Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2772 (14.11.1926)
- Date
- 1926-11-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2772 Men, Sonntag scheu Mehrheit, ein -Programm, das, wie er sagte, von der „Jüdischen Rundschau" bereits ausgegeben ivücke. Er faßte seine Ansichten dann noch einmal zusammen, mdemi er sagte: ^„Erez Israel all right, jMsches Volk M right, (rnglmrd all right, die englischen Regferungsformen dagegen nicht all right." Man sieht, daß der Appell an eine veränderte Politik der Mandatsregierung vorläufig nicht nur der tragende, sondern der einzige Gedanke des Zionismus ist. Die Presse steht J'abotinsty recht kritisch gegenüber. Km .Hapoel Hazair" äußert sich Gerda Arlosoroff scharf Mehnend, aber auch die Tageszeitungen können im Grunde ihre Enttäuschung nicht verschweigen. Vielfach wird der Vergleich mit Wekzmanns Reden gezogen und es wird gesagt, daß, wenn Weizmanns Kritik am Jischuw und Verteidigung der WLandatsregierung uns außenpolitisch geschadet'habe, so schade Jabotinsky, der alles Ms die Regierung abstcllt und die Leistungen des Volkes als erklärt, uns im Jchnenr Die beckeu palMnensischen ZÜLeiterparteien. Hatzen ihre Landeskonferenzen abgehatten. Die der ,Mchduth Haawo- Jodj" in Tel-Awrw ist bei Msassung dieses Berichtes noch nicht beendet und soll später betrachtet wecken. Dagegen rst. die Konferenz des ,Hiapoel Hazair" in Petach Tiknxch bereits beendet, wck> . sie veckient einige Worte der Betrachtung. Der Hapoel Hazair in Palästina hat immer seine ausgeprägte Eigenart gehabt, die sich aus der Geschichte dieser - ersten palästinensischen Arbeiterbewegung ergeben hat. Heute ist der Hapoel Hazair durch Pie AchduH Haawodah stark zurückgedrängt/ die vor allem m der Stadt wett überlegen ist, wägend auf dem Lande die Hecken Parteien sich ^ungefähr die Wage Halten. Da überhaupt' hie Parteien zugunsten der-Histadruth Haowdim stark in den Hintergrund treten, in dieser aber die Achduth Haawodah $te Majorität und die unbestrittene Führung hat, entsteht sur den Hapoel 'Hazair eine sehr schwierige Situation. Er .ist ein Teil der Hsstadruth', viele seiner Mitglieder stehen sn entscheidenden Stellen, aber er Hut keine Aussicht, in Fällen, wo er von der Politik der Achduth Haawodah abweicht, sich durchzusetzen. Sv rvav denn diesem Problem'der StetiuMd'esi'jHapoelHazair innerhalb' der Histadruth ein großer Teck dm: Konferenz gewidmet und es würde-viel Kritik' laUt, eine Kritik, alleckings, bei. der immer wieder Unterstrichen wucke, daß sie von treuen Mitgliedern der Histadruth ausgehe Und schroff geschieden bleiben müsse Von der Kritik, die vvn'Mßen her gegen die Histadruth erhoben würde. Män LMfierte die ZU weitgehende Zentralisation im „Solel Boneh"!und' ^Hamaschbir", an deren Stelle man, den einzelnen Baugenossenschaften Und'>den'Filialen des M'aschbir eine größere Selbständigkeit wünschte; nran ivmcktd 'sich gegen den „frgjmt mchchutas", das heißt^diä Drgauisierung' arabischer Arbeiter im Rahmen der Histadruth, ntoit verlangte überhaupt stärkere Rücksichtnahme auf den Hapoel Hazair und größere Autonomie der. Parteien- 'gegenüber der Histadruth. Die Konferenz ibeschästigte sich auch mit dem Programm des Hapoel Hazair, vor allem-im Anschluß mt ein Referat Ärtosoroffs, der die alten Gedanken des Hapoel Hazair neU übleitete 'und begründete. Cr bestreitet' Möglichkeit und Berechtigung 'des Klassenkampsgedankens in der palästinensischen WiMichkeit 'von - heute und gibt dem Begriff des Srzialismus, der, wie bekannt, im palä-stinensichen Hapoel Hazair keineswegs allgemein akzeptiert wick, eine Richtung auf das Konstruktive. Seine Thesen sollen bis Kar nächsten Konferenz diskutiert Und erst dort abgestrmmt werden. Endlich sei'aus her Konferenz die Kolonisationsdebatte heworgehoben, die in. der, Forderung nach neuer Kolonisation m diesem Wrhre, Und zwar von 1000 Familien gipfelte. 'Es scheint übrigens, als ob in-der Tat Neukolonisatron rn Angriff , genommen werden dürfte, und zwar auf dem neuen Boden.-des Keren Käjemeth in der Umgebung Mßal-il Diese Krckge bedarf einer besonderen Besprechung. WüMoMveNehr zwischen PaWimr mW dem Irak- Im englischen Unterhaus richtete Mseount Sanldon an den Kolönienmürister die Frage,'ob die neue Gesellschaft, die einen Autonrobrllrorkehr zwischen Palästina und dem Irak einrichtet, im' Besitze einer Regierungskonzession ist, ckt den Transporten ein regelmäßiger militärischer Schutz beigegeben wick und ob jedes Gefährt mit'einer Radiostation ausgestattet ist)' um die Sicherheit der Passagiere zu verbürgen. Das Fehlen einer solchen-Einrichtung irr der Vergangenheit, setzte Biscount fort, hat zu V erlösten <r-v, Menschen und an Maie rial geführt. .. Kolonienmürsster Am e ry erwckevte: Die neue Gesollt schaff wird eine Hauptlinie zlvischen Syrien und dem Irak eirrrichten; zwischen Haifa und dieser Hauptroute wird ein Hilfsdienst.eingerichtet Wecker:. Was die Sicherheit betrifft» so wecken dieselben Vorschriften wie für. die anderen Tvansportdienste zwischen dem Irak und Syrien Anwendung finden. Dieses Reglement sieht u. a. vor, daß sämtliche Wagen vor der Wfahrt amtlich geprüft und für sieben Tage mit Proviant berschen Ivecken; die Schutzboglettung besteht im allgemeinen aus mindestens drei Wagen. Der IrakaÜschniit der Route ist durch Polizeiposten ruck WüstenpatronWen hinreichend geschützt. Auf halbem Wege durch die Wüste, in Rutbah-Wells, befindet sich ein starker Polizeiposten, dev mit einer drahtlosen Station ausgestattet ist, so daß in kurzer Zeit jeder Zwischenfall, sowohl der syrischen als auch der Irak-Regierung mitgeteilt wecken und Abhilfe geschaffen wecken könne. Wiener Morgenzethms u. November Als PeWra in Nrrüiczew war... Ae MrdbrM«rba»S«' mw ihre Mehreren. .. fittfcj . Ach halte es für msme Wicht, der jüdischen OeOönil-Weit den -VsrLaivs von zwei Konferenzen beknttttAiigelben, die ich Gnde Dezember 1916 mit dem Ober-Müman Petljura in Gerdiezew hatte. Ms der euckpässche Kwiog' -auVbra<tzf.''Mvich -«M> meiner FcmMe von Lodz nach Beirdiezews veM-ivb dort bis zur Wieder.- evrtchttmg >des polnischen Staates und kam dann wieder nach Lodz Mrück. Während meines Aufenthaltes in Bermeiner GebuMskckt, wurde ich Mtglied der städtisch en Duma, oder, wie sie später unter der nikrainvschen Herrschaft -hieß, der „MÄjsLa U'pvawa". Er Berdiezew' war es wahrend der ganzen Zeit riW^.- - Jim Dezember 1918 .ba-m Petliju-ra .mit seurow Stad nach' Berdrozew und' schlug in Eisenbahnwaggons am Bahnhof sein 'Quartier, auf. Gleich nach feittct SSit* S. SCHEIN gNUR; 1., Bauernmarkt 12^14 M Größtes u. ältestes Haus der Branche Perser« und Smyrna-Teppiche Teppiche aller Arten Bettvorleger Bett« und Tischdecke« Ottomaneliberwßrfe Vörhäpge Halhstores Steppdecken 8240 Flanelldecken Möbelstoffe!! Bei Wlsl Auswahl ksnlnirrenzlos billige Preise!l Besichtigep Sfe ynsiire 33 Schaufenster! Im Souterrain des Teppicllhauses zurüdegesetzte Teppiche und Vorleger mit kleinen Webefehlern . zu enorm billigen Preisen. kurvst verbreitete sich der Schrecken in der Stadt. Es ereigneten sich bald mruzeLne Usbevsälle von Soldaten iPetljuras ans Juden, die mtßhandeN -und -ausgera-ubt wurden. Diese Einzetfälle verursachten damals keine besondere Erregung, denn, aus dep. nächsten .Um-gebmrg waren Mitteilungen über Atrwdübemfälle der PstLima- Lente eirrgelairgt, die an GräusamKevt nichts zu wünschen übrig ließen. So zum Bchfpiel hatte der Ataman Titf-un-i-E in dem nahegelegenÄr Städtchen P<r-ir-»x-i sechzig der a«igeWensteu und vorm^mstsn MWe» Bürger in die Synagoge befohlen, nutet dem Aovwand, mit' chnen wegen der Werprovlantieru-NH ferner Leute zu ver> handsln. Ms sie versa-nrmÄt waren, ^wurden sie von den w'Ä'de!ste.n Guliga-ns der PMura-Keute umringt, und buchstäblich abgeschlachtet. Die Leichnam« di'Ssor s-sWg Märtyrer.wurden in- Mücke aiefchmtten. Unter den EvmovdÄen besanrd W auch der RMbiner der Stadt, Israel Hersch Beizis, der Wovstoher Gerson Margulies, dsr angeseyelw^ 'PMantrop Moses Lamed und andere. Kurch^ar -war.das Wehklagen der Sterbenden und der Lebenden, äbsr .memmrd wagte es den wildem Wtor-bubeir entgegensntreten. Später wurden die Lvichenteille. so >gnt es ging, -gesammelt, u»ck in einem gsmeinsamen Grab bestattet. Es war ein furchtbares^ sserzerschüttsrndes gräbnis. « Solche nitb andere Nachrichten über Greueltaten der elljuva-Armee gelangten aus der ganzen Umgebung nach erdiezew. So zmn BeWel.tvrKen die Petljura-Eanden in einem anderen Städtchen bei Berpiczew, in . W a chnowke, . alle Mischen Einwohner des Ortes mit ihre« Frauen und Kindtzr« znvt Fluß und warfen fie in die reißenden Wellen; die metsten ertranken. Bloß einigen wenigen gelang es, sich zu retten. Ms Pettstrra in HSWvigener Person mit seinem Stab auf dem Bahnhof von Beckiezew QuavUer rnrhm, ging ein Todeszittern durch alle Juden der Staht. Die Ungelvißheit dauerte nicht lange. An einem Frühmorgen im Dezember Mcken die Juden in der Stadt durch furchtbares Wehklagen unib Schreien in Schrecken gesetzt, das yon der Bahnstation in die Stadt drang. Man erfuhr Sold, welch schrEche Metzelei verübt wurde. Ein Zug war angekommen. Me Potljura-Leute schleppten aus den Waggons 23 Mische Pchchgierk heraus sab mordeten fie alle nieder. Me tzrmockcksn waren zumeist Stadt fremde ,einige waren m Bevdiczsw bekannt. Unter den Opfern dieses Massenmordes befand sich auch ein Berdiczewer Jude Ghosim AlütHst e i n und ein bekannter jüdsscher Advokat ans Rom Är. B oxar. . In Beckrezew war die Stimmung eine furchtbare. In einer Sitzung wurde, beschloffeu, die Wischen Mitglieder des Stadtrates zn Petttzu» ms H«mptq»«»tkr . zu entsenden, um ihn zu bitten, daß seine Soldaten bfe Judenmorde einstellen und daß die Leichen der 23 Ermordeten der Berdiczewer jüdischen Gemeinde bühufs Bestattung herausgegeben vrerden mögen. Dieser Deputation gehörten Leib T a r s ch i s, Ehasim L i pe c und ich an. Wir drei wurden nach peinlichem Berihor durch die Wache in den Waggon gebracht, der »Petljura. als Em^" fangsfalon diente. Er faß in Gesellschaft des Atamans OsMka und anderer Mitglieder seines Stabes. Wir erklärten ihm in russischer Sprache den Zweck unserer Borsprache. Als mir ihn baten, die Leichname herauszugeben, tat Petljura sehr erstaunt und antwortete uns in ukrainischer Sprache, daß er nicht wüßte, daß man ans d-er Station 23 Juden umgebracht hätte. Er versprach eine Untersuchung einzuleiten und hieß uns am nächsten Tag wiederzukommen. Wir waren alleckings noch mehr verwundert über die Antwort Pettjuras, denn es war doch unmöglich, daß er vmr der Ermordung der 23 Juden nichts gewußt habe und nicht ihre ftrrchLmse« Wehklagen gehört hätte, da er doch sich selbst im der Bckhm station befand. ' Wir gingen am nächsten Morgen atzerrmcks zu Petljura. Diesmal empfing er uns bereits im Waggon an-- geduldig und stähen-d, und fertt^-e uns rasch ab. Er wvr sehr böse über uns und erWirte, wir Hütten gelogen, es feien Werhanpt keine Juden m der BnMtvÄv ermordet morden. Die Judtn wollen offenbar mit dieser AnKaM^feMeMMse verleumden und beschimpfen. Wir mußten abziehsn. Die Leichen wucken E' «ÄM ausgeliefert. Später erst erfuhren wir, daß schon an >t Tage unserer ersten Unterredung die PetlWa-Leute Re 3Z jüdischen Leichname nach Kars<a-tmn fe^rWen aus einem Hügel vergruben, um die Spuren der Mordtat zu vermischen. Das ist die Geschichte unserer zwei Andcknzen ÄÄ Petljura, der auch weiterhin sein Hauptquartier auf dem Bahnhof von Bediczew hatte. Es hat nicht lange gedauert und schon am 15. Jänner 1919 hatten wjr im Bv-Ddi.c zew selbst einen von den PetlsuraSoldateu verübten Pogrom. ,Sie gingen von einem jüdischen Haus pn anderen, plünderten und mocketen die Juden. Wem es glückte, verbarg sich in Kellern oder sonstwo. An diefeo»- Dage metzelten die Petljura-Banden in Berdfezew 158 Jicken nieder. Der Kommandant der Pettzura-Ar-mee ^iu -BedieMi war damals Scheffel. Als es wieder ruhiger wurde, hiMen die Juden abermals eine Sitzung ab, in welcher beschlossen wurde, daß die jüdischen Stadträte b-e^i d e m B ü r g e r Meister vorstellig werden, damit er beim Stab Petljurys interveniere, dcnnrt die Judemnocke ein Ende nehmen. Der Bürgermeister intervenierte bei dem Maman Oskilko, der am anderen Tag «r eine Sitzung des Stadtrates kam und versprach, die Ruhe wieder herzustellen, memr ihm Proviant, Wäsche, Oberkleider, Stiefel und andere Gegenstände für seine Anuee nach einer vorgelegten Liste ausgefolgt würden. Oskilko erhielt alles, was er verlangte. In Berd'iczew wurde es etwas ruhiger. Aber in der Unlgebung der Stadt haben die Petljura-Banden weitergepli'mdert und chve Judenmetzeleien fortgesetzt. So kauren die schauerlichen Pogrome in den Städtchen^ P o g reb kfzczt, Machnawke, Chodorkow und in vielen andere Städten. Jüdisches Blut floß in jStrSmen, jüdisches Hab und Gut wurde in alle Windrichtungen ver» schleppt und jüdische Heiligtümer wurden geschändet und mit Füßen getreten. Genau so, wie ich niemals, solange ich tobe, fern' Massenmorde vergessen kann, wecke ich aar jene zwei Audienzen vergessen, die wir in seinem Quartier am Berdiezewer Bahnhof hattM. «(IS Mmtm VlylUynttttM. Serien, 18. November. Für das mn 17. NovrÄödrmn Equitable-Palast beginnende internationale Schachturnier, das von der Freieil Schachbereiiügung veranstaltet wick, hat bereits eine Reihe von lmmhaften Schachmeistern Gr <Se* scheinen zugesagt;. so B o g o l j u b o w (der Sieger drS Moskauer Turniers), Grün selb, der Schtveizor MH». Meister I ohne, der belgische Meister Colle.Die JttsiM einer Reihe anderer Meister wird noch ettvaÄet.