Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2778 (21.11.1926)
- Date
- 1926-11-21
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SM. M Mett, GomMqr tzerichtssaal. Ter gasammentruch de» Wirtfchaftruntera«meas der WMe» Angestellte«. Lek fünfte Becharrdlungstag. Am gestriger: Bcrhandlungstag gegen die leiteuden.Fünkkrvnärc der Winex rvurde zuerst der Direktor der Treuga- Bank verhört, der über die Verbindung mit der Mnex «lSsagte, rSvbei er jedoch erklärte, Wer Detailfragen keinen Aufschluß geben zu können. Der Vorsitzende verliest dazu ans ccm Protokoll die frühere Aussage des Zeugen, in der er sich über die Geschäftsgebarung und insbesondere über den Angeklagten Frcirnd in sehr ungiinstigenr Sinne aussprach. Der nächste Zeuge ist der Prokurist der Länderbank Ernst Klaar. Er gibt an, daß ihn der verstorbene Nationalrat Schulz äuf Wunsch des Stadtrates Breit ne r im Nvvencher 1935 ersucht habe, die Geschaftsgebarung der Mnex zu überprüfen. .Bon seiten der Leitung der Winex wurden ihm jedoch Schrvierigkeiten gemacht und es bedurfte abermals einer Intervention des Nationalrates Schulz, um die Ueberprüsung der Geschäftsgebarung zu ermöglichen. Zeuge sagt, er sei zu dem Ergebnis gekoarmen, daß die Winex schon Ellde 1922 hätte liquidieren müssen. Bereits damals hat sie mit 90 Prozent fremden Kapitals und nur mit 10 Prozent . eigenen Mitteln gearbeitet. Gustav (Graf) Sizzo-Noris berichtet > als Zeuge über die Finanzierung der Winex mit dem Gelde der Postsparkasse. Bors.: „Ich glaube nicht, daß die Postsparkafsa Wer diese neue Kundschaft sehr erfreut sein konnte. Sie erhielten von der Mnex 10.000 Schilling Vermittlungsgebühr, da nmß es sehr schlecht um die Mnex gestanden sein, wenn sie für die Beschaffung eines Kredites eine so hohe Summe zahlen inußte." — Zeuge: „Ich habe noch andere Sachen zu bestreiten gehabt." — Vors.: „Etwa Bestechungsgelder?" Zeuge: „Nein." — Bors.: „Also unter tvelchenr Titel? Soll ich Ihnen den, Paragraphen 153 Vorhalten, wonach Sie berechtigt sind, sich der Aussage in diesem Punkte zu entschlagen?" —.Zeuge:,Za, es sind, eben Dinge, Wer die ich heute ohne Gefährdung nicht Auskunft geben kann". J Der Direktor der Allgemeinen - österreichischen - Kr-ödMaiÄ^ Dr. - Baum, bezeugte, daß er im Jahre 1924 von der KreöitbedlürstigLeit der Winex gehört habe, da ' sie von Zusammenbruch der Jndustriebank in Mit- . leidewsHrft gezogen worden sei. Die Winex bekam da.. mcüs Von der Postsparkasse einen Kredit von 3.5 Mid klonen, wogegen sie ZMöpte ausstellte. Hieraus trat sie au tue Kreditbank um ein Darlehen in derselben.Höhe hencm, das ihr auch nach einer Revision des Betriebes gewahrt wurde. Die K r e d i tb a n k ^behielt sich eine' gewisse Einsicht in die Geschäftsbücher der Winex vor. ^Vovs.-:- War nicht vor: einem jungen. Herrn Schiffmmm die Mede, der als . Kontrollorgan in die Winex eintreterr. sollte? — Zeuge: Die Anstellung des jungen - SchMnbttn als Kontrollorgan in die Winex erfolgte auf Wunsch der:Herren Freund und Dr. Groll, die' sich' wach. Anschauung des Zeugen von Regierungsrat Schiffmann, dem Prefferoferenten der Postsparkasse, eine. NnteMützung hei der Kreditgewährung durch. dieses JiWiut erhofften.. Sex. Vorsitzende ordnete dara-ujhin die Zeugenemvernähme des Regierungsrates Schiffmann an. Dieser wefft jedoch, wie aus einer Meldung des PolizeikommiffariätZ Landstraße hervorgeht, wegen eines Familierffall.es im Ausländ und wird nach seiner telegraphisch eingekangten Mitteilung dem Gerichte Dienstag zur Berffiigung stehen. Mach Einvernahme einiger weiterer Zeugen wurde die Verhandlung a/bgebrochen und ivivd Montag früh mit der Einvernahme der Frau Hevmine Gigs fortgesetzt. .- Einen Monat Arrest wegen Ehrenbeleidigung. Die Kommerzialräte Richard H o netz und Adolf Kaiser traten gestern beim Strafbezirksgevichte 1 als PrivaMäger gegen den Direktor eines Reklamebureaus, Hans Kroupa, .aiff. Nach Jlchalt der Klage hatte der Beschuldigt im Verlaufe einer geschäftlichen Differenz mit der Firma, der die Klager als Gesellschafter angeyören, durch Zeinen Boten an die Firma einen Brief geschickt, in welchem es" unter anderem hieß, daß das geschäftliche Vorgehen der Firma schon nahezu an die Gefchaftsusancen Polnisch e r I u d e^n grenze. Weiters wurde in dem Briese.der Firma mit der Erstattung der Strafanzeige «droht. Zu der vor dem LGR. Dr. B e n e sch stattgehabten Verhandlung war Kroupa trotz ausgewiesener Zustellung der Vorladung nicht, erschienen. Der Richter verurteilte ihn in contumaciam wegen Ehrenbeleidigung zü'einem Monat Arrest. Der Fli^gerössizier als: Mörder. Am 18. November begann in Warschau,.wie von dort berichtet wird, vor dem dortigen Militärgericht der Prozeß gegen den Fliegevhauptmann Pawliko w i t i, der den Chaufsmir Strozyk ermordet hat. Die Verhandlung..wurde seinerzeit bekanntlich zwecks Psychiatrieruiig des Angeklagten vertagt. Der erste Beryandlungstag brachte außer der Einvernahnie des Angeklagten, der im weseittlichen ein volles Geständnis ablegt und nur die Tötungsabsicht in Abrede stellt (er behauptet, die Waffe gegen den Unterleib des Chauffeurs gerichtet zu haben), die Aussagen einiger Zeugen, die den Angeklagten , als tapferen' Offizier schildern. Der Uiegerhauptmann scheint die Tat, die er jetzt bereut, im leicht &e? rauschten Zustande unb in Erregung, wegen der ihm angeblich zugefügterl Beleidiaung begangen zu gäben. Großen Eindruck rief die Aussage des Fliegeryaupdmannes Or.linski hewor, der vor kurzem den.Flug Warschau—Tokio—Warschau absolviert hat. Er schildert die Tat und bemerkt, daß man den Eindruck gewumen konnte,' daß sich der Chauffeur aus den Hauptmann stürzen wolle. Dem Hauptmann stellt er als Soldaten und Kollegen das beste Zeugnis aus. Der ermordete Chauffeur, dessen Gattin, Schwester und zwei Töchter in tiefer Trauer im Saale anwesend sind/ wird von . sämtlichen Zeugen als ruhiger und friedlicher Mann bezeichnet. Heute soll das Zeugenverhör fortgesetzt werden, mit besonders großer Spannung wird aber das Referat des Mchtaters Dr. Nellen erwartet. Das Urteil soll noch heute gefMt werden. Wletter M--r e«-ettrmg 21. November 1980 Volkswirlscholt a*: im . Maleparta und fein Prozeß. shieleude ftwlstatld* . Dtzm öDrMWWr MM M es imt feinen Bc> srtztümern wie dem Maleparta der Sage ergangen! Maleparta, ettt. Bösewicht, der zeitlebens unrecht Gut aufgehaüst, ist zuletzt mit allen seinen Reichtümcrn doch zum Teufel gefochren. Maleparta konnte nicht einmal Lösegeld geben, denn, unrecht Gut ist ohnehin des Bösen, kein Wunder, daß . sich dieser nicht mit einem Bruchteil des ihm Gehörenden begnügen wollte. Und übrigens so eigentumsbesessen ist selbst ein Teufel nicht, als daß er auf das für ihn viel wertvollere Gut, die sündige Seele, Verzicht tun sollte. * Der österreichische MalHmrta war m seinen Anfängen ein scheinbar' recht gutmütiger Geselle gewesen, so daß die anderen Völker ihm in seiner Not zu Hilfe eilten. Sie versorgten ihn mit Krediten, stellten ihm die besten Finanzexperten zur Seüe, die nach anstrengendem Studium ihm . ein Jahresbudget von 360. Millionen Goldkronen festsetzten. Das war im Jahre 1922 ein schwindelhaft hoher Betrag gewesen. Aber Maleparta hatte Gold geleckt! Er fand an dem so. begrenzten . Budget keinen Gefällen, und er setzte es bei feinen Gläubigern, die nun einmal Gefangene des Schuldners sind, durch, daß sie ihm ein Normalbudget vor; 395 Millionen Goldkronen bewilligten. Nun konnte sich Maleparta strecken , und recken und seine Ellenbogen gebrauchen.' Er verschaffte sich ein Marterinstrument, die Steuerschraube, legte sie seinen Mitbürgern an, und so touchs und wuchs er mit jedem Budgetjahr, das Ueberschüsse über Uebersch,üfse abwarf. Allein für das schwerste Krisenjahr 1924 zog er aus der Wirtschaft schätzungsweise 90 Millionen Schilling mehr heraus, als ihm gebührte. Für das Jahr 1925 sogar 125 Millionen Schilling. Seine Großmannssucht kannte wahrlich keine Grenzen mehr! Daß Maleparta so üppig gedieh, wußte man allerdings im Anfang nicht. 'Seine finanziellen Reserven.wußte er schr gut zu versickert, und sein Jammern über die schlechten Zeiten hatte eine solche Note her Aufrichtigkeit, daß man ihm Glauben schenken mußte. Aber eines schönen Tages wurde doch etwas von seiner: Schätzen ruchbar. Maleparta tat furchtbar entrüstet, es stellle sich jedoch'bald. heraus, daß diese Entrüstung nur' geheuchelt War, aus Rücksicht .auf döNJion den Gläubigern bestellten Generalaufseher 'Wer 7.die5 Pfänder , zur. Sicherung. »der. Bölkerbundsänleihe.. Als' nun der Generalaufseher am 30. Juni 1926 mitternachts'abgezogen warließ Male-' parta die Maske fallen: Nahm 62.5 Millionen Schilling aus' den Kassen mrd warf sie in ein ihm nahestehendes fallites. FinänzinstitüL, sicher, daß die seiner Steuerhoheit unterliegenden Bürger ihm nach wie vor alleswerden ersetzen müssen. Dieser plötzlich aufscheinende Reichtum machte indessen die lange im Zaune gehaltenen Bürger stutzig. Auf einmal wurde ihnen klar, woher in die. Kassen des österreichischen Fiskus, der Jahre lang angeblich nur . von | ZMode und SKunstgewerbe | ÖOOOOC ln dieser Rubrik erscheinen entgeltliche Anzeigen OQOOOO Luum Feinste Werkstatt enarbelt. 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Dieft 62.5 Millionen Schilling stammten aus den Kontributionen, die der Wirtschaft unter dem Namen d«r Sanierung anftrlegt worden waren; diesem staatlichen Aktivum standen als Passivposten alle die stillgelegten oder eingeschränkten Betriebe gegenüber, denei: Malepartas Instrument das Betriebskapttal entzogen hatte! 62.6 Millionen rastendes Kapital, war es denn anders denkbar, als daß sich auf der andern Seite eine Armee rastender Arbettshände zusammenballte! , Für den Raffer Staat, den alles verschlingenden Leviathan, war es vorteilhaft, gewesen, den Bettel an Arbeitslofenalmvscn auszuteilen, um sich dafür dem ungestörten Genuß immer mehr ansteigender Kassruübcrschüsse hingeben zn können. Urü» wie unrecht Gut die Verlockung bietet zu allerlei Missetaten,- so war es auch bei solcher Staatsnürtschaft nicht anders. Für Gefälligkeiten an politische Freunderln wurden zwar die Kassenreserven am 30. Juni 1926 leicht hingeopfert, doch wurde man bald inne, daß, wenn ein Maleparta schieinbar großzügig tut, dies nicht freiwillig geschehen sein könne. Die 62.5 Millionen Schilling waren eben schon das letzte Gut, das ihm verblieben war. Zwischen der rascheil finanziellen AtoMisieruug zugunsten der Zentralbank und der Nerwirtschaftung der Vevmögensbrstände der Postsparkasse gab es untrennbare Zusammenhänge. Hier hatte die Malcparta-Wirtschast schon vorhersolche Verheerungen angerichtet, daß es nicht inehr möglich war, lvie Lei früheren Gelegenheiten die Postsparkassa vorzuschieben. Also daß Maleparta selbst ausrücken mußte, um bei der Zentralbank zn retten, falls es dort wach etwas zu retten gab. Daß Lei der Postsparkassa Malepartas Reichkümer schon längst zum Teufel gefahren seien, das hat man allerdings erst später erfahren. Wäre es möglich gewesen, die Spielteufelverluste zu vertuschen, so wäre wohl dem Maleparta noch ein recht langes Dasein beschieden gewesen. Da aber dort alles ratzekahl war und die Bürger sich in der Frage des Ersatzes der, 62.5-Zipttralbank-Millionen recht widerhaarig zeigten, ließ sich' die Sache nicht vertuschen. So kam es,- daß der Teufel auf der Ausfolgung der armen Seele bestand, er holte sie sich, indem er. sie öffentlich kompromittierte. Und man erftihr das Erbauliche, daß die gerade jetzt wieder um Ruder befindliche erste Regierung der Sanierungsaktton in: erstm Jahre der Sanierung einer Zlusdehnung der Geschäftsverbindung ihres größten Fnmnzinstituts, der Postsparkasse, mit den: Großspekulanten Bosel Untätig zusah. Uebevallhin reichte ihre Omnkpotenz, :rur nicht dort, wo ihre Aufsicht am notwendigster: gewesen'wäre! Wer mag ihr hcku'ta. glauben, daß es ihr gleichgültig gewesen sei, ob der Großspekulant Bosel im zweiten Jahre der Sanierung saniert werde oder nicht. Die Deposttenbarck ließ mar: fallen, die Lombarduüd Eskonrptebank ließ mm: fallen, war es Zufall, daß man gerade dem von ihr in besseren Zeiten taxfrei znm Finar:zgenie ernannten Bosel Ultter die Arine griff? Es war kein Zufall! Denn inrt piesenr Bosel hatte die Postsparkassa Effektengeschäfte gemacht, mit diesem Finanzgenie operierte sie in der Fmnkenkontermrne; daß sie ihn n: der Folge zu sanieren , suchte, war nur die natürliche Folge der geuieinsanien Großtaten. . ■, . Wie lautet denn das Alibi? Der Oberste Rechnungshof hat die Bilanz der Postsparkasse überprüft und richtig bestmdm. Der Finanz- Minister hat nichts gewußt. Seipel erklärt, daß ei nichts von Wirtschaft, Schürft, daß er nichts von den Kroditgesch ästen der Postsparkasse versteht. Der Sachverhalt: Der Oberste Rechnungshof hat schlecht gerechnet. Er war kein guter Buchhalter. Daß Seipel nichts von der Wirtschaft versteht, ist gut uröglich. Dafür versteht Kienböck auch das, was Schürft nicht . versteht: von dm Kreditgeschäften und von der Wirtschaft. - Ihm mriersteht aber nicht die Postsparkasse. OfftzieV hat er nichts gcävußt. Was er inoffiziell gewußt hat, geht ifnt als Finanzminister und Natlonalrat nichts an. hier nmr er natürlich an das Prrufsgeheinmis des Advokaten gebunden. Oesterreich hätte ein gutes Geschifft machen können^ ivenn es beim tiefen Stande des Franc Francdevisen gekauft und die französische Tranche der Bölkerbundanleihr getilgt hätte, es hätte einige Millionen am Francrückgange verdient. Statt deffen hat man Bosel Geld gegeben, ' damit er für Rechnung der Postsparkasse gegeu den Franc spiele. 33 MNionm SchAing Md tz zM> SMttruftl gcc - < / ■ 38^4