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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-14 · Heft 2772 (14.11.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2772 (14.11.1926)
Date
1926-11-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Bfen, Swnrtbg MeE MvrKttqMWkH N. November W2S 4K. SSW Brief aus Palästina. WeKgewood — Jabotirifky's Schlnßredett. Konferenz des Hnpoel Hazair Von De. Fritz LSwenstein. I-r.r'li s <r l ein, 'den 2. November. Die nernne Miedorkchr der Balfourschcn Deklam'tion nM» imöer den gegenwärtigen Umständen in Palästina mcht b^stMews festlich begangen. Sie könnte ja höchstens zu einigen Witteren Vergleichen Anlaß geben, die anzust?tl>n um: nicht ans den '2.' November zu inarten branchelk.'Aiilmerhru findet in Jerusalem stientc im kleinen'Kreise cine/Fcier statt, die ihr besonderes -Gevräge durch die Anwesenheit eineS Mannes bekam inen wird, der sich in guten und! bösen Tagen unnmndrlbar ol* rin wirklich echter und. rvahrer Freund unserer Lache erwiesen nar. nämlich des britischen 2hchekterführers kuw PäAamcnr-'inl.gfiedes Colonel Josiah Wedg^wö od. der seil einigen Tagen i«t Lande WM. Ee-kstlt bereits I.?,-!> sa'.ern besichtigt, mit den Mrrnden-Per-' sönlichkeiten) darunter auch.dem High Conrnnssioner, Füh-' lrmg genommen und wird in den nächsten Tagen in Mgleiinttg des Leiters mtseres Kolonistttionsdepärtemerrts, seitws engeren Parteifreundes sbaplnnSky, das Emek'besichtigen, um daun über Haifa.uud Tel-Awiw das Lund verlassen. Sein Besuch wird gewiß dazu beitragen, dlestM Verfechter einer aktiven britischen Politik in Palästina neues Material fiir feinen Kampf gn verschaffen. * Wir haben in unserem vorigen Beruht bereits'. eines ruderen Gastes gedacht, der im Augenblick in PÄqstnra töcilt. Wir haben ausführlich über die ersten, beiden Vorträge Jabotinsky berichtet. Es mag inzNnschon noch nachgötrageu werden, daß die vor: revisionistischer Seite verbreiteten Nachrichten über 'die Begeisterung, Mt 'der 'JÄbotinsky attsgenommen wurde — man vergleicht darin zimr Beispiel den ihm bereiteten Empfang mit. dem Emp- LOMBARDIERTE PELZE Harren*, Oamefikanrektion and Raahwnren in grtßtofr Auswahl bWFgat abzvgeben bol 124 im «ntCHmua » i»kqb «hwokz JSUrsehn&MRofaJor Wfcw. , e.,2., Erttypaa* 4 2ogoft<r: Seuarnmärit* 14 sauge Balfonrs — maßlos übertrieben sind. Es ist an dieser Stelle bereits betont wöttden, daß Jabvtiirsky große und berechtigte Sympathien wegen seiner Leistungen in Palä stina genießt und ebensowenig ist verheimlicht ivordeil, daß die revisionistische Bewegung überhaupt heute irr Palästina viele AnMvger findet, zumal sie die einzige Form ist, in dev sich, heute die eigentliche politische Opposition ..hier äußert. N«mmt mmr Mepc die saszim'ercnde RednerMe JabvtinfM wä> die FrMrdr an Sensationen, so eMirt sich, daß seine Versammlungen übersulkt. waren. Von der Jcvusatas«V«Brm»nbmg f'che^ialls'kmrninM: n>m lager», daß der dort zutage getrSMe Beifall nicht über doS Niaß dessen hmaus Mg. was m MlksverLamnrlungen überhaupt üb-, lich ist. In .Del-Awiw, wo Vre Rot am größten ist. scheinen Mch.- ^e^koußeMWN 'der>degKjLru«g..qtzE Mlö-' gewesen sein. ' . . ' Ältch'Re Rede in-Haffg^ die dritte ans dem vievgl-redrigSttZykkuS, galt der Krttik, rriM per Begri'mVüug -eines eigenen Programms, und zwar beschäftigte sie sich mit der' „Illusion von der Jeimsi) Agench", einem Thema, dent aüch die amvergleichliHe Redegabe Wbo-ünfkys tan NkUo Seiten: abzugewinnen vermochte. Am 30. Oktober, am Sabbat, hielt dmm :Jabatinsky im Beth. Am jn Tel-Aiviw seine Schlußrede, die. endlich das bringen sollte, was schon seit langem von. den Revisionistenerwartet und verlcmgt wird, , das Programm. Wir meinen nicht die Liste der Forderungen, die imr an die Regierung zu -stellen haben: hier herrscht ziemlich weitgehende Uebereiustimmrmg und Jrbotinsky wiederholte in Tel-Wviw nur das, was er in früheren Reden darüber gesagt hatte, was au dieser Stelle häufig genug gesagt worden ist uud was heute Gemeingut fast der ganzen Zwinstkschen Organisation getvvrden ist. Als bemerkenswert mm; höchstens hcrvorgehöben werden, daß für Jabotinsky die Bodenfrage durchaus als die zentrale Frage erscheint. Wenn wir ein Programm fordern, um zu sehen, wie die Revisionisten die Zionistische O'rganffation führen würden, mcmt ein .Kongreß sie damit betraute, dann denken wir an ein Programm der Zionistischen Or- ' ganisativn und ihrer -Arbeit, die sich hoffentlich doch Mhk ans Forderungen an die Regierung beschränken wird. :Jabötinsky hat diese Fragen in TeWÄwiw angeschnitten, aber -was er sagte, fantn bei bestem Willen wicht Ms eSn aür swe-i ch e wd e s P r o g-r a m m? a it ge s e h eit uni vd-em. Die entscheidende Frage nach der Finanzierung des'Aufbaues beantwortete Jabotinsky, indem er M as s e npr-i>- paganda verlangte, was doch also eine lveitere BersLirknng der nattvnalen Fonds im Sinne der gegenwärtigen Politik bedeuten lvürde, während er ilv einem wetteren- Mvogrammpunkt gerade im Gegenteil sich gegen die S-amr-' m-el<tätigkeit wandte und statt dessen die Sch^afsiu.n^. selbst'ändig-er Fiuanz-iustitU-te der .M^n>egm-ng verlainsie. Es ist unmöglich, in dieMi. tvenigen IÄrten ein -wirkliches Programm "zu erkennen und der .Eindruck' bleibt bestehen, daß,, vorsichtig ausgedrückt, die Revisiouisten noch ein eigenes .Wirtschastsprogranrm stu'che n, wie denn Jabotinsky seine Anwesenheit in Palästiim benützt hat, um - hier aus Anhängern und Freunden siiner Betöeguug eine wirtschaftliche Skudieukommission ins Leben Kr rufen. Vom sonstigen Inhalt seiner RÄe sei hervorgehobtnr, daß er nachdrücklich m wivtWrstliche Ne'lü'rMtäl des UevrsionisnMs' zwischen rechten und' linken 'Partien'Monte, wo'die nÄV nale Idee, den Vorrang haben müsse. BoräussetzUitg für-Me Erwetteruug der Jennsh' Agency sek die Zustimmung der Nichtzionisten zUm' Programm der Schafftmg einer fudi--!W» ■' gg» ■ J ——1Bl'"!B" KEeLpUNS, Mr Sport-^vstüMs^ IW 6M b-reÄ ' §! Kostürnstolf, t40 cm breit . .;> .> . I SpoFt-SdhpItten, T30: cm breit . . . . . . . > - ». /! T Shetiand, 140 cm breit . i.. v ,; r | '•! Ra#antmd Manietekrfle, Wd c-m bi?eit . . . , 3*§0? dier TABORSTRASSE Bfe. .4$ es ist fär Sle m ^oi-teife! ' Höher sind Stefan Zweigs im' klarsten' Stil. vyrge5.) trageiw vier, Geschichten aus - Kinderland zU werten, die er unter dem I Titel „Erstes-Erlebnis" im .Jnselverlag her-7 atzsgab. Im „Brennenden'Geheimnis-" führt der Dichter,- eine reiche, verheiratete Jüdin vor, die durch ihren ftühreisen, wachsamen, ahnungsvollen und deshalb unsäglich leidenden energischen Knaben Edgar vor einem gefährlichen. Verführer gewarnt und vordem unvermeidlichen - Wll bcivahrt tvird. ' Aus dem Leben seines reichen Gemütes schöpfte er königlich in dem ziveitem Gedichtbuch „Die. frühen Kränze". Diese Lyrik, schl icht bei allem Bilder rei cht um, echt bei hö chster Kilnstfertigkeit' und Wortvollendung, tvird kaum veralten, mag auch iliancher Expressionist über sie als zu natür lich und verständlich. den Kopf schütteln. Jüdisches findet man in dieser Sannnlnug' nicht viel, doch das Wenigs ist charakteristisch. . - Bezeichuendcrtveise heißt ein später erschienenes Buch „Fainnen". Was treibt ihn durch die Welt? Neugier, Wan--- devlust, Unrast, Bildüngsdrarrg? Alles ein jüdisches Erbteil. Noch tvir-d ihm-Heimat jedes Land, dem er gerad zU Gast ist. „Den hellen Straßen geht er nach wie Stäub, dernach den. Rädern Kennt, gern rastend unter einem Dach, ivo nicht - ein Herz das seine kennt. Landsahrer ward er mit - deM: Wind... Ein, Träumer in die runde Welt, der wegtpärts tvandernd schon vergißt, tvohin der eigene Sitm ih»t schnellt.- nnd ivo'sein Herz zu .Häufe ist..." ' Da kam der große Krieg und Stefan Zweig schwieg lange. Andern überließ er es, von Begelsteruilg zu. übersließen. Selbst, vertiefte sr sich in das. nngeheUre Leid der M-ensch'heit,. dqs zu seinem eigenen wurde. Schnterzvolles erlebte er - an Belgiens. Schicksal, an .seiner smnzöstsihchc Freunde HäßaUsbrüchen und -an-der galizischen Flüchtlinge' , unsagbarem Elend. Und er versenkte sich in schlaflosen Nächten in -die Geschichte seines Volkes: (praetz wurde ihm F'uudgrube, ^roft.und Wegweiser. Das große Erlebnis chars da. -Es -entstand „Jeremias", seine tiefste Dichtung. MÄ Wesen - des "Propheten, des jüdischen Sehers, -hat vielleicht niemand bisher so richtig ersaßt, mic Stefan Zweig. Seine biblische Tragödie ist. eme -m?iitzvem GMe und MchM Irdische Dichtung. Ich gebe zu, daß Ztveßg ohne den WvMLeg vüelleicht nicht, dazu gekommen wsirc, den Jerennas, tme or vorliegt, zu dichten, auch betone ich, daß er in. seiner Fornr rw.ch zu sehr Westeuropäer ist und nicht immer den altjüdischetl, den.schlichten biblischen Ton trifft. Aber unbewußt vielleicht gcck Zweig im „Jeremias" An Echtestes, da w zu seinem Volke sich fand. Hier kormte er' einen Helden erspähen, der ihm am bestatt in der schwersten aller Zetten entsprach. Eineir Helden, der über menschlich an dex Not der Zeit litt und sich gegen die rohe GelMt wendete, den Krieg verdammte und zn verhindern, -zu überwinden suchte. Einen Helden, in dem die Friedenssehnsucht so groß urck kies war, daß er eher einer Demütigung das Wort redete, als einem ungewissen Kampfe. Nicht aus Feigheit, auch nicht aus Liebe zum Leven— denn sein eigenes null er gerne preisgeben trotz' seinem überschwänglicheu Hymnus auf die Köstlichkeit des Daseins, sondern aus idem BeMcßtsettl, daß das Schwert den. Kampf nicht entscheiden kann. Denn der Geist läßt sich nicht besiegeil ein Volk des Geistes auch nicht. Ein echt jüdisches Motiv' Leider hat es Zweig nicht so herausgearbeitet, luic dies fes verdient Mitte, nur zum Schlüsse deutet er. desem Grurrdgedankeu au. Großartiges, Schauriges erlebt und verwert der Dichter zu danteskein Mldern. Grauenerregendes MsMeht »rnd voWeht sich in seinem Drama. ' Eines Volkes schlveres Schi'chal silldet grausaulen,' grausigen Abschluß. Seill Wahrzeichen, sein Heiligstes, der Tempel, wird zerstöet, die Selbständigkeit, die Freiheit wird - vernichtet, die Heimat wird zerstampft, der König wird verjagt, das Volt in alle Windrichtungen zerstreut. Aber kein Ahschluß. seines Bestehens sollte es sein. Es rafft sich auf und erhebt sich ails tiefster Qual mid Er- ,, niedrigung, von dem Propheten, dessen Borhersygungen' sich bewahrheiteten,, ermutigt, aufgerichtet, liub lebt fern' - von der Väter Heimat und trägt in sich hie S.'hlisucht nach ihr. Das Herz krcunpft sich beim Lesen des grandioserr Schlußchors zusammen vor Schnwrz und vor Hoffnung. Wer uns so zu ergreifen vermag, ist em großer Dichter. Ob auch ein natkonakev? Das wÄl ich nicht bchaupten. In Stefan Zweig Mag sich sogar der Wunsch geregt haben, Ms nicht auf das Nationale festzulegen. Aber antinational Mer «national im höheren Sdm schemt nun dieses Wert im Grunde ödch! nLcht zu fein, twtz der mir übrigens unpasser^ vortaMendeu, .eher retvoßpeMvowals prophEschen AnsWungeu aus dtzrt Opsertod am Krruzx,. die Äh, vielleicht Mit Unrecht, auf RedHokd Sarges katholifievenden „König David" zurückMhre. UeberblM man das Schaffen des kaum Merzigjahrigen, so stellt sich an ihm folgendes als jüdisch dam ferne Regfanrkekt, feine Hilfsbereitschaft im Leben und Anschmiegsamkeit in der Künste seine Meksettrgkeit, doch gepaart mit Klugheit, die ihn vor der Zersplttterung bewahrte; krittscher Skur; Wißbegier und UnzufriedenhM, woraus das Strebsarnie sich erWrt. .Auch das Wänderhaste, das in dem Buche „Fahrten" uud in so vielen Gedichten zutage tritt, ist nicht nur ererbte Unruhe, sondern jene Weltueugier, die sich im Literarischen dann in Psychologie Vevwcntdett. Endlich fern hochentwickeltes ' soziales Empsiuden und seine lohvtide Friedensliebe. Aus denk Drange, alles zu begreifen, der ein inejerttlicher Teil seines Schaffens ist, ecEtäteu sich sein interessantes Kantmerspiel „Legende des Lebens" nnb sein Versuch, drei Meister des. neuzeitlichen Romaris, Balzac, Dickens und Dostojeivski, zu ergründen. - Es mürbe zu weit führen, wollte ich dieses Romain Rollanb gewidmete Buch Stefan Ztveigs, seine Vkethode und seine Ergebnisse beleuchteii, oder jene herrlichen Sätze hcransgreisen, aus denen jüdischer Geist sprüht und der -Kenner der Bibel in Mldern spricht unb der Lobsäüger des Leidens dem Rätsel und Märtyrer Dostojäjoski sowie dem starken wunderbare Leben jubelnd huldigt. - Ich rvill schließen: Stefan Zloeig ist sich txeu und schreitet, schaffend im Schatten großer Meister, denttilig ernst, urrbeirrt den Weg zur Meisterschaft.

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