Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2774 (17.11.1926)
- Date
- 1926-11-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mt. sM mm, SMÄD WG«« HMkMttMtms füllte -den Konzertsual. Auer wurde her seinent Erscheildsrr mit Ovationen Merhüuift. Das Quartett spielte außevgewühnRch schon. Plötzlich ein Krach. Die E-Sasite Tagesbericht. Safcha ßhekfez erzählt. TEia C h e i f e Z, der jetzt in Leu ostsirro'Mfchen Städten Triumphe feiert, erzählte einige komische ©pi* wden aus seinem jungen Künstlerlckben. Einmal — erzählt er — spielte ich in einem Konzert Schuberts „Ave Maria", als ich bemerkte, daß eine Fliege summend meinen Kopf umkreist und gerade tut Begriffe ist, meine Nase als 'Sperrsitz zu benützen und non dort ans Dem Konzert zu lauschen. Ich erschrak nicht wenig, wußte ich Doch, Daß es, wenn es der frechen Fliege gelingt, stich aus meiner Nase festzusetzen, mit dem weiteren Spiel zu Ende ist. Ich begann nun, während ich das Spiel fortsetzte, einen förmlichen Kampf mit der Fliege. Ich bemiülhtc rwch, sie auZ Der gefährlichen Nasennähe fortzuLlasen, aber zunächst ohne Erfolg. Da saß auch schon Die Fliege aus meiner Nasenspitze. Die Situation wurde äußerst kritisch. Ich holte tief Atem und machte den letzten Versuch, .den unangenehmen Störenfried «mit voller Kungenkrast zu verscheuchen. Ich blieb schließlich Sieger im Kampfe Mit der Fliege. Ich halbe »»ährend dieses aufregenden Kampfes wohl 'we-itergespielt, aber mechanisch, mehr ans Gewohnheit, ohne jedes Gefühl. Die Töne waren fehlerfrei, aber, wahrhaftig seine ,M>e Maria" war ohne 'Seele? Dann kommt eine Episode in Ieritf alernt. Bei einem meiner Konzerte in Jerusalem kam, tvährend ich aus der Bühne eine. Komposition vortrug, durchs offene Fenster eine Daube in den Saal und flatterte über der Bühne hin und zurück. Offenbar hat der Daube die Komposition gefallen. Sie machte mich Wohl nervös, aber ich konnte nichts dagegen tun, es sei denn, ich hätte das Spiel unterbrochen und das Stück von neuem begonnen. Auch das Publikum verhielt sich ruhig, um mich nicht aus der Nutze zu bringen. Interessant war mm, daß die musikalische Taube nach dom letzten Akkord der ebett vorgetragenen Komposition wieder durchs Fettster aus dem 'Saale flog. Ein Konzertgeiger — erzählt Ctzeifez weiter — lebt in der ständigen Angst, daß ihm gerade inmitten eines Konzertes vor zahlreichem Publikum eine Saite der Geige platzen könnte. Mir ist das zweimal in meiner Laufbahn passiert. Das erstemal platzte die Saite 'gerade am Schluß des Konzertes, so daß das Auditorium nichts von dom Unfall merkte. Das zweiternal riß die A-Säite gerade beim letzten Absatz. Einen Augenblick war ich in Verlegenheit und dachte daran, das Spiel zu unterbrechen, eine neue Saite ausguziehen, und das Stück von neuem zu beginnen. Aber schließlich entschloß ich inich rasch! for'tzusetzen und auch diesmal hatte ich Glück. Die Sache ging ohne Skandal vorüber. Nicht so glimpflich verlief ein solcher Unfall bei meinen: Lehrer Professor Auer. Er war mit seinem Quartett, in dem er die erste Geige spielte, in Petersburg. Ein großes Auditorium von Musiksächoerständigett von Professor Auers Geige war gerissen. Auer lächelte gezwungen, verschwand hinter der Szene, kam mit einer neuen Srite hervor und das Quartett 'begann das Stück vor: neuem. Diesmal war die Ausführung nicht mehr so gut wie zu Beginn, aber die Mitglieder des Quartetts hatten sich bald wieder eingespielt Mid es 'ging ganz gut. Plötzlich Wieder ein Krach. Diesmal war es die. A-Saite an Auers Geige. Das Publikum brach in eitt Gelächter aus. Auer versuchte seine Verlegenheit abermals mit einem Lächeln zu bemänteln, zog eine neue Saite auf und das Quartett begann das 'Stück von neuem. Die Piece war ziemlich lange geraten. Da kam eilt neues Unglück. Das Quartett hakte bereits «bis zur Hälfte der Komposition gespielt. An einer bestimmten Stelle hatte Professor Auer einen langen Tonzu zietzem Er war aber bereits so aufgeregt, 'daß er eine Steifheit in 'der Hand verspürte. Plötzlich sprang ihm der Bogen aus der Hand, flog ins Publikum und traf eine Frau -ins Auge. Das Publikum lachte abermals, aber für Professor Auer und die übrigen drei Mitgliedern des Quartetts war kein Grund zum Lachen. Diese vier Musiker haben «seither niemals *m einem Quartett zusaMmervgchpislt. Ae Burg auf dem Hradschiu baufMir- Der schiefe St. Veit-Dom. Aus P r ag wird gemeldet: Der Präsident der Tscheche slowakischen Republik hat mit dem Ministerpräsidenten Svehla, wie das „Ccske Slovo" meldet,, eine schr eingehende Besichtigung aller Telle der Prager Burg und gleichzeitig auch des St. Bert-Domes vorgenommen. Bei dieser Besichtigung wurde der gefährliche Zustand aller Burgbaulichksiten und auch des St. Veit-Domes festgestellt. . Es wurde konstatiert, daß einige Telle der Burg,' .reiche auf verwittertem und stark mit Wasser angesogenem Schiefer steht, sich durch ihre Schwere verschob en haben, wodurch in dem Gemäuer mächtige Risse entstanden sind. Der St. Veit-Dom hat sich im Laufe der Jahrhunderte um volle 25 Zeutiiniet er, also einen Viertelmeter, geneigt. Die schiefe Stellung des Domes ist schon auf den ersten Blick sichtbar. Diese Neigung ist um so gefährlicher, als der Dom fast ohne jede Grundlage bloß auf der Erdoberfläche aufgebaut ist. . Im Ministerium für öffenlliche Arbeiten fattden Beratungen über die raschesten Vorkehrungen zur Sicherung der Burg statt. Die Kosten hiefür werden auf zehn Millionen tsche.chif.che Kron-em veranschlagt. Sine tödliche SSbelmensm. Aus Graz wird gemeldet: Zwischen dem 26 Jahre alten Techniker Kurt Terbotitz, Mitglied der Stndetrtenverbindung „Gotia", und einem Mitglied der Bur°- #7. WwtzMsr KW -eiw g Ihr« Gesundheit können Sic vollständig wieder zurückerlangen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA r.ar FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL äußerlich zu Einreibungen, innerlich auf Mucker, tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. ÜBERALL ElHAIiTIICH! schenschaft ,/Ostmark" fand gestern eilte Säbelmensur statt. Während des,Kampfes brach der Säbel des letzteren entzwei und das abgebrochene Stück drang Terbotitz in die Brust, durchschlug die Pfort-Ader und riß die Lung-e auf. Terbotitz wurde ins Landeskrankeichaus gebracht, wo er heute seinen Verletzungen erlegen ist. Terbotitz war der Sohn eines Eiscnbahnbediesteten in Graz und stand vor der Vollendung seiner Studien. Art die Staatsanwalstchaft wurde die Anzeige erstattet. Neuerliche Aurmszeum bei der „SSteel"« Aussühroug in Prag. Me Polizei verbietet das Weiterspielen rmü räumt das Theater. Prag, t'6. Noveniber. Heute abends käm cs bei der Wiederholung dorr Alban Bergs Oper „WuM-eck" rm Tschechischen Nationaltheater neuerlich zu g ro sie uSckü,'Udalszeneu, die durch die Pressestimmen hervorgerufen iv-aren, welche nach der Premiere den Wiener Komponisten zum Juden stempelten, der mit seiner germanischen Musik das tschechische Volk vergiften wolle. Die Demonstrationen, die bereits die Premiere begleitet hatten, nahmen heute, einen solchen Umfang an, daß nach dem. viertelt Bilde des zweiten Aktes der Vorhang fallen mußte und eine Pause eintrat. Als der Vorhang wieder in die Höhe ging, setzte auch der Tumult wieder ein. Es wurde auf Schlüsseln gepfiffen, mit Glöckchen geläutet usw., so daß der Kapellmeister Operndirektor Ostreik den Tattstock wegwarf 'und den Orchesterraum verließ. Während der Tumult im Zuschaiterraum andanerte, begaben sich Polizeibeamte auf düe Bühne itftb. verboten das Weit erspielen. Das THe-wt-ew wurde von der Polizei geräumt. In der Propagatlda gegen „Wozzek" hatten sich! 'besonders die „Narodni Listh" hervorgetan, deren Musikkritiker unter Hinweis darauf, bft| die AufführiMtz des Stückes in Leniltgrad bevorstehc, dte Prager Aufführung als einen von Bolschewiken iuf^em'He^ichr Skand.al bezeichnetetr. Heute »Palästina-"' '’L eines Pazifisten Beginn präzise 8 Uhr Olympia-Säle, I., Rotgasse, Vortrag Generalmajor Freiherr v. Schönaichs » Juden als Landwirte . uij Generalmajor a. D. Freiherr v. Schönaich. Der bekannte deutsche Pazifist, der beute. in den Olymp iasälen über das indische Palästina spricht, hat jüngst im Verlag H. Meyer, Halberstadt, unter dem Titel „Palästina, eine Fahrt ins Gelobte Land", ein Buch erscheinen lassen, dem wir mit Erlaubnis des Verlages nachstehendes Kapitel entnehmen. Boden ultd Sachen bleiben tot, solange ihnen mcht der Mensch seinen lebensspertdenden Odem einhaucht. Um das, was heute in Palästina vott Jtlden aller Länder geleistet wird, voll begreifen zu können, muß matt einmal kurz betrachten, wie die Geschichte diesem, nach Moses eigener Ansicht „halsstarrigen", aber doch hochbegabten uttd tüchtigen Volke mitgespielt hat. Abgesehen von kurzdauernden und räumlich begrenzten Perioden des Wohlwollens hat mau sie außerhalb des sonst geltenden Rechtes gestellt, hat sie in Ghettos gepfercht, ihnen keine Roheit, keine Erniedrigung erspart und vor allem ihnen fast jcke Verbindung mit der lebensspendenden Ackerscholle Anommen. Was Wunder, wenn in dem Bolle durch mehr als zwei Jahrtatlsende ein heißes Sehnen lebte, nach dem Lattde, in dent die Voreltern einst glücklich Ware«. Ob dabei religiöse, politische oder wirtschaftliche Grniüe bei dent Einzelnen vorwalten, das zu prüfen, liegt außerhalb des Rahmens nreiner Betrachtungen. Es hat auch kellren Einfluß auf die ihrliche -Bewunderung, die ich wtmer wieder empfand, wenn rch sah, utit welcher Begeisterung von allen Inden (einige fanatische Gegner sind in dauerrtd abnehmender, winziger Minderheit) an dent Neubau Palästinas gearbeitet wird. Ich sah das Lager der Neuankömmlinge in Haifa. Studenten, Advokaten und Handlungsgehilfen, meist aus Polen und Rumänien, katnen, sich „umzuschichten" von geistiger zu körperlicher Arbeit, nicht der körperliche,: Belvegung allein wegen, sondern, um endlich mithelfen zu köntten, der heißgeliebten und doch so lange entbehrten Erde neues Wachsen und Werden abzuringeu. Daneben sah ich Mütter, die ihre Kinder in der Stickluft der Ghettos hatten dahinsiechen sehen, Kinder, denen die letzten ukrainischen, von Petljura entfesselten Pogroms Ellern tlnd Geschwister abgeschlachtet hatte,n Ob tief im Herzen trotz alledetit noch ein ganz klein wenig Heimweh nachzitterte trach den zurückgebliebenen Freundett, mch dem Lande. der Jugettdspiele, vermag ich nicht zu sagen. Auf den Mienen sah ich nur immer wieder freudiges Erwarten, wie die Sonne des Gelobtetr Landes die immer twch ungewisse Zukunft gestalten werde. Daß es harte . Arbeit und Ivemtz Kost geben werde, das wußten alle, die ich sprach. Wir arbeitert ja nicht für utts, sondern für unsere Kinder und Kmdeskinder, das Ivaren die Worte, die ich immer wieder zu hören bekam. Alles, was di« Einwatckerer im Lager bekommenntüfsetr sie bezahlen, nicht bar, das kömrten die wenigstetr, ober es wird ihnen zur Last geschrieben für spätere Zeiten. Kein Gerichtsvollzieher wird es durch Pfältduug eintreibett. Aber niernand soll etwas geschenkt nehmett. Auch das ist alte Art. Die hebräische Sprache kennt kein besonderes Wort für Alnwsen. Zedoko. heißt neben „Almosen" auch „Gerechtigkeit". Uebrigens haben von den in dort letzten zwei Jahren Eingewanderten, vott denen heute noch keiner auf Rosen gebettet ist, schon 11 Prozent ohne jede Mahnung die ersten Vorschüsse zmückgezahlt. Ich sah dault bei Petach Tikwa das Lager derer, die für die Landwirtschaft ausgebildet werden, die Gesichter gebräunt, diei Muskeln gestrafft und fröhliche Lieder hallten aus lustig -.Zelten. Ob es bald zu einer Mpuzg oder tiper Moschaw komlnerr werde, das lag ihuetr noch im Schoße der Zttkunft Mart wäre auch zufrieden Mit einenr ganz kwitterr Häuschen für Frau und Kinder und harter AWst dabei auf der Pflanzung älterer Kolomstem Besonders groß ist die Umschichtung für Frauen und Mädchen, daher die vielen praktischen und' theoretischen Lehranstalten, der mustergültigste, die in Nahalal, von der ziomstischen WelPFrcmen-Organisation unterhalten wird. Die Schüleriunett werden in eineM zweijahrigerr Kurstts in allen Zweigen der Haus- und Landwirtschaft gründlich durchgebildet. Der Geflügelhof der Anstalt M einfach vorbildlich. 1500 Mken werden alljährlich toiO durch Ptlten, tells durch Maschinen erbrütet. Die jungen Mädchen, die gerade diesen Dieitst versehen, schliffen nachts int Brutraum. Am beliebtesten sind die Arbeiten, dre der zukünftigen Bauersfralt zufallen werdett. Hin tmd wieder sollen juttge Männer zur Brautschau nach Nahalal kommen. Dankbar schieden imr von dort, nachdÄn wir auf Einladnug der tatkräftigen urrd liebenswürdigen Leiterin an denr einfachen vegetarischen Mahl teikgenomnten hallen. Und Me leben und arbeiten diese schlichtint imd Wslmngsfrohen Menscheik, wenn einmal das Ziel ihres Hafens, dein Bodmr der Voreltern neues Wachsen sMständig abzuringenerfüllt ist? Das Leben in der Moschaw ist mturgdutäß wenig verschieden von dent Leben anderer Bauern. Wohl ist das Kooperativsystem weiter geführt als bei'uns. Einkauf und Verkauf sittd durchwegs gettoffenschastlich organisiert. Alles fteute sich schon im vorwO' auf den baldigen Besuch des Schöpfers vieler neuer Gö- -ankert auf dieseru Gebiet, des genialen Frartkfurter Soziologen Fratrz Oppenheimer. Arzt, Tierarzt urtd Apotheker sittd Beamte der Exekutive nrit festem Gehakt. Sonst aber ist die Faruilie die Urzelle ieder Gemeinschmt. GewiM mch PeMsize be i der AMit jMn chx MWt .M