Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2772 (14.11.1926)
- Date
- 1926-11-14
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981859--28159-3016167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
edto -8 Wie«er Morgen-ettv«- T4. Rvvemver l£2fi Rr. 2772 2Aen, Sonntag JÜDISCHE WEIT. m volowin. Ser „Sch«tzder-S»l". In einem Ättckel des Rcwriorker „Äonvarts" Wer oas Leven der russischen Aristokrnlau in Anrerika finden wir die folgende Geschichte: Ans der Oftfeite von Nervyork, die zum grössten T<'il vorr Inden bcwovnt N'ird, lebt in einein kleinen billigen Zimmer der ehemalige russische Schissskapitän langer Fahrt G v l o w i n. Im zaristischen Rußland war Golowin eine einflußreiche mililärische Persönlichkeit, aber wie viele seiner Gesinnungen und Rangsgenossen mußte er nach dem Umsturz Rußland verlassen und schloß sich einer Gruppe an, die nach den Bereinigten Staaten von Nordamerika ailÄvandertc. Zn dem Berichterstatter des „Vorrvärts" äußerte sich Golowin, daß er nach langen Irrungen endlich mit seiner Lag« zufrieden sei, denn er chabc sein eine gute Stelle. Er ist, >vas inan so -nennt, sein „Sch a bb es-G o j" in einer o rtcho-do^xe-n Sywag v g e. Er hält die Synagoge rein, heizt die Oefen, zündet am Sabbat die Lichter an und löscht sie Ans, sweun der Gottesdienst vorüber ist. Er hält große Stücke auf die Inden, die „seine Synagoge" besuchen, gleichfalls Einivanderer aus dem europäischen Osten und auch sie sind ntit ihrem landsmännischen „Schabbes-Goj" zufrieden. Biele der Tcmpelbesircher laden ihn zu sich ein, lassen ihn Arb'ei-, ten verrichten, die sie gut bezahlen. Besonders im Winter, betont Golowin, mache er „goldene" Geschäfte. Dann erzählt Golowin im Tone der Entrüstung ein Erlebnis, das er mit einem Landsmann in Ncwyork hatte: Einer meiner Kameraden, aud> ein gewesener russischer Schissskamtän, klagte nnr vor einiger Zeit,- daß es ihm. so schlecht gehe und kamn zu essen habe. Er!oat rnich, ihm irgendeine l!lrbeit zir verschaffen. Ich wußte, das; in einer anderen Synagoge gerade gleichfalls eine Stelle, loie ich sie irr meiner Synagoge habe, frei ist, und ich. ging hin und empfahl meinen Kameraden als einen braven, anständigen Mann. Er würbe auch ausgenommen und die i Juden der Synagoge behandelten ihn sehr gut. Mein. Kwrierad aber erwies sich, anstatt dankbar zu sein, als schlechter', undankbarer Mensch. Kein anderes Wort als „Zid" konnte rnan von ihm hören. So verächtlich sprach er vor nrir über die Menschen, die ihm die Möglichkeit gaben, fein Brot zu verdienen. Das hat mich furchtbar verdrossen. Ich toar so empört, daß ich selbst zuur Vorsteher jener Synagoge ging und ihm alles erzählte. Selbstverständlich wurde er entlassen, aber als offener ehrlicher Mensch erzählte ich meinem ehemaligen Kameraden die ganze Wahrheit und sagte ihm: „Ißt du jn-drsches'. Brock, d-ann da-rs.st du die Juden nnch-t b-eschiän:pfen!" Und seitdem habe ich ihn nicht mehr, gesehen. ' - beit Borfttz. In der Äonsercuz »ouche auch die Heraus-;pbe einer Bnei Brich-Mitschvift -erörtert, weiter mrttde. beschlossen, die Großloge, in Amerika zu ersuchen, einen Vertreter zur Feier der MttsernMmng der BeMktew der britischen Diskrifts-Grbßloge zu entsenden. Man kam überein, eine Bmoi BwiE" svlA - s ch wf.ts xe ife n a ch P a l ä sti n a zu arrangieren, deren Dauer auf drei Wochen berechnet sein und in die Zei t de s Pas sah fest es fallen soll. An der Reise sollen auch Nr'chtmitglieder teilnehmen dürfen. Weiter wurde beschlossen, im ganzen Reich eine Serie lioit Borlefnngen abzuhatten. utttJ das jüdische (Geistesleben zu stärken. Die First Lodge os England ist zu ersuchen, einen Plan für MMawkeit der Nnlverchi't'cbts-lDr-or an dem Gemeinschaftswerk an'szuarbeiten. Ae «Ma» Ar die Mararmrn- Unser gelegentlicher Mitarbeiter, Ingenieur Samuel S^chckv a r.z ans Lissabon, der sich altz Initiator der Bewegung zur Zurückführung der Ma rannen zum Judentum große Verdienste erlvorben hat, ist, wie gemeldet, auf einer Europareise begriffen, die ihn auch in seine Geburtsstadt Zgierz bei Lodz ftihren wird. In ^London wurde Ingenieur Schwarz von dom Komitee der portugisischen Marännen feierlich enrpsangen. An dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett nahmen die angesehensten sefardischen Inden Londons teil. Es lvaren erschienen der Präsident des oben genannten Komitees, Edouard Mocatto, der Vizepräsident, Leonard N. Monteft'o.re, der Großindustrielle Joses Präg, A. E. Migbor-Gokdsnttth u. ä.' Ing. Schwarz legte in einem längeren Vortrag neues Utateriat.über seine Forschungen vor und teilte mit, daß über seine Anregung in Lissabon eine eigene M a r a nnenschnle geschaffen wurde, in welcher zunächst dreißig Marannenkinder im jüdischnationnlen Geist erzogen werdest. Der Sciiule ist auch ein Internat angeschlossen. Auf Kosten des Londoner Komitees wurde in Porto eine Synagoge und ein jüdischer Friedhof für die Juden gewordenen Marannen errichtet. An der Spitze dieser erst vor kurzem gegründeten, neuen jüdischen Gemeinde steht der Kapitän Bwnas B o st a, der heute zu den eifrigsten Verfechtern des nationalen Judentums gehört. Hervorragend bewährt zur BekäWpfungrheeunatlscher, gichtischer, »ervÄser Schmerzen sowie «ege« Kopfschmerze». Die Sirfnag tritt »«mittelbar ei», «eine schädliche» Redenwirrnuge». «rötlich lobend de«ak«chtrk. - In allen AHothekeu. Direktor Mar Waffermann über das werdeuds Kulturzentrum in Palästina. Der Präsident be» ilereit .Hajessod in Deutschland, Herr Direktor Oskar Wassermann, sprach sich dem Vertreter der Jüdischen Tclegraphen-Agentnr gegenüber auf dessen Befragen über (den Wert des Wiederanfbauwerks in Palästina für die gesamte Judeuheil ans. In Palästina, sagte er, ist ein starkes Ku t-tnrz en i rnm im Entstehen, das ans die Jndenschaft der ganzerl Äoett einen immer wachsenden Einfluß ausüben wird. Tie Juden, fuhr er fort, sind nicht allem über alle. Länder der Welt zerstreut, sondern sie fhtb in jedem Lande wiederum in vielerlei Gruppen, Parteien lind Organisationen zersplittert. >s Dieser s o r t s ch r e i t e n d e-u %t omi f-i e r n,n g des Judentums wird das in Palästina entstehende geistige Zentrum Einhalt gebieten. Wie nid (Antisemiten auf die Palästina-Bestrebungen der Juden reagieren? Das irtteresfiert uns nicht. 'Wir müssen das tun, was wir für richtig halten, und dürfen nicht danach fragen, ioic sich die Antisemiten dazu stellen. Ich habe übrigens den (siubwicf, daß die antijeminiche Veiueguilg. zumindest in Deictschland, im Abflauen ist. Die wirtscharrlichen Ursachen des Ansteigens des Antisemitismus sind beute, nicht mehr. vorhanden. Je mehr sich die Berhäl'lüsse konsolidieren, der Grundbesitz im Werte steigt, die Zirkularion der Wirtschaft normale Fornien cmnimmt, desto mchr verliert der Antisemitismus an Boden. Skae «llgemeiue B«el »M-Tagung. Tie ttnvßloge für Großbritaunieil und Irland, die soeben in London getagt lsat, faßte den Beschluß, Herrn Dokitor Po pper, das Oberhaupt der Corttinental-Großloge, zu ersuchen, dev in klcrzer Zeit zusammentretcnden Konferenz der ellropäischen Distriktsgroßloge den folgerten Vorschlag der Distrikts-Großloge flir Großbritannien und Irland zu uilterbreiteu: Für I n n i 19ti7 ist eine internationale Konferenz der Bnei Brith-Logen einzuberüfen, die zum Ziel haben soll, einen Ideenaustausch zivischen den einzelnen Distrikten herbeizuftihren und die Logen M erhöhter Tättgkeit mlznsporueu. Da der GroßpräsibSttp Hepr-S. >Ausünch wsilitj führte der BizegroßpräMetil stnmr Gdrdon MvettNan k^SSS;;.ZahlHngserleichtsriinft Auf<rl schungs -Spezialverfahren, aul jedem Stück ersichtliche Kassapreise, Im WARENHAUS FÜRST, WICH VI. Sftimpergnssc 13 i7i GaschSftsbestaod 40 Jahre / Eigene Pelzreparaturwerkstatten / Eigene PelzfHrberel. Wirkliche Garantie nur beim Erzeuger fliGM. KORWHEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99, u.,l6-j9-34 Liefer a ni Ml r H e 11 a>n s talt^n Abteilung für -Fleisch unter Aufsicht des Ehuaflrdizen Rabblnats der Isr. KultusgemeTnae Wien 40 IX., Berggasao 15 XkVIH., Währingerstraße 97 r! 1 WM Üie WM»! Erepe de Chine- Kleid . ä«S T-9*t- Crepe de Chine- K’leid . äÄS 25'— Velour-Mantel ißi A^S,29*— Velour-Mantel, mit Pelz ver-, brämt, 3^39 ■— Schicke Crepede Cbine-Tan?- klekier In j ed er Rr-ei«s,l»a^e! Si« PMM« Malor w» Ns SNsatoM <MNLhMiR. Ms Maaysfchmm wird uns gemeldet : Das Warschauer RlcköMdt exMtt Vom polnischen Myor W. P. einen Müef, in dem! der Ma'vr um die Änfuahme in das Judentum ansucht. .Inder Begründung seines Ansuchens gibt der Mstjvr an, er habe sich seit seiner, sriihestcu Jugend mit. dem jüdischen Leben und den jüdischen Geiftesschöpfungen befaßt und fühle sich innerlich schon ganz als Jude, Sein Lebe» galt immer der Verteidigung des gepeinigten Volkes, mit dem er sich trotz seiner unfreittnlligen Taufe bei der Gebnrt, identisch fühle. Cr. wolle nun seinem inneren jüdischen Bewtlßtsein auch äußerlich, gesetzlich vor den Menschen als Jude betrachtet werden. Das Warschauer Mhbinat hat den Brief zur Begutachtung an das Lodzer MMinat wckterae..- lettet. Zkdisches Letze« ka simzis. In der Freiert Ltadr Danzig mit ihren Borvrien Otiwe und dem Kiteort Zoppot enuvickelt sich, wie UNS von dort Mschrieben wird, all'mShlich wieder ein. reges jüdisches Gemeuid'- loben, was hauptsächlich dem Einvrrnichmoil -zwischr'N den Liberalen und Ortl)odr>xen zuznschroiwn ist Die Füh-rung.der Geincinde liegt setzt in den Händen der Fortschrittllchrn. In Danzig gibt cS zwei Hanptsynagvge», eim' sortschritttttfi-'. Orgclsynagoge nrit Orgel und Drmenchor und. eine, oi'chvdvxe mit einem eigenen Nabbiner und einem Beth-Hamidrasch. In Danzig herrscht baä in ganz Dein Mond itfHdu' EultnSstuiersnstein, .Die Steuerbenressung erfolgt nicht, wie in Wien, durch Sionerkoimnissionen, die auf Grund von oagen Angaben operieren müssen, wobei u »dg-cr e chi e. B e. st e n e r itji gen unvermeidlich sind, sondern auf Grund der a l l g e m einen Steno r n. Die Danziger Regierung ülstrsendet der jüdisch?!! Gornoinde daö Verzeichnis der Mnlommensteue.rbc>nessnnge.n, worauf die ÄnltnSgcincindo nach einont bestinimten Schlüssel die Knlluostencr gleichmäßig vorschrcibt. Interessant ist auch die Stellung der Cheirra-Kadischa im Leben der Danziger Gemeinde. Die Chewra ist hier eine s ozi^att e W o h l f-a h v t & i n st i r u i i o n im >neuesten Sinne des Wortes. Sie verwaltet nicht nur das Spital und die gesamte Krankenfürsorge, auch das 'Emigrant e n'w c s e n in Danzig, Pie als Hafenstadt von großer Wichtigkeit ist, gehört in' ihr Arbrstsgebiet. Wohl besorgt oje Chetora.-Kadischa auch die Leichenbestattnng, aber der jüdische Friedhof ist Eigentum der Kültnsgeineinde und wird auch von ihr vettvaltet. An Besuch in KischiAett. Ter Präsident der Ezerncwitzer jüdischen Genstinde ,md Führer der Jüdifchnativnaten in der Bukowina,' Aligeordneter Tr. Ma y e r-Ebwe r,' veröffentlicht in der „Ostjüdischen Zei) tnng" seine Eindrücke, die er ivährcnd seines Besmhes in Kischinew in jüiigster Zeit empfangei! hat. Wir entnehmen seiner Schilderung die folgenden Stellen. Kifchinew hat die größte jüdische Genieindc des.Reiches. Es gibt zwar keine genaue Statistik, aber man geht nicht fehl, n>e».n man die Zahl der Juden auf über 100.000 schätzt. .Die -Juden spielen eine b-edentendc Rollo, wie sie ihrer Zahl und ökonomischen Bedeutung entspricht. In, (tzemcinderat besitzet! sie 19 van 60 Plätzen. Fm Stadtrat, der ans nenn Mitgliedern außer dem Primär besteht, haben sie vier Plätze inne. Der Bizoprimar ist ein Jude. Im Parlament sind die Inden durch den Senator Rabbiner Zirlsohn vertreten. Ich habe festgestellt, daß das Verhältnis der christlichen zur indischen Bevölkerung ein gegenseitig freundliches ist. Mich die staatlichen rumänischen Behörden stehen im großen und ganzen aus gutem Fuße mit den^Juden. Zwei jüdische Stadträte, die Herren Dr. Rosen h.a-u-p-t und Advokat Dm bi n fch-i, waren ineine Ciceronen, die mich durch die Stadt stlhrten, und ich hal»e mir bedauert, daß stch 'picht mehr Zeit hatte, um alles Srhäne und Gute mit größerer Muße zu besichtigen. Besonderes Interesse hatte ich an dem dortigen jüdischen Spital, tvelches einen ganzen: Komplex voit Gebäuden darstellt, die. durchivegs bis auf ein, noch aus der türkischen Zeit stammendes, neuen Datums sind. Das Spital intponiort geradezu mit seiner vorbildlichen Sauberkeit und seinen, tadellosen Einrichtungen. An der Spitze dieses Spitals steht Herr Dr. Sl>nd e-cdi, ein hoher Siebziger, der erst vor kurzem des JubMum seiner 60jährigen Arbeit im Spital grfeicrt hat and dabei Gegenstand herzlichster Kundgebungen jssw'csen ist. Das Spital verfügt ungefähr über 200 Betten, welche Von sechs:Aerzien bedient tverden. Die chirurgische Abteilung steht unter der Leitung eines vortreffliches Arztes aus Deutschland. Das,Spital verfügt außer über eine chirurgische auch über eine therapeutische Abteilung und eine GeMvaftstalt.. Denk iDpital W Mchs-ein AltersversorgnngS« hauS ang^gliedert, und ich sah.mehr als Hundertjährige, die sich im ^Freien Von den iZtvahken. der Herbstfon ne wärme?- ließen. OE ST. PATENT 868,-MUl D. R, - PATENT Das £|,astische fllßkisscn, ideale Schuheinlage beseitigtaofort Fufi-ErmQdmtgiwfilknierzeii, Sohlen- Df?: brennen und Plattfußbeschwerden ERZHERZOG KARL-APOTHEKE, II., Ennsgnsee V