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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-10 · Heft 2768 (10.11.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2768 (10.11.1926)
Date
1926-11-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©täte 4 Me», MMvoch M«»» Rattengift für den Ehemann. Sin nach eine« Sehr entdeckter Mord. Im September 1925 hat die Direktion des Wilhel- Minenspttals dem Polizeikomnnssariat Ottakring die Anzeige effdattet, daß 'der 'damals 29jährige "MetalldÄrkkergehilfe Hermann Liechtenstein, 16. Bez., Rankg. 29, wohnhaft, im Spitale Er brdenNichen Umstände« gestorben sei. Er war am 1. Juli v. I. im Spitale ausgenommen nwrden, hatte Uebelkeiten, Erbrechen und Gliederschmerzen, namentlich in den Waden, gezeigt, mar bis zum 1. September in Behcnürlnng "oes Spitals geblieben uckd dann als gebessert entlassen worden, ist am 8. September neuerlich ins Spitalt gebracht worden und am'27. September, um 7 Uhr abends, trotz der Bemühungen der Aeitzk gestorben. Schon damals wurde festgestellt, daß die Symptome der Erkrankung den Verdacht «wer chronischen Vergiftung nicht ausschließen. Liechtenstein hatte im Spital mitgeteilt, daß er jeweils nach dem Genuß von Speisen die Beschwerden empfunden habe. Die geriAliche Oeffnung der Leiche ergab den Befund, daß eine chronische Vergiftung Vorgelegen sein dürfte. Die Untersuchung wurde seither mit großer Intensität geführt. Es ergab sich ein gewisser Verdacht gegen die Gattin drs Verstorbenen« die am 20. April 1899 zu Wien geboreneLeopokdine Liechtenstein, geborene Rott. Sie wurde wickerholt verhört, hat aber bisher hartnäckig geleugnet, cm dem TÄ» ihres Mannes schuldtragend zu sein. Gestern ist es gelungen, die Liechtenstein zu einem Geständnis - zu bewegen. 'Sie hat ihren Mann nach und nach mit Rattengift vergiftet. Ans ihrem Geständnis und aus den polizeilichen Erhebungen ergibt sich folgender'Sachverhalt: Leopoldine Liechtenstein, die auch von ihren Angehörigen als schon in ihrer 'Jugend entartet geschildert wird, hat am 5. Oktober 1919 geheiratet. Ihr Mann war zuletzt in dev Metallwarenfabrik Karl Pvchtler beschäftigt, wurde aber später arbeitslos Und mußte von der Arbeitslosen-Unterstützung leben. Die anfangs glückliche Ehe hat sich seit 1922 unglücklich gestaltet. Die Frau begann, da ihr Mann, wie sie angibt, sie schlecht behandelte und ihr nur 10 Schilling von' der Unterstützung gab, Mt «totem Wöhrmann ein VtthMnis. MS der Mann im Februar 1934 davon echch'r, wurde die Ehe ei »verständlich geschieden. Die Frau zog zu ihren Eltern in der Geiselbergstraße, nachdem sie notgchrungen drei Monate auch nach der Scheidung mit ihm hatte leben müssen. Aber auch irr der elterlichen Wohnung will sie vor den Nachstellungen ihres Gatten keine Ruhe gehabt haben. Er ist öfter w die Wohnung gekommen und hat gedroht, sie und ihren Geliebten zu erstechen, wenn sie das Verhältnis nicht löse. Da sie sich vor den Drohungen fürchtete, zog sie wieder zu ihm. Im Vorjahre hat sie eine Erzählung gelesen, in der die Geschichte «wer Htmsmetsterin beschrieben war,'die drei Gattenhiniereinander mit Rattengift aus dem Leb en geschafft. Dieses Beispiel prägte sich in ihrem Denken so tief ein, daß sie, als sie am 23. oder 24. Juni v. I. 'durch Zufall bei einer Dwgerie vorbeikam, in deren Auslage Ra ttengift lag, sich ewe Tube dieses Giftes mit der Absicht kaufte, es dem Gatten in Lias Essen zu mischen. Die Tube mit Gift verwahrte sie hinter dem Küchengeschirr in der Kredenz und seither gab sie dem Gatten wiederholt Gift in die Speisen. Im ganzen hat die Frau aus drei nach und nach gekauften Tuben ihrem eigenen Geständnisse zufolge, Gift in die Speisen gegeben. Sie will es aber rmr bis zu dem Zeitpunkt verwendet haben, als Liechtenstein zum erstenmale in das Spital kam. Liechtenstein hatte seinem Schwager Zbvrka wiederholt über seine Magenbeschwerden geklagt. Bei ihm bekam auch Liechtenstein öfter Mahlzeiten und Zborka lud ihn sogar ein, ständig bei ihm zu speisen, was aber der Schwager mit dem Bedeuten ablehnte, er wolle nicht beständig schnorren. Hiezu erfahren wir noch folgendes: Hermann Liechtenstein, ein gebürtiger Ungar, war nach Wien zuständig. Er war Jude, erklärte sich jäoch später als konfessionslos. Im Spital wurde festgestellt, daß sich sein Zustand während der Spitalsbehandlung bckeUteNb gebessert hat, daß sich sein Leiden aber, sobald er in häusliche Pftege übergeben wurde, immer verschlechterte. Die Frau des ßtetfjttttjtem brachte ihm öfter imS Spital vergiftete Lebensmittel, was davaus geschlossen wird, daß sich nach« dem Genuß, dieser Speisen immer Ueblichkeiten einstellten. Drei Millionen illegale Kawanderer in Amerika. Aus New-NoÄ wird uns geschrieben: Der GeneMkommissär für Ei-nwan-derungswesen in den Vereinigten Staaten, Harry Hall, hielt vor einigen Tagen in New- Nork eine auifsshenerregende Rede über die unhaltbaren Zustände, welche gegenwärtig hinsichtlich der in Amerika lebenden Einwanderer herrschen. Amerika müsse endlich ein Gesetz schaffen. Mrch welches jene Emigranten, welche aus ungesetzliche Weise nach Amerika kamen, und trotzdem nicht mehr ausgewiesen werden können, als gesetzliche Einwanderer anerkannt werden. Die Zahl der Einwanderer dieser Kategorie betrage vivle Hunderttausende, manche schätzen sie sogar auf drei Millionen. Die gesetzliche Frist, innerhalb welcher solche Emigranten zurückgeschickt werden konnten, ist in den meisten Fällen bereits abgelauifen, so daß diese Einwanderer sich heute in der Situation befinden, daß sie weder deportiert noch als amerikanische Bürger naturalisiert werden können. Inzwischen wird der E m i g r a n t e n s ch m u ggel nach Amerika weiter betrieben, wobei die allermodernsten Verkehrsmittel in Anspruch genommen werden. Mit dem technischen Fortschritt des Einwandererschmuggels hält jedoch auch die polizeMche Abwehr gegen den Schmuggel Schritt. So wurde, wie uns aus New- Nork gemeldet wird, Ende vorigen Monats ein Luftschiff, welches den Einwandererschmuggel aus Kanada nach den Vereinigten Staaten berufsmäßig betrieb, von amerikanischen Einwanderungsinspektoren förmlich vevhcvstet. Das Flugzeug, das in der Nahe von Detroit landete, wurde zugunsten des amerikanischen Staates konfisziert und die vier ungarischen Emigranten, die hinWergoschmuggelt werden sollten, wurden in Hast genommen. Die amtliche Meldung über diesen interessanten Fall erklärt, aus verschiedenen Gründen die Ngmen der in Haft genommenen schwarzfahrervden Einwanderer nicht verlautbaren zu Dunen. Re SMgkeit der VaiMn-Me. Wir berichteten vor kurzem, daß die britische Regierung eigene PMstmaPässe ausgegeben hat, die oben den Aufdruck ,Irttifh paßports" in englischer, hebräischer und arabischer Sprache und als Untertitel ,,Prß- Port der iPalästinaregierung" trägt. Die Pcklästmapässe werden einen besonderen StompÄaufdvuck haben, in welchem ausdrücklich angegeben ist, daß der Inhaber des Passes nicht b e r e ch t i g t sei, ohne spezielles Msum und Einreisebewilligung nach England und die Kolonien einzureisen. Diese Einschränkung beruht auf dem Grundsatz der Reziprozität, indem auch der englische Staatsbürger mit seinem englischen Paß nicht ohne wetters nach Palästina und dem Irak reisen kann, ohne sich ein eigenes Visum für diese Mandatsgebiete zu beschaffen. „ Sin fideles Gesllnsnis. Erbaulich« Zustände iw amerikanischen Staatsgefängnis. Aus Newyork wird gemeldet: Aus dem Newyorker Tombs-Gefängnis unternahmen vor einigen Tagen drei Häftlinge ei ne »Fluchtversuch, wobei zwei Gefängniswärter von den Verbrechern erschossen wurden, die ihrerseits, als sie sahen, daß ein Entkommen unmöglich sei, Selbstmord begingen. Die eingeleitete Untersuchung hat nun, wie die Blätter Mitteilen, erbauliche Einzelheiten über die Zustände in diesem Newyorker Staatsgefängnis an das Licht gebracht. Es wurde festgestellt, daß das Tombs-Gefängnis ein wahrhaft fideles Gefängnis war, wo, die Häftlinge, meistens Schwerverbrecher, sich für ihr Geld mit den feinsten Speisen und selbstverständlich auch mit verbotenem Whisky versorgen konnten. Der mit der Untersuchung betraute Polizeikommissär teilt mit, daß zwei bekannte Newyorker Gastwirte geradezu offiziell mtt der Verpflegung der Häftlinge betraut waren und daß sie im vergangenen Jahr für 100.000 Dollar Speisen und Getränke an die Insassen des Staatsgefängnisses verkauft hatten. Das Gerücht, daß bei dem letzten Ausbruchsversuch dreier Gefangener Bestechung im Spiel gewesen sei, scheint seine Bestätigung zu finden. Es verlautet, daß zwei Gefängniswärter für 3000 Dollar es unternommen hatten, den drei Ausbrechern ihre Sache zu erleichtern. Die beiden verdächtigen Gefängniswätter sind bereits verhaftet worden und sollen wegen Borschubleistung zu einem Mord vor Gericht gestellt werden. Ser siebzigste Seburtsiag de» Sokrates Sr. Frankfurter. Hofrat Professor Dr. Frankfurter, der gewesene Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, wurde gestern aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages durch mannigfache Ehrungen der Gelehrtenwelt und der wissenschaftlichen und Humanitären Organisationen ausgezeichnet. Unterrichtsminister Schmitz gedachte in einem Glüchounschschreiben der Verdienste des Jubilars als Direktor der Universitätsbibliothek und als Konsulent des Unterrichtsministeriums. * Samstag schulfrei. Der Stadtschulrat für Wien teilt amtlich mit, daß auf Grund einer Ermächtigung des Bmiresminifteriums für Unterricht am Samstag, den 13. November kein Unterricht erteilt wird. Der nächste Unterricht an den Wiener, Schulen wird am Dienstag, den 16. November, «vtoA werden. M. MtzMker VW Nr. 2768 »« aBgenteine Wellenwechsel im enroMschen «adln. Aenderung der Wiener Wellen am 14. November. Die ständig zunehmende VeMchtung des europäische», Radionetzes hat eine derartige Beschränkung der verfügbaren Wellen geschaffen, >datz die Union der Sendegesellschaften daranging, einen für ganz Europa gültigen Wellenverteilu-ngsplap auSzuarbeiten. Es mußten hiebei nicht nur Wer 160 Stationen untergebracht, sondern auch Raum für die weitere Entwicklung des Sendenetzes geschaffen werden. Durch die Neuordnung werden fast alle europäischen Hörer gezwungen fein, die khnen langst vertraute Stellung des Absöimmittels am 14. November rnehr oder weniger zu ändern. Durch die neue Wellenverteilung werden nämiNch alle bestehenden Sendestationen so untergebracht, daß keine gegenseitige Störung mehr auftreten kann. In Oesterreich sind folgende Aenderungen durchzuführen: Der Rosenhügel, der in den letzten Monaten auf 668 Meter sendete, wird ab 14. Novernlber die Welle &1T benützen. Stubenring tauscht 682.6 gegen 677, Graz 402 gegen 3 66.8. Klagenfurt und Innsbruck werden von der Aenderung nicht berührt, da ihre Wellen schon auf Grund des neuen Planes festgelegt wurden. In Wien wird die Aenderung kaum bemerkt werden. Die beiden Aenderungen sind so klein, daß ab 14. November die Teilnehmer die gewohnte Abstimmung (das Maximum der Laurstävke) bei nur weniggeänderten Ab stimmmitte ln wieder finden werden. Sie tauschen aber den Vorteil ein, daß die Station Brü n n, dw in letzter Zeit eine benachbarte Welle benützte, so daß vielfach Storungen eintraten, mm nicht wieder in der Lage sein wird, den Detektorempfang in Wien und Niederösterreich zu stören. Gerideverrfuche auf der «errett Welle. Um den Radioteilnehmern Gelegenheit zu bieten, ihr« Apparate aus die neuen Wellen einzustellen. wird von heute bis Samstag täglich in Der Zeit von 16.80 Uhr bis 16.46 Uhr, bezw. 16 Minuten nach Schluß des WbendprogrammeZ durch eine Viertelstunde auf den neuen Wellen gesendet werden. Im übrigen wird der technische Direktor der „Ravag", Pros. Dr. Schwaiger, am Samstag, um 10 Uhr, fat Radio Anleitungen über die kleine Umstellung des Radioapparates geben. Sine Seilbahn aus den Schneeberg. Nun soll auch der Hochschneeberg eine Sellschwejbebahn bekommen. Die guten Erfolge, die die Raxbahn erziell, legen es nahe, daß auch für andere Hochgipfel die Errichtung einer solchen Anlage besprochen wird. Die Anrainer hoffen auf den Fvemdenzustrom, die Bvlkshygiene ist bestrebt, immer neue Luftreservoire für die Großstadt aufzuschließen. Diese Gesichtspunkte traten auch in der Versammlung des Gemeindevorstandes des Schneeberggcbietes zutage, die am Montag in Puchberg stattfand und zu der die Vertreter der Wiener Presse geladen worden waren. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Landtagsabgeordnete Dr. Klieber für den niederösterreichischen Frentdenverkehrsbeirat. Das Referat erstattete der Direktor der Wiener Seilbahn-A G., Ingenieur Lacom. Er hielt im Gasthaus Puchbergerhof, dessen Saal von Interessenten dicht gefüllt war, einen sehr interessanten Vortrag, in welchem er zunächst über die Sicherheit der Seilbahnen sich verbreitete und aus fehlen Erfahrungen als Leiter des Seilbahnwesens während des Weltkrieges in Südttrol Bemerkenswertes mitteilte. Er hat während mehrerer Jahrre nur zwei Seilbahnunfälla konstatiert; der eine war durch das mangelhafte Kriegsmaterial verschuldet, der andere durch den Streich eines betrunkenen Honvedsoldaten, der eine Kuppelung löste, so daß der Waggon abflürzte, wobei 19 Leute das Leben einbüßten. Die Sicherhett des Seiles ist heute überhaupt keine Frage mehr, und man hat sich nur mtt der Wänderung des veralteten und schon längst überholten Klemibahugesetzes zu befassen. Die Regierung steht einer solchen Novellierung sympathisch gegenüber, und es ist möglich, daß dem Natronalrat eine Vorlage dieses Inhaltes in Kürze zugehen wird. Er besprach sodann das Projekt der Schneebergbahn, dessen Kosten er insgesamt auf 16 Milliarden veranschlagt. Der Generaldirektor Modena der Aspangbcchn begrüßte das vyrgelegt« Projekt und erklärte, daß seine Gesellschaft gerne mtt einem Konsmtium die neue Bahn errichten lassen wolle. Er veranschlagte die Kosten auf etwa 30 Milliarden und verlangte, daß die Bermessungsarbeiten im Gelärtde durch das Bermessungsamt durchgeführt werden sollen. Am Nachmittag fand dann im Hotel Rode eine Sitzung der Gemeinden statt, die sich zu einem 18 Orte umfassenden Borkehrsverband zusammenschlofsen. Die Pressevertreter folgten sodann einer Einladung der Gemeinde Dreistetten, wo sie in dem bekannten Scherrer-Gasthaus, einem in seiner Art einzigen Museum, einige Stunden verbrachten. Am Abend kehrten sie dann mtt einem Sonderzug der Aspangbahn von Fischau ans nach Men zurück. Wien, 10. November 1926. * Das Wetter. Der Südföhn hält an. Auch gestern herrschte in ganz Oesterreich warmes Wetter. Tie Voraussage lautet: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, etwas kühler, westliche Winde, später Bessemng. * Festbeleuchtung des Rathauses am TüaatSfeiertag. Anläßlich des StaatSfoiertageS wir- Freitag das Rathaus vo» „8—9 iUhx abends fMlch oeleuchtch.

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