Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2777 (20.11.1926)
- Date
- 1926-11-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 277 -7 Men, Sumstag *20. November 1926 Seite 1 nro m AncctMcrici | ULK MUUbdrlLU£L | Ser stimmerliche Herbst «c.r-'0'U)er,'lMr dttrch ein paar Rebelirnorgen seine Migccke Skimlnitmg angedentet. r^n ^ibr-igien holt er gewWnlM nach, »vas sein feuchter Vorgänger an schwülen Tagen Ed roten Sormemtn-tergängen nn-s schuKüg blickb. In den 'letzten Tagen, die kalendarisch voll rauihen 'Mkvmen u-ub Schneeschä'uern crfictlt söin fällten, erlebt Men ein wahres N'ivieraklimla. Die Leute sitzen- bis zur sinkenden ÄLacht m den Parkanlagen, nirb ivenn die frühen Sterne mnt siudlichMauen WbenAhimutel blinken, daipl seheil sie a-nf Mentschjenistvöme herab, die alle Mraßczt dtt-rchftnten ntch vor jeder A'ttslage einen» Stausee Hilden. Die Wiener find in Bezug atbf groWadtische GnrWbungen ja. nicht überinWy verwöhnt und ein iweM'l'ch dankbares PuWknm Kr Wandelschriften, Stt-cchenlichlMder öder — letzter Schrei eines Wiener WarerchaußcS — den rotierenden LMchfturm auf dem Dache. Dresse und andere Leucht efftkte, die der Großskadtuacht Matllz und Farbe verleihen, legen zugleich ZeuMrs ab Gr die Leistlmg's'fNH-iglkert. chrer Gndujstrie. Denn> Bllidlfftrien aller Mt siäd es, dm zum Zwecke -der Verbrei'tlnng. 'ihrer Produkte Kche gar - nicht billigen LMbspMe mlszemeven, die, -unentzMW) und anf Wentlkchem Witze attigelbracht, wiiMch die breiten Massen lWanzWen und oft armer Laute einzige Unterhaltung Wrter>dort propagarrdatreibenden Industrien «wrederum«Mch es die kosmetilschen lliud das Modegüwerbe, -DHmvchlMg dienend, -ihrer selbst a-rtch am mWteU'WKichen. Mr den meMativen Beobachter ilst es r-eM untzvoll, z. B. Re zahlreichen Angebote und Au- MMglMgien des ModegeNverbes, seine nuendtich vielfäWe, KrulftnÄftch lsiilnstlevische Verwertung von msgHAckt — dwmü N'v>hlsto»fPem zu verftVgem Banm- WWe, Seide und Dierhaar. Den ModeWöplser, der den Mftftnmgen Wagen und lauen Abenden Trotz Won Gr Schneüstirb-rm, Kälte und KDUahrMirme vorgchorgt haben maß, intereffierk zunäW das Haavproduikt am meisten. Da sind Mft -und Kalschmirziege Favorits wegen der besonderen Weichheft und Waumigskeit ihres Vlieses. Der cpstere Mt fern - ganzes Fellchen her, damit Aber- 16. Bez., NeulerctienfelderstraBe Hr. 29 Billigste Preise — Solide Bedienung Bequeme Teilzahlungen. — Eigene Repäraturwerkstätte tauende bltwi' Damen Pelzmäntell nach Art und Namen edWier, Mt uuetjjchlW'mgOHer Fellftrten erwerben könuenr, die letztere wieder liefert das lange, unwahrscheinKch serdigie Haar, aus/dom die Kaschawolle ge- Mrmen wird. Mn 'PiöpBaEat mit diesen beiden wetteiMrt .d«s-' Schals, dessen Verwertun-gsniogliHkeiten g.eroWeAd nnbög.renKte sind. Am nur beim Haar-zn bleiben, so - Wt- . M -^efts mit spriichwörtlicher Geduld in hnnderten^n' -OluEaten <miid Stäriken verspinnen, tausend; Gestrickte und gewirkte Jmnperkleider Wolle — SÄde Jerseyblusen Madchenkkeider und Spielhösche« Wl b evv't M ahne-r i: Koh-lmessergaffe Nr. 8 I., Meuer Martt S. IV., Wiedn. Lauptstr.^ »N, Lanpstr. Sauptstr. 3 XVI., ThaNastr. 17! btznennen (mein Gewährsmann, Herr Ma tz>nma, laßt ZeGr, Kammgarn, Shetland, Mpaklka nur so durcheitraNderschwirren) und Reibt doch unter jeglicher Nagge die gute, soWde, leichte, ivarme Wolle, die nns, allen-längst mrentbehvlich geworden ist. das kurz-' geschorene Fell des jungen oder gar n,ngeborenen Lämmchens zählt, je nach seiner Herknnlft, zu den beliebtesten Mvdssellen mittlerer bis allerh schwer t igste r Qualität. Daß nniser gutes, violgeschätztes Persianerschaf seme schöne, feistigedrehte Seidenlocke nur dadurch erhält, datz, es von .seiner Geburt an bis zn seinem Tode in Tücher genäht einhevwandÄt, dürfte auch iricht allgemein bekannt sein. Ich lasse mitim PeWaus Blaufuchs noch manches interessante Detail der Wlizinduftrie erklären. So zum Beispiel, daß 4 00 — 5 00 kleine Myuil- Ma.tzners nouc Lumkevjacks,. Spielhöschen und -Kleidchen. i m «\.<m |. ..■■■ ■■ II.«1.1,1 - -— )' »riüjrfe ihr ohnehin' lichkldses Dasein Verlässen müssen/ danrit die Winterhülle einer Dame geschWen werde. Oder daß. einzelne zarte Edslselle, wie Marder, Iltis, Nerz, um Hals oder Hand geischlungen, schön jetzt diekommende Frühijahrs-mvde vor-wegneihmen. Eben sieht der Modelbummler, daß ihn sein Spazievgang durch den HeUbstäbend zu weit führt. Denn, um Zahl und VerweNdbMeit aller Pelzträger zu erschöpfen, müßte er ein dickleibiges ^Volinmen füllen. - Gret e'O b e r l a e n d e r? Lriumph der Pariser Modelle ln Me«. - ' Frau KruMir ist wieder in Wien, und eine kleine Armee von Köffcrträgern folgt ihr auf dem Fuße. Das Gepäck wird geöffnet und Fluten von funkelnden und schimmernden Dingen- Wolken von Gaze, Tüll, weichem Scidengeriesel quellen hervor. Die Fülle des Gebrachten wäre unübersehbar) ivenn Frau Krupnik nicht als sicherer. Führer durch den Modcnwald uns zur Seite, stünde. Die Namen der Künstler fliegen auf/ deren Salons die Schöpfungen hier entstamm^, das glanzvolle Bild einer Moberevue ersteht, prunkhaft, .wie nur Hofsestlichteiicn in aller Zeit is zu sein venirocksten. Frau Krupnik weiß zu erzählen von Agnes, die schwarzen Velour-Ctzifson mit rosa Georgette und Tautropfen aus Straß kom Liniert, Georgette-Kleidern, mit Spitzen bedeckt, in die leuchtende Blüten gestickt sind; von Lanvin-Stilkbsidchm, Träumen aus Engenie de Mvntijos Zeiwn; von MKn Lelongs Pailletten- und Pcrlenkteidern, m schwarz-weiß und rosa-schwarz gehalten und so leuchtend, daß «an geblendet die Augen schließt;, von Christiancs süß-mädchenhaften Abendkleid,>rn und ihren Nachmittagskleidern aus Crepe-Satin, ganz eug int Bajaderenstil gewiMt; von Martial-Armands schwerseidnen Complets, den Otoman-Mänteln mit hohem Pelzbesatz und den wundervollen, perlengestickte>r Velourchiffonkleidchen dazu; vonPhllippe u. Gaston und von Bernard, die vornehme, breit mit Pelz besetzte Trotteurmäntel bringen und unerhört warme, reich fallende Mendmäntel ans Mousselina-Vesonr in satten, orientalischen Farben, mit großen, gezögerten Pelzkragen und wallend-weiten Aermeln. Mit Frau Olga Krupnik .und ihren Koffern ist. eine Flut Pariser Lebens ins Haus geströmt. Sie erfüllt alle Räume, in allen Schaufenstern leuchtet und funkelt Pariser Eleganz, vom sicheren Geschmack ' einer hochbegabten Wienernt souverän beherrscht. —er. WWUUM8K8 Panne, Velour-Chiffons, Crepe Satins, Georgettes Velours, Georgettes Metalliques, Metall-Lamees in reichster Auswahl eingetroffen Weihnachts-Okkasion! EWNMll, m, AMMÜt MIß Die neue Linie. Nom streng maskulinen Genre scheint inan endgültig abgekommen ztt sein, die Kleider werden intmer bauschiger, blusiger und damit weiblicher. Die .geschoppte -Tarkk-sw linie erfordert besonders weiche Seiden mit schönem Fall. Man wählt Heuer auch für Nachmittagskleider- Belouvchisfon, der so schönen Faltenwurf zeigt, (jrepe-Satin, der zweiseitig verwendbar, für Glockenlleider besonders geeignet ist und Georgette-Velour, der auf zartem Mousselingrund erhabene Samttnuster m herrlichsten Tonungen zeigt. Alle diese Modefavorits in reichster Ab'ivechslung bringt Herr Albert Spitzhüttl allwöchentlich neu aus Paris und vermag damit auch den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. . g. o.—, Jede Dame sollte jetzt unser Modepalais besuchen. - Tausende Pariser und eigene M o d e 11 e in allen modernen Farben, vom einfachsten bis äium verwöhntesten Geschmack, werden in jeder Größe, zü rücksichtslos herabgesetzten Preisen abgegeben. Aucl\ Sie finden den Mantel, den Sie suchen, zu einem denkbar billigen Preis. MODEPALAIS Julius Krupnik, Wien Vli KAISERSTRASSE HM, 1*3, l-M Beschneite Spinnweben. Eine WegoWchte von Max Brod. TW AttM. Weipaar DoWrvr 'hotte den Bpanch drrdgKMrt, 6cii Mthberiskäckdniss'en den schriftlichen GedarEMa'uMrttsch an Stellv des mimdlichjen zu bvmüihen. In BriHw bogivenzt man sich, schon wogen der SchretbaäbÄt, Md- Wt dvmft mich'den Streftstrll in den-enigften GveuMl. GeO-räW Wetzen, ftWst «bei Kmren MWsen, leicht.'ms ÄevgerNchBlAgeme-Me. Awdeve als kleine Änstets hatte - s^'M'Wms W v'ieiftr igMMchen M°e zwmckhvigen Befchnides -MWer ra# gegeben. D'iieÄmäLaber schien es-ErM. ES-<M?kW'MwMchü: M - in sich ftWt wüdierspvuWvo^e n'nd 'daher gleichsämi twn Geburt an iMevlogte EiftnsNhtÄei we-gerr eines Berftner DhealerisWlers, ujln Ehr als eine WottktrlN-gsver'schjiedelcheit hinftWLch orues Balles in Mddt Gger qyd UinMbimrg — Ä'besmrül Wen der Kern Äkchrr Gch:, die ganze Gutziglkort ewigen, als eling emjpifttn'denen AulsämmeHems wft -MWöPttng bedroht. WchKrs tpäro es nicht W hegreSfen, daß Herr SjtWhan Hvlpsner, statt in sem FvbwikSkorrtor Fir gehen, luas - er allerdings im/miet ,n>nr sehr ,ungern tat, oder nrit setner Frau $u friüWKcken, wvs i'hm ytngegen 'eine stets echreuliche tmd atlsKihrAch zitt dehnenlde Situation vor- Mlte, daß er statt dessen schon die zweite Skmde in sAnem Biibliotheikslzimurer saß, schrieb und Äas Geschriebene lübevlas, wdbei inmner von neuem Bitternis des scholl Dargek'gten rmd Bktterms des noch DarzulEltden sich auf der Fläche seines AnEtzes wie anf m- 'N-nMOgien Krrchen;' wechselnden Figuren 'inei-nandevliefen. — Sein d-uukelhätttiges Gesicht gehörte zu jenen, detlen die vielen Falten — Falten seWt art solcheit Stellen,, an denen sonst FMen lmgewöhnlich sind, z. B. nntechalb der Schläftn, längs den Ohren hin — durchaus nichts Greiiserchaftes, sonderit eOr sogar den A'Nsdvllck erhöhter, lveil 'doppelt lebendiger -Jugendlichkeit geben. Freilich neigen solche. Gesichter, ganz ebenso wie sie Fronde gileichsant in all 'den scharlfen Fältchert blinzelnd widerspiogeftt, auch dazu, bei Eintritt einer BoNuint-ernis diesem mitganz besonderer ZevrGeniyeit und BorgweWnng' ..austzudrürken. Stephan Hiophrer'bas: - ,,M'E (Seine Frau Wetz Adaührbde. Ader ,«t dichem .W^eMtzet Mpödeuchschen Namen hatte er nWs anWftn-gen gewrrßh So hafte er allnEWch die lbmftwm4«rg ins geliebte Oefterve-Wißche vorgermmmen.) „M'W Das.-lvar nicht gut, das war inch't ischön von Mr. 'W, meline jetzt nicht den Bv.rWag, «den.Du mir gasVern gemacht 'Haft. Ich -meine: hre BegVündn'Nig-. SieWt Du wenn Du 'mir direkt -gchagt-Mtteft:' ich 'habe wieder Luft zum Theater, ich yatt's nicht mehr aus in der Ginöde, m> die Du nrich verjährt 'hast — ich mutz nach Berlin, in 'die /Großstadt — zweimal im Monat Prag oder Mrnberg, das geniügt 'lnir nicht — ich will ilvieder Unarts ins lEde Leben, , auf die Straße dergrötzen Zukunft siMt Du, das Utte ich verstälrden. Ich weiß ja sehr g.ttt, viMeicht besser als Du atztest, welche Opfer Dtt mir gebracht -halst, als Du mit mir von Berlin hierher zogst, ivre in die Verbannung, Eilt uiM^r...Ww>Wbesttzer m Eyer., Ms kann der Dft /WjüW.:Wk«t—vort Mnisatltz an lvar es---mir- KÄ^-'-rW'- - Deine Schönheit, Deine Begabnllg- — ja, laß mich alles; sagen, wie es ist, laß inich alles mit dem richtigen Namen nennen — daß Deine ganze gr-otzartige Pevsort, die ich i verehre, atr,f lnchr als das Durchschnittsschicksal Anspruch! hat, das ich Dir bieten konnte. Es kolmnt jetzt gar nicht in Betracht, daß zuifällrg in dem Zeitpunkt, in--dem ich ln Dein-ent Leiben austarlchte, selbst dieses Drirchschnittsi Wcksal eine günftige Wendung Wir Dich, vieUeicht sogar (alt-ch dies will ich offen so bezeichnelt, wie es mir vorschchöbt) eine .Art Rettung bedeutete. Das war eben ein Ältgenblickstatbestand damals, Inflation -in Dentschl-anö, Mbmt der höchsten OMAeve des alten Heeres, alsd auch Daines Vaters, sein nnaNfgeklärter Tod — eine Augen- Wcksikonlstellntion, in der Du vorübergeihend besonders hilfsbedürftig lvarst und in der ich zufällig zrlr Stelle war — ganz ohne mein Verdienst nnid ganz ohne 'daß ich daratls irgendeinen noch ft blassen Anspruch abletten lvollte — denn ehenisognt hätte ein anderer zur Stelle jem können, und wer tveiß, ob es für Dich nicht besser gewesen wäre, wenn ein anderer, Besserer, Mchtigerer . . . Doch too®u dies austfuhren! Es könnte Dich Verletzen,' wie auch mich die Erwägung all. dessen, - was hatte sein können rtud Uras (zu meuwm GÄü'ck) doch eben nur ft gelkommen ift, wie es jetzt ist und wie ich es aiks festesten, ja als einzigen guten Bestand meines Daseins erfasse — wie auch mich dielse Erinnevtmg und Erwägung tmr verletzt uitld erregt. Allerdings lvollöen wir geräde Erregung einander nientals ersparen. Hhn Gegen- M, imfer Bund ging dMtt-, einander alles $u sagen und im Vertrauen awf «die wirkliche, Mo schmrchmWe Liebe, die wir zueinander haben. . ." ÄWOME)