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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-14 · Heft 2772 (14.11.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2772 (14.11.1926)
Date
1926-11-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6efee 6 Vien, Svmrkry MiftCAaAÄMI dHW| MM sn M, M MM M A. wiWtef WiWgCltj?tlBng PL November W2S Nr. 2772 Las Hakenkreuz-Attentat in Kzernovttz. Ser WWe Stadrat AM da« de» «Matsche« Stadentm Leuts aaaeschaffe«. Ueber den mörderischsn Anschlag, den der hakonkreug- /tzrische rumänische Student Nikolai Teutu an dem angettagten jüdischen Studenten David Falik nach der Verhandlung gegen einige jüdische Baccalaureatskandidaten wegen Demonstrationen gegen die Prüfungskmmnis- ,äre verübt hatte, haben wir bereits in unserer gestrigen Nummer kurz berichtet, tte&et die Tat und die ihr vorangehende Verhandlung liegt uns nun folgender Bericht unseres Korrespondenten vom Die bereits zum drittenmal vertagte Verhandlung gegen die jüdischem Studenten David Falik, Benno Schächter, Marcell Ausländer, Peter Likw orn i k und Fritz Gelles wegen schwerer körperlicher Verletzung und wegen Vergehens gegen die Sicherheit der öffentlichen. Ruhe und Ordnung fand mit ritten Anzeichen eines ungewöhnlichen SenfationSprozesses im großen Saale des Czernowitzer Gerichtes statt. Wegen Vergehens gegen die Sicherheit der öffentlichen Ruhe und Ordnung sind außerdem die Studenten Leon C o g a n, Eduard Brettholz, Josef WeißHerg, Leon Wittmann und Brandmarker angeklagt. Zu Beginn der Verhandlung erhob der Staatsanwalt, Hofrat Lazarus, die Anklage auch gegen die Studenten Ignaz Schächter, Julius Falik, Pesach Osias und Berthold B alt inester, die ebenfalls beschuldigt wurden, an den Demonstrationen nach Verkündigung des Ergebnisses der Baccalauvc-atSprüsuwgen gegen die Professoren, hauptsächlich gegen Professor Diaeonescu teilgenommen zu haben. Bei den Aufnahmsprüsungen für die Universität waren fast alle jüdischen Kandidaten reprobiert worden, was begreiflicherweise zu einer Erregung dieser in den meisten Fällen sehr gut präparierten Studenten führte, die (BUiilmn-DiuehjrMUMB) // Modernete eAr-Vernloh' ZYKLON Deuteohe Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung Qaaohaftastelle: Wien, III., ErdbergetraBe 3$ 6706 Telephon 81-0-97 UngeaJefer-VerniohtuBfl ohne Schaden für EJnrlohtungegegen (finde sich in einer Kundgebung vor dem Gymnasium Luft machte. Professor Diaeonescu soll hiebei bc- Wmpft und auch mißhandelt tvorden sein. Während der Verhandlung kam 3 zwischen dem Vertreter der prwatbetelligten Profesioren, dem berüchtigten Massenmörder Morarescu, erst kürzlich von einem rumänischer; Gericht freige- Procheu wurde und dem jüdischen Verteidiger D r. Allerhand zu einer bemerkenswerten Kontrovers'. Als Dr. Merhand zu einem Anträge das Wort ergriff, machte Morarescu eine abfällige Bemerkung, worauf Dr. Allerhand erwiderte: „Ich spreche nicht zu Ihnen, sondern zum Gerichtshof." Darauf sagte Morarescu: „Mt mir hast d u auch nicht zu sprechen, dn kannst höchstens mit deinem Rabbiner sprechen." Dr. Allerhand (in höchster Erregung): „Herr Vorsitzender, ich werde hier beschimpft. Es geht nicht an, daß ein Verteidiger verhöhnt wird." Im Saale entsteht hierauf e i n großer.Lärm. Dr. Allerhand ruft Morarescu zu: vWas glauben Sie, wo find Sie? Gehen Sie zum Dnjestr, dovt ist mehr Arbeit für Sie. Ich lasse mir das nicht gefallen, Sie können was erleben!" Verteidiger Morarescu: „Gehen Sie nach Palästina." (Ungeheurer Lärm.) Der Vorsitzende erteilt hierauf Morarescu eine Verwarnung, verfügt aber gleichzeitig die Proto - kollierungderDrohung des Dr. Allerhand gegen Morarescu. Bemerkenswert ist, daß als Vertreter der Privatbetetligten auch noch der euzistische Abgeordnete von Kimpolung Paul Jlieseu fungiert. Ueber Antrag der Verteidigung wird die Verhandlung gegen die vier Letztangeklagten auf Freitag vertagt, weil ihnen zur Vorbereitung ihrer Verteidigung nicht genügend Zeit zur Verfügung stand. Ein Antrag des Verteidigers Jlieseu, die Verhandlung wegen der Besorgnis vor Ruhestörungen an einen anderen Ort zu verlegen, wurde a b g e l e h n t. Nach Einvernahme einiger Zeugen, welche die Angeklagten nicht mit Bestimmtheit als die Ruhestörer bezeichnen konnten, wurde die Verhandlung auf Montag vertagt. Professor Diaeonescu, der Hauptzeuge in dem Prozeß, ist erkrankt, und wird wahrscheinlich Montag nicht er- Weinen können. Als der AngMagte David Falik als letzter dm Saal verließ und mit zwei Begleitern die Stiege« hinabschritt, stellte sich ihm der 21jährige Gymnasiast aus Jassy, Nikolai Teutu, in den Weg, und Puerto gegen ihn einen Schuß ab, der ihn in die rechte Bauchhälfto traf. Falik konnte noch zwei Schritte machen und fiel dann rücklings aus den Boden. Der Attentäter wurde sofort von zwei Polizisten ergriffe« u»d ihm der noch rauchende Revolver, den er in die Höhe hielt, entwunden. Er wurde unter starker Bedeckung in das Berhandlungszimmer geführt, wo er bis zum Eintreffen der Untersuchungskommission ver- Aeihen mutzte. Zur Vorsicht wurden ihm Ketten angelegt. Der lebensgefährlich verletzte Falik wurde in das Aibffche Spital geführt, wo er sofort einer Operation unterm wurde. Die Operation verlief günstig, es wurde die Demroch ist die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn am Davm und den Magen durchschossen hatte und im Rücken steckengeblieben ist. Das Rückenmark ist nicht verletzt. Trotz der allergrößten Bemühungen konnte aber die Kugel nicht gefunden werden. Der Pattent, der einer zweiten Operation unterzogen werden wird, schwebt zwischen Leben und Tod. Dennost ist die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn am Leben zu erhalten, falls keine Komplikationen eintreten. Während der ganzen Zeit, von der Einlieferung des Patienten bis spät in die Nacht, staute sich eine große Menschenmenge vor dem jüdischen Spital, welche eifrig das Verbrechen besprach, und auf den Ausgang der Operation wartete. Man sah unter den Versammelten auch den Abgeordneten Dr. Mayer-Ebner. Vor dem Spital auf einer Bank saß die alte Mutter des zu Tode Getroffenen und schluchzte herzzerreißend. Gegen 11 Uhr nachts trafen im jüdischen Spital der Generalstaatsanwatt Universitäts-Professor D r. C a p a tz t n a, der erste Staatsanwalt A n d r o ch o w i e i, der erste Staatsanwalt Hofrat Lazarus und Siguranzachef P i ch a l ein, um sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen. Die Herren betonten ausdrücklich, daß sie nicht zu girier Einvernahme des Patienten gekommen seien, sondern lediglich aus menschlicher Anteilnahme an dem Schicksal des Verletzte» Noch während sich die Aerzte um den schwerverletzten Falik bemühten, wurde das Verhör mtt dem Attentäter begonnen. Gleich, nachdem der Schuß gefallen war, rief der in der Nähe stehende Polizeikommissär B e n e s c u: „Wer ist der Täter?", worauf Teutu ruhig erwiderte: „I ch!" Noch vor Eintreffen der Untersuchungskommission wurde das Gerichtsgebäude von einem starken Truppenäufgebot und einer Maschinengewehrabtei lung zerniert. Die Einvernahme des Attentäters, die der Untersuchungsrichter D r. Wachtel und Staatsanwalt Androchowtci Vornahmen, dauerte nahezu vier Stunden. Teutu ist, wie er angab, als Privatist für die 7. und 8. Klasse in einem Jassyer Gymnasium eingeschrieben. Sein Vater ist M e ch a n i k e r. Zur Tat will er durch die Broschüre des Professor Diaeonescu über die Mischen Studentendemonstrationen aufgereizt worden sein; in dieser Broschüre wird Falik als der Haupttäter dargestellt. Er habe den Fall in den Zeitungen genau verfolgt, und sei peinlich davon berührt worden, daß die Schuldigen "von den Schulbehörden nicht bestraft wurden. - Er war nun neugierig, welches Urteil das Gericht fällen werde, und sei deshalb nach Czernowitz gefahren, um der Verhandlung bcizrkwohnen. Den Haupttäter wollte er erschießen, doch war er sich nicht im Klaren, welcher dies sei, weil es zwei Angeklagte Falik gab. Während der Verhandlungspause sei er in die Stadt gegangen, habe sich die Sache nochmals überlegt und sei zu dem Resultat gekommen, die Tat nicht zu begehen. Als er aber in einem Klosett auf dem Ningplah die Aufschriften: „jos Cuza, jos Avmata" („nieder mit Cuza, nieder mit der Armee") las, sei er derart in Erregung gekommen, daß er neuerdings beschloß, die Tat doch zu begehen. (Die Polizei hat noch im Laufe des Abends festgestellt, daß die Inschriften in dem bezeichnten Pissoir nicht vorhanden waren.) Nachmittags konnte er sich in den überfüllten Berhandlnngssaal nur durch eine List einschleichen. Hier habe er die ganze Zeit über den Falik beobachtet und nach einem passenden Augenblick gesucht, um ihn im Gert ch t s s a a l z u erschießen. Dies sei aber unmöglich gewesen, da Falik in der Nähe zahlreicher Personen saß und er nicht wollte, daß die Kugel sehlgche. Deshalb habe er dem Falik nach der Verhandlung aufgelauevt, um „für das rumänische Volk Rache zu nehmen." Als Falik die Stiege betrat, gab er aus dem Revolver, den er in der Manteltasche verborgen Hatto, den Schuß auf ihn ab. Teutu sagte weiter, daß er es bedauere, einen Menschen getötet zu haben, jedoch bedauere er es nicht, daß d i e s e r M e n s ch F a l i k i st. Die Frage des Untersuchungsrichters, ob er » Komplize« hatte, verneinte Teutu entschieden. Den Mordplcm habe er allein gefaßt und auch ausgeführt. Um 10 Uhr abends wurde der Attentäter, nachdem ihm wieder Fesseln angelegt worden waren, in einem Zellenwagen dem Landesgerichte überstellt. In der ganzen Stadt herrscht. große Erregung. Die Polizei hat umfassende Maßnahmen zur Ausrechtevhaltung der Ordnung getroffen. Die Stadt sowie alle Bahnhöfe werden auf das schärfste bewacht und alle Ansammlungen verhindert. xxxxxxxxxxxxxxxxxrooexxxxxxxxxxxxxxxxxxr vollen Uwe Wäsche sauber haben solle« Ihre Wäsche schonen müssen daher waschen lassen bei der FBINWASCNANSYALT BIANCA Xllt, LINZERSTRASSE 29». TELEPHON 81-3-81 Itolen und stellen jedes Quantum Wäsche kostenlos tu. waschen Ihre WSsche ganz separat, schonend und blütenweiß, halten Ihre WSsche gegen jedes Risiko voll versichert. 15* Muberanweien. Piraten in de« chinesischen Gewässern. Hongkong, 13. November. Der französische Dampfer „Hanoi", der von Haiphong nach Hongkong unterwegs war, wurde gestern von 2 6 Piraten angegriffen, die, nachdem sie die anamitische Wache getötet hatten, 6 0.0 0 0 Dollar und den Gesamtbesitz der Reisenden im Werto von 2 0.0 0 0 D o I T a t raubten. Ranbüberfalle in Amerika. New Aori, 18. November. In verschiedenen Städten Amerikas wurden gestem Naubüberfälle verübt, bei denen den Verbrechern mehr als 2 6 0.0 0 0 Dollar in die Hände fielen. Kerner der Räuber konnte ergriffen werden. Fünf Banditen haben in L a p o r t e im Staate Jn- Jndiania eine Bank mitten inderGeschäftSzeit, während die Angestellten ihrer Arbeit oblagen, a-usgermibt. Sie entwendeten im ganzen 1 4 0.0 0 0 Dollar. Sns zvsammengeftohleue Warenhaus. In San Franzisko ist plötzlich ein gutgehended Warenhaus von der Polizei geschlossen worden, das eine sensationelle Geschichte hat. Es waren nicht nur sämtliche Waren, die hier verkauft wurden, durch Einbruch gestohlen, sondern Besitzer und Verkäufer waren berüchtigte Mitglieder der amerikanischen Verbrecherwelt. Eines muß man dem Minister T a i l o r, dem Führer der Bande und dem Hauptbefitzer des Warenhauses lassen: Er ist nicht nur ein moderner Verbrecher, sondern auch ein Mann, der für Sozialpolitik nicht unbegabt ist, denn er hat seine Geschäfte nach den modernsten Grundsätzen der Volkswirtschaft geführt. Nach seiner Ansicht sind nämlich die Einbrecher im allgemeinen Dummköpfe, die Freiheit, Gesundheit und Leben aufs Spiel 'setzen, um die Hehler reich zu machen, während sie selbst avm bleiben. Die Einbrecher erhalten von den Hehlern ein Hundertstel des Wertes. Um mit dieser Gewohnheit der Einbrecher zu brechen, hat er das Warenhaus gegründet, wo die Waren dem Publikum im direkten Verkehr verkauft werden konnten. Die Preise waren so billig, Hjj die Polizei darauf aufmerksam wurde.. Lange gelang es den Einbrechern, die Polizei an der Nase hcrumzuführen. Sie hatten für alle Waren ordnungsmäßige Papiere, die natürlich alle falsch waren. Die Polizei konnte nichts unternehmen, da alle Prüfungen einen regelmäßigen Geschäftsbetrieb ergaben. Bei dem ungeheuren Geschäftsverkehr, der hier herrschte, war auch das Nachschieben frischer Ware nicht auffällig. Da wurde ein Posten Gummimäntel zum Verräter. In einer Gummimäntelfcrbrik waren einige Zeit vor der Enthüllung der Verbrecher mehrere 1000 Gummimäntel gestohlen worden. Bier Wochen nach de>m Einbruch bot das Warenhaus plötzlich Gummimäntel zum Verkauf aus. Nun griff die Polizei zu und fand ein so erhebliches Material, daß der Warenhausbesitzer und sämtliche Angestellte, die am Gewinn beteiligt waren, verhaftet wurden. Der Wert der ganzen Ware, die in dom Warenhause vorgefunden wurde, beträgt nach oberflächlicher Schätzung mindesten? 600.000 Dollar. * Auch Wien hatte vor kurzer Zeit eine solche „Sen» sation". Da wurde der internationale, von vielen Behörden des Kontinents gesuchte Juwelenbieb M o r a n s k y verhaftet, der in einer der belebtesten Straßen cim gutgehendes, großes Juwelengeschäft unterhalten hatte, dessen Berkaufsgegenstände — wie sich später herausstollte ~- zum größten Teil aus Einbrüchen stammten. . Set Arlervaragraph Im Spott. Prag. 13. November. Am 21. d. Mwird in Reichenberg eine außerordentliche Hauptversammlung des Verbandes deutscher Skifahrer'in der'Tschechoslowakei die zu dem Zwecke einberufen tourde, um über den sogenannten Arierparagvaphen der Statuten des Verbaudes zu beschließen. Die eventuelle Annahme des genannt«»! Paragraphen tvird nach den Informationen einer Äokalkorvespondenz die Gründung eines neuen Verbandes deutscher SKfah-ver in'der Slowakei zur Folge hriben. an Ol« bor< und HthiumltälMge ist harntreibender Wirkung, glänzend bewährt bei Nieren« und Blasenleiden. Hellt Rheumatismus. us Angenehmer Geschmack! 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