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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-21 · Heft 2778 (21.11.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2778 (21.11.1926)
Date
1926-11-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«ZOtz ö Men, SviMtvff c^r-... . ■- —- ■ ■ .-— »Direktors prefer blondes!" Schlapphut, Labalierc, Sammeljoppe hängen verstäubt unter den Requisiten des Künstlers. Der heutige Zeitrhytntus erfordert An- und Eingliederung und der englische Herrenmodctyp gerade jene Distinktion, die unt Unauffälligkeit identisch ist. Sie fängt bei der Kleidung an und läuft über die Geste zum Gesicht, zur Physiognomie. Der männliche, ausgeglichene Kopf mit den zwar edlen, aber wohlgegliederten Proportionen ist das Ideal geworden nicht nur der vornehmen Gesellschaft, auch des jungen Mädchens. Und das Ideal des jungen Mädchen ist Trumpf. Theaterdirektoren, Regisseure, Theateragenten Und Bühuenschriftsteller höben sich instinktiv den Typ - der Zeit zu eigen gemäM. für Männer und Frauen, und wir können jetzt die seltsame Erfahrung machen, daß die Epoche'des interessanten Menschen aus der Bühne im Slbsterberr begriffen ist. Die Bedürfnisse der Ensemblekunst müssen die prdnoncievte Persönlichkeit ausschalten. Das dämonische Angelder perverse Murch, der groteske Schädel, die lasterhaften Hände - —' sie gehören in das Zeitalter.einer Bohemefreudigkeit, eines UeberindividualismUs, in dem sich auch der Roman, das Ueberbrettl und zum Teil die Literatur der Anarchie gefiel. Es tvar eine Vorliebe, für das Seltsame uttb Außergewöhnliche, für die Karikatur und die Groteske, innerhalb der sich alle , Exzesse der erlebten und erdichteten Erotik ausleben konnten. Die Theaterdirektoren trugen dieser Sehnsucht Rechnung, sie griffen nach Spezialitäten der äußeren Erscheinung und des Kehlkopfes und so gelang es ihnen, die Bühne nnt unproportionierten, abenteuerlichen, absonderlichen Figuren oder — präziser gesagt — mit „häßlichen" Menschen zu bevölkern. Blähhälse, Großkopfige, Quetschnasige, Skelette Und Dickbäuche feierten Triumphe als Genies, da ihnen die Kraft zugesprochen ward, die physiognomifchen Mängel der Natur überwinden zu Annen. KurzUm, dve interessante Erscheinung siegte, über den, normalen Typ. Was ist jetzt mit ihnen anzufangen? Welcher- Direktor kann es sich schon vom Gesichtspunkt-des Budgets leisten, Sp^ialitäten zu engagieren, lüe er nur von Fäll zu Fall eben wieder Nur für Spezialitätenwlken verwenden kann! Er sucht also den normalen Typ, die wohlgestaltete, rwrrmcke, proportionierte Erscheinung, die Durchschnittsfigur, den blonden Menschen. _ Bei der Charakterologie des blonden Menschen darf maw sich nicht im Gestrüpp metaphysischer Erklärungen verlieren. Man darf ebenso wenig an die Blondheiit jener germanischen <Hrezies denken, vvn der als Kulturprodukt seitens „völkischer" Hitzköpfe die Genesung der Welt erwartet wird und die beispielsweise in der dilettantischen Zeitschrift „Ostara" Stufen menschlicher Qualität begrenzen will, wie man nicht der Versuchung erliegen darf, die blonde Farbe als etwas absolut Reales hmzustellen. Wir besitzen die erklärendsten Beispiele im amerikanischen Film, der vielleicht auch deshalbweil er den wohlgestalteten, angloamerikanischen SchönHertstyp favorisiert, sich die Welt-erobert hat. Dieser Typ beginnt sich auch auf der. europäischen Bühne, zumindest Ms der deutschen, durchzusetzen. Mag er auch dem scmobistlschen Geschmack banal erscheinen, er-wird gesucht, gefordert, lanciert. Bedeutende Theaterleiter lassen sich nicht inehr vvn der Exzentrik einer „rassigen" Erscheinung bluffen; sie reihen ihrer Truppe lieber ein in Gestalt und Manier gefälliges „Mitglied" ein, als ihre Hoffnungen Ms eine sogenannte „interessante" Persönlichkeit zu setzen. Das blonde Girl wird vielleicht auch bald Ms dem seriösen Sprechtheater avancieren. Und es gibt Theaterfachleute genug, .die unter vier Augen sich zu dem Geständnis bequemen, daß heute Künstlern, tvie Moissi oder der Orska, stünden sie am Beginn ihrer Karriere, kaum mehr der Aufftieg zum Star, beschieden wäre. Und bei aller Problematik des modernen Theaters scheint auch — trotz „L'aiglon" mit Jda 'Roland — Are Zeit, fragwürdiger Experimente, wie sie Sarah Be rnhard und Asta N totsten in ihren Hosenrollen boten, vorüber zu. sein. Die Theaterdirektoren zieheir „Blonde" vor. Soll damit gesagt fein, daß für die starken Individualitäten auf dem Theater kein Platz mehr ist? Daß der geniale, singuläre Schauspieler dem braven Durchschnittstyp weichen muß? Wiener Morge«zettu«g ZYKLON (Blttaavre-DttreliffMangeft) // Modernste mmmmm Ungerlefer-Vernlohtung mmmmm ohne Schaden für Einricfitnngagegenstftnde Deutaohe Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung Geschäftsstelle: Wien, III., ErdbergatraOe 39 6706 Telephon 91-0-97 Daß der Star von der Bühne verschwindet? Die Direktoren studieren nicht nur die dramatische Literatur, sondern auch den Kassenrappovt. Die rechte Hand muß wissen, was die linke einnimntt. Letztens entscheidet das Publikum. Und das wird immer nneder der Suggestion des großen Künstlers erliegen, mag er blond oder — andersfarbig sein. .' ' Oskar Ro se-nstetd. Merkwkrdige HeiratsontrSge. Der moderne Mensch ist skeptisch unld glaubt nicht mehr an das Märchen von dem oder der einzig Ausgewählten, die oder den uns das Schicksal zum Ehepartner bestimmt habe. Von dieser Erkenntnis bis zu dem Entschluß, selbst ein bißchen Vorsehung, Schicksal oder Zufall'zu spielen, ist dann nur ein kleiner Schritt. Man gibt-eine. Heiratsanzeige auf oder geht zum Ehevermittler. ■ Leute aber, die in diesem Falle nicht auf Romantik verzichten möchten und anderseits auch nicht warten wollen, bis sich der 'Zufall ihrer erbarmt oder vielleicht auch nicht, haben daher andrre und oft recht seltsame Wege zum Stau-. besamt gefunden. So hat ein S t o ck h o l m e r. Mädchen, das in einer Streichhölzerfabrik beschäftigt war, in eine der für den Export bestimmten Schachteln die Worte geschrieben: „Meinem zukünftigen Mann in der weiten Welt!" und Name und Adresse hinzugefügt. Die Schachtel gelangte nach mehr als Jahresfrist in den Besitz eines amerikanischen Ingenieurs, der daraufhin einen Briefwechsel mit dem Mädchen begann und es schließlich heiratete. Auf ähnliche Weise ist auch Herr B e r t r a n d, wohlbestallter Magistratsbeamter in Brest, zu einer Frau gekommen. Herr Bertrcmd war ein leidenschaftlicher Raucher.. Er hatte seine bestimmte Sorte, die nicht gerade hervorragend war, aber den Vorzug der Billigkeit besaß. Als er eines Tages wieder ein Päckchen der gewohnten Marke, öffnete, fand er statt des groben Tabaks, den es sonst enthielt, eine sein geschnittene, wunderbar aromatische Sorte , und auf dem Boden des Päckchens einen Zettel mit den. Worten: „Daß Sie diesen feinen-Tabak gefunden haben, an-. . statt des groben, das haben Sie mir zu danken.. Ich heiße Marie Soundso, bin in der Tabakfafrik von Morlä.ix beschäftigt und möchte rasend gerne heiraten. Falls diese Sendung in die Hände eines passenden Reflektanten gelängt, bann schreiben Sie nach meiner Wohnung, Rue Soundso." Eine Frau mit solchem Tabakverständnis war für Herrn Bertrand natürlich unwiderstehlich. , Andere Männlein und Weiblein hinwiederum, die sich verheiraten möchten, versuchen es mit einer Art Lotterie. So hatte eine hübsche englische Dame einmal auf einem Hausball eine L o.t t eri e veranstaltet, bei der sie selbst das „große Los" bildete. Sie pries den Haupttreffer an als „eine einnehmende Blondine von neunzehn Jahren, mit blauen Augen, einem süßen Mund und besonders schöner Figur". Die Lotterie hatte solchen Erfolg, daß sie dadurch nicht nur einen guten Mann, sondern auch noch genügend Geld bekam, um sich in der Musik ausbilden zu lassen. Heiratskandidaten wieder, die zwischen mehreren Ehepartnern zu wählen haben und sich nicht entscheiden können, versuchen es mit einer Art Wettkampf. So wurde die schöne Kunstschützin in einem Zirkus von zwei Cowboys derselben Truppe leidenschaftlich begehrt. Unld da sie den beiden in gleicher Weise zugetan war und nicht wußte, wem sie den Vorzug geben sollte, ließ sie die Rivalen ein Wettrennen zu Pferde veranstalten, und der Sieger durfte sie dann zum Traualtar führen. Eine merkwürdige Form des Zweikampfes um den Besitz eines Millionärs wählten zwei amerikanische Malerinnen, indem sie mit dem Einverständnis. des Umworbenen beide sein Bild malten. Und diejenige, die ihn nach seinem Urteil am besten getroffen hatte, durste zur Belohnung für ihre Tüchtigkeit die Gattin des reichen Mannes werden. ’ . » 21. November 1926 Nr. 2776 Katastrophen in aller Welt. Unwetter itt Süditalieu. Neapel, 20. November. In der Nacht wütete elin heftiges Gewitter in der Stadt und in der ULlgebu-ng. Aul P o s illipo riß das Ka b e!l der S ch w ebe - b a ih n, die von Marochiaro nach der kleinen Insel Gaiola führt, wobei ein weiblicher Fahrgast ins Meer stliivzte. Me Versuche, ihn zu retten, blieben wogen der stürmischen Sec vergeblich. Heftige Stürme an der französischen Küste. Paris, 20. November. Die Stürme, die seit gestern an ' der Küste wüten, haben den Schiffsverkehr behindert. In der vergangenen Nacht mutzte ein Unterseeboot, das zur Hochseedwision stoßen wollte, leicht beschädigt im Hafen von Cherbourg Zuflucht suchen. Fast alle fälligenPassagrerd.amp fer treffen mit Verspätungen ein. Die gestern in Cherbourg eingelaüfenen großen Passagierdmnpfer „L e v i a t h an " und „O l y m p i e" sind von dem Sturm, der im Atlantischen Ozean herrscht, beschädigt worden. Ein aus Marseille ausgelaufener, nach Beirut bestimmter Dampfer ist gestrandet. In Port S a i n t e Marie ist der Deich durchbrochen und die S t ad t von einer S tu r m f lu t h e im ge su cht. 88 Personen einer Hochzeitsgesellschaft ertranken. London, 20. Noveimber. Nach einem Telegramm aus Madras sind durch das Kentern eines Motorbootes auf dem Godovari.fluß 66 Personen, die von einer Hochzeit zurückkehrten, ertrunken. Explosion einer Ku-Klux-Klan Halle. San Diego (Kalifornien), 20. November. Die hiesige Halle der Kn-Klux-Man-Qeute ist durch eine Explosion großer- Mengen von Schwarz- Pulver völlig zerstLrt worden, Es wurde memand verletzt. Verkehrsstörung auf dem Semmering. ■ Gestern früh ent g >I e i st c-n im ■ WolssbergkogÄbunnel der Semmeringstrecke - bei dem Gü Verzug 8582 aus bisher unbekannter Ursache die beiden letzten W a g e n, wodurch b ei d e H a up tg> e leise v e r - I e g t und der Berkchr unterbrochen würde. Nach mehrstündiger Arbeit -war ein Geleise f lr den Verkehr wieder frei gemacht. Seeräuber. London, 20. November. Der japanische Dampfer „Smkianig Marn" wurde Donnerstag, bei Han kau von Seeräubern, überfallen. Die Banditen, die m Uniformen gekleidet waren, p l ü n d e r t c tr d a s Schiss und raubt e n 1 3. 0 0 0 D o l 1 a r, Wertgegenstände inbegriffen. Sie nahmen den Kapitän gefangen, für dessen Freilassung sie ein Lösegeld von 10.000 Dollar fordern. M Mona Lisa im Louvre falsch? Das Gemälde wird geprüft. Aus Paris tvird gemeldet: „Oeuvre" bringt die aufsehenerregende Nachricht, ' daß das Bild der M o n a Lisa von L e o n a r d o d a Bin c i, das sich im Louvre befindet und das bekanntlich im Jahre 1911 gestohlen, 1913 aber wieder aufgefundeu -wurde, nichtdasOrig i n a l - Gemälde, sondern nur eine Kopie sei. Das Original, soll sich, wie das Blatt weiter zu melden weiß, gegenwärtig in den Händen eines bekannten Pariser Antiquars befinden. Es hat bereits eine Beratung zwischen den Direktoren der Nationalmuseen von Paris stattgefunden, um noch einmal an der Hand der D o k u m e n t e festzustellen, unter welchen Umständen das damals wieder aufgefundene Gemälde geprüft, und dem Louvre zurückgebracht worden ist. riNF PREISE ßiQMe§pun8, für Sport-Kostüme, 130 cm breit Kostümstoff, 140 cm breit; Sport-Schotten, 130 cm breit Shetland, 140 cm breit . Raglanimd Mantelstoffe, 14p cm breit ft Pt »» » r 1-90 4*90 9*90 9*00 3*90 der billigen “Hotbe Im WARENHAUS Brüder fefhiffmann, Wien, 2. föexirfz TABORSTRASSE Nr. 48 Besichtigen Sie unsere 93 Schaufenster — es ist für Sie von Vorteil I

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