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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-11 · Heft 2769 (11.11.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2769 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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fj Leite 4 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzetturrg 11. November 19S6 Nr. Ztm Gram im Gefängnis ertflÄ habe. Zu Liang-Sun ge« wendet, fügte er: „Du hast Dschin-Li bis zuletzt als dein Weib bc,handelt. Hier -hast du den Schlüssel zu ihrer Zelle, lasse sie abholen und gewähre ihr -ein BegrAmis nach ihrem Verdienst." Liang-Sun aber entgegnet«: ,,Jch 'liabe es mir überlegt. Dschin-Go als erster Gatte <hat Loch auch Anrecht auf die Tote. Mag er sie also begraben!" Nach der Protokollierung dieser Anssage wandte sich der Richter an Tfchin-Fo: „DschinM ist nunmehr dein. Willst du sie ails ihr Gatte bestatten lasten?" griff nur weinend nach dem Schlüssel, da ihn der Schmerz keine Worte finden ließ. In der -i.'lle siol die lebende Tsch'm-iM ihrem immer geliebten ' i rrascht-en Tschin^o um den Hals. Nach der Ausklärung über seine feine Lift sprach der kluge Richter zu Liang-Sun: „Du 'hast die Probe nicht bestanden. Die Tote wolltest im nicht, also gebührt dir auch nicht die Lebende." Dschin-Fo und Tschm-Äi leibten noch viele Jahre im Glück ihrer Liehe amd Treue. Hundert Jahre Brom. Die Entdeckung des Broms jährt sich dieser Tage zum 100. Male. Der Entdecker war ein che mische Hilfsarbeiter an der Naturwissenschaftlichen Fakvltör in Mvntpellier namens Jewme Balard, btt diese entscheidende Leistung seines Lebens bereits mit 23 Jahren vollbrachte. Er gab dem neu entdeckten Element zunächst den Nanien Murid; der Name „Brom" wurde später mit feinem Einverständnis von Gay Lussac eingesührt. Montpellier hietz dieser Tage eine Feier zu Ehrm BalarW ad. Der »m der hebräischen llniverfiM in Jerusalem. Vergebung an einen nichtjüdischen Architekten. — Ein Protest des Ingenieur-Verbandes in Palästina. Der Verband der Ingenieure und Architekten Palästinas sendet uns die folgende Erklärung: Der Verband der Ingenieure und Architekten iPaläfiinas hat bereits in der vom 25. bis 26. September 1926 inTeL - Awiw abgehaltenen Jahres>konserenz in einem energischen Proteste Stellung genommen zu der Tatsache, daß die Vergebung des Projektes für den Bau der jüdischen Nationa-lbibliothek in Jerusalem nicht auf dem Wege des allgemeinen Wettbewerbes erfolgt ist. ) Nun stehen wir vor der weiteren Tatsache, daß auch das Projekt fiiite den wichtigen Zentralbau der heb r äisch en Universität in Jerusalem nicht auf dem richtigen Wege eines Wettbewerbes vengoben wurde. Die an und für sich befremdende Erscheinung, daß -mit dem Baue der hebräischen Universität in Jerustckom ein Nichtjude ausgezeichnet wurde, soll nicht ursächlichen Gegenstand unserer Stellungnahme bilden, obzwar sich die jüdischen Bankünstler in der internationalen Baukunst eine vornehme und achtunggebietende Stellung erworben haben. Der Bau der hebräischen Universität in Jerusalem ist nicht eine Angelegenheit eines V e r w a l t u n g s - a u ss chu ss e s, welchem die materielle Leitung dieser Kulturstätte obliegt, sondern ist ein Gegenstand eines besonderen geistigen Interesses des ganzen jüdischen Volkes und auch der Kultuvurenschheit. Die bedeutendsten Vertreter der internationalen Wissenschaft, Juden und Nichtjuden haben ihren wissenschaftlichen Namen mit der hebräischen Universität verbunden. Die bauMnstlervsche Lösung des Universitätsbaues in Jerusalem ist ein Problem der internationalen Baukunst im allgemeinen, der jüdischen B a u kiüi n st l e r i m besonderen. «Ein Komitee, bestchend aus sehr achbungswerten Persönlichkeiten, welches das Urtei-lsrecht in baukünstlerischen Fragen für sich nicht beansprucht, und das Hm niemand Anerkennen wird, ist n i ch t das Forum für die Lösung des Universitäts-Projektes. Ein. allgemeiner Wettbewerb und eine 'Jury, der anzugehören sich die Großen der internationalen Baukunst zur besonderen Ehre anrechnsn würden, ist das einzige und alleinige Forum für die Lösung dieser Frage. Im Namen des Verbandes der Ingenieure und Architekten in Palästina und im Namen der jüdischen Technrkerschcuft der ganzen Welt, protestiert das gefertigte Präsidium gegen dieses unberechtigte Vorgehen, welches in seinen Folgen dahin abziolt, -die jüdischen Baukünstler vom UnivevsitätAbau prinzipiell auAzuschl testen und welches geeignet ist, der jüdischen Architektenschaft d..! Stempel der Inferiorität auszudrücken. Es erhebt die berechtigte Forderung, das Projekt der Hebräischen Universität in Jerusalem in allen seinen weiteren Bauteilen auf dem Wege des öffentlichen und allgemeinen Wettbewerbes zu vergeben. Das PMi'dimn des Verbandes der Ingenieure und Architekten in Palästina: Immanuel Tuwim Sekretär. '^'chard Pacovskh Präsident. Kogsn silo vlrken vorbeugend unä lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen Salifdll - Knoblauclitropfen. Vorzüglich bei Frauen ln den Wechseljahren. Preis S 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz. Sie Nombenenplosioa In Lel-Awlw. Ursache — ein Blindgänger Jerusalem, 10. November. (I. T. A.) Die Ursache der Bombenexplosion in der Kalischerstraße zu Tel-Awiw, durch welche zwei Kinder getötet und ein junger Mann schwer verletzt wurden, ist nun aufgeklärt. ES handelt sich um einen sogenannten Blindgänger, eine Granate, die in der Kriegszeit wahrend des Bombardements von Jaffa eingeschlagen und damals nicht explodiert war. Die spielenden Kinder hatten nun die Bombe ausgegraben, wobei diese explodierte. Der Siebstahl an der Krakauer llnlversttstt. Verhaftung des Täters. — Der Kassier der UniversiM mitschuldig. AUS Krakau wird uns gemeldet: Als Täter in der großen DiebstahlSaffäre der jagellonischen Universität in Krakau wurde ein Schlossermeister aus- Wieliczka, Stanislaus Zap ior verhaftet. Zapior war auch! der Verwalter der Güter des Kassiers der Universität Ziemianski, was die Spur auf den Quästor der Universität lenkte. Die Untersuchung ergab, daß die Beamtin der der Qnästur Antonia Nawrocka, die Initiatorin des Tiebsiahls war. Der Einbruch wurde schon seit langem geplant und man wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, und einen größeren Barvetrag in der Kasse. Die Nawrocka übergab dem Schlosser einen-Originalschlüssel, den diesern achmachte Tie polizeiliche Untttvsuchungskommistion fand den größten Teil des Geldes, und zwar 103.000 Zloty in einem unbewohnten ^dniner im Hause des Ziemianski in Wieliczka in die Wand eingemauert. Nach a: ..cijcm Leugnen mußten alle drei den Diebstahl, vzw. öle Mitschuld znge'öen und wurden verhaftet. Der Kassier der Universität stand bereits früher im Verdachte, Malbers.itionen verübt zu haben, diese werden erst jetzt inS richtige Licht gerückt. tzinigung der oftgaWfchen Zionisten. Lemberg, 9. November. Aus «dem Parteirat der Zionistischen Organisation Ost-Klempo'Iens in D r o h obycz gelang es, eine r estl os e E i n i g u ng der ostgaliJischen Zionisten, deren Meinungsverschiedenheiten schon sogar die Gründung von zwei Organen („Der Morgen" und „Das 9kaje Dagblati") verursacht hatten, herbeizuführen. Die beiden Blätter werden zu einem offiziellen Organ fusioniert, das unter der Redaktion des Abgeordneten Frostig stehen wird. Kn Protest gegen kmar Reaktivierung. Bukarest, 10. November. (I. T. A.) Die jetzt in der Mehrheit aus fortschrittlichen Professoren sich zusammen, setzende juridische Faikultät der I a s s y e r Universität legte gegen die Wiedereins-chuug des Antisemiten Euzain sein Professorenamt P r o t e st ein. Kompromiß über die Arbeiter- und Bugeftelltenversicherung. In einer Parteisührerbesprechung wurde gestern eine Vereinbarung über 'hauptsächlichsten Streitfragen der Ang stellten- Ult^d Arbevterversicherung erzielt. Danach geben die.Sozialdemokraten ihren Widerstand gegen die Einführung des Proporzes bei den Wahlen in die Leitung der sozialen Versicherungsinstitute auf, behältm aber durch die Zuteilmrg einer unverhältnismäßig großen Zahl von Borstandsmit-. gliedern für die Arbeitenrehmerkurie die Möglichkeit, die bisher von ihnen verwalteten Kassen auch weiterhin dirigieren zu können. Da die Beratung des Angestelltenversicherung'sgesetzes bereits weit vorgeschritten 'ist, wird es jetzt voraussichtlich noch vor Jahresschluß erledigt werden können. Ueber den 'Inhalt des Kompromisses tviid amtlich irtttgoteilt: Nach längeren Verhandlungen kam eine Verständigung über die Zusammensetzung des Vorstandes uttd des Ueberwachungsausschusses der Krankenkassen und der »»»I IMI Haben Sie Khon alle „Wiener raontenzeituna afoonnleira? (( ■MimaiiMiHii Oberstetten der Arbeiter mW Angesteliteuversicherung zustande. Die Hauptversammlung und der Kassenvorstand sollen zu vier Fünfteln aus Arbeitervertretern und einem Fünftel aus Vertretern der Arbeitgeber, der Ueberlvachungsausschuß aus vier Fünftel Vertretern der Arbeitgeber und einem Fünftel Vertreter der Arbeituehiner bestehen. Die Rentenansschüsse und die Oberstellen der Arbeiter- und Angestelltenversicherung sotten paritätisch zusammengesetzt werden. Für alle diese Körperschaften gilt das Verhältniswahlrecht. Minister Dr. R e s ch stellte in Au Z sicht, in den nächsten Tagen konkrete Vorschläge über die Organisation und die Kompetenzen der einzelnen Organe der Arbeiter- und Angestetttenversicherung vorzulegen. 'Sobald über diese Fragen eine Einigung erhielt sein wird, sott die Beratung über die Arbeiter- und Angestelltenversicherung im Ausschuß 'für soziale Verwaltung unverzüglich sortgesteht weiden. Ser zlonlftlsche Parteirat. Die Wahlen am 23. November. Das zionistische Landeskomitee teilt uns mit: Die Wahlen zum zionistischen Partei mt finden nach dom für den dieSjAhrigen Delagiertentag beschlossenen Wahlregulativ am 23. November 1926 statt. Der Endtermin für die Nachzahlung der Parteistouer fertme für die Vorlage der Mitgliederlisten ist der 18. November l. I.. 6 Uhr abends. Die Einsichtnahme zwecks eventueller Reklamation kann ab 18. November bis 21. November l. I., 12 Uhr mittags, im Bureau des Zionistischen LaudeSkomitees, Wien, 1. Bez., Kärntnerstratze 28, erfolgen. Der diesjährige zionistische De-Iegiertentag hat mit Bezug auf die ParteiratN.va'hlen nachstehende Statutenänderungen beschlossen: § 18 a. Der Parteirat wird auf di« Dauer eines Jahres, d. i. von einem ordentlichen Del-egtertentag bis zum nächsten gemäß den Bestimmungen für rite Wahl zum Delegiertenrag gewühlt mit der Müdiflkation, daß jähe Ortsgruppe, Bezvrksleltion, Sondervereinigung sowie oie dom Landesverband angeschlossen-en Föderationen auf je 100 Mitglieder ein Mtgttev des Parbeirates wählen. Ortsgruppen Be^irisseltionen mit weniger als 100 Mitglieder können zwecks Wahl zum Parteivat zusammengelegt werden. Die zusammengesetzien Ortsgruppen (der Provmz) können auf je 76 Mitglieder ein Mltglied des Parteirates wählen. Für den Fall des Ausscheidens des Mitgliedes tritt der Nächste in der Liste an seine Stelle. Eine Vertretung durch die Ersatzdelegkerten ist nur bei den Ortsgruppen (der Provinz) gewählten Delegierten zulässig. Die Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees, die dem Verband an ge hörenden Mitglieder des Aktion Skomitees, ver Obmann des Parteigerichtes, der Paräeianwalt und je ein gv» schästsfühvqndes Mitglied der Präsidien des Keren Hajessod und Koren Kvjemeth haben im Parteirat Sitz und Stimme. Das Zivulsttsche Landeskoml-vv für Oesterreich hat dr seiner Sitzung vom 4 d. M. folgende Refforteinieiluirg getroffon: Dr. Leo Gold Hammer: Organisation uno Jugenoreserat; Frau Sophie Löwenherz: Frauenve-ferar; ' Dr. David Nothblum: Kulturrefevat und Keren Kafemekh; Dr. Alfred Löwh: Keren Hajessod; Salo Schmer, lo r: Schekel und Fainnzen. — Die Sprechstunden wurden ivie folgt festgesetzt: Dr. Leo Goldhammer: täglich ab halb 7 Uhr abends, Dr. David Rot'hblum: täglich van 9—10 Uhr vormittags, Frmr Sophie Löwenherz: Montag von halb 4 ms halb 6 Uhr nachmittags, Donner Stag von halb 10 bis 12 Uhr vormittags, Salo Schmerler: Montag von 7—8 Uhr abends. Rattengift für den Wemann. Die unglückliche Ehe Liechtensteins. entgegen beit Beschuldigungen, welche die verhaftete tä-attenmörderin Leopoldine Liechtenstein bei ihrer Einvernahme gegen ihren getöteten Gatten erhob, ersuchen mrs die Geschwister des Ermordeten um die Feststellung, baß Hermmm Liechtenstein keineswegs an den Mißhellig^eiten in seiner Ehe schnldtragend tvar. Als er zur Ueber^engung kam, daß seine Gatttn zn anderen Männern Beziehmtgenl unterhalte, entschloß er sich, die Klage auf Sch.idung seiner Ehe ans dem alleinigen Verschulden seiner Frau einzubringen. Im Februar 1924 wurde über diese Klage ein Vergleich des Inhaltes geschlossen, daß 'die Ehe einveirstäMich geschieden werde, die Frau jedoch ans Alimente Verzicht leiste. Bis zur Sch idrmg der Ehe hat Herr Liechtenstein nach Maßgabe seiner Einkommensverhältrnsse ausreichend für seine Gattin gesorgt; er 'hat ihr insbesondere, als er die Arbeitslosenuntersttitzung bezog, diese zur Gänze zur Bestteitung des ehelichen Haushaltes zur Verfügung gestellt. 'Daß der Ermordete gelruTÜtättgen Charakters gewesen wäre und seine Frau am Leben bedroht hätte, ist gänzlich unrichtig. Er lvar eilt ernster, besonnener Mann und wird als besonders gutmütiger'Charakter geschildert. Nach der Scheidung versöhnten sich die Eheleute wiederholt und nahmen 'die eheliche Gemeinschaft wieder auf. Ungeachtet dessen setzte die Frau ihre Beziehungen fort und wurde am 25. Februar v. I. von Ichrent Gatten in der gemeinsamen Wohnung bei Zärtlichkeiten mit einem ihrer Freunde überrascht. Die Folge davon tvav eine eheliche Szene, dis zu einer Anzeige der Frau Liechtenstein gegen ihren "Mann "führte. Nach einer abermaligen Trennung versohnteit sich die Eheleute wieder und in der Folgezeit kam es zu .den Giftmord ans chlä gen der Frau gegen ihren Gatten, die schließlich zu seinem Tode führten. Auffallend ist, daß die StaatSmtwaltschast evst nchchj i3moncmger Untersuchung der Polizei die Weisung gegeben hat, den Fall anfzuklären. Diese hat in wenigen Tagen die Berhastung der Mörderin vorgenommen und sie zum Geständnis gebracht. Bott seiten des Spitals wurde während der Behandlung und nach dem Tode des Liechtenstein wiederholt die Anzeige wegen Verdachtes ein« PergijAng m stattet.

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