Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2773 (16.11.1926)
- Date
- 1926-11-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wreii. DienskW Wiener Morgenzett«n§ 16. rltoveinVer Ni-. mn ^Außerordentlicken Erfolg hatte die van Sotolow und!d i n d e in Südafrika eingeleitete Keren-Hatüsedrelampague. Ecmm den bisher 120.0000 P sund rr u f g c b v n rf) 1, van denen rin großer Teil bar ringezahlt wurde. Der Rest ist in einigen Wacken fällig. — roßzügige Kr re n - Ha fr ss a d -Äkt i onen sind derzeit in Ruin <7 n i c u unter Zeitung I a sses und in Deutschland unter Mitunrrung Sotolows im Zuge, die mit bemerkenswertem Erfolge eingesetzt haben. Die bisherigen Gesamteingauge des Keren Hajessod betragen per Ende September 1926 2,567.200 Pfund. In Öe st er re ich wurden bis zu diesem Zeitpunkte 17.839 Pfund aufgebracht. Mische Fremdeulegioniire im Kamps gegen die RiftaWe». Aus Warschau wird uns geschrieben: Erst jetzt erräyrt man, daß in den spanischen Kämpfen gegen die Riskabylen auch eine Gruppe aus Poleu ausgewanderter Juden teilgenommen hat. Unter ihnen befand sich auch Mendel G r a h m a n n, der vor drei Jahren, nachdem er ar- Ocitelo* geworden war, nach Cuba ausgowandert war und ferne Iran und ein Kind in Warschau zurückließ. In der ersten Zeit sandte Grohmann seiner Familie sehr günstige Berichte und schickte ihr auch regelmäßig Geld. Das letzte schreiben, das von ihm: eingelangt ist, enthielt die Mit-' reilung, daß er, zusammen mit einer größeren Gruppe polnischer Inden, in die spanische Armee eingetreten sei, und daß sic als Legionäre an die Front gegen die Rifkabylen geschickt wurden. Seither hatte die Frau von ihm nichts mehr gehört. Das Warschauer Raibbinat intervenierte über Ansuchen der Frau Grohmann beim spanischen Konsul, von ddm nunmehr die Mitteilung einlief, daß Mendel Grohmann anläßlich der Uebevsetzrmg eines Flusses im Kampfe gegen die Rifkabylen den Tod gesunden hat. Nunmehr wird auch nach dem Schicksal der übrigen jüdischen Kombatanten ans Polen nachgeforscht. Mordechai be» Hillel Hakohen 76 Fahre Ät Mhne md Kunst. gosef Schwarz als Mensch Md Fade. In Riga, der Gcbnrtsstadt des so früh verstorönirn jüdischen Künstlers Josef Schwarz, hat die Nachricht von seinem Wieben niederschmetternd gewirkt. Bekanntlich hat Schwarz fernst ersten Gesangsunterricht beim Kantor Rosowski in Riga genossen, und nieinals hat der so rasch zur Weltberühmtheit gelangte ehemalige Chorjunge seinen Lehrer unb dessen Familie vergessen. Ein Sohl: des Chasan Rvsoroski, Advokat M. Rosowski in Riga, erzählt im „Frühmorgen", daß der alte Schivarz, als sein Sohn zur Ausbildung ins Ausland ging, ihn mit den Worten verabschiedete: „Mag dich dein Schicksal noch so weit weg vom Judentum führen, aber singen wirst du dein Leben lang mit jüdischem Gefühl." «Die Befürchtung des Vaters, daß sich sein Sohn dem Judentum entfremden könnte, ging — und das ist ein Nachruhm für den Frühverstorbeneu — nicht in Erfüllung. Josef Schwarz ist in allen Wechfclfällen seines ruhmreichen Lebens der treue Jude geblieben. Besonders rührend war sein Verhältnis M ferner Familie. Er war eines von neun Kindern seiner Eltern, die, bis es Josef Schwarz zu reichem Einkommen gebracht hatte, in schwerer Not lickten. Josef erwies sich als dankbarer Sohn und Verwandter. Schon vor mehreren Jahren brachte er seine Eltern nach Berlin, kaufte ihnen ein Familienhaus und sicherte ihnen ein sorgloses Leben. Auch seine Schivester, die, früh verwitwet, für fünf Kinder zu sorgen hatte, nahm er unter seinen brüderlichen Schutz. Ebenso benahm er sich zu fernen anderen Geschwistern und Freunden, und ganz besoickers konnte ein aufstrebender jüdischer Sänger, Komponist oder «Ähauspieler auf feine Unterstützung rechnen. In Riga soll aus Berlin die Meldung emgelangt sein, daß das Privatvermögen von Josef Schwarz feinem Wunsche'entsprechend im Einverständnis mit seiner Gattin den nächsten Verwandten zusatten soll. An dem Leichenbegängnis in Berlin hat auch eine große Abordnung von Jugendfreunden und Verehrern Joses Schwas' aus Riga teilgenommeu. Einer der fruchtbarsten hebräischen Schriftsteller und politischen Publizisten Mordechai ben Hrllä Hakohen begeht demnächst seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat an der Entwicklung des jüdischen Lebens in allen seinen politischen und kulturellen Auswirkungen aktiv teilgenommen. Er wurde im Jahre 1856 in Moh ilew geboren, gehörte uvsprünglich der Gruppe der damaligen Maskilim-Sozialisten an, toar dann einer der Hauptmitarbeiter von Smolensk rs „Haschachar" und später bevorzugter Mitarbeiter aller hebräischen, jiddischen und russisch-jüdischen Zeitungen und Sammelloerfc. Er war einer der ersten Chowewei Zion, fehlte fast aus keinen: zionistischen Kongreß und unternahm schon in früheren Jahren wiederholt Reisen nach Palästina. Seine Artikel und Memoirenwerke gehören zu den Lösten Schöpfungen hebräischer Publizistik. Kulturhistorisch besonders wertvoll sind seine Werke „Bon Abend zu Abend" und „K'war" (Erinnerungen). Mordechai ben Hillel Hakohen lebt jetzt in Palästina, wo er an der Vollendung seiner acht Bände umfassenden Memoiren „Olami" („Meine Welt") arbeitet. Der erste Band, der bis 1882 reicht, wird schon in nächster Zeit erscheinen. Ae Gröndungsversammiung der zionistischen Srganisatiou Polen» In Verbindung mit der vor kurzen: von der Regie- - ,mg ausgesprochenen Legalisierung des Statuts der Zionistischen Organisation Polens, wurde in Warschau die Gründungsversanttlklung dieser Organisation abgehalten. Es wurde das Statut, das aus 31 Abschnitten besteht, verlosen und genehmigt. Laut § 2 basiert die Organisation ans dem Baseler Programm. Dom Komitee gehören an: I. Osenschla g, Senator Dr. M. Brande, Law- » i % Dr. I. BYch o w s k i, Prof. Dr. M. B a l a b a n, Dr. I. Gottlieb, Dr. N. Davidson, I. Heftm an, Dr. H indes, Leon Levite, Feldstein, Dr. R o f cnbin 11 u. a. m. Die Zahl der jüdischen Studenten au den amerikanischen Hochschulen. Nach einer von der Mischen Delegvaphen-Mgenmr vorgenommenen Enquete beträgt die Zahl der jüdischen Studenten an den amerikanischen Hochschulen 19.700. Im allncm-sinen besteht an keiner Universität irgendeine beichränikLNide Bo-rschriift gegen Juden, und auch in der Praxis wevscn die jüdischen Stuldieronden nicht boschräiEt. Im gesellschaftlichen Verkehr ist es anders. So Mt es Studentenheime. in denen die jüdischen Studenten in einem b e s o n d e r e n Trakt wohnen. Die jüdischen Studenten bilden ihre oigenen Organisationen und tväKen in die nichtjüdischen Organisationen gesellschaftlichen Charakters nicht ausgenommen. Mii Bezug auf Stipendien werden die Juden nicht ^benachteiligt; hier entscheiden Fleiß mch Begatbuldg- Anders ist es auf dem Gebiete des Sporüwosens; hrer müssen die Juden ihre n ich kindischen Kollegen stark überragen, um erst;ut Geltung zu kommen. r Die Tagung der slowakischen Zionisten. Die ursprünglich kür den 1. November geplante Tagung 'der zronististtzen Arbeitskreise der Slowake: ist für den 21. November nach Mina einberufeu Wochen. Die Tagesordnung umfaßt Referate über die Krise in Palästina, die Tättgkeit des Fonds, und spezielle Fragen der Slowakei. Neu angemeldet wurde ein Referat von Philipp Wein vergor, Piestanh, zum Thema: „Unser Verhältnis zur Orthodoxie". - DiMon O^ausch in Lemberg gestorben. In Lemberg starb letzten Mittwoch, tote uns Von dort genreldet wird, der bekannte Zionist Simon O r a n s ch eines plötzlülwn Todes rm Alter von 66 Jahren. EP gehörte zu den ältesten an* rührigsten Lemverger Zionisten. Heber die Bestattungsfeier meldet noch I. T. A.: Der Andrang war so stark, daß sich die Friedhofsbeamten als machtlos erwiesen, und daß selbst pronrinente Persönlichkeiten, die dem verstorbenen Künstler sehr nahe standen, nicht in die Halse gelangten. Die Wege, die zn der Gruft führten, waren gleichfalls von einer nach mehreren Tausenden zählenden Menschenmenge umlagert. Unter den Leidtragenden, die in der Halle Platz gefunden hatten, sah mar: neben der Witwe und dem greifen Vater des Verstorbenen prominente Ver treter der Berliner Kunst- und Theaterwelt. Rabbiner Dr. Weisse schilderte die Entwicklung des Künstlers aus bescheidenen Verhältnissen heraus zu großer Weltberühmtheit, betonte seine Liese innere Religiosität und seine wahrhaft menschliche Güte. Dann sprachen Präsident Wallauer für die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger und Intendant Professor Hoerth für die Staatstheater. Oberkantor Alhlbeck. mit dem Synagogenchor Lützowstraße und der Chor der Staatsopcr, von Aiichael Raucheisen am Harnronium begleitet, sangen Trauerchoräle. Michael Bohnen wird zum Gedächtnis seines großen Kollegen' anläßlich eines Gottesdienstes in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße das Kol-Nidrei singen. Die antisemitische „Deutsche Zei- Sonderangebot sder Bücherschwemme ß. LÖWIT, WIEN, I. Rotenturmstrade 22 Herrlieh ausgeetattcte Ganzleinenbäßde mit Goldaufdruck aus der Sammlung : „Das neue Buch“ zu 2 Schilling ». Schilling Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte, 427 Selten. — Verbrechen und Strafe, 708 Sqitcn — Memoiren aus einem Totenhaus, 403 Seiten. — Tolstoi; Kreuzersonatc, 110 Seiten. — Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers, 230 Seiten. — Flaubett: Bouvard und Pecuchet, 320 8. Gogol: Mirgorod, 305 Seiten — Die toten Seelen, 416 Seiten — Abende, 280 Seiten. Huysman. Tief unten, 300 Seiten — Gegen den Strich, 200 Seiten. | Nützen Sie diese nie wiederkehrende Gelegenheit!; Generalmajor Freiherr v. ZchSaaich spricht morgen Mittwoch, den 17, November, 8 Uhr, in den Llympiasälen, 1. Bez„ Rotgaffe über Paläftinn-Reiseeindrücke eines Pazifisten. Karteiworverkaus in: Bureau des Keren tzajessod, Wien, l. Bez., Kärntncrstraße 28 (Tel. 77 4=Sö bis 86), tu der Buchhandlung R. Löwit, Wien, l. Bez., Roienturmstraße 22, in der Buchhandlung Rath, Men, 2. Bez., Taborstraße 20a, im Theatcrkartenbureau „Aida", Wien, 2. Bez., Talwrstraße 5. tung" weiß zu erzählen, daß sich beide. Sänger diesen Liebesdienst zugcsagt hatten und daß beide Freunde in der 'Jugend Synagogensäuger gewesen sind. Wolffohm „Tutte hebraiyue". Professor Jülimsz Wo I ff och n 'bringt 'in sLinem nächster: Wiener Konzerte unter anderem auch sein jüngstes Werk, die „Suite e>bra.!igu.e", zur ersten Aufführmig. Der Tondichter «machte einem unserer Mitarbeiter über diese Komiposition nachstehende Mitteilungen: In >dec ,,He!brä!ischen Suite" hat Wolfsohn den aus dem Mittelalter überkiefevten dElamatorischen Stil — „Trupp" igenmrut — verwerrdet. Der Znsaininenhang zwischen Wuvg'rscher und weltliä^r Musik sei bei uns Juden immer hervorragend gewesen. Bei keinem Volke habe die Religion einen solchen Einfluß auf düs gesamte Leben. In der „Hebräischen Suite" werden originelle jüdische Welisen verwendet, echte Vo'lksinusik, -in welcher sich Rel-iigröses und Weltliches zu einer Synthese verbindet und der Wdischeir Seele Ausdruck verleiht. Vor Jahren bssuchte »Professor Wolfso-hn 'seine Derivandten in einen: polnischen Städtchen, toelches der Sitz eines vor vielen CHasfidim verchrte:: Zaddiks tvar. Die Eindrücke, die der Kiinstler von de>n: Treiben auf 'dem „Hofe" beiin: Rsbben empfing, bestimmten die Form der Suite, die aus vier Teilen besteht. „Beim Rebden" heißt der erste. Fromme Chassidim begeben sich zum Zaöd'ik, die Führt g!U einer Beratung und der Erlangung des Segens von unserem ,Mcibbeniu" für ein Liebespaar. Die Verlotbuug mied urit Gesang und Tanz gefeiert, an den: sung und M teilnehmen. Dies «ist der zweite Teil, „Redl" (Reigen) genannt. Im ,/LieöeMed" erklingt eine Dol-ksweise, die ein «idyllisches Zwiegespräch zwischen den Verlobten wied ergibt. Im letzten^ Teil, ,/§neilachs" (lustiger Hochzeitstanz), tnird Aie Hochzeit gefemrt und „unser Rebbenin" erteilt den Segen. Wolfsohn wird in diesem Winter -wieder eine aineri^ tanische Tournee absolvieren, die Gn über ^dew-Aork naäi Kalifornien führt. Sodan-n «beg>ibt sich Pros. Wolssoh" noch iPal ä st in a. Diese Reise steht auch mit den Vor bereitun-gen zur Gründung einer jüdischen Musik- H o ch >s ch n l o i n I -e r u s a l >e m tut Zusain-nreühange. Neue Konzertmuffl. Die sozialdemokratische Kunststelle brachte in einem Arbeitersymphoniekonzert kürzlich ein Violinkonzert des Bulgaren Pantscha Wladigeroff zur Erstaufführung. Der hochintelligente Geiger Hugo G o t t e s m a n n spielte den Violinpart des Wertes, welches im Klange zu bestricken, in der äußeren Form zu blenden vermag. Er erweist dem. Geigensolo gebührende Achtung und Ploudert mit routinierter Geläusigkeit, hinter der sich freilich kerne tiefere Bedeutung birgt. Ganz anders das Biotinkonzert von Carol Sz ymanowskr, dem Führer der polnischen Musilmvdtrne. Das Wert ist nicht leicht eingänglich, prachtvoll in der Instrumentation, spröde und kompliziert in der Mordrk (wem: auch durchaus nicht „atonal", wie ein schreckliches mißverständliches Schlagwort lautet), doch in der rauhen Schale verbirgt sich der Kern einer tief empfundenen Ausdrucksmelödik, für welche Bronrslaw Hub ermann der ideale Interpret ist. Was er überhairpt aus den vier Saiten seines Keinen Instruments an. Seele Herauszuholen vermag, das grenzt schier ans Wunderbare. Das Visionäre, mit dem er etwa in die tiefsten Geheimnisse von Beethovens Violinkonzert einzudringen vermag, sollte rm Grammophon für alle Zeiten festgchalten werden. Eine Kantate von Paul A. P i s k, „Die neue Stadt", welche in der offiziellen Republikfeier zur Erstaufführung gelangte, ist eine Gelegenheitskomposition, welche sich gegen einen durchaus politischen und davunr unmusikalischen Text mit Erfolg durchsetzte. Paul Pisk baut seine . neue Stadt, in welcher die Götter der alten Tonkunst vevchrt werden, in aller Meistersinger-Breite und -Behaglichkeit auf: Ein tüchtiger Baumeister, der im Chor- und Orchestersatz und in den Solopartien, um welche sich Fine Rose net und Oskar Jölli teilnahmsvoll annahmen, solides Baumaterial und vorzügliche Technik in den Dienst seiner volkstümlichen, künstlerischen Idee stellt. Mb. Aus den Aeatem. Oper -il th e a te r. Mittwoch. 7 Uhr: „D i e fro-te Stadt". Freitag, 7 Uhr: die Ballette „Wiener Walzer", „Die Puppensee" und „Sonne und Erde". Volksopcr. Der Tenor der Warschauer Staatsoper, Gustav Chorjan, wurde ab 1. Dezember als 1. jug-ondlicher Hekdentenor verpflichtet. Deutsches Bolkstheater. Albert Bafferman« spielt heute zum letzten Male die Titelrolle in „C o llege Cramptou". Morgen und Samstag „Die Wildente", Frestag «Ma-llL-m^t-LimÄ Tod" M AMrt KaHjbeq«