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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-18 · Heft 2775 (18.11.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2775 (18.11.1926)
Date
1926-11-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SM 8 Men, Donners 5 Mstter Mörgenzettung Re. E 13. November 1926 Der Slotilsttttts als Faktor des Weltfriedens. Et« Gespräch mit Freiherrn von Schönaich. Seit dem Auftreten Theodor HerzlS gab es auch im deutschen Volke hervorragende Männer und Frauen, die mit Tatkraft für den Zionismus eingetreten sind. Wir erinnern an den Großherzog von Baden, an den Fürsten W r e d e, an den Baron Suttner und feine Gattin, um nur einige Beispiele zu nennen. Zu der Schar dieser deutschen ZionSfrcunde, die das Werk der Errettung und Erneuerung des Judentums in Palästina ' mit Begeisterung fördern, zählt auch der Gast aus Deutschland, der gestern vor einem Wiener Publikum über das zionistische Werk gesprochen hat, heute einen zweiten Vortrag hält und mit einer Opserfreudigkeit, welche der Judenschaft ein leuchtendes Beisviel ist, für den Ziomsmus insbe- ' besondere seit der Zeit hinqebend wirkt/ da er die Aufbauarbeit in Ercz Israel mit eigenen Augen gesehen hat. Ein Gespräch mit diesem bedeutenden deutschen General, der bekanntlich nach demWeltkrieg ein Führer der pazifistuchen Bewegung wurde, ist eine große Freude. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, mit Freiherr von Schönaich gestern nach seiner Ankunft in Wien zu sprechen. Nachstehend ist das Gespräch im wesentlichen wiedergegeben. Freiherr v. Schönaich ist noch erfüllt von den Emdrükken seiiter Studienreise durch Palästina. Er ermähnt zunächstden großen Unterschied gegenüber anderen jüdischen Sledluttgsunternehmungen, insbesondre der Kr im sied - l u 1t g, tveil /dort, lute er nebst anderen Unterschieden besonders hervorhebt, das ausschlaggebende sittlich-historische Moment wegfällt. Er komnrt dann sofvrt auf die Araber frage zu sprechen. Der Gegensatz zwischen Juden Und Araber, der in der ersten 'Zeit, durch die Machinationen des. Weltantisemitismus und der nicht im Ausland lebenden, sondern im Lande verbliebenen Paschas geschürt wird, tveil sie mit Recht befürchten, daß bte von ihnen mißbrauchten Felachen erwachen werden, ist sichtlich im Abnehmen begriffen. Schönaich hat während seiner Anwesenheit in Palästina im Saale der deutschen Templer einen Vortrag über Pazifismus gehalten und die Schaffung einer übernationalen, überkonfessionellen FriedeNso rganisation angeregt. Dieser Vorschlag fand in .allen Kreisen, nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Arabern, den Bekennen: der beiden christlichen Riten und den Bahai-Gläubigen ein sehr freundliches Echo, ein Zeichen, , daß der Wille zur Schaffung -einer innerlich konsolidierten Gemeinschaft aller Bew5hnerItzalästmas vorhärrden ist. Freilich gibt es noch immer sowohl chauvinistische nationalistische Araber als auch chauvinistische, nationalistische Jtlden. ' - ' Als Pazifist strebt Schönaich an, daß der Suezkanal für alle Völker offen bleibt. Gegenüber der nationalistischen Frage: „Wie kann ich . gedeihen und dabei den anderen schädigen?" fragt der -Pazifist: „Wie bewirke ich, daß es den anderen gut geht, tveil ihr Wohlbefinden mich selbst fördert?" In diesem Sinne ist zu wünschen, daß ein innerlich befriedigtes Gemeinwesen den Suezkanal schützt. Das neue Palästina wird ihn besser schützen, als Kanonen größten Kalibers. Hier hat also der Zionismus die hehre Aufgabe, einen der Brandherde zu löschen, die den Volkerfrieden ständig bedrohen. - „Wenn ich ein deutscher Jude tväre," sagt Schönaich, wüvde es' mich mit Stolz erfüllen, das Werk des Zionismus fördert: zu dürfen, und an ihm -teitguhaben. Nicht nur aus dem eben angeführten Grunde. Es ist eine Tatsache — sehr bedauerlich, aber nicht zu'leugnen — daß die Juden in den Meister: Ländern irgendwie als „Fremdkörper" empfunden werden. Eine traurige Zeiterscheinung, die erst ' schwinden wird, werm sich der Humanitätsgedanke durchgesetzt hat. Zweifellos wird nun ein gefestigtes jüdisches Staats-. trafen den Juden in aller Welt außerordentlich nützen.; Mit der größten Bewunderung spricht Schönaich von den. jüdischen Pionieren des dlusbasts. Es. werde miteiner ungeheurer: Begeisterung gearbeitet und er müsse auch feststellen, daß die zionistische Exekutive siedlungstechnisch mit großen: Geschick zu Werke gehen, in dem sie sich nicht in ein gefährliches Eiltempo beäugen lasse. Auch. Schönaich legt die größte Bedeutung der landwirtschaftlichen Siedlung bei und hofft, daß es gelingen werde, in der Landwirtschaft allein eine Mil-, lion. jüdischer Siedler unterznbringen. - 'Gegen-die, Wittschaftspläne Soskins (gart'enstädsische Kolonisation) hat er kritische Einwendungen und billigt die Pläne Wtlkauskis (Kleinsiedlungs-Kolonisation), die mit der Wirklichkeit rechnen. Zum 'Schlüsse kommt Freiherr von Schönaich im Gespräch nochmals auf die Pioniere zurück und zitiert das Wort Bismarcks, daß sich Idealismus und Begeisterung^.nicht auf Flaschen abziejhen lasse. Die Juden'dkr Ber^treuuim mögen stets daran denken, daß. man der Opserfteudtgkeit dieser' herrlichen Jugend nicht zuviel zunmten dürfe, daß die landwirtschaftliche MÖBEL uHuuanoiT “sss» WEINBERÖER Ä HÖFFMANN ll.i Praterstraße 50. Besuch löhnend. Kostenlose Einlagerung. Aufbauarbeit in der trächsten Zeit twch keine Rente tverde abwerfen können, sondern aus Zuschüsse angewiesen sei, und daß die Juden außerhalb Palästinas es nicht werdet:'veranttvorten können, wenn die. heroischen Chalnzim an ifjitcn irre tverden, weil sie nicht die erfott^rlichci: Geldmittel für den dlufbau beistellen. Das AbgeordnetenmanSat Mami« de Aslh> schiw-güttig. Paris, 17. November. In der Nachmittagssitzung der Kämmer wurde' das seinerzeit wegen angeblicher Wahlbestechung angefochtenc Mandat des. Abgeordneten Maurice de R o t h s ch i l d für gültig erklärt. Rothschild, der seit -Mai 1924 den Kammevfitzungen beiwohnt, aber bisher an den Abstimmungen nicht teilnehmen durfte, wird nunmehr die vollen Rechte eines Deputierten genießen. - Die Fewish Agency. Aeuberungen des PrSfiventen Weizmaan. New-Aork, 16.^ jitovember. (I. T. A.) Wie schoi: . mitgetöilt, sprach sich D-r. W e iz ma n n an: Tage seiner Ankunft in New-Dovk gegenüber dem -Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Aget:t.ur über aktuelle ziom-! ftvsche Fragen aus. Mit Bezug auf die jüngst in Chicago albgehattene Konferenz des Joint Distribution Con:n:i-tsioe sagte Dr. Welz-mann, ssinex Dteiuung nach hätte diese Konferenz den Wag freigemacht ,-für die Fort-. - fiihvnng ttiy'erer Arrstrengmigen zur Errichtmtg einer gemeinsamen Plattform, auf der Zioniisttn wie Nichtz'ionisten zM Wöhle Palästinas arbeiten, können". Die Erweiterung der Jowifh Agency in Europa, fuhr Dr. Weizumm: fort,' hänge vollkommen von den: Verlauf der diesbeziü,glichen Aktion in den - Bereinigten Staaten ab. Die Ag-ency- »P -l ä n e, m >i t denen ich je tz t f o m m e, sind die gleichen, deren Durchführung .ich -bei möinen ersten Besuchen in!den Vereinigten Staaten empfohlen habe. Ich ' Haffe, -daß diesmal die Bildung der Agency erfolgreich voll- ' zogen werden wird. Ueder die. La ge in Palästina sagt Dr. Wetz- - mann: Konformmit der in ganz Europa herrschenden Arbeitslosigkeit ist auch die Arbeitslosigkeit in Palästina beträchtlich. Wir haben im Oktober vermittels Keren Hajessod 40.000 Pfund nach Palästina geschickt, und werden in diesen Tagen weitere 20.9M Psivnd schicken; diese Summen sind allein dazu bestimmt, eine Erleichterung der -W-rWastßlage, herbsiAujliilhren;. 'Wir würden die. Läye in.Palästina konisoldieren, wenn wir außerdem, normalen Budget noch 500.000 iPfund. zür Verfügung hätten. Dann würde' PaWina jährlich' etwa 30.000 jüdische Einwanderer restlos aufnehmen können. Ich bin. in.'der letzten Zeit in E ngkan d und in anderen Ländern mit ' . ' " '" einigen der führenden Staatsmänner Europas zusammengskommen. Ich ^ha'be die Gewißheit gewonnen, daß m:ser Werk von allen mit tiefstem Interesse und : aufrichtiger Sympathie beobachtet wird. In Palästina herrschen Gesetz und Ordnun-g, die Arbett geht ungestört' vor sich,, die unter gewissen Klassen. der arabischen Bevölkerung bestehende'Gegnerschaft ist im Abflauen <begri.f.seni - Ich hege das Vertrauen in . i die Juldenschaft Amerikas,; . daß sie in dem Wunsche, ein blühendes und stolzes Ge-! msinwesen in Palästina M Men, bestrebt sein wird, 'alle trennenden Disserenzen beiseilte z u s ch a f s e n, um gemeinsam für das. zu arbeiten, was j uns allen heilig ist.' UeberMssig zu sagen, daß ich Mbft -alles zu tun beroit bin, was dieses Zielfördert:-könnte. Ile BerhaM««gen. i New-Aork, 1b. Nove-mder. Die Jüdische Teleg-raphen-Agentur meldet: Die Besprechungen über die! Erweiterungder I e w >i s h Agency, die gegeniwär- (tig hier zwischen den Herren Louis Mar s hall, Felix i M. W a r h u r g und Herbert Lehmann einerseits -und dem Präsidenten der zionistischen Weltorganisation ,Dr. Ghajm W e i z m a n n'andererseits gapflogM wer- \den, nähmen einen zusriedenstellendenVer- ,' l a u f. Aus der am 21. November zu Boston beginnenden Konferenz, die den United Palesttne-Appeal einleitsn 'soll, werden wichtige Erklärungen abgegeben ' werden. klnftek« über Pie «eise Weizmauns- Pwfessor Albert Einstein empfing den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und sprach mit ihm Über die jüdischen Aufgaben in BeMndung mit der Aktion Doktor Weizmanns in Amerika. Er führte folgendes ans: Ich hoff«, daß Dr. Weizmanns Bemühungen in Amerika di« Erweiterung der Jewish Agency herbeizuführen, von Erfolg' gekrönt sein werden. Jede Zusammenfassung ivon jüdischen Kräften, die dem Aufbau von.Palästina zugute kommt, ist nmnschenswerc-. Der'Auibau Palästinas stellt eine gigantische Aufgabe dar, die einer ungeheuren Anstrengrrng .. dos geeinigten Jndentmüs bedarf. Darum hoffe und . wünsche Üch vo.l Hrzerl,^äß' es -Hern: Dr. Weizmann gelingen möge, seine Mis.siö'n zu ein cm g::-ten Ende zu führe u. ' Ich erinnere, mich noch lebhaft. an meine Begegnung mit Louis Marshall, den:. Präsidenten der Amerikanisch-JMschen Komitees,'Weizmänn nun die Verhandlungen zu führet: hätidEr.-hat auf mich den Eindruck ' einer stänRn Per sön.j'i-ch'kei-r und' eines überzeugten,' guten Juden gemacht, der äüfriWg und . ehrlich bestrebt ist, 'der jüdischen Sache zu dienen. >. ' "! 'Es-wäre sehr zu bedauert:, wenn die Berhandlungest. infolge der Kontroverse bezüglich der russischen Kolonisation - nicht den getvüi:schtcn. Erfolg haben sollten. W'emr ich auch glaube, das; man nur in Palästina ein Werk von dauerndem Wert zustande' br:::gen könne, und daß alles, was in den Diaspora-Ländern getan wird, nur pal-- liativen. Wert hat, glaube ich dennoch, daß man An streu- - gungen, wie die Inden in -R::ßland zu kolonisi:Wn, nicht bek.ämp.fen-darf; zielen dö'ch diese Bestrebungen.daraus hin, Tausenden von jüdischen Familien, die Palästina jetzt nicht absorbieren' könnte, unmütelbar zu helfen. Auch diese Bestrebungen sind der -UnterstiitzUng' wett.- Das Geld, das i n Rußland f ürs jüdische Kolonisation verwendet wird, ist nicht verschwendet.-Ob ' die notwendigetr Garantien ., für den Crfolgidieses-Kolonisatwnswerkesgegeben:^s:nd,^ kann ich, ohne an Ort und Stelle gewesen zu sein,-nicht beurteilen; sollte aber diese Kolonisation erfolgreich seist, wird. , s: c l etzte n Endes a u-ch uns z u g u t e k o m.m e n, weil sie eine Stärkung des-jüdischen Volkes bedeuten tvürde, und jede Bemühung, jeder Faktor, der unser Volk auch nur rnoralisch oder indirekt kräftig. Berechtigung hat. Allerdings.müßte mm: vielleicht auch erwägen, ob nicht im Falke einer - ,. / Oeffnrmg von Transjordanieu - für . jüdische.- Einwandenrng. und Kolonisation airch in Palästina .weiterst Möglichkeiten für Großkolvnisation gegeben fiub: Keinesfalls, bin sich der .Ansicht/ daß man sich durch die in Palästina herrschende -K ri'.s t bei der werteren Mrsbauarbeit beeinslnssen' lassen - darf. Die Kttse ist schließlich dadurch hervorgerufen, daß sehr viele Juden aus Polet:; eingewandett sind, die ^erzu durch posittsch-ökonomische Maßregeln der polnischen Regierung veranlaßt wurden. Selbstverständlich' konnte das unvorbereüete-Palästina ein« so große '^nzahl von Einwanderern sticht'sofort absorbieren. Die Juden aller Länder müssen ihr« Anstrengungen vervielfachen, nicht nur um das in Palästina bereits Geschaffene zu sichern, sondern-um ein-« weiteres.-schnelles Wachstum, unserer-Arbeit' zu ermöglichen. - Tausende^ von. Juden, die heute Gunter unerträglichem Dmck -ökono-mischer Berhältnsifs.e oder an -t i s e m iti s ch er Per folgunge n leiden,könnte eine - Heimstätte in Palästina bereitet werden, wenn die- Judenheit die für eiste Astsbauarbeit nötigen Summen zur Verfügung -stellen würde. . - Rülkzm der polMchen Negkemng i« Kamp' am die Preffeverordauag. Warschau, 17. Novemderc. Wie Hr Korrsspondewt erfährt, wird die. Regievü'gg ist 'den nächsten Tagen «ine' Novelle zur Press-evevor'drmnig aiusavbstiten, die eimge Bestimmungen des Dekrets,' 'die auif eine besonders scharfe Kritik der , iolmnüttstiischen. Organisationen gestoßen sind, abanÄrN wird.' Die wichtigste Äendövnng ist wohl die Üebst'rtra'g'ung der Kontrolle d e -r P r e s s e and ' .G e picht e, tz. h. d i e Aus * schaltstug des Ernf'lülsis'es der Adminitstrati'-vbehö.rd)en^ * ’ Der Anschluß an die RabaiiseKilon des Keren Kafemefh ist jedem Büchseninhaber gelegentlich der im Gange befindlichen BQchsenentleeriing sehr erleichte rt Büchseninhaber, tretet bei! / : -

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