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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-20 · Heft 2777 (20.11.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2777 (20.11.1926)
Date
1926-11-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Men, Samstag 20. November 1026 Nr. mi ... MM» fHt M m ajm .. 4WlW*%* 4lrW * JÜDISCHE WEIT Borttilge des Sberrabblners Sr- Shajer In Zagreb «ad Graz. Wie uns aus Zagreb geschrieben witt», Mt dort .un 14! -November Herr OKrrabbiner Prof. Dr. Chai e s im dichtgesüllten Saale des Makkäbi-Heimes einen Bortrag über das Thema „Warum bin ich Zionrst?" Namens der Zionistischen Landesorganisation Jugoslawiens begrüßte der Vorsitzende des Arbeitsausschusses.. Herr Alexander Licht, den Vortragenden, der in seiner einstündigen Rede im wesentlichen folgendes ausführte: Wir Juden haben immer die Auffassung verpönt, daß irgend jemand deshalb einen besonderen Wert habe, weil einmal sein' Ahne etwas Wertvolles geleistet habe. Man kann nicht leben, befriedigt durch einfacher: und leerey Stolz, daß wir Nachkommen von Ahnen sind, die früher eine Schaffenskraft besaßen und wirklich etwas letftetat. Deswegen, sagt Dr. Chajes, sei er auf seine jMsche Abstammung nicht stolz, aber feilt persönliches Glück; bestehe - ja darin, daß er mit einem vollen innerlichen Glauben für den Gedanken eintrete, man solle nicht Enkel, sondexn Ahne sein, das heißt von dem Gefühl, eine' Kraft in sich zu haben, ausgchend, schaffend in irgend einem menschlich eingestellten Rahmen zu wirken. Der Zionismus .will das Judentum als schaffende Einheit im Rahmen der Menschheit regenerieren. Der erste Erfolg, der. in der Geschichte ohne Beispiel ist, sei die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Me tiefgründigen ^Ausführungen wurden mit begeifertem Beifast ausgenommen.; i .... * Dienstag, den 16. November, sprach Herr Oberraböiner Dr. Chajes in Graz über Einlcämng der Kulturfektion der israelitischen Kultusgemeinde, die mit tNeser Veranstaltung zum ersten Male vor die Oeffent- - lichßeit trat. Der landschaftliche Rittersaal war überfüllt. Der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Robert- Svnnenwald, begrüßte den Gast in einer Ansprache, in. der er dessen Verdienste als Führer des Judentums würdigte. Herr Oberrabbiner Dr. Chajes sprach über „Dve Beziehung der Juden zur übrigen Mansch heit" und legte eingangs dar, wie das Mische Volk seit den ältesten Zeiten bestrM war, ein klares Verhältnis zu den anderer: Völkern zu gewinnen und sie auch bewußt beeinflußte. In der VerLreÄung der Sittengesetze, des Dekalogs, hatte es eine allgemein menschliche Mission zu erfüllen. Nach der Zerstörung unter den Völkern war der Genius be§ Mischen Volkes gÄunder^ und die Juden konnten kein produktives Eigenleben führen. Erst die Bestrebungen des.Zionismus lösen die Fesseln des jüdischen Genius zu neuem Schaffen. Der Sinn des tausendjährigen Duldens wird lebendig. Jftael schasst auf dem heimatlichen Boden neue Werte, die der gesamten Menschheit zugute kommen werden. Zwischen Judentum und Menschentum darf es fcefcitc Differenz geben. Der Zionismus dive harmonische Verbindnn g. Me -Opserbereitschaft der Jugend, die für die Gesirrmmg die schwersten Prüfungen auf sich nimmt, ist Ursache genug, von höchstem Glücksgefühl des Jrüwnseins erfüllt zu werden. — Die Versammlung folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit dem Vortrag und dankte mit stürnnsch-em Beifall. Nach dem Vortrage veranstaltete die zionistische Ortsgruppe im großen Saale des „Erzherzog Johann" einen BegrüßungsaLend. Der Obmann, Vizepräsident Herr K a'r-l Schwürz, begrüßte Chajes als Führer der Zionisten. Der Tempelvorstand Samuel Salingexfeierte ihn in hebräischer Sprache. Für die Hakoah sprachen HÄw Ernst Rosenberger, für den jüdischen Studeutenverorn Herr Fritz Maulwurf. .Herr Obörrabbiner Dr. Chajes legte, angeregt durch einige AnfvaMu,. die gegenwärtige Situation im Zionismus dar. Re fiebente Lanüerlonsereuz de« fieben- Mgkschen Wische« Ratio«alverdavdes. In Antvesenheit von mehr als 200 Delegierten fand kwder Zest-Pom 7. bis-9. Niwember iw Oradea-Mare (Gvoßivl^rw) die diesjährige Tagung der Zionisten Transsilvaniens shrtt. Me Zionistische Exekutive war durch Herrn Dr. Felix Rvsenblüth (London), das Hauptburean des Jüdischen Natronalfonds, 'Jerusalem, durch Herrn Dr. Georg Moll stein, die Zionistische Organisation der Bukowina iLrech ^Abgeordneten Dr. Mayer Ebner vertreten. In seiner Eröffnungsrede beschäftigte sich der Präsident, Hech Dr. Hrsef Fischer u. a. mit der innerpolitiwählen habe sich Sie allgemeine Erkenntnis durchgefetzt, daß schen Frage. Bei den leMen Genreilwe- und Parlaments- . es im Interesse des Staates und der mckeren Minoritäten des Larckes liege, wenn sich die einzelnen Völker Rumäniens auf nationaler Basis organisieren Und ihre politrscheu Vertreter in die Bertretungskörper entsenden. Leider sei es nicht gelungen, einen Mandatar der Juden Transsylvaniens in das Parlament zu entsenden. Hingegen wurden zahlreiche Zionisten in die Munizipalitäten gewählt. Dr. R o s e n b l ü t h überbrachte die Wünsche der Zionistischen Exekutive für einen guten Erfolg der Tagung und wies auf die schweren Aufgaben hin, die in diesem Jahre zu lösen sind. Der erste Gedanke gelle dem palästinensischen Jischuw, der gegenwärtig im Kampf mit der Krise steht. <Kn großzügiges politisches Referat hielt Doktor Mayer Ebner, der ausführlich über die Lage der Juden in Rumänien sprach <£t .trat für die Gründung einer jüdischen Landespartei ein. Der zweite Tag war von der Generaldebatte ausgefüllt, die von: Generalsekretär des Nationalverbandes, Herrn Weinberger eingeleitet wurde. In die Debatte griffenwiederholt die Herren Doktor RosenblÜth,! Dr. Mayer Ebner Und Dr. W oll stein er», welcher auch ein Refevtt über den' Keren Kajemeth hielt. Dr. Rosenblüth gab seiner Genugtuung über die in der tvanssylvanischen zionistischen Bewegung ^stehende Einheit MÄrrUck. > Z«m vimtenmÄe' wurde HerrDe. Jv'fef Fischer Krün Pvasidersten des Natwnalverbandes gewählt. Bezüglich der Lanbes.pv l rtik Wwcke eine Re so luhiv m beschlossen, in der mitv-Bedauern festgestettt wird, dgß die Frage der Teilnahme dtzt rumänischen jüdischen Bürger am politischen Leben ihres Vaterlandes im achten Jahre des Bestehens von Großrumänien noch immer ein ungelöstes Problem darstellt, während, alle..anderen' bedeutenden Bvlksminoritäten Rumäniens sich längst zur Erkänrpfung einer Besserung ihrer Minoritätenlage, orgwnfiert haben. Dieser Zustand veranlasse die Konferenz, iw Interesse einer beschleunigten Lösung des jMschen Nationalproblems in Rumänien ihr Wort zu erhüben. Die Konferenz fordert von der vaterländischen Judenschaft die unverzügliche Gründung der jüdischen Landespartei in Rumänien, die längstens binnen eines haWen Jahves ins Leben zu rufen sei. Rr Schutz der Wische« Heiligen Stätten i« Baliiftlaa. Aus Neuyork-meldet J.D,A'.:.Die soeben in-Washington abgehaltene Konferenz des amerikanischen Misrachi fordert in einer Resolution die Zionistische Exekutive auf, von der Palästina-Regierung unverzüglich Maßnahmen zur Sicherung des Rechtes der Juden ans ihre Heiligen Stätten zuverlangen. Die Sprachenspagc in btn lettläudifchen jüdischen Staatsschule». Aus Riga wird uns berichtet: Der Bildungsausschuß im lettländischen Sejm hat dreser Tage ausgesprochen, daß in den jüdischen städtischen ■ und staatlichen Schulen der Unterricht jüdisch oder hebräisch sein könne. Beiden Sprachen wird damit die Gleichberechtigung im Schulunterricht Anerkannt. Gegen den Antrag hatten sich die Bundisten gewendet, die für die siddische Sprache als alleinige Unterrichtssprache einträten. Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kastilien Mottke, der Dieb Ein Glaubensmartyrittiti Onkel Moses Die fünf neuen Romane von Schalom Asch 1 bröselt. 8 5* sind soeben erschienen Preis pro Band geb. S 8 — Verlag R. Löwit, Wien, L Bezirk Rotentnrmstraße 22 ilSB Bühne und Kunst. Tschechischer Gastspiel lm karltheaier. Nachdem das Wort von der slatvifchen Schwerblütigkeit zu einem Schlagwort geworden ist, ftir den Analytiker wie für das Publikum, muß man sich, soll dem tschechischeir Ensemble im Carltheater «Kerechtigkeit widerfahren, zu einer andern Anstellung bequemen mst» zunächst feststellen, daß der Stil der Olmützer, auch nach der technischen Seite hin, die Merkmale des guten europäischen „zivllen" .Theaters zeigt. Eine Realistik, die nicht am Objekt klebt, verleiht allen von den Darstellern geformter: Figuren eine Art Wahrscheinlichkeit, die mit der Mchtung nicht immer eng verknüpft ist. Romain Rolland beispielsweise könnte leicht zur Meiningerei verführen, Franja Sramek zu pointillistischer Ausmalung. Was die 'Tschechen derlei Fehler vermeiden läßt, ist der Instinkt für starke Theatralik; Deklamation wird durch Leidenschaft, Milieuschablonisierung durch Natur wettgemacht. Diese Eigenschaften, auf der Bühne lebendig gemacht, setzen sich zu einem großen Erfolg um. Olmütz in Wien und Erfolg, das könnte viele Direktoren nachdenklich stimmen und sie zu iGedanken über ,^firovinz" verleiten. o. r. Au« de« Theater«. Burgtheater. Morgen, 3 Uhr nachmittags, „S'arm* pacivagabundus". Llbeirds, ^8 Uhr, „Bolpono". Akademietheater. Morgen, 3 Uhr nachmittags, „$>1* Frau Rat". Abends, J68 Uhr, „Madelon". Staatsoper. Morgen, Uhr, „Die Meistersinger von R ü r n Ü e r g." Stadttheater. Morgen, nachmittag 3 Uhr, „Wi-e n lacht w r c d e r." L u st s P i e l t h e a t e r. Morgen, nachmittags VA Uhr, „Das tapfere Schnci>derlein." Theater in der Josefstadt. Heute, 7 Uhr, Uraufführung „Dorothea Anger mann", Schauspiel in fünf Akten von Gerhart Hauptmann. Modernes Theater. Die Uraufführung des Lustspieles „Die Republik befiehlt" von Rudolf Lothar und Fritz Gottwald, findet Mitte Dezember in Ncw-Dork in Anwesenheit Rudolf Lochars statt. Die deutsche Uraufführung findet nach der am Menstag, den 23. November, stattfindenden Premiere von „Alles für die Mama", von Louis Berneuil, statt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, „Die Büchse der Pandora", von WedÄind Grete Wiesenthal ian^t wieder, allein, mit Frl. BirÄm e h e t, als MitteLpuailkt rhreS Ensembles. Mag sie sich noü) so weit von der veralteten Ballett-Schablone entfernen, niemals verfällt sie in die artistischen Tricks, die man fäüschlich als modernen Trvngistil bezeichnet. Glanznummern, wie L i s g t s „Ungarische Rhapsodie", die Menuette und Mazurkas von Chopin sieht man imiit Heller Freude, wieder. Dazu diesmal I. S. Bachs schwere Melodik, Richard Strauß' „Rvisenkavalier", der den Dust der Rcckolkoepoche wieder lebendig macht und schließlich der „Tonauwalger", dessen Unsterblichkeit von Grete Wiesenthals tänzerischer Anmut immer wieder bestätigt wird. Gin neuer Mkord: Argentinische Tangos mit JaW-Muisik, darunter einer in Frack (Birkmeyer) und Abendkleid, ein Musterbeispiel von Grazie und Schwung, Parkett-Tänzerpaaren zur Nachahmung empfohlen. Und schließlich ein neuer Stern, Fräulein Pepitta Holrigl, die eine Groteske „1666" mit höchster Bravour schulf. o. r. Gastspiel eines jüdischen Ensembles. Im Saale der neueröffneten „Jüdischen Zentralbühne", 2. Beg., Tcöbovstr. 8a, hat em Ensemble Mischer Künstler ein kurzes Gastspiel eröffnet. Der Truppe gehören u. a. die geschätzte lÄngerrn und Schauspielerin Adele Lerescu und der Charakterdarsteller S. L eres cu an. Der verbotene „Wozzek". Die fortdauernden Skandale gegen die Oper „Wozzek" imi Prager Navcdni dibadlo haben, wie schon gemeldet, ein Aufführungsverbot der Prager Po-' lrzeidirektion erzielt. Die Krawalle sind unter der antisemitischen Parole geführt worden. Alban Berg, der in Berlin als tschechischer Jude ausgepfiffen umrde, galt in Prag als der deutsche Jude Aron Berg. Der Komponist eMärt nun, Obwohl er durch den gegen ihn evhobenen Vorwurf mchtS Herabsetzendes eMicks. er sei komisch-katholisch und stamme väterlicherseits aus -Bayern, mütterlicherseits aus Böhmen. Der ArbeitsaiuSschuß der nvuen Dichitevakademie. Die SÄtion für DichÄunst der Berliner Wademie der Künste hat m ihrer konstituierenden Versammlung einen ArlbeitsauSschutz bestimmt, der aus Quldwig Fulda, Arno Holz. Georg Kaiser, Bernhard Kellermann, OÄar Loevke, Walter dyn Molo und Wilhelm von Scholz bosteht. Der Ausschuß ist, wie die „VoMche Zeitung" meldet, zum Präsidenten der Aktion WÄhelm von Scholz, zum Vizepräsidenten Ludwig Fulda gewählt. v!e Nonistisellv krausugruppo IX. vernuststtst Samstag, den 20. November, 8 Uhr abends, eine Akademie mit tanz Mitwirkende: Violinvirtuose Emst Feiner, Opernsängerin Nora Dauber, Klaviervirtuose Goldin. Tanz: Lotte Serkin, Jeanette Paizeff. — Karten an der Abendkassa, T allepneuesten " nAits der Kinderwelt Palästinas^ am Sonntag, 5. Dezembec, V* 11 Uhr vorm., im Centralkino, II., Taborstr. verbunden mit einer Makkabäerfeier Festredner; Dr. David Rothblum, Mitwirkende; Violinvirtuose Albert Lang, Oberkantor Qerson Margulies, Mirjam Schnabel*Höflich u. a. — Das Reinerträgnis fließt zum Teil dem Keren Kajemeth zu. Vprverkauf Keren Kajemeth,!., Kärntnerstraße 28, Löwit, I., Roten* turmstraße 22, Aida, II. Taborstraße 1—3, Rath und Präger, II., Taborstraße 20a. rMMf&mwmxäamrnsmtiMmmawmfammdmmnmtiiimKmm

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