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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-21 · Heft 2778 (21.11.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2778 (21.11.1926)
Date
1926-11-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2778 Wiener Morgenzeitung ZI. Nvvoinber 1Ä36 Wien, Sonntag Spiritisten. Bon Tristan Bernhard. Wir bringen hier eine Prvbe e-et amüsanten Erzählungskunst Tristan Bernards, der gegenwärtig in Wien weilt. Bei einer sehr vornehmen Gesellschaft lmirde ich den beiden Spiritisten norgestellt. Während des festlichen Ostens war van Sirggustion, Transzendenten-Talismus und okkulten Wissenschaften die Rede. Einer der Herren war Arzt, der zweite sein Medium. Im Rauchsalon kam der Arzt zu mir und sagte leise: „Wollen Sie ein Experiment wagen?" Ich nickte zögernd — da fuhr er fort: „Bitte, denken Sie, Sie hätten mein Medium morgen zum Souper um 7 Uhr bei' Voisin eingeladen! Denken Sie sehr stark daran! Konzentriern Sie sich darauf!" Kaum hatte er die Worte gesprochen, da kann das Medium mit festen Schritten durch den Salon, sah mich scharf an und sprach zu mir: „Sie halben mich zu morgen abend 7 U-hr zum Souper bei Voisin eingelanden!" Sein Ausdruck wurde ein wenig unsicher — dann — als hätte ihn eine unsichtbare Macht gezwungen — fügte er hinzu: „Ich nehme an!" „Ich werde ebenfalls dort sein," sagte der Arzt, „und wir locrden Ihnen verschiedene interessante Dinge zeigen." Am nächsten Abend war ich Punkt 7 Uhr bei Voisin, wie wir es verabredet hatten. Dort waren die beiden Spiritisten. Äas Medium war etwas blaß und erschien mir sehr müde und abgespannt. „Seine Appetitlosigkeit beängstigt mich sehr," sagte der Arzt leise zu mir. „Er wird sehr tüchtig essen müssen, .weil er sehr müde ist. Leider tut er es nur, wenn ihm andere mit gutem Beispiel vorangehen. Aber ich will das Opfer gern aus mich nehmen — ich werde mehr essen als sonst, damit Sie nachher ein paar interessante Experimente sehen." Dann stellte er eine ganze. Anzahl von Speisen zusammen, die nach seiner Behauptung geeignet waren, das Fluidum stärker strömen zu lassen. So erschienen auf seiner Liste: Hummer auf amerikanische Art, Schinken in Madeira mit Artischocken, Fasanenbraten -mit Chapignons, russische Eier und andere Leckerbissen. - - . „Nur keine Kartoffeln öder Suppen", befahl er streng. Ich bestellte sogleich das Essen. Und schon nach kurzer Zeit konnte ich feststellen, daß der Arzt die Wahrheit gesprochen hatte: dank seinem guten Beispiel und der trefflichen Auswahl der Speisen vermochten wir das Medium zu bewogen, einen jeden Gang zweimal zu nehmen. Als. wir zum Dessert kamen, zog mich der Arzt zur Seite und flüsterte mir -ins Ohr: , „Bestellen Sie zwei Flaschen Ponunery — Sie werden dafür' ein sehr lästiges Experiment zu sehen bekommen!" Man brachte die>'Kwei Flaschen Pommerh. Sie 5c,steten vierzig Francs'pro Flasche. Ich trank auch ein wenig davon und gab dem guten. Geschmack des Arztes unbedingt recht. Der Arzt füllte sein Glas — dann das Glas des Mediums— und in befehlendem Ton sagte er: „In diöfem Glas'ist Gfsig, trinken Sie cs aus!" Das Meldimn goß den Inhalt des Glases hinunter und machte ein furchtbares Gesicht. Wir hatten das Experiment drei-.oder viermal wieiderholi — und immer wieder konnten wir dieselbe Wirkung auf seinem Antlitz erzielen: stets schmtt er diesevüe Grimasse. „Ich würde gern das Gegenteil unseres Experimentes machen," sagte der Arzt, „ich würde ihm Essig zu trinken geben und ihm glaubhaft machen, daß es ein -fabelhafter Wein sei . . . leider kann ich es wogen seines schlimmen Magens nicht wagen." Dann ließen wir diele Li-lore kommen, und das Medium zeigte a>uf Snggcstiop des Arztes immer die interessantesten Verwirrungen. So trank er Sliwowitz statt Curacao, Sokt statt Anisettg, einen Kümmel hielt er für Steinhäger, grünen Chartreüse verwechselte er mit den: gelben, und umgekehrt. Auch kam es öfter vor, daß ein Tisch — nein, zwei Tische, drei Tische, vier Tische sich drehen . . . daß sogar der Saal zu tanzen beginne . . . und daß auch die Kasse, die Kassierin und >der Kronleuchter sich mitdrehten. '$■ Als wir das Restaurant verließen, hatten die Geister in dem Artzt mrd seinem Modvnm so gearbeitet, daß sie sich immer an die Wand lohnen mußten» von dort -aber durch andere Geister und Elemente z-urückgoschleud-ert wurden . . . der Straßenlaterne entgegen.- SeffenMche Arbeiten der Stadtgemeinde reiAwlw. Die Dtadtgeineillde von Tel Awiw soll demnächst mit der Durchführung einer Reihe weiterer öffentlichen Arbeiten beginnen, die auf LE. 18.000.— zu stehen kommen urid 600 Arbeiter täglich beschäftigen iverden. Diese Arbeiten umfassen u. a. Straßen im Nordteil, am Mecresufer, wie auch eine Reihe kleinerer Straßen. < . „Pluvius“» Hepgarantiert wasserdicht. Zusammengefaltet bequem in die Tasche zu stecken. Ladenpreis für Herren und Damen S 4 50. für Schulkinder S 3*50. 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Der Gesundheitszustand der Tiere war sehr viel besser als in dem alten Affenhaus;Krankheiten kamen rvenig vor,. und in zwei Jahren haben sich nur zivei Todesfälle, ereignet. Der beste Beweis für die Wirkung der Strahlen war aber ein Orang-Utan, der ganz kahl gewesen war und jetzt' in einem leuchtend kastanienbraunen dichten Pelz! sich'präsentierte. Seit einem Jahre hat auch das Löwenhaus ein 8000 Quadratfuß großes Dach von Vitaglas. Dem König der Tiere ist dies nicht wertiger gut bekommen als den' Assen. Kein einziger Todesfall hat sich ereignet. Auch das neue Reptil i e n h a u s soll ganz mit diesem, die ultravioletten Strahlen durchlassenden Gla^ ausgestatlet werden. ' Das Glas, das sich in' seinem Aeußeten von dem gewöhnlichen Glas nicht unterscheidet, kostet nicht mehr als Plattenglas. Es ist irr England bereits bei einigen Häusern angewendet worden, und die neu.e Oesund-' h eits ges-c llisch aft, die in 'England . für 'eilte Besserrtng der hygienischen Maßnahmen eiutriti,' empfiehlt die Verwendung des Glases für Schulest: Krankenhäuser beginnen, es ebenfalls atizuwenden, und in den Bereinigten Staaten verwend-t man das Glas desgleichen, nachdem der Londoner Zoo so gute Erfahrungen gemacht hat. ' ' ‘ Las Berlluer Wachturnler. Ans Berlin wird gemeldet: Irr der vierten Run!de des Schachturniers einigten sich R u b i n st e i n un-d G r ü n f c l d in einem beiderseitig korrekt gespi-olten DamenbauerNsprel frühzeitig auf remis. Holzhaufen verteidigte sich in einer Wiener Partie gut gegen S p i e l m a n ns- Es entstand ein Endspiel, das aus beiden Seiten ohne jede Gowinnau-Äsicht war. Die Partie würde clbensalls remis gegeben. Spie'lmann hat da-nnt sein vierets remis. Der Schweizer Meister John erspielte im Nachtzug eines Da meuba ue r n spiel es ausgezeichnet gegen Von Belgier Colt c, gewann im Mittelspiel eine Figur und die Partie. Eine ganz hervorragende Partie spiel-te Bogoljngow im Nächzng gegen Sämisch. Er engte ihn vollständig ein und zwang ihn nach 45 Zügen zur Aufgabe. Sehr schwer und wbbittert war der Kampf der beiden Berliner List und Ahu-es. Nach siebenlstü-ndigemt Kampfe wurde die Partie in fraglicher Stellung abgebrochen. S t a n d n a ch d e r v i e r t e n R u n d e: Grünfel-d, Rubinstein 3, Jöhn-er 2 (1), Spielmann 2, List (2), BogoWgow \XA (1), töoltzhanfen 1 (1), Colle, Sämisch % Wues (1). In der fünften Runde, die Sonntag absolviert wird, spielen Jo'hncr gegen Rulbinstein, Holzhausen gegen Colle, Bogollj ubow gegen Spielmann, Ahues gegen, Sämisch, Grürrfel-d gegen List. . . SiouMtzer PaMrat. Das Zwnisttsche Lmtdeskolnitee teilt mit: Die Zionistischen BezirksseLtionen, SorrderveMude und Ortsgruppendie stattttertmäßig keinen Anspruch auf-ein eigenes Mmrdät habert, wurden fölgeuderinaß-en zusamn;engelegt: Sektion -3 — Sekttort 4/5; Scktiott 9 -—Sekttort 16/17; Sektion 19 — Sektion Prater; Sektion 29 — Sektion Zwischertbrücken; Wiener-NettstadL — Baden — Böslau — St. Poltert -— Linz — Leoben — Salzburg — Innsbruck. In dort Sekttörten 2, Sekttort 19/Prater, Frauenorganifatiort liegt nur ein WahliVovschlag vor, weshalb laut Beschluß der Obmännerkonferenz dortselbst die Wahl entfällt. Wählvorschläge wurden eingereicht: SeNon.2, Prater —Sektion 19, Sektion Zwischenbrücken—Sektion 20 und Frauenovganisation. Die Sektionert iverden artfgefovdert, bis spätestens Ntontag, 1 Uhr mittags (everttuell telephpnifch. Nr. 77-4-85,. 77-4-86), dem Lartdeskomitee Wahlort, WaWeit sowie die Mitglieder der Wahlkommission bekannizugeben. . Die Wahl zum Parteirat findet in der.Sektion 19 am Montag', den 22. d. M., Mischen 9^-10 Uhr abends statt. Wahlläter Herr Simon Mcker, Beisitzer Frau Sabine Paßtveg und Herr MinbeW. fhtioe Revheiten in Schvhmoüen- Es ist noch gar md)t so lange her, daß die Schlchmode von so imperativer Bedeutung ist. Erst feitbem der Damenrock aufs kürzeste bemessen ist und die schlanken Füße der Damen der kritischen Beschau der verzückten Bewunderer ausgesetzt sind, hat so recht die Bedeutung des Strumpfes und auch der Schütze als Modeartikel Aufschwung genommen. Das Wort „Mode" an und für sich besagt, daß es das „Maß" der Zeit ist, und da nun einmal unser heutiges Zeitalter ein sehr buntes Richelieu Nr. 1. Zickzack Nr. 2. und bewegtes ist, so zeichnet sich die gegenwärtige Mode durch ihre besonders außerordentliche Buntheit an Farben und Vielfachheit der Modelle aus. Die Vermännlichung der Frau hat es mit sich gebracht, daß für den sogenannten Trotteurzwöck Schuhe mit niedrigem Absatz bis höchstens 3 bis 4 Zentimeter, in verschiedenen englischen-amerikanischen Genres getragen werden; und da werden hauptsächlich Spangenschuhe getragen, in braunem Kalbleder, mit verschiedenen Ornamenten und Verzierungen aus Eidechsen- und Krokodilleder. Neben der einfachen, geraden Kappe, wird vielfach eine Zier- oder Flügelkappe getragen. Durch Zusammen-- Ntlienirc Nr. 4. Crevette Nr. 5. stellung von Eidechsen- oder Krokodilloder in echt oder Imitation mit glattem Kalbleder, ergeben sich sehr hübsche Modelle; auch roerden Schuhe mit Gummisohlen zum schnüren und auch mit Spangen für Sp.o'rtzwecke getragen.- » -! Ein neues Trotteurmodell, das besonders in Paris ckel Anklang gefunden hat, ist der sogenannte „Richelieu", ein 3-Oesenschuh mit Lüxusschnürsenkel und Quasten, wo der Phantasie freie Betätigung überlass en - ist. Auch wird ein sehr ofliginelles Modell „Zickzack" Nr. 2 getragen, aus verschiedenert Reptilienledern uni) Lack zusammen- Mein Ideal Nr. 6.. . Elysec Nr. 5. gesetzt. Dadurch, daß der Borfuß nicht ganz aus Lack ist, ist die geringere Bruchgefahr.' Ein ähnliches Modell ist „Crevette", aus Haisischleder und Lack kombinierte Die Ristspange rvird besonders bevorzugt, und zeigt Mp-ell „Julienne" (Str. 4) einen Schuh aus eichenfarbenem Ehevreaux mit Eidechsen-Ristauflage. Da der Feh-Pelz sehr moderrt ist, wird grau sehr favorisiert, unb zeigt Modell Nr. 5 einen Schuh aus Ehevreaux, der Farbe der Feh-Pelze entsprechend, rnit echter Eidechse montiert.. Abendschuhe sind bunt und pompös. Modell Nr. 6 „Mein Ideal" zeigt einen schwarzen Soide'nschuh mit bunter Petit-Point-Stickerei. Nr. 7 „Orlow", ein Silberbrokatschuh mit'großen Brillant-Straß-Steinen für große Abendkleider, Nr. 8 „Majestic", ein buntfarbener Brokatschuh mit Perlen und Straß-Ornamenten. Für den Orlow Nr. 7. Mvjestir Nr. 8. Abend werden die Schuhe möglichst reich an Straß, Per* lert und Stickeretett getragen. Absätze'' sind höher " als TANZ-INSflTVT H, BRAIMH XIV., RßmOfjFQASSä 42_TELEPHON Nr, 81401 3amoren-3iur$e: <Senipren-3(urse: L Stericktionem Mittwoch, tSamstag, Sonn- und Sefariaft* von 7 bis 11 Wir: SPrivatstundcn täglich zu jeder Seit, S 3*50 230 l 18665971^99^

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