (Abonnement sechste Gruppe). ' 'AfaÜemi eth ea ter. Morgen, halb 8'Uhr' gelangt Molnars „Spiel im Schloß zur deutschen Uraufführung. Operntheater. Morgen, 7 Uhr, „Die Hochzeit deZ Figaro". X .! Modernes Theater. Heute Erstaufführung des Lustspieles „Alles für die Mama" von Louis Vernein!, deutsch von Robert Blum. — Samstag, 3 Uhr nachmittags, als erste Märchenvovstellung . „Bruder Lustig" .von Marie Wiedemann. L u st s p i e l t h e a t e r. Morgen gelangt mit Hanfi Niese in der Hauptrolle die Novität „Valencia" von Fritz Götiwald zur Erstaufführung. BolkSoper Morgen zweites Gastffnel der japanischen Opernsängerin Jovita Fuentes mit ihrem Partner Emckio Jan: in „Madame Butterfly". CmnStag, statt „Die Boheme" „Madame Butterfly". Deutsches B o l k s t h e a t e r. Freitag verabschieden sich Albert und Else Bassevmann in „Die Wildente". — Donnerstag: „Der Raub der Sabinerinnen". Kammerspiele. Donnerstag. Erstaufführung von „Der Diener seiner Frau" (Eine Gleichung mit zwei Unbekannten) von Hans Wengraf und MAY Werner-Götrig. Richtigstellung. Fr: unserem Feuilleton über die Uraufführung' von „Dorothea' Angerman-n" Musgabe vom 21. d. M.) soll es in der letzter: Zeile statt ..diamantischen AuSrruck", natürlich richtig Dramatischen Ausdruck" heißen. Wiener Singakademie. In der .kürzlich abgehaltenen Genevalvevsammluwa der Wiener Singakademie wurde Herr Dr, OSkar Karlbach in den Vorstand gowäW. L Klavierabend Julkusz Wolfsöhn. Großes Interesse erweckt die Ankündigung des eingigen Klavierabends Professor JulsuSz Wolfsohns, welcher am 26. d. M. im Großen MusÄveveinssaal stattffndst. Im Mittolpunkt dos Programmes steht die zur Erstaufführung gelangende Suite höbraique des Künstlers. Weiters gelangen Kompositionen von Beethoven Chopin, Ca'sella, Symanowski» Liadoff zur Aulft -führung. Karten an der MulsikvereknÄkaffa. (lKonzertdirektion Georg Kugel.) Iascha Heisetz in Frankfurt. Unser Frankfurter Mitarbeiter schreibt uns; Wan hatte Freitag, den 10. November, auch in FraiMurt a. M. Gelegenheit, Iascha Heisetz, den großen jüdischen Geiger, zu bewundern. Mer der Konzersaal war nur halb gefüllt, da ein großer Teil des jüdischen Publikums am Freitag-Abend aus religiösen Gründen derartige Bevanstattungen nicht bosucht. Warum hat man das nicht berücksichtigt? Und rvarum mußte die Propaganda für diese Veranstaltung in einer stillosen amerikanischen Form erfolgen, die für hiesige Bevbältnisse abstoßend wirkt? Schließlich bietet für ein Kunst-Publikum der vergleichende Hinweis auf die Gage Kreislers keinen AnhaltspuM für menschlich-künstseviische Wertung..„ 28. NovmGer 1026 mte 8 Serichtssaal. 9er gvsammenkruch ff« Wirtschaftstrakt «ehmens ff« ftffvtifche« Angeffeffte«. Der sechste Bechandlungstag. Gestern wurde die pensionierte Oberlehrerür Herimne G i e g l, eine gewesene Berwaltungsrätü: der „Wmex^ verhört. Frau Giegl wurde beim Aufkomnren des „Wiuex"- Skandals verhaftet, weil bei der Kasse, die sie geführt hatte, ein Abgang von 1265 M'illio neu Kronen gestellt worden war. Nach wenigen Tagen ivuÄe jedoch das Verfahren eingestellt und Frau Giegl enthaftet. Die Zeugin gab an, daß sie Leiterin der Textilabteiümg ürnd später Stellvertreterin des Generaldirektors Freund im Exekutivkomitee war. Der Vorsitzende verliest sodann aus einen: Ptotvkoll die Aussage l-ser Zeugin, daß in der „Mnex" zahlreiche iProtektiottSAnder . angesteltt werden mußten,'denen "trotz ihrer 'schlechten 'OÄMfikation nicht gekündigt iverden konnte. Me Abgänge, bei der von ihr geleiteten Kasse klärte die Zeugin dahin auf, daß die Belege sttr die fehlenden 265 Millioner: Kronen nicht zu finden waren, weit dies Beträge waren, die sie auf private Weisungen der leitenden Funktionäre ohne Belege ausfolgen mußte. So itfurben beispielsweise 750 Schilling <m Futtermitteln für Regierungsrat S ch i f f m a n n ausgegebeu. Herr Schiffmann hat dies als Provision für geleistete Dienste aufgefaßt und deshalb nichts gezählt. Der Zeuge Albert Klapper, ei« Schwager der Hrcku Dr. Gröll führte das Direktionskonto, Mf dem ein Debetsaldv v on Ml) Millionen skronen verblieb. Die Beträge wurden auf ein anderes Konto unter dem Titel ' „Propaganda «. dgl." eingetragen Nach Einvernahnie der Zeuge« Mg. LU sch, Kupp und Ing. Rn ml er wrrrde die BerHaudlung nbiwbwchen. »8« einem Staat, wo Banditen find, tan» ich nicht leben". Ei» SeMftuwrbvrrsnch im Leopoldstadter BezirksgerWt. In einem Pwzeß, der: der Schriftsteller De. Maximilian Buber geger: den Rechtsanwalt Dr. Schwab angestrengt hatte, rveil dieser als Anwalt eines Prozeßgegners desi Klägers, des Meraner Magisters Kohlseisen, den Doktor Bubner einen Lügner genmmt hatte, kam.es gestern zi: einem Aufsehen erregenden Zwischenfall. Dr. Schwcch WurÄe bereits einmal vor: dieser Anklage freigesprochen, weil der Richter damals annahM, 'daß der Rechtsawvcckt diefe Aeüßerung in WahMmg der Interessen seines Mentei: getan habe und dafür nicht zur Recherrschast gezogen werden könne. Das Landesgericht gab der Berufurrg Dr. Bnbevs Folge urrd vertvies die Ehrenbeleidigur:gsk-äge zur r:ei:erlichel: Behandümg vor das.Bezirksgericht. In der gestrigen BerhaMung vordem Landesgerichtsrat Dr. Fryda erklärte der Beklagte Dr. Schwab, idjaß - er nicht den Ausdruck Lügner, sondern „Lüge" im Zusantmenhang init einer MagebeanttüorÜurg gebraucht habe. Während der ganzen Verhandlung benahrn sich Dr. Buber äußerst erregt, iveshalb ihm der Richter mit den Worten „Setzen Sie sich nieder!" zur Ruhe mahnLe. Darauf rief.Dr. Buber: ,>Jch gehe aus dem Gerichtssaal und bringe mich noch hier UM!" Er lief aus dem Saal, zog ein Taschenmesser hervor Und rief höchst erregt aus: ,^Jn dem Staat will ich nicht mehr leb en! iJn einem Staat, wo Banditen sind, kann ich nicht leben!" Mehrere Kanzleitzeamte'innd zwei Wachleute hatten Muhe, Dr. Buber an ür Ausführung, seines Selbstmordes zu verhindern. Ms nkmr ihm das' Messer entrissen hatte, schlug Dr. Buber u^hrnrals mit seinem Kopf gegen die Wand fonb rief aus, er wolle Selbstmord begehen, weil er und seine Frau ohnehin nichts «Ehr zum Lehen hcüben, denn er sei von Kohlseisen, der Schwiegersohn des Fürsten Hohenlohe-Langenbvuck sei Und deshalb geschützt wird, um sein ganzes Hab und Gut betrogen worden. Schließlich wurde Dr. Buber, ein 60jähriger Mann, auf die in der Mhe befindliche Wachstube gebracht, wo marr ihn beruhige. Inzwischen wollte der Richter einen Vergleich herbeiführen, der jedoch scheiterte. Me Verharrdümg Mißte deshalb Zur Enwernahme des Klage'. . >' sagt werden. I Große Metrügereie» eines steirischen ä..uWeL,öeaM«m mit einer gefälsthten Stampiglie der Postsparkasse. Bor einen: Schöffensenat fand gestern die Verhandlung gegen den 32jährigen Kanzleiadjunkten der steirischen Landesregierung, Gottfried Remschmidt statt, lwelcher zum Schaden des Landes durch längere Zett Veruntpeunge« im Betrage von 76.181 Schilling und Betrügereien mit einer Schad ensnmme von 57.538 Schilling begangen hat. Die Betrügereien führte er mit Hilfe einer gefärschtenStamPigliederPostfparkafse aus, die ihn: ein Gvazer Stampiglienerzeuger angeferttgt hatte, tveShaw sich diese Firma vor Gericht noch zu veranttvarte» haben wird. Remschmidt, der vollkommen geständig U wurde zu fünf Jahren schweren Kv^Hers rmd m Schaderchgutmachung verurteilt tmrrde unter Anerkennung seiner Erregung zur Zeit der Tat und seiner besonderen Verdienste um da« Vaterland zu drei Jahren einfachen Kerkers verurteiL Der Verurteilte wurde aus der Armee ausgeschlossen und aller Rechte, die mit Ordensverleihungen verknüpft stnj^ für verlnstig erklärt. Die fünfmonatliche Urrtersuchnngs-, hast wurde ihm angerechnet« Die Berteidigan^ mefbete die. Berufung an.

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