Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2765 (7.11.1926)
- Date
- 1926-11-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mö n, GbmüW i! I!! I i ) M. 27M; .- —-- .— - vr'-r:- .rv.:,,n..,::.-,.:r ':r:r::;r: ::r1 „MV ftr war ja in Erwartung gervesen," sagte die Me 5 HU mir. „Die gute, schöne Dmne, endlich füllte jj? ein Kindchen bekommen. Ja, da kann der MMN Mm Mb und Mb dm BschWd verlier«^ O, er mtc sie «och ÄWWck Mein -DW^kchDOe - M M^r Mrt erkaLete jäh. Md ich hörte roeiter, daß der WWv«, der sichst ftjft' nie das Haus verließ, jede Stacht nach jener ströchü- Varen Stelle pilgere^ wo die Gelebte abgestürzt. Nacht st« Nacht, Sommer nnd Winter, steige er allein — man hatte ihn oft beobachtet — hinauf zu jen«n FeLsstvrz «ch weihe ihr seine Andacht. .^ Mchw Drü«»eS Meine Träurnü?... Ja, waren es -noch Träum«?... War ich leLbhastiy ähin gefolgt? War «h ein Nachtwandlers Hatte mein nnterbttmchtcS /ULjyRCjr ii ■ i C itiiM >• Ich mußte fort. Ich sagte alsbald für den nächsten Dag mein Zimmer auf. Ja, ich haßte ihn, tiefer denn je» -weil er sic noch immer liebte, weil er «och die Tote nicht freigab für mich, sondern allnächtlich sie sich Mürckbeschwor. Und ich — ich hatte, immer noch, immer wiÄer, das Züschen. Wie der Traum es so bitter symbMfiert hatte. Mein Schmerz existierte nicht für ihn, er Wtzrsah ihrr, er hatte nicht genug vom lebendigen Glück, er mußte noch den Geist mir abwendig machen und entreißen. O ja, ich begriff, daß ich mich nicht bchrrrsr^n könnte. Wenn ich chm, im Warben, einmal begegne«, ich müßte ihm an den Hals, an die Gurgel, WwMje ihn töten.., Aber ehe i ch ab reifte, geschah es noch. Ich war zwölf Stunden zu lange gMeben, eine Nacht zu lange. Es regnete irr dieser Nacht. Es war kalt und windig. Niemand in der Pension ging aus, wir saßen alle in der kleinen Halle und sahen zu, wie der Hausknecht die Duve abschloß. Unsere Wirttn fragte, ob alle im Hause wären, denn sie pflegte den Türschlüssel abzuziehen. Als ich das erfuhr, atmete ich auf. Sv war es doch imr ein Traum gewesen, nnht Nachtwandel. Wie hätte ich, da kein Schlüssel steckte, hinausgekommen sein können? Durchs Fenster? Ich wohnte oben im Giebttstockwerk, itf) kannte nicht klettern. Nein, nur mein Geist war hinausgzeWveist. Oder noch eher, die Tatsachen draußen hatten hinM m mein Gehirn gestrahlt. Wir gingen alle früh zu Bett. Ws ich aus dem entsetzlichsten Traum «nvachte, war es gegen elf Uhr. Ach, ich hatte geträumt , Wird« war ich dem einsamen Wanderer gefolgt, Mattenhast, von ihm mißachtet, bis hinauf an den. Wstprz. Und da, als er wieder, ohne Blick und Gehör für mich, sich über den Abgrund beugte, um die Tote zu sehen, d-a packte ich ihn an. Ich riß ihn zurück, ich schrie: „Nein, nicht länger! Jetzt gehört sie mir! Du hast sie lebendig gehabt und genossen, laß mir die Seele." — Da lachte er, er lachte gellend und höhnisch und verächtlich. SÄn Gesicht hatte die Grimasse angeloiderten Hasses. Aber plötzlich verstummte er, er tv-urde weiß, im Regenschleier schimmerte sein Gesicht, jetzt Maske der Furcht, wie Schirr^: er hatte in meinen Augen gelesen. Er hob die Arme, er wollte schreien, sich auf mich werfen. — Aber da traf ihn meine Faust schon an der Brust, er taumelte, er stürzte rücklings mit erhobenen Händen, er verschwand mit einem Schlage, kopfüber, hinab in den Abgrund. Im nächsten Augenblick schlug es in der Tiefe dumpf auf,». Ich vereor das Bewußtsein von Welt und mir. Ich weiß nicht, wie lmrge. — Dann erwachte ich mit jagendem Herzeil, naß bis zunl Haar. Als wäre ich wie ivahnfttrnig durch den Regen gelaufen. Mein Haar troff geradezu. Dieser entschliche Albtraum hatte mir Ströme von Schweiß entpreßt. Ich schlief nur schwer und spät wieder ein. Ich schlief so fest, daß ich erst erwachte, als der Hausdiener mich rüttelte, ich mußte um halb sechs für das Frühschisf geweckt werden, mit dem ich reisen wollte. Er entschuldigte sich, er hätte vergeblich cm die Türe geklopft, ich hätte nicht geantwortet. „Aber ich hatte doch abgeschlossen," sagte ich noch tm Halbschlaf, Nein, die Türe sei offen gewesen, ich müßte mich beeilen. Und dann, er konnte es nicht länger bei sich behalten, er mußte es mir, dom Schlaftrunkene», sofort erzähle: ein Unglück war m der Nacht geschehe». Der Witwer, der Herr aus dem weißen Hause, war an derselben Stelle, an der seine Frau zu Tode gefallen war, ilbgestürzt. Schon uw Mitternacht hatten drei Burschen, die zum Tanz in der Stadt gewesen waren, heinckehrend ihn gesunden. Schon kcklt. Damit stellte der Bursche mse«a Wstche «rS Beit, sind er sagte noch: „Die sind saudreckrg' gewesen, Herr. M d«m Wetter geistern müssen Sie weit unterwegs gewesen frist" Er war schon draußen. Mir schwindelte. Ich taumelte »ns dem Bett, plötzlich, ganz wach und doch wie in Amur knd Nebel. Ich griff nach meinen Kleidern. — Ah, fe waren ja naß. — Trocken hatte ich sie auf den Stuhl retegt. — Und sie waren naß! Vom Regen aufgeweicht, jchhmutzt! Also tvar ich mit ihnen einen weiten Mg '■xd) Hirt’etter der Nacht gegangen. Mhne und Kunst. Bur^tchrva-Ve^ Mvvgen halb 8 Uhr ,MWt. Geraus - „Ster Eckig»" MeateigemÄ,we Seift % weG. Mk^ird« ,wi othe «rt^r. Morgen halb' 8 Wfc von heute". Ms nächste Novität gelangt das Lustspül „Tas Pvrn» von Hermann Btchr zur Aufführung, HiEtf folgt dir UmuffüheMg von ^SWel im Schloß" von Fv«G Nvlnar. Opcrnth-eater. Morgen „Der MasVenhatl" (Dfigtergenninde Serie T, rot). Deutsches B alk-SchV^t-L-r. Freitag gelangt asts Gedenkfeier von Schillers Geburtstag „WallenMnS Tod" mit MÜort Bassermann zur Aufführung. Der Künstler wkrd noch den Direktor Striese in „Der Raub der SaMnerinnen" darstellew; das Dienstmädchen Rosa wird Else Baffermann spielen. Theater in der Jos es stabt. Dienstag „Der Igel" mit Hans Moser. Mittwoch, Freitag und Sonntag „Fmmps erstes Stück", Samstag „Der Mann oh»« Mova^^ mit Richard Roman owÄy. Bürgertheate r. Dienstag beginnt Ernst Arnold ein mchrtägiges Gastspiel in der Rolle dos Fiakers in der Operette „Der -Mitternachtswalzer". » -Modernes Th va t-e-r. MS erste MarchenvovftÄlung wrrd eaS Märchenspiel „Bruder Lustig" von Marie Wisdemann vorll>ereitet. Bwlksop-er. Morgen gastiert Gustav Ehorjan von der Warschauer Staatsoper als Jose in „Carmen" Neides von Bernhard Shaw. Bernhard Shaw hat die Aufführung seines neuen Stückes im Everyman-Theater von der Bedingung abhängig genracht, daß in dem Theater eine neue Zentralheizung eingebaut wird. „Er könne es," sagt er, „seinem Publikum: u »«möglich zumuten, sein Stück bei der alten, schlechten Heizung frierend und zähneklappernd zu ertragen." — Zu dem jährlich stattsindenden Austernfest von Colchester hatte der Bürgermeister auch Bernard Shaw eingeladen. Der Dichter lehnte jedoch dankend ab und erklärte in seinem Antworttelvgramin, nach seiner Ansicht seien Saubohnen ein vorzüglicher Ersatz für Austern. Er habe nichts gegen Feste und wolle hiemit angeregt haben, im Frühjahr ein Bohnenfcft zu feiern. Serichtrsaal. feggttt Lßd am B. Cftitibto vertagte DechantSung wegen B-er. d-a-itches von P r-nf-n n-g ss ragen on Hörer der TechnL« sihen Hochschule, deren -der 38ljährige. Gowerbsschulprafessor und Assistent an der Technik Arnold Pas ch-e r und der Ma-, schineningeniour M. Brühl lbcschulbigit wevden, wurde gestern vor einem Schiffsewsenat unter dem Vorsitz des HöfrateZ Dr. Ezerny z» Ende geführt. Die Anklage lautet auf das Verlbrecheu des Mißv»>auchede.r Amtsgewalt Dt« UngeKagten wurden von Dr. Lattich und Doktor Presibuvgsr »»ertvSdiK. Paschnee war AMtent an der Sehrs kanAel des Professors Sei dl er «für iMaschinenelevlente. Er stluch im Rufe eines sbreugen, unnachsichtigen Prüfers. Im Juli 1M8 erfuhr Professor Geidiier, daß Pascher Zeichnungen, dlie Brühl in seinem RachMfcknrs für T-cchMer durch seine Ingenieure hatte ansertigen laßen, an« gerwmmen und Gchai-nprüifnngen m dor 28eife abhielt, daß er Fragen stellte, die gegen Vegahlung schon vor der Prüfung bei Brühl zu erfahren waven. Pascher gab di« Verfehlungen zu. Es itam hervor, daß drei Hörer für Zcichnnngen und PrüjfungSfragen Beträge von Mi, 680 und 380 Schilling befahlt hatten. Zur ersten BerhanÄlrmg war lder Angeklagte Paischer nicht erschienen, weswegen die Verhandlung vertagt werden mußte. Paischer, der zwei Tage unau-ffinvbar gswesen war, wurde bann in llntersuch«rngShafä genommen. Der AngoKagte Brühl hatte in der ersten Verhandlung jedes Verschulden bsstvitten. Er habe ^lediglich PrüfungSfra« gen gesammelt, um sie seinen SchüLern zu LtzbungStzweckeu vorzulegen. Auch Pascher «Märte sich nichtschuldig. Ich wurde, sagte er, am 16. Juni 1828 von Professor Seidler und dem Dekan U r b a n e l verhört und habe mehr gestanden als der Wahrheit entsprach, weil mir der Dekan mit dom Staatsanwalt drohte. Ich gestand, von dem Kandidaten Duischek 360.000 Kronen für Prüfungsfragen erhalten zu haben, obowohl .Herr Brühl mir >dv§ Geld als Unterrichtshonorar für -den Studenten K nlb c r. übergab. Beim Untersuchungsrichter habe ich auch alles zugegeben, um nicht in Untersuchungshaft zu kommen. Ei» Rathenau-ZLwmer m der Frankfurter Galerie. Das Beomächtnis der verstorbenen Frau Geheimrat Rathenau enthält die Bestimmung, daß eine Sainmlung von Gemälden, die von Walter Rathenau erworben worden tvaren, der Gemäldegalerie des Städelschvn Kunstinftituts in Frankfurt am Main zufallen soll. Gemäß dem Wortlaut des Testaments wird diese Stiftung in eme»n eigenen Raum untergebracht, der die Inschrift tragen wird: „Zum Andenken an Walter Rathenau. Geschenke seiner Mutter." Es handelt sich um eine größere Anzahl von berühmteir Bildern erster Meister, wie Max Klirrger, Max Liebermann, Manet, Ferd. Knaph, Krügar u. a. ür. (I. T.-A.) „Dir Abenteuer des bvavon Soldaten Schwejt" von Jaroslav H a sek liegen nun mit dem Erscheinen des Avditen Bandes koniplett vor und sind zum Preise von 12 Schilling für die broschierten und 18 Schilling für die gebundenen Bände durch die Buchhandlung R. Löivit, Wien, 1. Bez., Rotenturnistraße 22, zu beziehen. Ein Standardwerk der Kunstgeschichte haben -wir soeben in ganz neuer Ausstattung herausgebracht Das alte Testament Im Bilde foft Theodor Ehrensteln Bin IlHurtrationsureric in Groöquart zirka 1000 Seiten stark» mH Über 2000 Abbildungen auf feinstem Kunstdmokpapier Herrscher Qan^einenband nrit (SoNpsHsrnv Preis WO iSchilding Sie Kunst von sechzig Gonerattonen, mH der frfihohristlichen Aera beginnend, bla zu unseren Lagen» wird in diesem Werke vojgefBhrt R. LOWIT VERLAG /y WIEN 1. RotonturmstraSe 22 101 In später Nachtstunde wurde die Verhandlung zu Ende geführt. Beide Angeklagte wurden zu acht Monaten schweren Kerkers verurterlt. Beide Verurterlte meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Paischer wurde enthaft-et. fet »rote ganek" vor dem StandserM- Ei« TodeSarteil gegen einen Räuberhaaptnromr. ÄOns W-arschan tvird uns gemeKw-tr Nqchdem der RauberHckuptmann Z ieNn fVi bei seiner Verhaftung! fcn Kamps mit der Polizei erschossen wurde, stand vorgesterir sein Komplize, Wladysiatv Lnkawski, in Berbrecherkreisen unter dem Spitznanren „der rote Janek" bekannt, vor dem Standgericht. Nach durchgeführter Verhandlung tvnrde Lukawfli zum Tod durch Erschießen verurteilt. Bei der Nvteilsverkündung bat die Frau des Raubmörders' den Gerichtshof, laut jammernd, mit'Rücksicht all f ihr fl ei* ne5 Kind, um Gnade. Da der Staatspräsident das persönlich vorgetragene Gnadengesuch des Verteidigers abigelehttt hat, würde das Uttvil am Morgen des mn-'Vr Tages v-vllftreclßt. Aefälsthtr nngartfchc Monennote«. Im Zusammenhang mit einem beim Landesgericht anhängigen Prozeß wegen Fälschung von ungarische» Kronenuoten zu einer Milrion fand gestem beim Stvasbozirksgerichtl eine Berhündlung gegen den Prodiflousvertreter Mraham Wolf Sommer ferd und den Pserdchündler MendebDrox° ler statt, wett ftc den Versuch mrternonmren Hatten» ztuei falsche! Noten zu verwerten. Sie habe« yiednvch die Uebevtrvtung des versuchten Betruges begangen. Somm>evfeP soll vor dem Cafe Bürgercheater am 24. April d. I. Von Drexleo ®toei Noten erhalten haben, die er kn feinem Aermel versteckte. Ein Kriminoweamter beobachtete sie dabei «nd verhaftete beide. Nach dreimonatiger Untersuchungshaft, tzie gegen die Seiden wegen des Verbrechens der Fälschung' von üffentrichen Kreditpapiere« verhängt wurde, gelangte das Verfahren! 1» der Richtung deS Verbrechens gur i nsterrun g pnd gegen Sommerfeld und gegen Dvexler wurde die obenerwähnte Anklage wegen Uebertretmrg des Betruges echüben. Bor dem BeziErichter Dr. Neudeck eMärte Sommerfeld, Seine Aymmg gehabt z« haben, daß die ihmi (von Drexler übergebenen Noten falfth, iwavev» Es Wöe sie rrrrr deshalb im Aermel versteckt, well er eine Beanstandung wegen mrbefngte» BakutenhandelS befürchtete. Die «ngarifchen Noten Me er zur Bezahlung ein« Faktuva benötigt. Drexler leugnete jedes Berßhulden und behauptete, dem Sommerfeld überhaupt keine ungarischen Note» Wergeben g« haben. Der Richter verurteilte beide Beschilldigte zu je vierzehn Tagen Arrest, loevche Strafe durch die ausgestandene Untersuchungshaft als Verbüßt erscheint. -Die Verurteilten meldeten gegen Schnld und Strafe die Berufung an.